Die Liebe

(Teil 1: Der Kuss / Teil 2: Die Zuneigung)


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





Kapitel 1

 

Es war, als verginge die Zeit nun wesentlich schneller.

Er bemühte sich, nicht auffällig zu wirken gegenüber seinen Beratern und Freunden, doch das fiel ihm wahrlich schwer. Oder wie sollte er ihnen erklären, dass er plötzlich so wissbegierig und kommunikativ war?

Dass er sich plötzlich interessierte, wie es den Kindern seiner Berater und Freunde ging. Er hörte ihnen zu!

Seine Alpträume gingen zurück, stattdessen war er oft genug regelrecht aufgekratzt, dass er sich schon zurückhalten musste.

Sahans Schwangerschaft blieb im Palast in so fern unbemerkt, als dass er nicht mit ihr in Verbindung gebracht werden konnte. Wer ahnte denn schon, dass sich Kenobi und Palpatine kannten. Jedoch hatte er, wie jeder andere auch, diverse Gerüchte erfahren, die sich darüber ausließen, dass die junge Frau ein uneheliches Kind zur Welt bringen würde, obwohl das gewiss nichts Ungewöhnliches war in dieser Zeit.

Zumindest störte sich Sahan nicht daran.

Er sich…nun ja,…es war ja auch sein Kind. Und unehelich…eigentlich war er, was das angeht, doch schon konservativ. Doch würde sie wohl niemals auch nur in Erwägung ziehen,…bei ihm zu bleiben…oder…, nein, nein, sie würde niemals „Ja“ sagen.

Sie kam stets am späten Abend und blieb für ein oder zwei Stunden.

Aber etwas änderte sich deutlich zwischen ihnen: An ihren letzten Treffen hatten sie meist nur wortlos nebeneinander gesessen oder gelegen, und ab und zu ein kleines Gespräch geführt. Sie blieb distanziert, ließ keinerlei Nähe, persönliche Nähe, zu. Kein Kuss,…nichts.

Er wusste nichts von ihr,…nur wer sie war und woher sie kam.

Ihm wurde gewiss, dass er nicht einmal wusste, wie es ihr ging, noch, wie es in ihrem Inneren aussah.

Wie fühlte…?

STOPP!

Wenn er so weiter machte, würde das passieren, was nicht passieren durfte: Einem Sith war es nicht erlaubt, sich in eine Frau zu verlieben…und schon gar nicht in eine Jedi!

Leidenschaft ja,…aber Liebe ging weit über die Leidenschaft hinaus! Leidenschaft war vergänglich, Liebe…konnte hingegen ewig währen.

 

 

Kapitel 2

 

Sahan kam wie mittlerweile gewohnt alle vier Tage zu ihm, sie schliefen aber nicht mehr miteinander. Aber sie blieb bei ihm, wenn er sich zu Bett begab, saß  still neben ihm und wachte fast über ihn, bis er einschlief. Welch seltsames Bild musste dies sein, für einen Betrachter, kam ihm eines Nachts in den Sinn. Dann erst floh Sahan aus seinen Räumen.

Manchmal antwortete sie bereitwillig seine interessierten Fragen und ließ ihn an der Schwangerschaft teilhaben. Zumindest ab und zu.

Das Kind gedieh gut und wuchs rasch.

Schon jetzt war es sicher, dass das Kind stark machtsensitiv war; er würde es akzeptieren, gleich ob es ein Junge oder ein Mädchen würde, schließlich war er nur froh, dass er überhaupt Vater werden würde.

Und besonders stolz wurde er, als er das Baby in ihr fühlen konnte. Sie erlaubte ihm, ihren Bauch zu berühren. Es trat tief in ihr, bewegte sich sogar recht heftig.

Bei einem dieser nächtlichen Treffen jedoch hielt er ihr plötzlich ein kleines Kästchen mit einem Ring hin, den sie nur irritiert anstarrte.

„Ich bin nicht gewillt, dich zu heiraten.“ Das war kurz und knapp, aber bestimmt.

