Geschichten von der Executor

Teil 2 von ?


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.






Eine kulinarische Herausforderung

 

Die letzten Tage waren nicht so gut. Kaum heißt es mal, dass der Imperator zu Besuch kommt, flippen alle aus. Als wenn es den interessieren würde, ob auf einem imperialen Stiefel ein Staubfuselchen klebt oder nicht. Ja, der Captain hätte sich sogar mit Putzfetzen über Vaders Helm hergemacht, sofern der ihn gelassen hätte.

Egal, hat ja niemand behauptet, dass der Job nur Sonnenseiten hat.

 

Jedenfalls saß ich relativ sicher vor einer Konsole, die mir ständig den Status der Schilde anzeigt, nicht gerade sehr interessant für den Imperator, als mal wieder etwas Unerwartetes geschah.

 

Über das Generalkomm kam eine Meldung rein: „Mylord, ich fürchte auf dem Schiff wurde ein terroristischer Anschlag verübt.“

 

„Was?“, fragte Vader ungehalten. Auch Ozzel und Piett waren sofort ganz Ohr.

 

„Nun, äh, es sieht so aus, als ob alle Köche an Bord vergiftet wurden. Sie liegen jetzt alle bewusstlos in der Medisektion des Schiffes.“

 

„Oh nein“, hauchte Piett wie ein entsetztes Burgfräulein.

 

Ozzel wandte sich stattdessen pragmatisch an Vader: „Würde der Imperator den Unterschied zwischen einem Energieriegel und einem Steak erkennen?“

 

Vader ignorierte ihn. „Ich denke, ich kenne eine Lösung für dieses Problem. Dieses Kochen kann doch nicht viel schwerer sein, als einen Droiden zusammen zu schrauben.“

 

„Ich kenne ein paar Rezepte“, bot Piett hilfreich an. Natürlich warfen ihm die Männer des Schiffes sofort scheele Blicke zu. Der Captain und so eine unmännliche Beschäftigung? Unerhört! Piett räusperte sich. „Meine Mutter hat mich immer gezwungen, ihr dabei zu helfen“, entschuldigte er sich schwitzend.

 

Ozzel meinte: „Wir sollten keine Sturmtruppler heranziehen, die essen ja immer nur diese Energieriegel, daher wissen sie nicht was das Wort ‚Essen’ überhaupt heißt. Von einem Nerfbraten oder saftigen Bantharippchen in Kresselkrautsauce wissen die ja nichts.“ Bei den letzten Worten begann der Admiral merkbar zu sabbern.

 

Vader nickte, bei seinem Helm sieht das immer besonders cool aus.

 

Und so war es beschlossen. Nur die geschickten Händchen der hohen Offiziere durften sich daran versuchen, das plumpe Fußvolk wäre für solch anspruchsvolle Aufgaben ja viel zu grobschlächtig!

 

Tja, deswegen landete ich in der Küche, genauso wie andere Brückenoffiziere, Vader, Piett und vor allem Ozzel, der sich so einen Spaß höchstens entgehen lassen würde, wenn ihn ein paar Bantharippchen riefen.

 

Alle blickten erwartungsvoll zu Piett.

„Äh, meine Mutter hat oft Nerfschnitzel mit geröstetem Hubbakürbis gemacht.“

 

Vader öffnete neugierig die Kühlkammer. Ich lugte hinein, so wie alle anderen. Da befand sich durchaus Fleisch, aber da war noch Fell dran! Und auch Köpfe und so weiter! Keine Ahnung, wie die Viecher haltbar gemacht wurden.

 

Alle blieben eine Weile stumm stehen und sahen sich das Desaster an. Noch dazu blieb wenig Zeit, bis der Imperator kam und vielleicht eine Mahlzeit wünschte.

 

„Wissen Sie denn nicht, wie man etwas ausweidet?“, fragte Ozzel Vader herablassend. „Man sollte doch meinen, in der Folterkammer...“

 

„Wofür halten Sie mich eigentlich?“, fragte Vader pikiert. „Für solche Dinge hatte ich immer einen Chirurgen dabei.“

 

Zusammen hoben wir einen der Nerfs auf eine der langen und breiten Kochflächen. Puh, war dieses Vieh schwer! Doch schließlich lag der Nerf in all seiner haarigen Zottelpracht da.

 

Vader schnappte sich ein sehr langes und scharfes Messer, und versuchte den Nerf zu häuten. Doch es schien nicht so recht zu funktionieren. Vader zerrte und zog wie ein Irrer an dem Stückchen Haut, das er schon losgelöst hatte.

