Afterwards




Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.






Beinahe liebevoll ran er eine Hand über das wohlbekannte Metall.

„Tut mir Leid, Lando, aber ich denke, dass du sie fliegen musst. Ich kann noch immer nicht gut genug sehen und will nicht riskieren, dass ich womöglich die falschen Knöpfe drücke. Außerdem bin ich auch etwas müde.“

 

„Sicher Han“, erwiderte Calrissian und ließ sich langsam in den Pilotensitz nieder, wobei er den Corellianer jedoch mit einer Mischung aus Mitleid und Reue betrachtete. „Hey Han, ich… Ich bin…“

 

„Vergiss es, Lando. Es ist nun vorbei. Du hast mir da draußen geholfen, also vergiss es einfach, okay?“ Erschöpft fiel er in den Navigatorensitz.

 

Leia, die hinter ihm Platz genommen hatte, griff nach seiner Hand. Den unfokussierten Blick traf sie mit ihren Augen, die Angst und tiefe Liebe für ihn erkennen ließen.

 

Han versuchte sie etwas zu beruhigen, indem er ihre Hand drückte.

Das vertraute Gefühl des Energieschubes, als der Falke abhob, durchflutete ihn. Bis zu diesem Zeitpunkt wirkte seine Rettung unwahr, doch nun hoffte er, dass er nie wieder einen Fuß auf Tatooine setzen müsse. Getroffen von einer plötzlichen Schwäche, legte er seinen Kopf zurück, während er noch immer Leias Hand hielt.

 

Diese dagegen studierte Hans schmales, blasses Gesicht. Innerlich hatte sie sich auf die Möglichkeit, nie wieder seinen starken, rauen Griff spüren zu können, vorbereitet. Dankbar, dass ihre schlimmsten Befürchtungen nicht in Erfüllung gingen, umspielte ein Lächeln ihre Lippen.

„Han, ich…“ Es gab tausend Dinge, die sie ihm in den unzähligen, schlaflosen Nächten sagen wollte. Es gab tausend Dinge, für die sie hoffte, die Gelegenheit zu bekommen, sie ihm sagen zu können. Dinge, die sie niemals zuvor jemand anderem mitteilte. Aber nun, wo sie in seine haselnussbraunen Augen blickte, war sie nicht in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen. Zum ersten Mal in ihrem Leben als Prinzessin, Senatorin und Diplomatin, war Leia Organa sprachlos.

 

Han schenkte ihr jenes typische Grinsen, an welches sie vor vielen Jahren ihr Herz verloren hatte. „Nun werden mir hier alle weich“, zwinkerte er ihr zu. „Jeder wirkt so froh, mich zu sehen.“

 

Sie biss sich auf die Unterlippe, um ihren Gefühlen Einhalt zu gebieten. Das letzte Mal, dass sie geweint hatte, war in ihrer Zelle auf dem Todesstern gewesen. Nicht nach der Folterung durch Darth Vader, aber nach der Zerstörung Alderaans und dem Tod ihrer Familie. Sie hatte selbst in all den Monaten, in welchen sie nach Han suchte, keine Tränen zugelassen. Doch nun lief ihr eine einzelne über die Wange und hinterließ seine Spur, durch Staub und Sand, auf ihrem Gesicht.

 

In einer fast beiläufigen Geste, wischte Han das Nass fort und küsste sie zärtlich, bevor er ihre Hand erneut in die seine nahm.

Seine Augen waren geschlossen, und er schien bereit, in den Schlaf zu fallen, doch konnte er dies im Cockpit unmöglich tun.

 

„Han“, sagte sie sanft. „Komm, lass uns in deine Kabine gehen. Dort kannst du dich richtig erholen.“

 

Langsam sah er sie an, nickte schwach und streckte sich. Leia bemerkte augenblicklich, wie er sein Gesicht in Schmerzen verzerrte und leise ächzte. Taumelnd gelangte er auf seine Füße, während Chewbacca seinen Freund mit einem besorgten Blick betrachtete.

 

Gleichzeitig griffen er und Leia nach Hans Armen, als dieser erneut schwankte.

 

„Hey ihr zwei, hört auf damit“, lachte der Corellianer. „Mir geht es gut. Ich brauche einfach etwas Schlaf.“ Er verließ träge das Cockpit, Leia immer nur einen Schritt entfernt.

 

Sobald sie schließlich die anderen hinter sich ließen, umfasste sie ihn fest, so als ob sie Angst hätte, ihn gehen zu lassen.

 

Han erwiderte ihre Umarmung, seine Wange auf ihrem weichen Haar ruhend. Er konnte ein Wimmern nicht unterdrücken, als sie ihren Griff um ihn verengte.

 

Leia reagierter sofort, gab ihn frei, entfernte sich von ihm und studierte seine Form.

„Han“, fragte sie in einem Ton, der ein Ausweichen nicht erduldete, „wie fühlst du dich- wirklich?“

 

Er lächelte auf sie hinab und bewunderte ihre Schönheit, nahm ihren Anblick in sich auf, während sich seine Sehkraft mit jeder verstreichenden Minute langsam verbesserte.

 

Leia betrachtete sein langes Schweigen als Widerstand ihr zu antworten. Wovor hatte er Angst, dass er ihr nichts sagte? „Gut?“, forderte sie bedrohlich, mit einem ängstlichen Flehen in ihrem Ton.