„Und…eine Verlobung? So zieht zumindest die Gerüchteküche nicht mehr so arg über dich her.“

„Das stört mich nicht im Geringsten.“

„Aber mich!“, kam es leise von ihm, „Bitte, du kannst die Verlobung meinetwegen auch nach der Geburt lösen.“

Es dauerte lange bis Sahan nickte. Sie dachte darüber nach und befand, dass er an sich Recht hatte. Zumindest,…aus einem gewissen moralischen Standpunkt aus gesehen. Er galt als konservativ, doch das bezweifelte sie durchaus. Aber dennoch schien er in seine anerzogenen moralischen Muster von einst zurück zu fallen. Anders war dieser Heiratsantrag nicht zu verstehen. Ihm musste klar geworden sein, dass das Kind, das sie trug, ein Bastard sein würde.

Ihre Familie war tatsächlich auch etwas pikiert, dass sie ihnen nicht den Namen des Kindsvaters nennen wollte und der Jedirat wollte sie am liebsten von Coruscant holen, da sie befürchteten, der wohl unwissende Palpatine könnte die schwangere Jedi gefangen nehmen und ihr das Kind wegnehmen.

„Nein“, sie weigerte sich und beachtete den teuren Ring keines Blickes mehr, „Haben sie nicht gefragt, wofür du einen Ring brauchst?“

„Sie wissen es nicht. Ich war selber bei einem Juwelier hier in der Nähe, unter falschem Namen und in der Macht versteckt“, er ließ das Kästchen zuschnappen.

Und dahin würde er den Ring auch wieder bringen,…wenn es nach ihr ging.

Er hingegen beschloss, sie in einer schwachen Minute erneut zu fragen. Dass sie ihn kalt und emotionslos, zumindest vom Gesichtsausdruck her, einen Korb gegeben hatte, schmerzte ihn zutiefst.

Da waren allerdings keine Wut und auch keine Enttäuschung. Die Dunkle Seite klopfte nicht an…entweder war sie da und leitete ihn, oder sie lauerte wie ein Raubtier in der Dunkelheit.

 

Er hatte schon lange darüber nachgedacht, wieder etwas zu veröffentlichen, und sich nun direkt an KenoBooks gewandt. Material besaß er zu genüge. Der Geschäftsführer, Nathan Kenobi, bot sofort an, zu ihm zu kommen, um im Palast alles weitere zu klären, doch Palpatine ließ es sich nicht nehmen, den Verlag zu besuchen.

So saß er einige Tage später, inkognito, nur mit zwei Leibgardisten im Schlepptau, in Nathan Kenobis Büro und besprach mit ihm Titel, Konditionen und den Vertrag.

„Es gibt doch zwei Geschäftsführer bei KenoBooks…“, begann er und hoffte, alles würde sich zu entwickeln, wie er es sich wünschte. Sie musste einfach hier sein,…oder? Mit ihr, ganz offiziell, an einem Tisch zu sitzen und mit ihr zu sprechen, über etwas anderes als das Baby, wäre sicherlich eine interessante Neuerung. Doch:

„Meine Cousine Sahan hat bereits alles soweit abgesegnet, konnte jedoch nicht mehr hier daran teilnehmen, da sie im Mutterschutzurlaub getreten ist.“

„Ich hörte davon, ja. Meine Glückwünsche an Eure Cousine.“

Oh, sie hatte damit gerechnet. Kluges Mädchen. Tief in seinem kalten Körper begann die kleine Flamme, seine Zuneigung, zu lodern und ihn zu wärmen. Allein schon die Nennung ihres Namens nährte sie. Das wusste er seit Tagen, seit Wochen vielmehr. Er hatte es zuerst nicht wahrhaben wollen, doch er hörte das Knistern der Flamme, wenn er sie berührte oder sah, und spürte ihre Hitze, wenn er ihren Namen hörte oder an sie dachte.

„Vielen Dank, ich werde es ihr gerne ausrichten.“

Als er den Rückweg antrat, erhaschte er einen Blick auf sie. Sofort hörte er das Knistern…und es war schwer, und wurde stets schwieriger, das ganze herunter zu spielen, damit niemand etwas bemerkte.

