Die Zuneigung

(Teil 1: Der Kuss / Teil 3: Die Liebe)


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





Kapitel 1

 

Er schlief wie immer schlecht, durchlebte Alpträume und wand sich unruhig in seinen Laken. Schwitzend fuhr er hoch und schaltete mental das Licht ein. Er griff nach seinem Glas Wasser und trank gierig, goss nach, trank erneuert.

Es war noch früh am morgen, die erste Sonne ging am Horizont gerade auf.

Er zog sich einen Mantel um seinen hageren Körper und setzte sich in seinem kleinen privaten Salon auf eine Couch, nah am großen Fenster.

Das einstige Coruscant schlief zwar nie, doch erwachte es bei Tagesanbruch noch mehr zum Leben.

Die Zeit verrann rasch, er musste sich tagfertig machen.

Was immer der Tag auch bringen würde…

 

Kapitel 2

Er musste sich oft eingestehen, dass er daran dachte, was vor zwei Wochen in der Laube im Park geschehen war.

Er war geküsst worden und er hatte geküsst.

Eine junge Jedi…

Er hatte versucht, sie zu finden, doch war seine Suche erfolglos. Es gab zwar mehrere Leute mit dem Namen Kenobi auf Coruscant, darunter auch einige Frauen, doch sie war nicht darunter.

Die Familie Kenobi, aus der auch Obi-Wan Kenobi hervor gegangen zu sein schien, wie er nach langer Suche herausfinden konnte, besaß den sehr erfolgreichen wissenschaftlichen Verlag KenoBooks. Es gab stets zwei Geschäftsführer, deren Erben jeweils die ältesten Kinder der Geschäftsführer waren. Daher handhabte es die Familie stets so, dass sie nur maximal zwei Kinder in die Welt setzten pro Generation. Das bedeutete, dass die junge Frau, Obi-Wan Kenobis Tochter, die zweite Geschäftsführerin sein musste!

KenoBooks hatte seinen Hauptsitz mittlerweile hier, da hier der größte Absatzmarkt für wissenschaftliche Literatur war. Er selbst hatte schon über KenoBooks einiges an seinen Arbeiten veröffentlicht.

‚Mistress Kenobi? Jetzt weiß ich, wer du bist…und jetzt weiß ich auch, wo du bist!’

‚Schön für Euch’, kam plötzlich eine Antwort.

‚Du hörst mich also doch?’

Stille, absolute Stille. Sie antwortete ihm nicht mehr.

 

Der Abend.

Wie so oft mit seinen Ordonanzen und Beratern.

Sie saßen im großen Salon beisammen, bei einem Glas Wein, und besprachen alles Mögliche. Besser: Sie sprachen, er schwieg.

So war es zumindest in den letzten 15 Jahren gewesen.

Er nutzte die erste sich ihm bietende Möglichkeit, um sich zurück zu ziehen.

Er wollte ihnen nicht mehr zu hören, noch wollte er ihre Stimmen vernehmen. Er wollte einfach nur seine Ruhe.

Kopfschmerzen waren eine gute Ausrede, da nicht nachweisbar.

Sie wünschten ihm eine angenehme Ruhe und gute Besserung, als er sich aus seinem Sessel erhob und begleitet von seinen Leibgardisten den Raum verließ.

Das übertriebene, gebrechliche Gehabe fiel von ihm ab, sobald er den Raum verlassen hatte. Er ging wieder etwas aufrechter und auch nicht mehr so langsam. Die Leibgardisten waren das bereits von ihm gewohnt, eine Reaktion ihrerseits war jedoch kaum zu erwarten.

 

Er war müde, doch fand er keinen Schlaf. Es gab Momente, da wollte er gar nicht einschlafen, weil er wusste, dass ihm der Schlaf kaum Erholung bringen würde. Dennoch versuchte er es weiter und döste so vor sich hin.

Er wusste nicht, wann er das erste verdächtige Geräusch wahrgenommen hatte, aber…jemand war unter seine Bettdecke geglitten und küsste ihn auf den Mund.

Es war wie damals in der Laube…

Er öffnete etwas erschrocken die Augen. Sie lag bei ihm, ganz nah, er hatte sogar schon unbewusst einen Arm um sie gelegt.

„Wie kommst du hier herein?“

„Durch die Tür?“, flüsterte sie leise, ihre Stimme klang mehr wie ein Hauchen.

Er brachte ein vorsichtiges Lächeln über die Lippen. Sie musste eine gut geschulte Jedi sein, um seine Leibgardisten zu überlisten.

Wieso bemerkte er erst jetzt, dass er sie schon seit dem ersten Spüren streichelte? Was passierte jetzt gerade?

Zu spät.

Die folgenden Küsse waren noch hungriger und inner als alle anderen zuvor. Sie streichelte und liebkoste ihn, er tat es ihr gleich. So etwas hatte er schon lange nicht mehr erleben dürfen. Und sie ging sogar noch weiter, sie animierte ihm zum Liebesakt. Er schlief mit ihr nur zu gerne.

Und er fiel sofort in Tiefschlaf, nachdem sie beide ihr Vergnügen gehabt hatten.