 

Han bemerkte die aufrechte Sorge in ihrer Stimme und erwiderte ehrlich: „Leia, ich werde bald wieder der Alte sein, glaub mir. Ich bin einfach viel müder, als ich es jemals zuvor war und…“, er zögerte, „ein wenig verwundet?“

 

„Verwundet?“, fragte sie nach.

 

Han lachte über ihre Beharrlichkeit. „Alles schmerzt, Leia. Meine Muskeln fühlen sich so an, als ob sie durch einen Abfallstampfer geraten sind. Vermutlich dauert es auch noch eine Weile bis… die Kälte sich vollständig verzogen hat. Das ist alles, okay?“ Beruhigend küsste er ihre Stirn. „Nichts Ernstes.

So, wie sieht es aus? Lässt du mich in meine Kabine, bevor ich auf den Boden falle?“

 

Ein Lachen war nicht zu unterdrücken. „Dann lass uns gehen, Fliegerass!“, stimmte sie zu, legte einen Arm um seine Taille und half ihm über den Flur zu seinem Quartier.

 

Als sie seine Tür erreichten, stoppte Han und ließ eine Hand über die Türsteuerung streifen. „Daheim“, flüsterte er.

 

Leia versuchte den Kloß, der sich langsam in ihrer Kehle bildete, und die aufsteigenden Tränen, zu bekämpfen. Sie wartete, bis er seine Gefühle wieder sammelte und schließlich die Steuerungen betätigte.

 

Umgehend öffnete sich mit einem Zischen die Tür, und Han freute sich, dass soweit er sehen konnte, alles an jenem Platz ruhte, wie er es in Erinnerung hatte. Selbst das Handbuch, welches er studierte, als sie nach Bespin unterwegs waren, lag noch auf dem Tisch, neben seiner Koje.

 

Seinen zufriedenen Gesichtsausdruck betrachtend, kommentierte Leia weich: „Keiner war hier drin gewesen, seit…“ Sie ersparte ihnen beiden, über diese Erinnerung zu sprechen.

Unbewusst führte sie eine Hand zu ihrem Hals, eine Geste, die in Han das Verlangen weckte, nach ihr zu greifen, sie in seine Arme zu schließen und zu küssen.

 

Stattdessen legte er jedoch eine Hand über die ihre und ließ seine Finger leicht über die gerötete Haut streifen. Plötzlich sorgte er sich mehr um Leia, als um sich selbst. Die Qual, angekettet an Jabba dem Hutten zu sein, schien in jenem Moment schrecklicher, als seine Folterung und Gefangenschaft.

 

Leia konnte nicht glauben, dass nach allem, was er durchstehen musste, Han mehr um ihr Wohlergehen besorgt war, als um seinen eigenen Schmerz.

„Mir geht es gut“, antwortete sie auf seine unausgesprochene Frage. Ihre Stimme glich mehr einem Flüstern und war durch den Klang der Maschinen kaum hörbar. Er brauchte nichts sagen, denn die Angst in seinen Augen sprach für sich. Sie wollte ihm mitteilen, dass er sich nicht um sie zu sorgen hat, aber die Worte waren nicht da.

 

Damals, spät in der Nacht, nicht lange nachdem sie zur Rebellenflotte zurückgekehrt war, war sie wach gelegen, und unendlich viele Fragen waren in ihrem Kopf herum wirbelten. Wie oft hatte sie sich überlegt, was sein würde, wenn sie ihn befreien würde. Ob er noch derselbe Mann sein würde, in welchen sie sich verliebt hatte. Leia zweifelte nie an seiner Stärke, doch fragte sie sich, wo er seine Grenzen sah. Sie hatte Alpträume gehabt, in welchen sie ihn rettete, um schließlich nichts weiter vorzufinden, als eine leere Hülle, weder imstande zu sprechen oder zu denken.

 

Han betrachtete ihre schweigsame Form, doch konnte selbst bei der stärksten Anstrengung ihren Gesichtsausdruck nicht allzu klar erkennen. Sanft schloss er sie dafür in seine Arme und spürte augenblicklich ihre nackte Haut. Definitiv ein Sklavenkostüm, dachte er bei sich. Verdammt.

„Kannst du für mich dieses Kostüm anbehalten, bis ich wieder richtig sehen kann?“, raunte er ihr ins Ohr.

 

Leia erwiderte daraufhin nichts, drückte sich allerdings noch etwas mehr an ihn und Han hätte schwören könne, dass ein Lächeln auf ihren Lippen lag.

Nach einer langen Weile schob Leia ihn unsicher von sich. Sie fühlte sich so geborgen und wohl in seinen starken Armen, doch musste sie ihre eigenen Gefühle unterdrücken, um sich auf das Offensichtliche konzentrieren. Er war verletzt, schwach und lechzte nach Schlaf.

„Setzt dich besser, Han. Ich werde dir ein paar Tropfen geben, damit deine Sehkraft bald völlig zurückkehrt.“

 

Für einen Moment glaubte Leia etwas wie Enttäuschung in seinem Blick zu erkennen, als sie sich von ihm abwandte, doch die Aussicht auf Erholung war äußerst verlockend, und so ließ Han sich einfach auf die Koje fallen, was er jedoch sogleich bereute, als der Schmerz durch seinen Körper fuhr.

