Die Geister der Vergangenheit




Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.






Alderaan, in all seiner Pracht, erschien, gut sichtbar, vor dem Todesstern. Grün und blau, verwischt durch die malerisch weißen Wolken, die dem Planeten eine fast mystische Erscheinung gaben, bevor sich das Licht im schwarzen Raum des Alls verlor.

Leia stellte sich ihren Vater, Bail Organa, vor, wie er sich für eine Ratsversammlung vorbereitet. Sein liebenswertes Gesicht ist mit Sorge um seine Tochter gezeichnet. Ihre Tanten versichern Bail, dass Leia wohl auf sei, dass sie Kenobi die Nachricht überbracht habe und dass Hilfe für die Rebellen bald eintreffen würde. Ihr Vater…Ihr Vater lächelt…Alderaan…Ihr Vater…Leia wurde durch die raue Stimme Groß-Moff Tarkins aus ihrer Träumerei gerissen.

Die eingefallenen Augen des Mannes glänzten in Leias, als er mit einer ruhigen und gleichzeitig beunruhigenden Stimme zu seiner unkooperativen Gefangenen sprach. „Ich habe es satt danach zu fragen. Zum letzten Mal: Wo ist der Stützpunkt der Rebellen?“

Leias Blick schweifte von Tarkins skelettartigem Gesicht zurück zu Alderaan. Er erschien wie ein wunderschöner Diamant auf schwarzem Samt. Sie konnte nicht - wollte nicht - die Rebellen Allianz betrügen. Aber wie könnte sie zulassen, dass man Alderaan zerstört?

„Attrian. Wir sind auf Attrian.“ Sie wandte ihre Augen von ihrem Heimatplaneten ab und fixierte den glänzend schwarzen Fußboden der Brücke. Oh wie sie darum betete, dass man dies glaubt. Sie hoffte, dass ihr Blick nichts erahnen ließ, als sie gegen Vader stieß, welcher von hinten ihre Arme packte. Sie erzitterte, als dieser mechanische Körper gegen ihren gepresst war.

„Da sehen sie es, Lord Vader, sie kann ganz vernünftig sein“, fuhr Tarkin fort. „Attrian ist das nächste System. Wie hervorragend. Wir werden uns ihre Rebellenfreunde umgehend vorknöpfen.“ Er wandte sich den Offizieren zu, die an den Kontrollen des Todessternes standen und befahl: „Setzt Kurs auf Attrian!“

Leias Herz sprang nun mit Erleichterung und Hoffnung. Attrian war, so wusste sie, eine Wüste. Ihre Familie und Alderaan waren sicher. Aber etwas nagte an ihrem Bewusstsein. Etwas war falsch.

Sie sagte Dantooine, oder nicht? Die Brücke des Todessterns löste sich plötzlich auf und ihr Vater erschien vor ihr. Sein freundliches Lächeln wurde durch ein verärgertes Stirnrunzeln ersetzt.

„Leia, ich bin wirklich enttäuscht von dir. Warum sagtest du Tarkin, dass sich die Rebellenbasis auf Dantooine befindet? Du wusstest, dass es zu weit weg war, um eine effektive Demonstration durchzuführen. Du hast uns mit deiner Nachlässigkeit alle getötet.“

Leia fühlte, wie die Tränen ihre Wangen hinunter rollten. Er hatte Recht. Sie war so dumm gewesen.

„Vater, ich…“, begann sie, doch er schnitt ihr das Wort ab.

„Törichtes Mädchen. Ich dachte, du hättest es besser gewusst. Welchen Nutzen brachten all die Jahre im Senat? Deine Tanten und ich, ja ganz Alderaan, wir alle haben darauf vertraut, dass du das richtige sagst und du hast uns enttäuscht. Hast du daran gedacht, als wir in tausend Stücke geschossen wurden?“

Leia spürte, wie die Wahrheit der Worte ihres Vaters, auf sie niederdrückte. Er erklärte ihr auch nichts anderes, als was sie sich selbst täglich sagte. Diese kleine Stimme in ihrem Kopf, die sie immer und immer wieder daran erinnerte, dass sie Alderaan hat zerstört werden lassen.