„Jetzt reicht’s! Spüre die Macht der dunklen Seite!“

Offensichtlich verwendete er seine Künste in der Levitation. Es funktionierte auch, aber er hatte eines nicht bedacht: Blut spritzte wie wild durch die Gegend.

 

Als Reaktion nahm Vader sein Laserschwert und hieb dem zukünftigen Schnitzel einfach den Kopf ab. Ein bisschen wütend wirkte er da schon.

 

„Aus diesem Nerf könnte man viele Braten machen“, murmelte Ozzel geifernd. Ich fragte mich, wie viele Nerfs wegen diesen Mann schon dran glauben mussten.

 

Piett ging fachmännisch um den gehäuteten Tierkadaver herum. „Ich weiß nur nicht genau, welcher Teil hier am besten für ein Schnitzel geeignet ist.“

 

„Was, sie meinen doch nicht etwa dieses Muskelgewebe?“, fragte Vader völlig baff. „Das ist doch viel zu zähfasrig. Sind Sie sicher, dass man nicht Leber oder äh...“

 

Alle glotzten Vader an, der jetzt erst merkte, wie viel Ignoranz er eigentlich preisgegeben hatte.

 

„Ich meine“, setzte er an.

Melodramatisch: „Ach, ihr könnt mich alle mal! Viel Spaß wenn der Imperator euch häutet.“

 

„Mmm, geröstete Leber“, schwärmte Ozzel provokant.

 

„Hören Sie endlich damit auf, vom Essen zu schwärmen!“, herrschte Vader in endgültig ungehalten an. Sein Ausbruch wurde wie durch ein Signal von einem Magenknurren bestätigt.

 

Aha, das funktioniert bei ihm also noch!

 

„Ich denke am Hintern ist das geeignetste Fleisch“, entschied sich Piett endlich und ergriff entschlossen ein Messer. Er schnitt etwas herunter, das auf einer Seite vielleicht ein paar Millimeter dick, aber auf der anderen Seite einige Zentimeter Dicke aufwies. Beim zweiten Versuch war es gleichmäßiger.

 

„Und was tut man jetzt damit?“, fragte Vader deutlich fasziniert.

 

„Jetzt klopft man es mit Kraft und einem flachen Gegenstand.“

 

Ich reichte Vader hilfsbereit ein Utensil, das der Beschreibung genug entsprach, um zu funktionieren. Klarerweise übertrieb Vader es mit der Gewalt. Bam! Bam! Bam! Daran war alleine der Captain schuld, hätte der doch nicht „mit Kraft“ gesagt!

 

„Das ist gut so“, meinte Piett, das zwei Millimeter dicke Schnitzel betrachtend. „Aber jetzt müssen wir uns um die Beilage kümmern, die braucht nämlich etwas länger.“

 

„Ich weiß nicht“, zweifelte Ozzel. „Warum sollte sich Ihre Majestät mit etwas so primitiven wie einer Beilage vergnügen, wenn Fleisch auch zur Auswahl steht? Gemüse ist doch eher etwas für Weibchen.“

 

„Wissen Sie, die Beilage bildet eine Art geschmacklichen Kontrast. Deswegen essen die meisten Leute sie gerne.

 

„Oh, ich habe die immer für schmückendes Beiwerk gehalten.“ Er trommelte sich mit den Fingern leicht auf den Bauch.

 

Der mörderische Blick des Captains verhieß nichts Gutes für den Admiral. Ich habe dauernd so das unbestimmte Gefühl, dass er eines Tages für all seine blöden Sprüche bezahlen wird.

 

Piett ging in die Kühlkammer und kam mit einem Kürbis wieder hinaus. Er betrachtete ihn kurz nachdenklich und etwas verloren.

 

„Mylord, könnten Sie ihn bitte schälen? Ich denke, Sie sind hier von allen am Schnellsten.“

 

Vader nahm sein Messer und machte sich gleich an die Arbeit. Der Kürbis wurde geschält, gewürfelt und die Kerne entfernt.

 

Piett erhitzte die Kochplatte. Dann machte er sich an die Arbeit, die Würfel zu rösten. Doch plötzlich wurden sie ganz schwarz am Rand. „Oh, oh. Was mach ich jetzt nur, was mach ich jetzt nur.“

 

Plötzlich wurden aus den Kürbiswürfeln Eiswürfeln. „Ich habe es mit der Machtkühle wohl etwas übertrieben“, entschuldigte Vader sich beim entsetzten Captain.