 

Von seinem Stöhnend angezogen, eilte Leia besorgt zu ihm. „Han? Han…bitte, sieh mich an“, flehte sie und rüttelte ihn leicht.

 

„Geh weg“, murmelte er gedämpft in sein Kissen.

 

„Chewie denkt, ich bin hier, um mich um dich zu kümmern. Willst du, dass ich ihn holen gehe? Du weißt selbst, welchen Aufstand er veranstalten wird.“

 

„Schon gut, schon gut“, erwidert Han nur und drehte sich vorsichtig auf den Rücken. „Solange du mir nur aufhörst, mich zu bemuttern.“

 

„Alles klar, Captain, und nun zieh dein Hemd aus.“

 

„Uh“, er grinste sie verschmitzt an, „das kommt nun doch etwas plötzlich.“

 

Leia dagegen hatte in jenem Moment keinen Sinn für Humor und verdrehte die Augen. Er benimmt sich definitiv wie der alte Han Solo, stellte sie allerdings erleichtert fest. Vorsichtig strich sie ihm über die Rippen. „Tut das weh?“

 

„Natürlich tut das weh“, brachte Han unter zusammengebissenen Zähnen hervor. „Ich bin normalerweise nicht überall grün und blau!“

 

Wie konnte ich dies vergessen, dachte Leia. Kurz bevor er eingefroren wurde, hat Vader ihn gefoltert. Kein Wunder, dass er all diese Verletzung trägt. Er hätte niemals zurückkommen sollen, um mich auf Hoth in Sicherheit zu bringen. Doch schnell schüttelte Leia die Schuldgefühle, welche sie seit jenem Tage auf Bespin quälten, ab.

„Und lila und schwarz“, meinte sie letztendlich mit scherzhaftem Ton, wobei ihr Blick aufrichtige Sorge ausdrückte. „Was für ein Schlamassel. Gibt es eine Stelle deines Körpers, die nicht verletzt ist?“

 

„Das würdest du gerne wissen, huh?“, antwortete Han, leicht gequält, da Leia mit einer Salbe seine Wunden behandelte.

 

„Oh, lass das! Lass das einfach. Du weißt genau, dass ich keinen Sinn für deine Späße habe, wenn es um dich geht!“

 

„Ja, schon gut. Sieh, gib mir einfach diese Salbe und ich werde mich selbst darum kümmern. So hab ich schließlich auch die letzten Jahre überlebt.“

 

„Was mich noch immer erstaunt.“

 

„Hey, euer Hoheit. Dass, was ich in meiner Situation nun wirklich nicht brauche, ist jemand, der sich über mich lustig macht. Hab ich dies denn in Bezug auf dich bereits getan?“

 

„Du nanntest mich klein“, erwiderte Leia schlicht, ohne sich von ihrer Aufgabe abbringen zu lassen.

 

„Dann gibst du endlich zu, dass du klein bist?“, fragte Han schelmisch nach.

 

„Was immer du sagst, Fliegerass.“ Sie stand auf, küsste ihn kurz auf die Wange und griff nach seinem Hemd. „Oh, ich werde die Flecken niemals heraus bekommen.“

 

„Tut mir Leid, das nächste Mal werde ich versuchen, nicht zu bluten.“ Für eine Sekunde konnte er beinahe denselben Ausdruck auf ihrem Gesicht erkennen, wie er in jenem letzten Moment, bevor er eingefroren wurde, war.

 

Leia kam zu ihm, befreite seine Füße von den Schuhen und wurde von Han skeptisch beobachtet, doch sagte er nichts. „Dreh dich herum“, bat sie nach einer Weile. Ohne sich zu sträuben, tat er wie aufgetragen, und Leia begann damit, ihm zart über die harten Muskeln zu streichen, um ihn anschließend sanft zu massieren.

 

„Hm… das fühlt sich gut an. Chewie hatte nie dieses Händchen dafür. Muss wohl ein Vorteil von Frauen sein.“ Han spürte, wie er sich mehr und mehr entspannte und bereit war, sich dem ersehnten Schlaf hinzugeben.

 

„Hey, Hitzkopf“, flüsterte Leia, „lass mich dir nun noch die Augentropfen geben, und dann hast du deine Ruhe vor mir.“ Ihre Gedanken kreisten nur geradezu in seiner Gegenwart. So vieles wollte sie ihm sagen, so vieles wollte sie von ihm wissen. Doch all dies musste bis zum Morgen warten.

„Schlaf gut, Han.“

Sie küsste ihn, bevor sie sich von ihm abwendete, doch er griff nach ihr.

Seine Hand zu ihrer Wange hebend, lächelte sie ihn verständnisvoll an. „Ich weiß.“ Nachdem sie sich vergewisserte, dass er gut zugedeckt war, betätigte sie einen Schalter und tauchte somit seine Kabine in eine Schwärze.

Ehe Leia das Zimmer verließ, erinnerte sie sich daran, die Tür geöffnet zu lassen.

 

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Das schlimmste Gefühl kam, kurz bevor er aufwachte. In jenem Moment zwischen Schlaf und Bewusstsein, war er sich nicht ganz sicher, ob er tatsächlich an Bord seine Schiffes war und diese entsetzlichen Bilder einfach träumte, oder ob er noch immer in Karbonit eingeschlossen sei. Sobald er jedoch aus jenem Alptraum erwachte, war er von Schweiß durchnässt und vermutete, dass auch ein Schrei seinen Lippen entwich. Er wünschte sich Leia an die Seite, um seine Hand zu halten, über sein Gesicht zu streichen und ihn mit sanften Küssen auf die Stirn zu beruhigen. Als seinen Engel hatte er sie gesehen. Seine Prinzessin. Doch wo war sie jetzt?