Er hatte sie noch nie am Tage gesehen, nur jetzt hier im Verlagshaus. Sie war hochschwanger und erwartete die Geburt in etwa 4 Wochen. Die ältere Dame neben ihr war ihre Tante, er kannte sie noch aus früheren Textbesprechungen. Sahan sah genervt aus, ihre Tante schien sie wahrscheinlich wegen etwas zu tadeln. So wie es aussah, hatte Sahan etwas Schweres selber tragen wollen.

Er ließ sie seine Präsenz kurz spüren und die Flamme bahnte sich ihren Weg. Das war nun unvermeidbar. Sie musste diese Emotion, die sie in ihm wachrief, doch ebenso bemerken! Wollte sie dies vielleicht gar nicht?

 

„Du nimmst dir also eine Auszeit?“

„Etwa drei Monate.“

„Das ist sehr kurz…wir haben uns noch gar nicht richtig über die Zukunft unterhalten.“

„Welche Zukunft?“, klang das wirklich so überrascht oder bildete er sich das nur ein?

Er seufzte und legte sich zurück in die Kissen seines Bettes. Das Kind trat heftig in ihr, er konnte es spüren, wenn er nur die Hand auf ihren geweiteten Leib legte. Sie sagte nicht, ob ihr dies gefiel oder nicht. Sie war gleichgültig

„Ich denke, ich sollte das Baby nicht stillen…“, er hatte das Gefühl, als zögen sich die Muskeln seines alten Herzens zusammen. Er zog tief Luft ein, versuchte, sich zu entspannen.

„Sahan, bitte…wir sollten wirklich langsam alles durchsprechen. Du willst doch nicht unser Baby…“

„Dein Baby!“

„…unser Baby mit mir allein lassen!“

Er bat sie inständig, sich das ganze nochmals zu überlegen. Wie sollte er mit einem Säugling klar kommen, wo er schon Probleme mit Erwachsenen hatte?

Sich um sein Kind zu kümmern, würde ihm einiges abverlangen, doch er würde es natürlich tun, doch konnte er unmöglich allein das Kind aufziehen. Er war alt. Was wäre, wenn er plötzlich stürbe? Was würde dann mit dem Kind werden? Seine Berater müssten es dann aufziehen,…wenn sie nicht blieb. Oder wenn sie sich nicht um das Kind kümmerte.

Zudem hielt er den Einfluss der Mutter auf das Kind für sehr wichtig.

Sahan hörte sich alles an, nickte zumeist. Er bat sie, nach der Geburt ihn und das Neugeborene nicht zu verlassen, sondern mit ihm gemeinsam das gemeinsame Kind groß zu ziehen.

„Nein“, war ihre Antwort.

Sie lächelte innerlich. Sie erreicht ihr Ziel, es war so nah wie niemals zuvor! Er spürte das, was er spüren sollte. Es sollte ihn fast zerreißen. Er sollte fühlen, was er niemals hatte fühlen wollen. Etwas, was er sich verboten hatte und von dem er meinte, er würde darüber stehen.

Aber es würde erst erreicht sein, wenn das Baby da war.

Plötzlich schlug er ihr vor, dass Kind hier zur Welt zu bringen oder auf der palasteigenen Krankenstation. Sie zierte sich.

„Hier? Meine Familie…“

„Sie werden es sowieso erfahren, Sahan. Auch meine Berater werden bald davon erfahren, denn ihnen Kindergeschrei logisch zu erklären, erscheint mir ziemlich schwer“, er lächelte offen.

Zögernd nickte Sahan schließlich: „Also gut. Unter einer Bedingung!“

„Welcher?“

„Ich komme her, wenn die Wehen eintreffen und verschwinde, sobald ich mich wieder erheben kann.“

Er zögerte. Damit gab sie ihm zu verstehen, dass sie lediglich wirklich nur die Stunden der Geburt hier verbringen würde. Dabei hatte er zu hoffen gewagt, sie überreden zu können, ein paar Tage mit ihm zu verbringen…vor und nach der Geburt.

„Dann bleib heute Nacht hier, ja?“

Erneut nickte sie, sie blieb aber abweisend: „Ich hoffe, du weißt, worauf du dich einlässt.“

„Ich fürchte: nein!“, er lachte aber leise dabei und bot ihr dann einen Teil seiner Bettdecke an. Sahan akzeptierte, schälte sich aus ihrem Kleid und legte sich im Unterkleid zu ihm. Er löschte das Licht und hörte bald nur noch ihren gleichmäßigen Atem. Sie war eingeschlafen.