Es entzog sich seiner Kenntnis, dass die junge Frau sich aus seinen Armen entwand, sich wieder anzog und auf dem gleichen Weg verschwand, den sie gekommen war.

 

 

Kapitel 3

 

Er erwachte allein, meinte aber, sie würde noch neben ihn liegen. Mit geschlossenen Augen tastete er nach ihr. Dass er sie nicht in der Macht spürte, war ja nichts Ungewöhnliches.

Als er sie nicht fand, öffnete er die Augen: Die junge Frau war weg, doch das eingedrückte Kopfkissen neben ihm und die Körperflüssigkeiten verrieten ihm, dass es kein Traum gewesen war.

Und abgesehen von Befriedigung hatte sie ihm auch eine angenehme Nachtruhe beschert. Er hatte durchgeschlafen, ohne Alpträume.

Nur hatte er leider wieder nichts von ihr erfahren können, wobei ihm auffiel, dass er nicht mal ihren Vornamen wusste!

Aber was blieb jetzt noch? Er würde sie fragen, wenn…nun ja, wenn sie vielleicht…wiederkäme?

Würde sie?

Zumal, er verstand nicht, was diese ganze Aktion bedeutete:

Sie kam, Kuss, sie ging.

Sie tauchte auf, wärmte sein Bett und tauchte wieder unter.

Das Einzige, von dem er sagen konnte, dass es ihn veränderte, war, dass er oft, nein, stetig an sie dachte.

Aber das hatte ja noch nichts zu bedeuten.

 

Sie kam regelmäßig zu ihm, alle vier Tage, sagte kaum ein Wort, schlief aber jedes Mal mit ihm. Er brauchte fast weitere 14 Tage, um ihren Name zu erfahren.

„Sahan“, antwortete sie leise.

„Nun denn, Sahan Kenobi, warum kommst du nachts zu mir und…?“

„Scht!“, sie legte ihm einen Finger auf die Lippen deutete ihm, nicht weiter zu sprechen. Gleichzeitig suchte sie ihre Sachen zusammen und zog sie über.

„Du gehst wieder?“, das klang leicht enttäuscht, obwohl er es doch nicht anders kannte, „Und wenn ich dich bitten würde, heute Nacht zu bleiben?“

„Das ist unmöglich.“

Sie hatte ihre Schuhe gefunden und schlüpfte hinein.

„Weiß der Hohe Rat der Jedi, oder wie auch immer sie sich jetzt betiteln, was du hier treibst?“

„Nun, und rausschmeißen können sie mich nicht, also…es liegt alles in meinem ermessen. Was glaubt Ihr denn, habe ich vor?“

Er lächelte etwas amüsiert: „Nun, ich schätze, du versuchst nicht, mich umzubringen, denn dazu hattest du genügend Gelegenheiten. Aber…nun…ich weiß nicht…“

„Ich sehe schon, Ihr habt keine Ahnung. Gute Nacht“, sie stand vom Bett auf und verließ ihn, ohne sich um zu sehen. Ihm blieb nichts anderes übrig, als bei Gelegenheit, in einer seiner öfter auftretenden schwachen Minuten, über das Ganze nach zu denken.

 

 

Kapitel 4

 

Er begann, sich um sie zu sorgen, als sie eine Woche lang nicht zu ihm kam. Er versuchte, sie mental durch die Macht zu rufen, doch wie immer, antwortete sie nicht und schirmte sich vollständig von ihm ab. Er hatte sogar kurz darüber nachgedacht, bei ihrer Familie nach ihr zu fragen…

Doch das verwarf er rasch. Wie hätte das denn ausgesehen?

Am Abend des 12. Tages war sie plötzlich wieder da; er war beruhigt.

„Wo warst du? Fort? Auf einer Mission?“

Sie grinste nur müde: „Ich hatte meine…, gut nennen wir es noch Tage.“

„Wie…noch?“, er wurde blass und verstand langsam, was sie die ganze Zeit über gemeint hatten, er würde bald verstehen. Eine Jedi war bereit, ihm, aus welchen Gründen auch immer, ein Kind zu schenken. Deswegen kam sie nachts zu ihm!

„Erwartest du ein Kind?“, fragte er nach einem Moment der Stille.

Warum hatte er daran keinen einzigen Moment verschwendet, wo es doch so nahe liegend war!

Für gewöhnlich schlief man miteinander, um Kinder zu zeugen…und nichts anderes hatte Sahan Kenobi getan.

„Das ist es doch, was Euch noch fehlt: Ein machtsensitiver Erbe!“

„Nur…schlecht für die Jedi.“

„Weshalb, uns bricht es nicht das Genick, wenn alles herauskommt!“

Und da hatte sie durchaus Recht.

Er brauchte wirklich dringend einen Erben. Und da er noch keine passende Mutter gefunden hatte, kam sie gerade richtig.

Sie hatte gehandelt…aus welchen Gründen auch immer. Er hingegen hatte Zeit seines Lebens nur wenige Gedanken an eine Familie verschwendet.

„Es ist noch nicht sicher…ich erfahre es morgen früh.“

„Würdest…du …mir Bescheid geben?“

Sie nickte, küsste ihn aber nicht und schlief auch nicht mit ihm. Und sie verließ ihn. Er war wie immer allein.