Langsam erhob er sich. Wie lange er geschlafen hatte, konnte er nicht sagen, doch fühlte es sich zu lang an. Nach einer Weile, in welchen er sich seinen Gedanken hingab, trat er vorsichtig den Weg in die Kücheneinrichtung des Falken an, da seine Kehle trocken und sein Magen leer war.

„Ich bin müde, vom vielen schlafen“, erklärte Han, als er auf Chewie traf. „Mir kommt es so vor, als habe ich seit Tatooine nicht anderes getan, wie im Bett zu liegen.“

 

Chewbacca gluckst und entschuldigte sich schnell für den sorgenden Blick. Zu genau wusste er, wie Han es hasste, wann man ihn bemutterte. Doch, dass der Wookiee so rasch nachgab, verwunderte den Corellianer.

 

„Hör auf, Chewie. Ich bin es, mit wem du sprichst. Ich bin nicht so zerbrechlich, dass du dich vor mir zurückhalten müsstest.“ Ohne darüber nachzudenken, starrte er ihn an. „Du willst etwas sagen, dann schau mir in die Augen und sag es.“

Han verzog sein Gesicht, da das ungewohnte Licht einen dumpfen Schmerz auslöste und eins wurde ihm bewusste: Er konnte noch nicht richtig sehen. Umrandungen und verschwommene Farben, doch kein allzu klares Bild entstand.

Als er sprach, war seine Stimme fest. „Denkst du, ich würde gehen?“

 

Chewbacca atmete tief ein. ‚Du bist schon wieder benahe du selbst, Han. In der Vergangenheit hast du wenig darüber nachgedacht, was das Beste ist. Für dich oder jene, denen du am Herzen liegst.’ Er griff mit einer Hand nach seinem Freund und strich ihm ein paar Haare aus der Stirn. ‚Außerdem hast du mir deine Absichten nicht verraten. Doch was immer du entscheidest, sei dir bewusst, dass ich an deiner Seite sein werde, so wie ich es immer war.’

 

Han wusste, was er sagen wollte. Diese Leute sind meine Freunde, so wie du mein Freund bist. Ihr alle habt mich da raus geholt, MICH! Sogar dieser schleimige Bastard Lando hat mir geholfen.

 

„Wir werden bleiben.“ Bleiben, um der Rebellion zu helfen, um unseren Freunden beizustehen. Bleiben, um mit Leia zusammen zu sein.

 

‚Du liebst sie’, fragte Chewie sanft, ‚oder nicht?’

 

„Mehr als alles andere.“ Dieses Eingeständnis brachte ihn nicht in Verlegenheit. „Mehr als…“, er suchte nach den richtigen Worten.

 

‚Dich selbst?’, ergänzte Chewie.

 

Der Corellianer lächelte. „Mich selbst, ja“, stimmte er zu. „Du bist ziemlich hart zu einem kranken Mann, weißt du. Was wirst du nur tun, wenn ich erst einmal wirklich wieder zurück im Leben bin?“

 

‚Ah, du gibst also zu, dass du krank bist?’

 

„Ich bin nicht krank!“ Versuchte er sich gegen die Aussage zu wehren, doch überdachte seine Behauptung noch einmal. „Gut, möglicherweise einwenig.“

 

‚Vielleicht auch sehr.’

 

„Hey, ich bin immerhin noch am Leben.“

 

„Oh, ich dachte du wärst noch im Bett und schläfst für einige Stunden“, sagte Leia, als sie die Kücheneinrichtung betrat und an Hans Seite schritt.

 

Dieser gab seinem Freund einen eindeutigen Wink, die beiden alleine zu lassen.

 

Chewie grollte daraufhin eine eher lahme Entschuldigung und verschwand.

 

Ungeachtet seiner Verletzung schlang Leia ihre Arme um den Piloten. „Ich dachte, ich könnte bei dir sein, wenn du aufwachst.“

 

Han legte sein Kinn auf ihren Kopf, schloss die Augen und erwiderte die Umarmung.

 

Für Leia waren es diese seltenen Momente der Ruhe und Zufriedenheit, die sie den Krieg und all die Erwartungen, die man in sie setzte, vergessen ließen. Trotz allem Schrecklichen, was Han widerfuhren war, war er nun hier mit ihr, sein Atem weich und regelmäßig, sein Herzschlag stark und kraftvoll. Durch seine Anwesenheit fühlte sie sich das erste Mal in langer Zeit wieder warm und lebendig. Sie würde nicht an die unsichere Zukunft denken oder sich darüber sorgen, ob Han einmal mehr den Sternen erlag, um so unerwartet fortzufliegen wie er in ihrem Leben erschienen war.

 

„Grrr…“

 

„Klingt so, als wäre jemand hungrig“, sagte sie mit einem Lächeln und stieß Han spielerisch in den Magen, als dieser erneut knurrte. „Was würdest du zu einer ordentlichen Mahlzeit sagen? Ich kann dir etwas aufwärmen.“

 

Leia, du magst wirklich wunderschön sein, aber du kannst verdammt noch mal nicht kochen, dachte Han nur bei sich.

