Umgang mit der Wirklichkeit




Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.






Leia streckte ihre Beine vor sich aus, stützte sich nach hinten auf ihre Arme und reckte den Kopf Richtung Himmel. Die Farben der Dämmerung waren verblasst und dadurch die Sterne gut sichtbar. Im Schatten des Falken sitzend, war es das erste Mal, dass sie den Nachthimmel wirklich betrachtete. Die Atmosphäre Endors war klar und rein und die Sterne über ihr glänzten hell. Alles wirkte so friedlich, doch je länger sie hinauf in den Himmel blickte, umso mehr schweiften ihre Gedanken zu Han.

Vor zwei Stunden kam sie von der medizinischen Fregatte zurück und musste enttäuscht feststellen, dass Han nicht am Falken arbeitete. Ein leicht gestörter Chewbacca hatte ihr erklärt, dass er Solo den ganzen Tag über vermisste und eher annahm, er würde die Zeit mit ihr verbringen. Daher hatte auch er keine Idee, wohin der Corellianer gegangen sein könnte, versprach aber sofort, ihm die Hölle heiß zu machen, da der Falke sich auch nicht alleine reparieren würde.

Da Chewie sich nicht um Han sorgte, wollte sie ihre eigenen Bedenken nicht zeigen. Doch das Gefühl, dass etwas nicht stimmt, konnte sie nicht unterdrücken.

Sie seufzte und schloss für einen Moment die Augen. Für sie gab es keine Zweifel, dass sie ihn liebt, weiterhin mit ihm zusammen sein will und alles tun würde, um ihm zu helfen

“Er wird bald hier sein“, sagte Luke leise, als er wie aus dem Nichts zu ihr trat.

Leia griff zur Bandage, die um ihren Arm lag und nickte ihrem Bruder zu. „Ich weiß.“

Niemals zuvor hatte es sie gestört, dass Luke die Fähigkeit besaß, ihre Gefühle zu lesen. Doch nun wusste sie, dass er die Macht nutzen kann und dass er ihr Bruder sei. Für einen Moment fragte sie sich, in welchem Ausmaße er wohl ihr Privatleben wahrnehmen kann.

Luke sah sie nicht an, als er sich neben sie setzte, doch Leia erkannte sein Lächeln im Schein der Sterne. „Warum bist du dann so besorgt?“

Weil ich Angst habe, dass er mit der Tatsache, dass ich Vaders Tochter bin, nicht fertig wird. Darum sorge ich mich. Ich selbst komme noch nicht einmal mit diesem Wissen zurecht.

Mit der Gewissheit, dass Luke ihre Gedanken lesen konnte, antwortete sie nicht und löste stattdessen den Verband, der über ihrer Bläserwunde lag. Leia war sich sicher, dass er kurz davor war, ihr zu sagen, dass sie dieses Geheimnis nicht vor Han hätte waren können und war daher beinahe dankbar, dass sich Calrissian gerade diesen Moment aussuchte, zur Gruppe zu stoßen.

„Leia, du bist wunderbar!“, rief er aus. „Ich schätzte schon immer Freunde, die Kontakt zu den oberen Plätzen halten, aber du, meine Liebe, bist einmalig.“

Über das übertriebene Lob lächelnd, meinte sie: „Kann ich dir helfen?“ und stand auf.

Lando stellte ein Tablett voller Essen beiseite. „Nein, nein, nein! Du bist verletzt! Außerdem hast du uns diese Mahlzeit eingebracht. Rieekan wollte die Gewissheit, dass du ordentlich isst und hat uns dies geschickt. Was du uns Männern nun zugestehen kannst, ist dir zu helfen.“

Luke trat an ihre Seite und legte einen Arm um ihre Schultern. „Entspann dich, Leia.“

Sie setzte sich wieder auf den Boden und murmelte: „Ich bin nicht invalide.“

Schmunzelnd über ihre Aussage, erwiderte er: „Da hast du sicherlich Recht, aber es würde dir auch nicht schaden, dich etwas auszuruhen.“

„Oh, dass sagst ausgerechnet du, Skywalker“, konterte Leia. „Wenn hier jemand Ruhe braucht, dann du! Der Todesstern ist gerade mal vor zwei Tagen zerstört wurden und du hast dir noch keine Auszeit gegönnt.“

Landos Vorbild folgend, griff sich Luke eine Frucht vom Tablett. „Da liegst du richtig“, stimmte er ihr zu, bevor er in das süße Fleisch biss. „Dass ist auch der Grund, warum ich für eine Weile nach Dagobah zurückkehre. Ich muss, wie jeder andere, Kraft tanken.“

Sie verstand ihn. Seine Konfrontation mit dem Imperator und Vader musste ihn körperlich sowie emotional geschwächt haben. Es gab vermutlich noch Aufgaben zu erfüllen, persönliche und jene, die mit der Macht in Verbindung standen. Dennoch mochte sie den Gedanken nicht, dass sie ihren erst kürzlich gefunden Bruder schon wieder gehen lassen sollte. Außerdem hoffte sie, mit seiner Hilfe, Han helfen zu können, ihre Abstammung zu akzeptieren. Er selbst hatte sie davon überzeugt, dass sie Han alles sagen muss und er war auch bei ihr, als sie ihn mit der Wahrheit konfrontierte.