„Oh Vater, es tut mich so leid“, sagte sie weinend. „Bitte verzeih mir.“ Doch er war dabei sich aufzulösen…

„Vater…“

Leia erwachte und Tränen rannen ihre Wangen hinab. Keuchend setzte sie sich auf und realisierte, wo sie war. Langsam gewöhnten sich ihre Augen an das spärliche Licht und sie strich sich ein paar verirrte Haarsträhnen aus dem Gesicht. Die vertrauten Konturen von Hans kleiner Kabine auf dem Falken, konnten ihre schwankenden Gefühle nicht beruhigen.

Sie wollte hier nicht schlafen, aber Han, wie immer, hatte entschieden, dass seine Kabine viel bequemer für sie sein würde.

Leicht wackelig stand Leia auf, schlüpfte in ein Paar von Hans alten Schuhen, die links von ihr auf dem Boden lagen und öffnete die Kabinentür. Vielleicht, wenn sie sich einen Drink holt, würde sie sich besser fühlen. Leise griff sie nach ihrer Jacke und huschte hinaus in den kalten, dunklen Flur. Um dem Schauer, der über sie kaum, zu entfliehen, zog sie rasch ihre Jacke über das Nachthemd.

Als sie sich vorsichtig umblickte, entdeckte sie Han und Chewie, die schlafend gegen eine Wand gelehnt waren. Vermutlich sind sie bei Reparaturarbeiten einfach eingenickt. Sie schlich vorüber, um sie nicht zu wecken und bahnte sich so ihren Weg in die kleine Kombüse.

Als sie sich selbst einen warmen Drink gemacht hatte, ging Leia zurück in Richtung Hans Kabine, aber sie konnte sich nicht dazu bewegen, wieder ins Bett zu steigen. Sie stoppte auf halbem Wege und Unschlüssigkeit überflutete ihre Gedanken. Sie wollte aus Angst, dass dieser schreckliche Alptraum zurückkehren könnte, nicht schlafen. Vielleicht würde sie einfach hier stehen bleiben und ihren Drink beenden. Han rührte sich plötzlich, murmelte etwas und Leia hielt den Atem an. Sie wollte ihn nicht wecken. Han Solo war die letzte Person, mit welcher sie nun reden wollte. Überhaupt war sie sich nicht sicher, wie sie ihm nun gegenübertreten könnte. Seit er sie geküsst hatte, sie diesen Kuss erwiderte und ihn später sogar auf die Wange küsste, war sich die Prinzessin ihrer Gefühle für den Schmuggler keineswegs mehr sicher. Doch sie hatte nun keine Nerven auch noch über ihn nachzudenken und schüttelte diese Erinnerungen von sich.

Langsam, mit der Hoffnung in der Dunkelheit über nichts zu stolpern, bahnte sich Leia ihren Weg zum Cockpit. Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen, ließ sie sich auf dem Pilotensitz nieder und lehnte sich überraschend komfortabel zurück. Obwohl das Cockpit nach Wookiee roch, konnte sie in dem Stuhl, in welchem sie saß, deutlich Hans Duft aufnehmen und aus einem unergründlichen Grund, wirkte es auf sie beruhigend. Durch das Aussichtsfenster blickte sie hinaus in die Sterne, die aufgrunddessen, dass sie sich nicht in Lichtgeschwindigkeit befanden, deutlich vor ihr erstrahlten. Ihres Vaters Gesicht, uncharakteristisch wütend und das Bild Alderaans, wie es in Billionen kleine Teile explodiert, kamen in Leias Gedanken und sie fühlte, wie sich ihr ein Kloß in der Kehle bildete.