„Hm… Dies hat doch C3PO gekocht?“; fragte er vorsichtig nach, während sich Leia bereits an ihre Aufgabe machte. Der aufsteigende Geruch ließ ihm das Wasser im Munde zusammen laufen.

 

„Oh, ich habe eine Menge dazugelernt“, grinste sie ihn an.

 

„Du hast das gekocht?“

 

„Mit meinen eigenen Händen. Es sollte eigentlich ein Willkommensessen werden, aber seit du gestern so müde ins Bett gefallen bist, habe ich dir etwas aufgehoben.“

 

Leicht skeptisch beobachtete Han sie, und auch traute er dem Ganzen noch nicht, als es vor ihm auf dem Tisch stand. Doch der Hunger war letztendlich zu groß, und so versuchte er vorsichtig und musste feststellen, dass dies die wohlschmeckendste Mahlzeit war, die er in der letzten Zeit bekommen hatte.

 

Leia selbst nahm neben ihm Platz und beobachtete ihn einfach. Prinzessin war mehr als ein Titel für sie gewesen. Es war die Art und Weise, wie man sie aufgezogen hatte. Bankette und Abendkleider gehörten als fester Bestandteil zu ihrem Leben, und unterrichtet war sie auf der bedeutendsten Universität Alderaans worden.

 

Doch Han war nichts gegeben worden.

 

In jenem Moment erinnerte sie sich daran, wie sie das erste Mal gemeinsam gegessen hatten. In ihrer Erziehung war stets eine gewisse Etikette am Tisch verlangt worden, doch wie sie schon damals festgestellt hatte, hatte Han seine Nahrung kaum gekaut, bevor er sie hinunter schluckte. Seinerzeit hatte sie nichts gesagt, aber nun, wo sie ihn erneut betrachten konnte, dachte sie sich, dass ein Schmuggler, wie er, es sich wahrscheinlich nicht leisten konnte, seine Zeit mit ordentlichem Essen zu verschwenden. Traurig vermutete sie, dass selbst als Kind Han womöglich immer in der Angst gelebt hatte, dass seine Mahlzeit gestohlen werden wurde, wenn er sich nicht beeilen würde.

 

Um ihre Kindheit jedoch so glücklich wie nur möglich zu gestalten, hatte ihr Vater ihr alles gegeben, was sie sich nur gewünscht hatte.

 

Han, so überlegte sie weiter, musste unter Umständen auf der Straße um Geld gebeten haben. Natürlich hatte er niemals mit ihr über seine Vergangenheit gesprochen. Doch durch sein Verhalten verführte er sie dazu, dass Puzzle, welches Han Solo noch immer darstellte, etwas zu lösen.

 

„Uh“, hörte Leia ihn kurz stöhnen.

 

„Han? Ist es das Essen?“ Auf die Möglichkeit, dass sie ihn womöglich nie wieder sehen würde, hatte sie sich vorbereitet, doch hatte sie nie daran gedacht, wie es sein würde, wenn er Schmerzen ertragen musste.

 

„Nein, nein. Mir geht es gut, soweit es einem gut gehen kann, wenn man so lange regungslos an dieser Wand hing. Leia, wie lang war ich tatsächlich dort eingeschlossen? Nicht einmal Chewie hat es mir bisher gesagt, und ich denke, dass du ehrlich zu mir sein wirst.“

 

Sie atmete tief ein. Wie würde er es nur verstehen können, was sie alle solange aufgehalten hatte? Das letzte halbe Jahr hatte sie zwischen Hoffnung und Verzweiflung gelebt, hatte sogar zu all jenen Göttern gebetet, mit denen sie seit dem Tage, wo sie alles verloren hatte, nicht mehr gesprochen hatte.

Die vergangenen Monate waren schwer für sie gewesen. Sie hatte ihre Gefühle in sich eingeschlossen, bevor diese sie übermannen hatte können, ehe sie ihren Blick trüben würden. Sie hatte all ihren Verstand gebraucht, um seine Rettung vorantreiben zu können. Sie liebte ihn. Jene letzten Worte waren wahr gewesen, aber dennoch hatte sie sich keine Tränen erlaubt. Solche Emotionen hätten sie verletzbar gemacht, und sie war nicht in der Position gewesen, um verletzbar zu sein.

Die Rebellion hatte nicht auf ihn gewartet, und so war sie gezwungen gewesen, ihre Aufgaben wieder aufzunehmen, auch wenn sie stets auf eine Nachricht über Han gewartet hatte. Es war so schwierig gewesen. Der Gedanke, dass Han sich nicht selbst helfen konnte, dass der Mann, der immer so von sich überzeugt war, nun eingeschlossen war, hatte dazu geführt, dass sie glaubte, für ihn stark sein zu müssen. Und sie war es. Sie hatte sich nicht erlaubt, innerlich zu zerbrechen.

Sanft berührte Leia Hans Wange und ließ ihre Finger über den Kiefer bis zur Narbe seines Kinnes gleiten. Es war noch immer unwirklich und dennoch alle,, auf was sie geheim gehofft hatte. Er war zurück, er war sicher… Aber irgendwie wusste sie, dass es noch nicht vorüber war.

„Sechs Monate“, flüsterte sie schließlich.

