Der Kuss

(Teil 2: Die Zuneigung / Teil 3: Die Liebe)


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





Kapitel 1


Es war kalt, sehr kalt. Manchmal bemerkte er es noch, meistens ignorierte er es. Es existierte nicht mehr für Palpatine.Gefühle, im wahren Sinne des Wortes ‚fühlen’, waren ihm gleichgültig.Hass- dieses Gefühl, dass ihn seit Dekaden leitete, brachte ihm keine Neuerungen mehr in seinem Leben. Und das andere…Liebe - er konnte sich nicht direkt daran erinnern.

Sicher,…es hatte Augenblicke in seinem langen Leben gegeben, da war ein solcher Hauch von Zuneigung oder eben Liebe präsent gewesen, doch er hatte es von sich abgeschüttelt.Liebe - das war Abhängigkeit. Und Abhängigkeit war nicht gut für einen Sith,…nicht einmal für einen Jedi!

Das Beste Beispiel war Anakin Skywalker! Er verscheuchte seine Gedanken, die ihn überfielen, wenn er schwach war.Wenn er des Morgens aus seinem unruhigen Schlaf hochfuhr, den letzten Alptraum noch in den vermodernden Knochen sitzen hatte und er sich erst fangen musste.Er konnte sich nicht an den Alptraum erinnern, aber das Nachtgewand, das klamm an seinem verbrauchten Körper klebte, verriet ihm, dass er gut daran tat, sich nicht bewusst daran erinnern zu können.Er hatte Durst, schrecklichen Durst. Auf seinem Nachttisch stand wie eh und je eine Karaffe Wasser. Er schüttete sich zwei Mal noch in das kleine Glas nach, dann war sein Durst gestillt. Zumindest vorerst. Er wusste, dass es Zeit war, sich diesem Tag zu stellen. Dennoch sank er kurz nochmals zurück in die Kissen und schloss die Augen…Und fing sich wieder. Seine Gedanken waren auf das Jetzt fixiert, das Heute galt.

Langsam erhob er sich und schleppte seinen alten Körper ins Bad. Eine reinigende Dusche würde auch den letzten Rest dieser unnötigen Gedanken an Gefühle fortspülen.   



Kapitel 2 


Der Tag war wie eh und je verlaufen. Nichts Neues, nur der Alltag, der ihn seit Jahren von innen her auffraß. Er hörte ihnen schon lange nicht mehr zu.Warum auch? Er würde jede Veränderung wahrnehmen, jeden Betrug, einfach alles. Sate Pestage hatte ihm Unterlagen gegeben, die er unterschreiben und damit absegnen sollte. Er hatte sie gründlich gelesen und freigegeben. Manchmal misstraute er selbst schon Sate…und ihn kannte er nun schon wirklich lange. Er hatte ihm schon gedient, als er noch Senator gewesen war.

Jetzt am Abend erwartete ihn ein weit langweiligeres Ereignisn: Der Frühjahrsball.Im großen Ballsaal würde jeder erscheinen, der in der imperialen Gesellschaft etwas zählte. Die Muftis mit ihren Familien, hohe Offiziere, der gesamte restliche Hofstaat, Senatoren, wichtige Adlige aus der ganzen Galaxis, wichtige Anführer der Handelsvertretungen…Er würde dort nur kurz erscheinen, etwas bleiben und dann wieder hinauf in seine Gemächer gehen. Er konnte all die Lebewesen nicht mehr ertragen, wie sie um seine Gunst buhlten, aus welchen Gründen auch immer. Ihre Gedanken, die er oft lesen konnte, wenn er sich überhaupt die Mühe machte, wisperten durch die Räume, es war nie still, es war laut; ohrenbetäubend! Er konnte es zwar, durfte es aber nicht ignorieren oder gar abstellen; dieses As sicherte sein Imperium. Alles zu wissen, über jeden Bescheid zu wissen. 

Es war soweit.

Er ließ sich von seinen Beratern und sonstigen Ordonanzen in den großen Ballsaal begleiten. Die Musik verstummte für einen Augenblick, er wurde mit dem üblichen Pomp begrüßt und ‚gefeiert’.Er nahm seinen Platz ein, auf einer kleinen Empore am Ende des Saales, wo sich schon Minuten später die ersten Günstlinge um ihn versammelten. Aber auch das weibliche Geschlecht ließ keine Gelegenheit aus, ihn bezirzen zu wollen.