Er hatte schon lange nicht mehr neben einer schlafenden Frau gelegen. Es war seltsam, er konnte ihre Körperwärme spüren. Und er genoss es, schloss die Augen. Er hatte das Bedürfnis, sie in den Arm zu nehmen und sich an sie zu pressen. Er wollte sie fühlen! Ganz nah, Körper an Körper, Haut an Haut, Herz…an Herz. Aber noch verbot irgendetwas tief in seinem Inneren ihm diesen Schritt.

Er war…glücklich?! Das war er selten, zumindest privat. Sein Glück spielte sich normalerweise meist auf der politischen Ebene ab. Privat glich es einer Farce.

 

Kapitel 3

 

Sie schlief erstmalig an seiner Seite, und er hatte es genossen. Ihr Körper war warm, das Bett war warm. Nachdem sie rasch eingeschlafen war, hatte er sich doch noch mehr an sie heran gewagt und ihren geweiteten Leib gestreichelt. Heimlich, immer bedacht darauf, sie nicht zu wecken. Solange bis er selbst eingeschlafen war.

Es war nicht ungewöhnlich, dass einer seiner Berater morgens in das Schlafzimmer trat, um ihn noch vor der Zeit zu wecken, wenn es wichtige Neuigkeiten gab.

Und genau das passierte!

Ohne großartig mit der Wimper zu zucken betrat der Großwesir Sate Pestage sein Schlafzimmer. Doch als er zwei Personen im Bett liegen sah, stockte er.

Selbst wenn sich Palpatine eine der Konkubinen zu sich ins Bett geholt hatte, so übernachteten sie niemals bei ihm. Aber das war keine seiner Konkubinen.

Also, wer war das?

Sahans Zustand und Name waren zwar der feinen Gesellschaft bekannt, schließlich war es nicht unbeachtet geblieben, dass KenoBooks plötzlich doch zwei Geschäftsführer hatte, doch ihr Gesicht war es nicht, da sie es stets vermieden hatte, in der Öffentlichkeit aufzutreten. Und als sie schwanger wurde, allein stehend, war ihr Name auch noch in den Klatschspalten gelandet.

Und bei genauerem Hinsehen, erkannte Pestage noch mehr: Sie erwartete ein Kind.

Etwa das Seine?

Er nahm es an, sonst würde er sie wohl nicht bei sich dulden.

Vorsichtig rüttelte er Palpatine an der Schulter, so dass dieser etwas unsanft hochfuhr.

„Was ist, Sate?“, murmelte er müde und rappelte sich auf.

„Es gibt wichtige Nachrichten“, antwortete er nur und verließ den Raum. Hier würde er seinen Herrn nicht auf die Frau ansprechen.

Leise und langsam stand Palpatine auf. Er wollte sie auf gar keinen Fall wecken, sie brauchte ihren Schlaf, um Kraft zu schöpfen.

 

„Wer ist das?“

Oh, Sate war ausnahmsweise einmal direkt. Sein alter Freund starrte ihn entgeistert an.

„Meine…“, er musste überlegen, jedoch rasch feststellen, dass es keine Bezeichnung für die Beziehung zwischen ihnen gab. Also schwieg er.

„Ist das dein Kind, welches sie trägt?“, Pestage Stimme war leise.

„Ja, Sahan…“

„Sahan?“

„Sahan Kenobi.“

Sate realisierte, was er da sagte, nickte aber nur. Natürlich hatte der Großwezir den Klatsch und Tratsch um die Geschäftsführerin gehört…und nur mit dem Kopf geschüttelt, um es schließlich zu ignorieren. Es erschien ihm unwichtig. Welche Fehlentscheidung! Aber woher hätte er davon wissen sollen? Der Imperator hatte sich nur selten an den stets gemeinsam verbrachten Abenden in trauter Runde früher zurückgezogen. Nichts war auffällig gewesen.