 

Piett raffte sich die Haare, wobei auch einige in seinen Fingern hängen blieben. „Wollen Sie mich umbringen?!?“

 

„Momentan nicht. Nur falls Sie versagen.“

 

„Können Sie die Würfel bitte wieder auftauen?“

 

„Nein, natürlich nicht. Es ist ganz einfach, Captain, Kälte: dunkle Seite, Wärme: helle Seite“, erklärte es Vader mit einem Tonfall, als wäre der Captain ein kleines Kind.

 

Ozzel erklärte den anderen hilfreich, was der dunkle Lord gemeint hatte: „Eine Jedi kann ein gutes Schnitzel machen, schätze ich. Ein Sith muss sich hingegen wohl mit Eiscreme begnügen. Wobei begnügen...“

 

Vader piekste ihn heftig mit dem Zeigefinger in den Bauch. „Was habe ich ihnen vorhin befohlen, Fettsack?“

 

„Zwischen schwärmen und anhimmeln ist immer noch ein Unterschied!“, schrie Ozzel empört.

 

Piett tat die gefrorenen Würfel wieder in die Pfanne und heizte ganz vorsichtig an. Es dauerte nicht lange, bis eine püreeartige Masse die Pfanne ausfüllte. „Na gut, mit den richtigen Gewürzen schmeckt das sicher auch gut.“

 

Ozzel fuhr mit dem Finger in das zukünftige Essen des Imperators rein, um davon zu kosten. „Also ich finde, das schmeckt fad“, meinte er, alle entsetzten Blicke ignorieren. „Was denn, habt ihr noch nie einen Admiral gesehen?“, herrschte er die Meute an. Dann ging er zu einem Kasterl und holte ein Pulver raus. „Da muss noch mehr Schärfe rein“, befand er und schüttete gleich ordentlich rein.

 

„Wah!“, schrie Piett wie ein Tuskenräuber und versuchte Ozzel mit einem Hechtsprung wegzustoßen. Ozzel fiel auf Vader.

 

Unerfreut: „Na toll, jetzt muss ich meine Rüstung mindestens eine Woche in Natronlauge einlegen, damit kein Partikelchen mehr von seiner Berührung übrig bleibt. Was sollte das überhaupt, Captain?“

 

„Wenn es zu scharf ist, kann man es nicht mehr retten!“ Piett sah auf sein Chronometer. „Es bleibt nur noch eine Viertelstunde Zeit, bis der Imperator kommt! Und wir müssen uns noch umziehen.“

 

Er probierte mit einem Löffelchen vom Püree und verzog das Gesicht. „Ist ein bisschen scharf.“

 

Ozzel meinte: „Vielleicht kann man es ja übertünchen. Er griff entschlossen zum Salz.

 

„Neeeeein!“, schrien alle sofort aus vollstem Halse.

 

„Ich bin immerhin ein Admiral“, erwiderte Ozzel hochmütig. „Für mich existiert das Wort ‚Nein’ nicht.“ Trotzdem stellte er das Salz beiseite, zum Glück.

 

Piett versuchte alles mögliche. Dann wandte er sich dem Schnitzel zu. Das Braten verlief ausnahmsweise ohne Probleme. Das Schnitzel und die Beilage kamen in eine Warmhaltebox und wir rannten alle wie die Irren los, um uns die Paradeuniformen zu hauen.

 

Etwas später standen wir alle brav in einer Reihe aufgefädelt, um ihre Majestät, den Herrscher der ganzen Galaxis, in Empfang zu nehmen. Vader stand ganz vorne, so wie es sich gehörte.

 

Schließlich landete die schneeweiße Fähre elegant im Hangar. Die rote Garde verließ das Schiff, dann verließ der erstaunlich fragil wirkende alte Herrscher sein Transportmittel.

Vader kniete sich sofort nieder.

 

„Ihr wirkt ein wenig... feucht, mein Freund.“

 

Oh man, offensichtlich hatte Vader bei seiner umständlichen Rüstung gar keine Zeit mehr sich frisch zu machen.

„Das ist nur Blut“, antwortete Vader sofort ruhig.

 

„Menschliches Blut?“, fragte der alte Mann neugierig.