 

Han brauchte einige Sekunden, um zu verstehen, was sie damit meinte, und dann traf ihn die Erkenntnis wie ein Blitz. Sechs Monate? Ein halbes Jahr? Gott, ich dachte nicht, dass es so lange war. Sechs Wochen vielleicht, aber nicht Monate. Nicht sicher, was er nun tun sollte, ließ er seine Finger durch sein Haar wandern.

 

Leia presste eine Hand vor ihren Mund, in der Hoffnung, ihr Schluchzen zu dämpfen. Ihre eigene Stärke schien sie zu verlassen, und sie zögerte, unsicher, ob sie sich von ihm entfernen solle oder nicht.

Erst als sie Hans große Hände auf ihren Schultern bemerkte, stellte sie fest, dass sie ihren Gefühlsausbruch nicht zurückhalten konnte.

 

Er jedoch sagte nichts und strich ihr stattdessen über das ungebundene Haar. Sie zitterte, als er es aus ihrem nassen Gesicht entfernte. Seine Finger berührten ihre Stirn, und in einer ungewöhnlich zarten Geste umfasste er ihr Kinn, um ihren Kopf zu seinem zu drehen.

 

Zunächst sträubte sie sich dagegen, gab allerdings kurz darauf nach.

 

Han war dankbar, dass er nicht wusste, was er hätte sagen können, denn seine Stimme verließ ihn plötzlich. Niemals zuvor hatte er sie so gesehen.

 

Leia schlang ihre Finger um sein Handgelenk und er spürte, wie sich ihre Nägel in sein Fleisch gruben. Es war, als ob sie ihn versucht von sich zu stoßen, doch nicht imstande war, diese Geste zu vollenden.

 

Kurz blickte er in ihre Augen und sah Furcht, Schmerz und pure Verzweiflung. Das letzte Mal, dass er sie so gesehen hatte, war als die Sturmtruppen ihn von ihr gerissen hatten und sie zu ihm gerufen hatte…

Was, wenn dies alles gewesen war? Was, wenn sie die Angst in seinen Augen gesehen hatte und nur versucht hatte, ihm den möglichen Tod zu erleichtern? Könnte jene Aussage, an welche er sich in all der Zeit klammerte, vielleicht nichts bedeutet haben? Sicher, sie war ihm nachgekommen und hatte ihn befreite, aber hätte sie dasselbe nicht auch für Chewie, Luke, Lando oder Wedge getan?

All die Zeit hatte er angenommen…

Er zog sie in seine Arme, wobei Leia ihre Hände um seine Taille legte, als sie ihr Gesicht in seiner Brust vergrub.

Doch was hatte er angenommen? Dass sie noch immer da sein und auf ihn warten würde? Plötzlich realisierte er etwas, was ihn tief im Herzen traf. Einige gestohlene Küsse auf dem Falken waren alles, was sie bisher geteilt hatten, und wie leidenschaftlich diese auch gewesen sein mochten, so war die Initiative stets von ihm ausgegangen. Möglicherweise hatte er sie überrascht, oder sie war zu ängstlich gewesen, um ihn zurückzuweisen. Eine handvoll Gespräche, von welchem keines zu forschend war, um festzustellen, wie sie füreinander fühlten. Was genau bedeuten sie einander? Zum Teufel, er wusste lange Zeit nicht, wie er wirklich für sie empfand, und umso weniger wusste er, was sie für ihn fühlte. Nachdem sie damals von 3PO unterbrochen worden waren, hatte er entschieden, sich ihr im Cockpit zu nähern. Sie hatten nicht viel gesprochen. Er war auf seinem Platz gesessen, hatte sie in seinen Schoß gezogen und sie geküsste, letztendlich ohne Unterbrechungen.

Aber er hatte die Initiative ergriffen, immer. Er wunderte sich augenblicklich, wie viel sich in dem vergangenen halben Jahr geändert hatte. Er sah die Blicke zwischen Luke und Leia, bemerkte ihr heimliches Flüstern, als sie sich verabschiedeten. War dies der Grund, warum sie weinte? Gab es etwas zwischen ihnen beiden, was sich erst in der Zeit seiner Abwesenheit entwickelt hatte? Sie hatte ihm gesagt, dass sie ihn liebte, doch die Umstände waren so anders als jetzt. Vielleicht bereute sie nun jene Worte und wusste nicht, wie sie es ihm beibringen sollte?

Verdammt noch mal, dachte er und lehnte sein Kinn gegen ihren Kopf, wog sie in seinen Armen. Was dachtest du nur? Du wusstest, dass du sie verletzten würdest… und dich selbst. Du sahst immer nur das Kind in Luke, aber sie ist genauso alt wie er. Manchmal bist du einfach ein unerträglicher Esel, Solo.

„Was ist los?“, fragte er, während er durch ihr Haar strich. „Sprich mit mir, Leia. Ist es, weil ich wieder zurück bin?“ Er wollte keine Auskunft, doch andererseits musste er wissen, ob sich wirklich etwas geändert hatte.

 

Sie blickte auf und bat mit ihren Augen um Verständnis. „Ja, Han, ich…“

 

Er wusste, dass er sie hätte von sich stoßen sollen, doch konnte nicht. Dies waren die Worte, die er fürchtete, aber dennoch schockierte ihn ihre Antwort. Er glaubte zumindest, dass sie glücklich sei, ihn zu sehen, doch ihre Tränen waren sicherlich kein Zeichen von Freude.