Es war schon wahr: Er brauchte einen Erben, aber die passende Mutter hatte er noch nicht gefunden. Eines war nur sicher: Von den Damen bei Hofe, die untereinander Punkte verteilten, wer die besten Chancen hatte, es in sein Bett zu schaffen, war definitiv keine akzeptabel.Sie sollte machtsensitiv sein und nicht von Intrigen behaftet, wie die Damen hier. Seine Konkubinen, nun gut…sie waren schön, teilweise machtsensitiv und leicht zu beeinflussen, außerdem beteiligten sie sich rege am Klatsch und an Intrigen. Hätte er ein Kind mit ihnen gewollt, hätte er schon längst mehrfacher Vater sein können. 

Plötzlich…Es gab ein Individuum, das in der Macht agierte, gerade jetzt, in diesem Augenblick, in diesem Saal!Ein Jedi? Hier!?Wo? Er versuchte ihn auszumachen, doch das…Moment…

Guten Abend, Lord Sidious’, hörte er plötzlich mental eine weibliche Stimme sagen.

Also eine Jedi?

‚Sieh an, eine Jedi. Wer bist du?’

‚Jemand, der nicht auf Euren Listen steht.’

Er blickte sich um. Wo war sie?Die Stimme klang jung. Also eine Jedi, die nicht direkt die Verfolgungen erlebt hatte.Er suchte noch immer den Ballsaal ab, suchte nach Gesichtern, die er niemals zuvor gesehen hatte oder nicht zuordnen konnte.An einer sich in seine Richtung umdrehenden Frau blieb sein Blick kleben. Sie war die Quelle.

‚Hallo.’ Er stockte etwas. Sie war jung, aber das Gesicht…kannte er es?

‚Sage mir deinen Namen!’ Sie fixierte ihn mit ihrem Blick, blickte ihm offen ins Gesicht. Sie war ohne Furcht direkt in die Höhle des Löwen gekommen.

‚Kenobi.’

‚Du bist mutig hierher zu kommen.’

Sie schwieg und drehte sich wieder weg von ihm. Einen Moment später verschwand sie in der Menge und war weg. Die Störung in der Macht verschwand, sie hatte sich abgeschirmt.

‚Mistress Kenobi?’

Nichts. Niemand hatte seine Irritation bemerkt, ein jeder aber war mit sich selbst beschäftigt. Er erhob sich, Sate Pestage stoppte sofort sein Gespräch mit Sa-di, und ging die Stufen der Empore hinab in den Saal. Die Menge machte ihm platz, ließ ihn durch.Er versuchte ihr zu folgen, irgendwie. Sie war doch nicht einfach her gekommen, um auf sich aufmerksam zu machen, und dann wieder zu verschwinden? Zwei Leibgardisten hatten sich ihm derweil  an die Fersen geheftet. Von ihnen flankiert verließ er den Festsaal.   



Kapitel 3

 
Ihre Spur verlief deutlich in Richtung Palastpark, sie gab ihm oft genug die Möglichkeit sie in der Macht zu spüren, doch antwortete sie nicht auf sein Rufen.An den Treppen zum Palastpark stoppte er.

„Wartet hier!“, befahl er seinen Leibwächtern und die standen sofort still. Ihm zu widersprechen, auch in dieser möglichen Gefahr, könnte tödlich sein.Also stieg er in der Tat allein die große Treppe zum Park hinab. Der Kies unter seinen Schuhen knirschte bei jedem Schritt, das Aufsetzen des Gehstockes hörte sich stelzend an. Es war Nacht, kurz vor dem Schlag der Palastuhr zur mitternächtlichen Stunde. Die Wege des Parks waren leer und wurden nur von einem dämmrigen Licht beleuchtet, es war nahezu surreal.Erneut ließ sie ihn kurz ihre Präsenz in der Macht spüren, er folgte ihr weiterhin.

Wieso nur wusste er, dass sie ihn in keine Falle locken wollte? So naiv konnte selbst eine so junge und sicher auch noch unerfahrene Jedi nicht sein.Dann erblickte er sie. Sie sagte kein Wort, setzte sich nur auf die Bank in der schwach beleuchteten Laube. Er wartete einen Moment, dann nahm er neben ihr Platz. Es war schon eine Zeit her, dass er so nah bei einer Frau gesessen hatte. Er konnte ihre Körperwärme spüren. Er wusste nicht wirklich, was er hier tat. Wusste sie es? Was war der Zweck dieses Treffens?

„Ich wusste nicht, dass Kenobi Vater war.“

„Ich bin das einzige Kind.“

„Was suchst du hier? Wer schickt dich?“

„Niemand.“

Stille. Irgendwie…war ihm etwa etwas mulmig zumute? Wieso schwieg sie?