„Es war ein Traum. Nur ein Traum“, sagte Leia laut zu sich selbst und versuchte dabei die Tränen in ihren Augen zurückzuhalten. Doch in ihrem Herzen konnte sie die Tatsache, dass, wenn sie nur den Namen eines anderen Planeten genannt hätte, Alderaan noch existieren würde, nicht leugnen.

Han Solo erwachte, nicht wirklich sicher, was seinen Schlaf unterbrochen hatte. Er lag für einige Momente still, sammelte seine Gedanken und blinzelte den Rest Müdigkeit aus seinen Augen. Der Falke war kalt und die Position, in welcher er geschlafen hatte, nicht bequem, aber Han war sicher, dass dies nicht der Grund für sein erwachen war. Er hatte das ungute Gefühl, dass jemand, außer Chewie, in der Nähe sei. Darauf hoffend, dass es sich nicht um einen blinden Passagier handelte, drehte er langsam seinen Kopf und überblickte den Raum genau. Nichts. Doch da das Gefühl noch immer allgegenwärtig war und sich nicht abschütteln ließ, stand er auf, um sich schließlich noch einmal genauer umzublicken. Immer noch nichts. Han blieb für einen Momente ruhig, seine Augen fest geschlossen. Das leichte Poltern der Maschinen des Falken versicherte ihm, dass sich niemand an seinem Schiff vergriffen hatte. Dennoch konnte ein kleiner Besuch im Cockpit nicht schaden. Er griff nach seinem Blaster – über die Jahre lernte er, dass Vorsicht besser als Nachsicht sei – und begab sich langsam zur anderen Seite seines Schiffes. Licht benötigte er nicht, um seinen Weg zu finden.

Kaum erreichte Han das Cockpit, stoppte er. Seine Hand schwebend über dem Knopf um die Tür zu öffnen und er lauschte, doch hörte nichts, was die Anwesenheit von jemandem bestätigen würde. Nichtsdestotrotz öffnete er die Tür und hielt, als wenn er nur auf ein Signal warten würde, seine andere Hand unmittelbar über seinem Blaster. Han musste ein paar Mal blinzeln, als seine Augen durch die Cockpitbeleuchtung geblendet wurden und war schließlich überrascht, dass Leias schlanke Form in seinem Stuhl erschien.

„Prinzessin?“, sagte er sanft. „Was tust du hier draußen?“

Sie sprang auf. Offensichtlich hatte sie weder das Öffnen noch Schließen der Tür gehört.

„Nichts“, sagte sie gereizt. „Geh wieder schlafen.“

Er sah, wie sie zitterte und wusste, dass etwas nicht stimmte. „Was ist los?“ Er bewegte sich näher auf sie zu und versuchte einen klaren Blick auf ihre Gesicht zu erhaschen. „Bist du krank?“ Vorsichtig drehte Han sie herum und brachte Leia dazu, ihn anzuschauen.

Sie biss sich auf die Lippe. „Nein, nein. Mir geht es gut. Wirklich.“ Leia versuchte ihr Gesicht von dem seinem abzuwenden, aber dies gelang ihr nicht schnell genug und somit sah er die Tränen in ihren Augen glänzen.

„Alles klar.“ Er platzierte einen Finger unter ihr Kinn und dirigierte ihr Gesicht zu seinem, als er in Chewies Copilotensitz platznahm. „Komm schon, Leia. Erzähl mir, was los ist.“

Ihr Gesicht, welches in unzähligen Farben durch den Schein der Sterne funkelte und von ihren dunklen Haaren umrahmt wurde, war wunderschön, dachte Han und sogar noch schöner als üblich, da es diesen hochmütigen Ausdruck verloren hatte. Ein leichter Drang, sie in seine Arme zu schließen und einfach zu küssen, kam über ihn. Doch kaum tauchte dieser Gedanke auf, verscheuchte er ihn wieder und nahm stattdessen ihre Hände in die seinen und drückte diese beruhigend. „Was ist los, Leia?“