 

„Niemals zuvor konnte ich, um dich weinen“, sagte sie nach einer kurzen Pause. „Es wäre so gewesen, als seist du bereits tot… Jeder dachte dies ohnehin. Die Leute reden, Han, das weißt du so gut wie ich. Sie sagten… sie sagten, ich sei dumm, da ich soviel Zeit damit verbrachte, nach dir zu suchen. Sie sagten, dass es unbedeutend ist, ob du bereits tot seiest oder nicht, da Jabba es nicht zulassen wird, dass man dich befreit.“ Sie nahm einen tiefen Atemzug und versuchte das Zittern ihrer Stimme zu kontrollieren. „Han… sie sagten, dass selbst, wenn ich dich befreien kann, der Preis auf deinen Kopf weiter existiert und es nur eine Frage der Zeit wäre, bis ich deine Hinrichtung mit ansehen müsse. Und wenn du etwas oft genug hörst, dann beginnst du es zu glauben, egal ob du es willst oder nicht.“

 

„Hey, nicht… Ich habe dich doch gelehrt, dass du nicht darauf hören sollst, was die Leute sagen.“

 

Jetzt zog sich Leia zurück, legte ihre Hände auf seine Brust. „Nein, du verstehst nicht. Als ich endlich soweit war, nicht nur dir gegenüber, sonder auch mir selbst, einzugestehen, dass ich dich liebe, verlor ich dich.“ Mit einer Hand griff Han nach ihren und mit der anderen strich er die Feuchtigkeit aus ihrem Gesicht.

 

„Leia, hör auf“, bestimmte er sanft. „Du hast mich nicht verloren.“ Er machte eine Pause und küsste flüchtig ihre Finger. „Du bist mein Retter, Prinzessin. Ich verdanke dir mein Leben. Niemals zuvor verdankte ich jemandem irgendetwas, und daher werde ich dies nicht auf die leichte Schulter nehmen.“

 

Kurz bevor sie Bespin erreicht hatten, hatte Han Leia dazu gebracht, ihm Dinge anzuvertrauen, die er sie mit niemand anderem hatte besprechen hören. Sie hatte über ihre Familie geredet, Alderaan, und hatte gestanden, dass sie in Luke, Chewie und ihm eine neue Art von Familie entdeckt hatte.

 

Jetzt erst erkannte Han, dass auch er zum ersten Mal eine Familie gefunden hatte und diese nicht bereit war, zu verlieren.

 

„Han…“ Sie sah zu ihm hinauf, und etwas in ihrem Blick griff bis in sein Herz.

 

Vor langer Zeit hatte er sich versprochen, dass er niemals jemanden zu nahe kommen lassen würde. Liebe war eine Schwäche, wie er über den harten Weg hatte herausfinden müssen, und diesen Fehler wollte er nie mehr begehen. Dennoch war er nun hier und schaukelte die Frau, welche er zu lieben lernte.

Er wollte ihr die letzten Tränen fortwischen, doch bevor er dies tun konnte, hob sie ihre Hände zu seinem Gesicht, strich mit ihren Fingern leicht über seine Lippen, ehe sie durch seine Haare fuhr. In ihren Augen konnte er erkennen, dass sie nun bereit war, ihm ihr Herz zu offenbaren.

 

„Ich hätte es dir schon viel früher sagen sollen“, flüsterte Leia, ihre Stimme kaum hörbar. „Wenn ich dir gesagt hätte, wie ich fühlte, dann wäre vieles womöglich anders gekommen.“

 

„Nein, wäre es nicht“, erklärte er ihr. „Fett wäre mir durch die gesamte Galaxie gefolgt, nur um seine Prämie zu erhalten. Es gibt nichts, was dies hätte verhindern können. Doch nun ist es vorbei, und ich plane nicht, so schnell fort zu gehen.

 

Leia brachte es kaum fertig, ein Schluchzen zu unterdrücken, während sie sich nach vorn lehnte und ihn küsste. Erst als sie sich wieder voneinander trennten, bemerkte sie, wie sich Hans Stirn etwas zusammenzog. Sie versuchte sich aus seinen Armen zu befreien, aus Angst, dass sie ihn verletzte, doch er verstärkte den Griff um ihre Taille, nicht gewillt sie gehen zu lassen.

„Han, es tut mir leid“, wollte sie sich entschuldigen.

 

Er seinerseits hielt störrisch an ihr fest. Es war beinahe so, als hätte er sie seit Ewigkeiten nicht mehr in seinen Armen gehalten, und dabei fühlte es sich so gut an.

Er lächelte, überrascht, dass er ihre Sorge um ihn genoss. Es war lange her, dass jemandem, außer Chewie, sein Wohl am Herzen lag und dies war eine neue Entdeckung, die ihm gefallen könne.

 

„Versprich mir etwas, Han“, bat Leia mit gewisser Furcht in der Stimme.