Die junge Frau erhob sich, ihr Abendkleid aus Seide schimmerte etwas im unwirklichen Licht. Sie sagte immer noch kein Wort.Er erhob sich ebenfalls und trat zu ihr.Sie war etwas kleiner als er, schlank…und irgendwie hübsch. Der Kuss war geschehen, einfach so. Es gab dafür keinen Grund, noch einen Auslöser. Kenobi hatte sich etwas vorgebeugt und mit ihren Lippen die Seinen berührt, ihn geküsst. Er hatte nichts unternommen, den Kuss zu unterbinden. Er hatte ihn hungrig beantwortet.

Sie schmeckte gut.Wie lange war es her, dass er eine Frau geküsst hatte oder von einer Frau so geküsst worden war? Er konnte sich kaum noch daran erinnern.Mittlerweile fand er sich in ihren Armen wieder, er hatte seine Arme um ihren Körper geschlungen.Der Kuss wurde noch intensiver, viel intensiver.Gerade, als er sie aber zu streicheln beginnen wollte, löste sie sich wieder von ihm.So wie der Kuss begonnen hatte, endete er auch wieder. Sie setzte, ohne ein Wort gesprochen zu haben, einen Schritt aus der Laube und ließ einen etwas perplexen Palpatine stehen.Er berührte verwirrt seine Lippen, er schmeckte sie noch, und wusste nicht, was das alles zu bedeuten hatte.Er setzte ihr nach, rief sie mental zurück. Keine Antwort, sie schritt weiter in Richtung Nebeneingang des Palastes.‚

Was war der Sinn dieses…Kusses…, Mistress Kenobi?’

‚Ihr werdet es bald schon wissen, Palpatine.’‚

Was wissen?’

Das alles war sehr mysteriös, nahezu unheimlich.

‚Wir werden uns schon sehr bald wieder sehen, und dann werdet Ihr es wissen.’

Plötzlich spürte er nichts mehr in der Macht, sie war einfach so verschwunden. Lediglich der fremde Geschmack ihres Speichels erinnerte ihn daran, dass das Ganze stattgefunden hatte.Verstohlen wischte er sich über den Mund, er war etwas unsicher, was er von dieser Situation halten, noch wusste er, wie er ihre letzte Aussage deuten sollte.Er erreichte die große Haupttreppe, an der auf dem oberen Absatz seine beiden Leibgardisten warteten.Sofort zog er sich zurück in seine Gemächer.   



Kapitel 4 


Er stand vor dem großen Spiegel in seinem Bad und blickte zum ersten Mal nach Jahren bewusst hinein. Langsam schob er sich die Kapuze aus dem verwitterten Gesicht, öffnete die Spange am Hals, zog den Mantel aus, warf ihn beiseite.Er spürte noch immer ihre Lippen auf den Seinen, schmeckte sie weiterhin.

Seltsam.

Sein Gesicht war wahrlich keine Augenweite.Er wollte nicht mehr über das gerade Geschehende nachdenken.Das Wasser aus dem Wasserhahn war absichtlich eiskalt, er hielt seine Handgelenke darunter, damit sein Puls abkühlen konnte. Er wusch sich sein Gesicht ebenso mit eisigem Wasser, versuchte einen klaren Gedanken zu fassen. Er ging in sein Schlafzimmer, setzte sich auf die Bettkante.

Ihm war kalt, eiskalt, er fröstelte.Selbst als er sich die Bettdecke über den alten Körper zog, fror er erbärmlich. Das Bett war nur schon immer so kalt gewesen und würde es auch bleiben. So lag er da und starrte ins Leere. Es war so still hier. Er hörte nur sein Atmen, spürte seinen Herzschlag.Die Verwirrung machte etwas Anderem Platz…etwas, was er stets fürchtete.

Gedanken - sie überfielen ihn, wenn er seine schwachen Momente hatte. Und sich ihnen zu stellen…? In der Nacht würden erneut die Alpträume ihn verzehren, er würde unruhig schlafen, öfter erwachen…in die Dunkelheit starren, in die Bibliothek gehen, alte Sithtexte lesen.

‚Mistress Kenobi?’

Keine Antwort.Er starrte auf die Karaffe auf seinem Nachttisch und beobachtete, wie die Luftblässchen der Kohlensäure zischend aufstiegen, um an der Oberfläche aufzuplatzen.

234…235…236…237…238…239…240…241…242…243…244…245…246…247…248…249…250…251…252…253…254…  255…256…257…258…259…260…

Er griff nach der Karaffe und goss sich ein Glas Wasser ein, hob seinen Oberkörper an und trank.Ihr Geschmack, das einzige Indiz ihrer Anwesenheit und des Kusses, verschwanden.

Seine Gedanken jedoch nicht.




ENDE