„Und nun?“

„Sahan wird während der Geburt im Palast weilen, wir spielen kein Verstecken mehr. Und das Kind kommt auch in wenigen Wochen.“

Pestage nickte und versprach, entsprechende Arrangements zu organisieren. Palpatine bat ihn, die restlichen Berater zu informieren und entsprechende Instruktionen zu erteilen. Sahan sei gut und zuvorkommend zu behandeln, ihre Bitten zu befolgen.

Sie würde keinerlei Bitten aussprechen, das wusste er…das würde sie aus Prinzip nicht tun!

Jetzt war wohl auch die Zeit gekommen, Vorkehrungen für die Ankunft seines ersten Kindes zu treffen. Wo sollte es schlafen? Was sollte es tragen? Wie sollte es heißen?

 

Kaum war sie fort, traten Sate Pestage und Sa-di ein. Beiden gefiel es nur minder, dass Sahan Kenobi im Palast weilen würde. Dass sie schwanger war, war hingegen ein Glücksfall.

„Das Kinderzimmer wird rasch fertig gestellt werden“, meinte Sate, „Weißt du nun einen Namen für ihn?“

„Der Name steht noch nicht fest…“, er erhob sich von Früchstückstisch, „Aber warum seid ihr euch so sicher, dass es ein Junge ist?“

„Du würdest sie doch keine Tochter austragen lassen“, erklärte Sa-di, bekam jedoch sofort Zweifel, „…oder?“

Er blickte den beiden ins Gesicht. Normalerweise kochte sein Blut bei solchen Gesprächen, nun jedoch war er lediglich  enttäuscht. Sie hatten ihn doch jahrelang gedrängt, Vater zu werden.

Jetzt, wo die Vaterschaft allerdings anstand, waren sie unangenehm berührt, dass er zu der Mutter seines Kindes eine Beziehung aufbaute oder auf zu bauen versuchte.

„Jetzt fehlt nur noch, dass du dich in sie verliebst“, Pestage sah ihn herausfordernd an. So herausfordernd, dass Palpatine nicht ohnehin kam, ihnen eine Antwort zu geben, die sie weiter verstören würde.

„Wer sagt euch, dass ich das nicht schon lange bin?“

Und diese Antwort überraschte ihn zugleich selbst. Denn damit war seine Befürchtung ausgesprochen.

Er wusste, dass er sich verliebt hatte.

 

Kapitel 4

 

Die Wehen setzten ein paar Tage zu früh ein, mitten in der Nacht. Sie brauchte ihn nicht zu wecken, die Panik, die das Ungeborene verspürte, ließ ihn hochfahren. Er hatte stundenlang wach im Bett gelegen und überlegt, was ich erwarten würde. Das Vater-Sein kannte er nicht. Es würde schwer werden, doch er tat alles, um nicht wieder der Einsamkeit und der totalen Isolation versinken zu müssen.

Sie schien sich selbst noch in den Verkehr gestürzt zu haben, erreichte den Palast jedoch rechtzeitig und wurde sogleich zu ihm gebracht. Bald darauf saß sie aufrecht auf seinem Bett in einem weiten Nachthemd und massierte ihren Bauch. Plötzlich jedoch bat sie darum, doch in der Medistation entbinden zu dürfen. Aus Sicherheitsgründen. Er nickte und kümmerte sich darum.

„Dann sollten wir los“, meinte sie leise und kontrollierte ihre Atmung.

„Soll ich eine Trage kommen lassen?“

„Nein, das Laufen erleichtert die Geburt.“

Er gab dem bereits informierten Mediker bescheid, dass die Wehen begonnen hätten, dann zog er sich einen Mantel über und half Sahan auf. Er legte ihr noch einen Mantel um, damit sie nicht fror.

Die nächste Wehe kam rasch, Sahan klammerte sich reflexartig an ihn, flüsterte: „Wir müssen los, es kommt!“

Er zuckte zusammen, so nah war sie ihm schon lange nicht mehr gewesen, stützte sie jedoch sofort bereitwillig und begleitete sie zur Krankenstation, stetig Rast machend, da Sahans Wehen heftiger wurden.

 

Das Kind kam rasch. Kaum auf der Medistation begann die Austreibungsphase. Zwei Stunden später gebar Sahan einen Sohn: Ethril.

Er war gesund und munter.