 

„Was?“

 

„Versprich mir, dass ich nie mehr Auf Wiedersehen zu dir sagen muss.“

 

„Es tut mir leid, Schatz“, meinte er traurig, „aber dies kann ich dir nicht versprechen. Ich erklärte dir, dass ich dich nicht anlügen werde, daher kann ich nur sagen, dass ich nicht weiß, was morgen, in einem Monat oder einem Jahr sein wird. Ich halte nichts von Prognosen. Ich hätte als Schmuggler nicht überleben sollen oder auf der Akademie, und ganz gewiss sollte ich nun nicht hier sein. Wenn ich könnte, dann würde ich dir versprechen, was immer du hören willst, doch es gibt für nichts eine Garantie… Und im Moment muss ich erstmal meinen Platz, zurück ins Leben, finden.“

Hans Worte klangen nicht hoffnungsvoll.

 

Leia fühlte sich plötzlich unwohl, da sie wusste, dass er Recht hatte. Nichts war sicher. Selbst wenn sie den Krieg gewinnen und überleben würden, wäre es nicht vorbei. Möglicherweise war die Hoffnung auf ein normales Leben schon vor ihrer Geburt versiebt. Als sie in das Dasein einer Prinzessin übergeben worden war, war Han bereits ein elf Jahre alter Junge gewesen, der das Leben kaum genießen konnte, bevor er merkte, wie hart es sein kann.

Jetzt wollte sie ihm alles geben und am allermeisten jemanden, den er lieben konnte.

 

Sie war mit einem Vater aufgewachsen, der sie geliebt, sie gelehrt und ihr ihre Träume ermöglicht hatte. Gleichzeitig hatte er sie dazu angeregt, ihre eigene Persönlichkeit zu entwickeln und nicht den Forderungen des Senates nachzueifern. Er hatte ihr etwas gegeben, dass wichtiger als alle materiellen Dinge war: ihre eigene Stimme und den Mut, sie zu verwenden. Nicht nur, dass er sie zu einer Senatorin, Diplomatin und Prinzessin ausgebildet hatte, auch war es Bail Organa zu verdanken, dass Leia die Stärke und den Willen besaß, als eine Anführerin der Rebellen zu agieren.

 

Egal wie das Resultat des Krieges aussehen mochte, so wusste sie, dass sie ihm niemals mehr für all dies danken können würde.

Han jedoch hatte niemanden.

„Dann werde ich dir etwas versprechen“, sagte sie weich, ihr Ton jedoch ließ keinen Raum für Argumente. „Ich verspreche dir, dass ich nie wieder Auf Wiedersehen zu dir sage. Es interessiert mich nicht, ob ich dir durch die halbe Galaxie folgen muss, doch lasse ich niemanden dich von mir reißen.“ Tief atmete sie ein, und Han wusste, dass sie nicht nach den richtigen Worten suchte, sondern vielmehr nach der Kraft, diese auszusprechen. „Es gab eine Zeit, nach der Zerstörung Alderaans, wo die Rebellion alles für mich war. Der einzige Inhalt meines Lebens war Rache auszuüben und Gerechtigkeit zu finden. Dies zählt noch immer, jedoch ist es nicht mehr das Wichtigste meines Daseins, sondern du. Du bist es seit langer Zeit, auch wenn ich es zunächst nicht wahr haben wollte. Erst als ich dich beinahe verloren habe, habe ich es so deutlich gesehen, dass ich es nicht mehr leugnen konnte. Ich liebe dich.“

Die Luft zwischen ihnen war von einer Vielzahl von Emotionen gefüllt. Ihr Atem verließ sie, als er sich zu ihr beugte und ihren Mund mit seinem eroberte. Ein kleines Ächzen entglitt ihren Lippen, bevor sie ihre Finger durch sein Haar streifen ließ und sich noch enger an ihn drückte. Der Kuss vertiefte sich, und Leia drohte in ihren aufsteigenden Gefühlen zu ertrinken.

Ein Moment der Stille trat ein, als sie sich voneinander trennten, atemlos, ihre Körper noch immer fest aneinander gepresst.

„Ich hab dich vermisst“, flüstere sie, ihre Stimme zitternd, bewusst, wie unpassend dies klang.

 

Tränen liefen erneut über ihre Wangen, und Han hielt sie leicht von sich, küsste das Nass mit überraschender Zärtlichkeit fort.

 

Ihre Augenlieder schlossen sich unter der sanften Liebkosung, und er wanderte mit seinen Lippen näher an ihr Ohr heran.

„Leia“, begann er zögernd, „all die Zeit, in der ich sagte, dass ich gehen würde… Hoth, Bespin… Ich…“

 

Leia zog seine Finger zu ihrem Mund und küsste sie leicht. „Ich weiß, Han. Du muss jetzt nichts sagen.“

 

„Doch ich muss“, beharrte er. „Ich plante immer zurückzukommen. Ich hätte niemals mehr als einige Tage fortbleiben können.“

 

„Weil Chewbacca dich nicht gelassen hätte?“, erwiderte sie, während sie ihn verführerisch anlächelte.

 

„Ich liebe dich.“ Bevor er überhaupt darüber nachdenken konnte, hatte er die Worte ausgesprochen. Es klang so fremd in seinen Ohren. Tausende Mal hatte er gehört, wie es Menschen einander gestanden hatten, doch hätte er nie daran gedacht, dass er sie selbst sagen würde und schon gar nicht, zu einer Prinzessin. Doch es war wahr.

„Ich liebe dich, Leia Organa.“

 

„Ich weiß“, antwortete sie, bevor sich ihre Lippen erneut in einem innigen Kuss trafen.

In diesem Moment glaubte Leia, die glücklichste Frau in der Galaxie zu sein.



ENDE