Leia, sagte er. Keine albernen Spitznamen dieses Mal. Es war ihm wirklich ernst. Sie blickte ihm in die Augen. Der Schmuggler, welcher üblicherweise die meisten ihrer Probleme verursachte, war nun bereit, ihr zu helfen. So selten sah sie diese mitfühlende Seite an ihm und sie musste sich eingestehen, dass sie es überaus mochte, wenn er sich nicht gerade so benahm, als würde er sich nur um sich selbst kümmern. Schon immer ahnte sie, dass hinter der zynischen, sarkastischen Fassade von Han Solo ein Kerl steckte, der sich wirklich für seine Freunde interessiert und, wie sie vermutete, auch für die Rebellion.

Seine haselnussbraunen Augen studierten ihr Gesicht. Diesen Augen…schon seit ihrem ersten Zusammentreffen konnte sie sich in ihnen verlieren.

„Leia?“ Sie schreckte in ihrer Faszination zusammen, fasste sich aber schnell wieder.

„Mein Vater“, flüsterte sie. „Ich träumte, dass er mich dafür, weil ich Alderaan habe von Vader und Tarkin zerstören lassen, ermahnte. Ich träumte, ich sei wieder auf dem Todesstern und Tarkin fragte mich, wo die Rebellenbasis sei und ich sagte Attrian und er war damit einverstanden die Demonstration an Attrian durchzuführen, da es in der Nähe lag und Alderaan war gerettet.“ Kaum hatte Leia begonnen, sprudelten die Worte nur so aus ihr hinaus und sie erzählte Han alles über ihren Alptraum. „Und das Schlimmste ist, dass nicht ein Tag vergeht, an dem ich nicht darüber nachdenke, was ich an diesem Tag hätte anders machen können. Was passiert wäre, wenn ich Attrian gesagt hätte. Ob Alderaan noch existieren würde?“ Sie kämpfte gegen die Tränen, hielt sie, zwang sie dazu, nicht zu fließen. Sie würde nicht noch mehr wegen eines dummen Traumes weinen. Han schüttelte seinen Kopf.

„Leia, ich denke, Tarkin hätte Alderaan so oder so vernichtet“, erwiderte er sanft. „Sicherlich hätte er an Attrian die Demonstration durchführen können, da hast du Recht. Aber ich bin sicher, er wäre auf Alderaan später zurückgekommen. Jeder weiß, dass eine Menge Rebellenaktivitäten dort vor sich gingen. Außerdem“, setzte er fort, „du hättest Tarkin sagen können, wo die Rebellenbasis sei und dann hätte er diese und Alderaan zerstört.“

Leia nickte und musste die Wahrheit in seinen Worten eingestehen. Jedoch war sie nicht in der Lage, völlig zu akzeptieren, dass man sie für die Zerstörung ihres Heimatplaneten nicht anklagen könne. Und dann war da noch Bail Organa. „Weißt du, was mich am meisten verletzte, Han?“, flüsterte sie. „Die Tatsache, dass ich meinen Vater verraten habe. Dass er von irgendwo auf mich hinabschauen kann und enttäuscht von mir ist. Ich könnte das nicht ertragen.“

Han’s Herz verkrampfte sich schmerzlich in seiner Brust, während Leias Worte Erinnerung weckten, die er zu begraben versuchte. Er kannte nur zu gut den überwältigenden Schmerz, den man verspürt, wenn man ein Elternteil verliert und den unbändigen Wunsch, dass es doch irgendwie möglich sei, all die Sachen zu sagen, zu denen man zuvor nicht in der Lage war. Die Qual durch all die 'wenn’s' und 'aber’s' und 'vielleicht’s# zu gehen. Wenn er an diesem schicksalhaften Tag schneller gelaufen wäre, dann würde sein Vater möglicherweise noch am Leben sein. Er fragte sich oft, ob sein Vater ihm die Schuld gab…Nein! Han schlug diesen Gedanken beiseite und blockte seine Erinnerungen gnadenlos ab. Aber wie gut er sie doch verstand. Er lehnte sich nach vorn und legte seine Hände auf ihre Schultern, wünschte sich, jemand hätte einem verwaisten, dreizehnjährigen corellianischen Jungen dieselbe Versicherung geben.