Sie stillte ihn bereitwillig, obwohl sie dies zunächst abgelehnt hatte, doch als der Junge plötzlich an ihrer Brust lag…!

Und schließlich durfte auch Palpatine seinen Sohn im Arm halten. Für ihn das erste Mal, dass er ein Kind halten durfte. Stolz durchflutete ihn…Glück…sogar Hoffnung…

„Bei der Macht! Ist er goldig. Ich bin so stolz auf dich.“

„Du willst ihn sicher doch präsentieren. Nur zu! Zeig ihnen deinen Erben!“, das klang sehr bitter, doch erschätzte, sie war zu müde und zu erschöpft und reagierte deshalb so. Nein, sie reagierte immer, hatte immer so reagiert.

Jetzt endete doch nicht ihre Zukunft! Sie begann!

„Sahan,…“, er beugte sich zu ihr hinab und küsste sie vorsichtig auf den Mund, „Ich meine es ernst: Ich bin stolz auf dich…und…“, er biss sich auf die Lippen, „ich liebe dich!“

Sie blickte auf. Jetzt war es raus. Das Ziel war erreicht.

Er sollte etwas anderes kennen lernen als Hass. Er sollte ein Wesen sofort ins Herz schließen, ohne Hintergedanken, ohne Hinterlist. Er sollte lieben lernen, und all den Schmerz, der damit einhergehen konnte.

Er sollte aber auch lernen, eine Frau, die er normalerweise töten würde, eine Jedi, zu respektieren und zu begehren.

Und das tat er jetzt!

„Ich weiß.“

„Dann entscheide dich für uns,…bitte.“

Sahan zögerte: „Ich kann nicht, verzeiht!“

Er hingegen verlor jegliches Protokoll. Er küsste sie lange vor allen Anwesenden, Sahan drehte sich weg, unterbrach dadurch seine Zuneigungs- und Liebesbeweise. Womöglich war sie doch zu weit gegangen…?

Dann verließ er auf ihren Wunsch mit dem Baby den Raum, er sollte seinen Beratern den Sohn vorstellen.

 

 

Kapitel 5

Schon als aus den Raum heraustrat wusste er, dass sein Leben nun anders würde: Andere Prioritäten, andere Zukunftspläne…eine Familie…ohne Mutter. Er wagte nicht, erneut den Ring hervor zu zaubern und sich erneut vor ihr zu erniedrigen. Denn er würde wohl betteln, betteln, dass sie bei ihm und Ethril blieb.

Ihm war klar, dass er das Kind, den kleinen Jungen, nicht allein aufziehen konnte. Er war in steter Gefahr,…und wenn ihm etwas zustieß, würde er sich das niemals verzeihen können, noch würde er jemals darüber hinweg kommen. Wahrscheinlich würde er dem Kind bald darauf folgen.

Es war eine schwere Entscheidung, doch er musste sie treffen. Es war anders nicht möglich. So schwer ihm dies auch fiel, aber ihm war bewusst, dass es nur eine einzige richtige Entscheidung gab: Ethril, sein Sohn, würde mit seiner Mutter gehen. Sahan hatte davon gesprochen, sich wieder aus der Öffentlichkeit zurück zu ziehen. Das Neugeborene gab dazu den passenden Anlass.

Er war nicht mehr der Mensch, der noch vor 10 Monaten einsam Tag für Tag in seinem Bett aufgewacht war und dessen Leben nur noch aus Hass und Rache bestanden hatte.

Mit dem Kuss in einem Pavillon des Palastgartens hatte alles begonnen, mit Ethril Geburt endete es.

Aber es war nicht das Ende- es war das Ende vom Anfang!

 ‚Mistress Kenobi? Ich liebe dich!’

Ein paar Stunden, nach einigen Stunden, erholsamen Schlafes, verließ Sahan Kenobi sein Leben, den Palast, den Planeten und das System. In ihrem Arm hatte der Junge gelegen, schlafend.

Es war das Beste: Für ihn, für sie und besonders für den Säugling. Im Palast schwebte er in stetiger Gefahr, es gab hier zu viel Neid und Missgunst.

Sie würde sich melden, das wusste er, das hatte sie versprochen.




ENDE