Sein Bett war kalt, er fror. Er konnte nicht schlafen, die Gedanken quälten ihn, überfielen, setzten wilde Szenarien in seinen Kopf in Gang.

Wenn tatsächlich jemand unpassenderweise von diesen…Geschehnisse…erfuhr, hatte es eine sehr schwerwiegende Folge für ihn: Das, wovor er am Meisten Angst hatte.

Die Aufdeckung seines Privatlebens.

Seines Liebeslebens.

Man gewann Einblick hinter seine Fassade…

Nur…etwas war anders.

Es gab eine gewisse Emotionalität,…gegenüber Sahan.

Sahan hatte mit ihrer Aktion bezweckt, ihn zum Handeln zu zwingen…Ihn aus seiner Passivität heraus zu holen.

Gut, sie war eine Jedi…, doch wenn sie jetzt tatsächlich sein Kind trug, würde es ein Glücksfall sein. Allen Ängsten zum Trotz.

Er war hochgradig machtsensitiv, sie ebenso. 

Nur…weswegen?

 

 

Kapitel 5

 

Sie war zu ihm gelangt, erneut, ohne gesehen oder registriert zu werden. Es war tiefe Nacht, aber er hatte auf sie gewartet, fast schon sehnsüchtig. Es war so still gewesen, dass er nur sein Atmen gehört hatte. Ihre Schritte…nun, nein, plötzlich hatte sie neben ihm gestanden und zu sprechen begonnen. Er war überrascht zusammen gezuckt.

Sollte sie einmal sein Feind…sie war eine Jedi, sie war sein Feind…nein, sollte sie einmal sein Feind sein, würde er nirgendwo sicher sein.

„Ich werde keinen großen Ärger vom Rat bekommen“, sagte sie mit ruhiger Stimme, „Meine Familie ist allerdings nicht gerade begeistert davon, dass ich schwanger bin.“

Dafür war Palpatine umso begeisterter.

Er wurde Vater!

So überraschend, da von ihm nicht geplant. Nur hatte er keine Ahnung, wie er reagieren sollte…er kannte so eine Situation nur aus den Erzählungen von Freunden und Bekannten. Und jetzt…?

Aber Sahan betonte, dass sie auf jeden Fall das Kind austragen würde. Was danach jedoch geschehen würde…?

„Und der Rat? Was wird er dazu sagen?“

„Für gewöhnlich sagen sie nichts, es ist die Sache der Betroffenen, das Kind zu bekommen oder nicht.“

„Aber in unserem Fall?“

„Es gibt kein „uns“. Sie werden wohl erst erfahren, wer der Vater des Kindes ist, wenn ich dich mit ihm allein lasse.“

Er starrte sie an. Ihn allein lassen? Mit einem Säugling?

„Darüber sollten wir diskutieren, wenn wir uns beide etwas beruhigt haben. Bleibe heute Nacht, wir sprechen beim Frühstück darüber.“

Stille, Sahan schüttelte den Kopf. Sie erhob sich, wie sie sich immer erhoben hatte, wenn sie ihn verließ.

„Niemand wird erfahren, was zwischen uns passierte. Gute Nacht.“

„Bleib!“

Ohne ein Wort ging sie wieder ihres Weges und ließ ihn im Schlafzimmer stehen.

Er verstand sie nicht, was war ihre Intention? Sie brachte ihn immerhin dazu, sich selbst mit seinen Ängsten zu konfrontieren. Zumal…er hatte sehr lange nachgedacht…, warum machte es ihm Angst? Warum geheim halten? War ein Kind keine frohe Botschaft, die man hinausschreien sollte?!

Aber…er hatte spüren können, rein instinktiv, nicht weil sie es ihm gezeigt oder hatte spüren lassen, dass Sahan ebenfalls beunruhigt war oder gar ängstlich schien. Vor ihrer eigenen Courage?

War es wirklich so schlimm, wie er es sich in seinen ärgsten Alpträumen ausmalte: Wenn jeder sehen konnte, dass Sahan ein Kind von ihm erwartete?
Dass er ein Privatleben hatte, gar ein Liebesleben. Wahrscheinlicher jedoch war, dass genau das Sahan nicht wollte.

Er lief unruhig umher, durch die Zimmer seiner privaten Räumlichkeiten, auf dem Korridor. Er zählte seine Schritte, unterbrach dies jedoch rasch, als er merkte, dass er es vor sich hinmurmelte. Die Gedanken setzten ein. Es waren die inneren Stimmen seines Selbst, die die Einzigen waren, denen er noch zuhörte. Denen er nicht ausweichen konnte. Die er nicht zum schweigen bringen konnte. Die ihm nicht gehorchten.

Er ging zurück, starrte aus jedem Fenster, an dem er vorbei kam. Wie lange?

War das wichtig?

Der Morgen brach an, die Dämmerung setzte ein.

Ein neuer Lebensabschnitt war angebrochen, dessen Freuden er nun noch niemanden mitteilen durfte. Was immer Sahan auch vorhatte…


ENDE