„Leia, wenn dein Vater dich nun betrachten könnte, dann sollte er nichts weiter als stolz sein. Blicke auf dich selbst. Du bist ein Anführer der Rebellenallianz. Du hast mehr für sie getan, als jeder andere. Du kämpfst mit allem, was du besitzt, gegen die Menschen, die ihn getötet haben und das ist das Imperium, Leia. Das Imperium tötete Bail Organa, nicht du.“

Leia brachte ein schwaches Lächeln hervor, welches sich jedoch schnell in Tränen, die sie so hart versuchte zurückzuhalten, auflöste. Han rückte etwas nähre, zog sie in seine Arme und strich ihr leicht unbeholfen über den Rücken. Noch nie hatte er sie so gesehen. „Hey, hey. Es wird alles wieder gut, euer Hoheit.“

Dankbar ließ sich Leia von ihm halten und letztendlich ließ sie die Tränen um den Verlust ihrer Heimat und ihrer Familie frei fallen.

Es dauerte einige Zeit, bis Leias Tränen stoppten. Der Schmerz in ihrem Herzen war zwar nicht verschwunden, doch glücklicherweise schmerzte es nicht mehr ganz so sehr. Für diesen Augenblick fühlte sie sich beinahe wieder menschlich, obgleich sie von einer unglaublichen Müdigkeit überzogen wurde. Han Solos Arme waren so warm und stark, dass sie glaubte, genau hier und jetzt im Cockpit einschlafen zu können. Warte einen Moment…Leia entfernte sich einwenig, als sie ihre Gedanken selbst realisierte und bemerkte, dass Han sie mit einem merkwürdigen Ausdruck in den Augen, betrachtete.

„Fühlst du dich besser?“, fragte er sanft.

Sie nickte, aber wunderte sich, ob sie sich jemals wieder wirklich besser fühlen würde. Sie wusste, dass heute Nacht nicht das letzte Mal gewesen sei, wenn die Zerstörung Alderaans ihre Gedanken beherrschen würde und das nächste Mal würde Han wohl nicht bei ihr sein, um sie zu beruhige. Sie spürte, wir ihre Wangen warm wurden. Was musste er nun von ihr denken, nachdem er sie, wie ein ängstliches Kind, über einen schlechten Traum hat weinen sehen.

„Es tut mir Leid, Han“, begann sie.

„Oh bitte, für alles, was dir heilig ist, entschuldige dich nicht!“

Dies zauberte ein Lächeln auf ihr Gesicht. „Große Güte, Han, was würde ich nur ohne deine überwältigende Empfindsamkeit tun?“

Er zog ein Gesicht, aber ihr Gelächter verblasste schnell, während sie sich daran erinnerte, dass er wirklich bald fort sein wird.

„Han?“

„Yeah?“

Sie zupfte unsicher am Ärmel ihrer Jacke, da sie nicht wusste, wie sie die Frage, die ihr seit jenem Kuss auf der Seele brannte, formulieren sollte. „Bist du…Ich meine, musst du…“

Sie schluckte noch einmal und entschied sich schließlich, dass es das Beste sei, ihn geradezu zu fragen. „Han, musst du wirklich so bald schon gehen?“

Sein Gesicht wurde von einem Schatten überzogen und seine braunen Augen verloren jenes typische Leuchten. „Leia, du weißt, dass ich Jabba bezahlen muss. Es ist nicht so, als wenn ich eine Wahl hätte, denn dieser fette Bastard will sein Geld wirklich möglichst bald.“

Leia nickte und versuchte das Gefühle, welches diese Antwort in ihr weckte, zu unterdrücken. „Ich weiß das. Es ist nur so, dass ich den Eindruck habe, immer mehr Freunde gehen zu sehen. Ich…ich möchte nicht noch einen verlieren.“ Han musste wissen, wie viel es sie kostete, dies zu sagen und daher schwor sich Leia, dass wenn er sich über sie lustig macht, sie ihn augenblicklich töten würde.