 

„So ähnlich“, antwortete Vader und man merkte seiner Stimme an, dass er sich unbehaglich fühlte. „Ich hoffe, Euer Flug war angenehm?“, versuchte der Sith Lord schnell ein Ablenkungsmanöver.

 

„Ja, aber jetzt könnte ich einen ganzen Rancor vertilgen. Ich wünsche sofort eine köstliche Mahlzeit.“

 

Den Rest der Geschichte kenne ich leider nur vom Hörensagen, weil ich persönlich nicht anwesend sein konnte. Naja, jedenfalls lief es angeblich so:

 

Der Imperator wurde in einen hübschen Saal geführt, wo er dann eine Menge mit Vader über das Imperium, Himmelbetten und ähnlichen wichtigen Kram geplaudert hat.

 

Dann kam das Essen. Die gelben Augen bohrten sich verächtlich in den Teller, als handele es sich dabei um Meister Yoda.

„Das ist nicht ganz das, was ich erwartet habe. Sagt mir Lord Vader, worum handelt es sich bei diesem Mahl eigentlich?“

 

„Dabei?“, fragte Vader mit gespielter Überraschung. „Nun, ich habe den Admiral rein zufällig darüber reden hören, dass euch eine lokale Spezialität bereitet werden solle.“

 

„Hmm, lokal. Wir befinden uns doch im Orbit von Sullust, oder?“

 

„Ja, das ist korrekt.“ Vader stand sehr steif an seinem Platz, die behandschuhten Hände fest auf der Lehne.

 

„Ich wusste gar nicht, dass es auf Sullust Nerfs gibt.“

 

Vader schien sich innerlich zu winden. „Doch, mein Meister. Es gibt da eine besonders kleine Zuchtform, die auch in Höhlen gehalten werden kann.“

 

Sehr interessant, finde ich das. Vielleicht sehe ich mir ja einmal ein paar von diesen Miniaturnerfs an, möglicherweise eignen sie sich ja als Haustiere für meinen Palast.“ Palpatine lächelte, während er an diese Möglichkeit dachte.

 

„Ich fürchtem sie sind nicht stubenrein.“, gab Vader sofort hilfreich zu bedenken. „Ihr wäret mit einer anderen Spezies vermutlich besser beraten.“

 

„Wenn Ihr das so sagt, Lord Vader, muss es ja stimmen“, gab der Herrscher überaus freundlich zu.

 

„Danke, Meister. Euer Vertrauen ehrt mich.“

 

„Und Eure respektvolle Fürsorge ehrt mich“, entgegnete Palpatine das Kompliment honigsüß.

 

„Ihr seid zu gütig“, winselte Vader verlogen.

 

Palpatine griff nach der Gabel und nahm nachdenklich einen Bissen des Gemüses in den Mund.

„Sehr interessant. Man könnte es vielleicht mit noch ein bisschen mehr Schärfe verbessern.“

 

„Meister, die Köche mussten auf Euren empfindlichen Gaumen Rücksicht nehmen! Bei Eurem gehobenen Alter...“

 

„Natürlich“, gab der Imperator friedfertig zu. „Als Gourment bin ich nur ein wenig zu anspruchsvoll. Es würde mir allerdings nie einfallen, mich über solch gehobene Kost zu beklagen. Sagt, Lord Vader, die Garstufe dieses Schnitzels, denkt ihr man kann hier von gut durchgebraten oder eher rosa sprechen? Oder sollte man in diesem Falle eine neue Kategorie einführen?“ Er hielt ein angeschnittenes Stückchen hoch, das eindeutig trocken aussah.

 

„Wie wäre es mit ‚fertig’?“, schlug Vader mit sehr monotoner Stimme vor.

 

„Sehr gut. Euer Pragmatismus verfehlt es nie, mich zu amüsieren.“

 

Vader starrte ihn stumm an.

 

„Jetzt interessiert mich aber wirklich, warum ihr so blutig seid. Eine blutigere Sitzung in der Folterkammer?“

 

„Ich habe jemanden die Haut abgezogen“, antwortete Vader wahrheitsgemäß.

 

„Ich glaube, das nächste Mal, wenn ihr mir einen Nerf zubereitet, solltet Ihr Euch vielleicht helfen lassen, denkt Ihr nicht auch? Habt Ihr das Rezept etwa von eurer Mutter?“

 

„Das nächste Mal mache ich Bantha-Rippchen“, versprach Vader geflissentlich.

 

„Das würde meinen Gaumen sehr erfreuen, mein Schüler.“

 




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