Aber er blieb still und studierte ihr Gesicht mit einem ernsthaften Blick. Sie konnte seinen Ausdruck nicht deuten und als er schließlich sprach, trafen sie seine Worte mit Überraschung.

„So wir sind“, begann er und stoppte unsicher.

„Sind was?“

„Freunde.“ Dieser unlesbare Ausdruck kehrte wieder auf sein Gesicht zurück.

„Was meinst du damit? Selbstverständlich sind wir Freunde.“ Leia fragte sich, was er erwartete, dass sie sagt. „Warum?“

Han erstarrte, als er selbst darüber nachdachte, was er hätte hören wollte. „Es gibt keinen Grund.“ Abrupt stand er auf und reichte ihr seine Hand. „Du siehst erschöpft aus. Besser du versucht, noch etwas zu schlafen.“

Sie würden Bespin erst in weiteren fünf Tagen erreichen und da es für eine Prinzessin keinerlei wirklicher Aufgaben an Bord gab, würde sie noch mehr wie genug Zeit zum schlafen finden. Dennoch wollte sie seine Hast nun nicht hinterfragen und ließ sich stattdessen von ihm zurück, durch den dunkeln Korridor zur Tür seiner Kabine, führen. Sie standen für einige Momente in der Dunkelheit, bis Leia schließlich sagte: „Ähm, gute Nacht, Han.“ Sie löste widerwillig ihre Hand aus seiner und trat in den schmalen Raum.

„Leia.“ Der sanfte Ton ihres Namens aus seinem Munde, brachte sie zum stoppen.

„Ja?“

„Ich kann nicht versprechen, dass ich wiederkommen kann, aber ich kann versprechen, dass ich es versuche.“

Es war kein verbindlicher Vertrag, dass wusste Leia, aber sie wusste auch, dass solch ein Versprechen von Han Solo mehr war, als sie je erwartete. Sie lächelte durch die Dunkelheit. „Danke“, sagte sie nur und schloss die Tür hinter sich. Sie lehnte sich gegen das kalte Metall und in diesem Moment schwirrte nur ein Gedanke durch ihren Kopf: Kommt er wegen mir zurück?

Han stand noch solange vor der verschlossenen Kabinentür, bis er keine Geräusche mehr vernehmen konnte. Er wusste nicht, warum er Leia solch ein versprechen gab, doch bereute er es auch nicht. Vielleicht würde sein unverschämtes Glück ihm tatsächlich dabei helfen, Jabbas Palast lebendig verlassen zu können und aus dem Verhalten der Prinzessin glaubte er schließen zu können, dass sie auf seine Rückkehr hoffte.

Vergiss es Solo…eine Prinzessin und ein Kerl wie du? Er schüttelte den Kopf und schleppte sich schließlich in seine Koje. Bevor der dunkle Mantel des Schlafes ihn umringen konnte, zog er eine wichtige Erkenntnis aus dieser nächtlichen Begegnung: Selbst Prinzessin Leia Organa war hinter ihrer Eismaske ein verwundbarer Mensch und vielleicht, ja vielleicht, gab er ihr dieses Versprechen, weil er sich tatsächlich um ihr Wohlergehen sorgt und er gerne auch in Zukunft an ihrer Seite sein würde, um sie nach einem Alptraum in die Arme zu schließen und zu beruhigen.



ENDE