„Wann wirst du abfliegen? Wie lange wirst du fort sein?“, wollte sie wissen.

„Ich dachte, ich werde morgen aufbrechen.“ Luke drückte ihre Schulter. „Keine Sorge, ich werde nicht lange weg sein. Es gibt nur ein paar Dinge, die ich erledigen muss.“

„Aber…“

„Ich werde aus deinem Sichtfeld sein, also nutze die Chance und verbringe die Zeit mit Han.“

„Wenn er jemals auftaucht“, unterbrach Lando mit einem Lachen und wusste gar nicht, dass er damit die Befürchtungen der Prinzessin aussprach. „Ich habe noch nie erlebt, dass er zu spät zum Essen kommt.“

Luke beobachtete, wie sich Leias Miene verfinsterte und beschloss daher das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken. „Ich möchte zu gern wissen, wo Chewie nur rumhängt?“

„Ich werde ihn suchen gehen“, bot Calrissian sofort an, da ihm letztendlich doch deutlich wurde, dass er im Moment fehl am Platz sei.

„Ich danke dir“, flüsterte Leia ihrem Bruder zu, als Lando außer Sicht war.

„Hast du noch nicht wieder mit Han gesprochen?“, fragte Luke unsicher.

„Nein…seit wir ihm alles sagten, nicht mehr.“

„Du weißt, was er sagte. Er braucht etwas Zeit, um das zu verarbeiten. Dir ging es doch nicht anders. Er liebt dich und wird diese Tatsache nicht zwischen euch kommen lassen“, versuchte er sie beruhigen.

„Ich hoffe, du hast Recht, Luke. Ich wüsste nicht, was ich ohne ihn tun soll…“

„Das wirst du auch nicht herausfinden müssen.“

Landos Stimme und das Brüllen Chewies, als diese die Rampe des Falken herunterkamen, zogen Leias Aufmerksamkeit auf sich und daher bemerkte sie nicht, wie sich Luke der Dunkelheit zuwandte.

„Hallo, Han.“

Leias Kopf peitschte herum, ihre Augen versuchend in der Nacht sein Gesicht auszumachen.

Der junge Jedi winkte seinem alten Freund zu. „Komm und leiste uns Gesellschaft.“

Chewbacca folgte mit seiner Begrüßung und letztendlich war Leia in der Lage, Han zu betrachten, als er zu ihnen ins Licht trat. Sie erhob sich, jedoch wich er ihren Blicken aus. Er trug noch immer dieselbe Kleidung, wie am gestrigen Abend, als sie ihn mit jenen Neuigkeiten überfiel. Seine Augen verrieten, dass er nicht viel Schlaf gefunden hatte und Leia fühlte sich in diesem Moment nur noch schuldig. Ihr erster Instinkt, ihn mit einer Umarmung zu begrüßen, wandelte sich und irgendetwas sagte ihr, dass sie ihn lieber allein lassen sollte.

„Ich wusste doch, dass du dir keine Mahlzeit entgehen lässt“, scherzte Lando. „Such dir einen Platz und greif zu, mein Freund.“

In diesem Moment wünschte sich Leia beinahe, dass nur sie vier zusammen sein würden, so wie es seit dem Beginn war: Luke, Chewie, Han und die Prinzessin selbst. Wenn Lando nicht da wäre, wären sie niemals nach Bespin gekommen und Luke hätte niemals die Wahrheit über ihre Abstammung erfahren. Aber dann hätte sie ihm auch nie ihre Liebe gestanden, oder doch?

„Wie geht es deinem Arm?“

Solos sanft gesprochene Frage, holte sie in die Gegenwart zurück. Noch immer sah er sie nicht an und für einen Augenblick glaubte sie, dass sie sich seine Frage nur eingebildet hatte.

Als sie nicht antwortete, wandte Han seinen Blick ihr schließlich doch zu.

„Er heilt gut. Keine bleibenden Schäden oder Narben.“

„Großartig.“ Das Wort stimmte nicht mit seinem Ton überein. Seine Augen schweiften zum Falken. „Ich werde mich besser frisch machen.“

Den Kopf gesenkt haltend, schritt er die Rampe seines Schiffes hinauf. Leia beobachtete seine Schritte und versuchte eine Entschuldigung zu finden, um ihm folgen zu können.

Lass ihn allein, sagte eine sanfte, männliche Stimme. Sie blickte zu Luke. Die Stimme klang beinahe wie die ihres Bruders. Lass ihn allein, wiederholte die Stimme und sie war sich sicher, dass es Luke war, der über die Macht mit ihr sprach. Nur konnte sie sich daran halten?

„Han sollte sich besser beeilen“, sprach Lando, mit vollem Mund, „oder es bleibt nichts für ihn übrig.“

„Gut, dann werden wir ihm etwas aufheben“, schlug Luke vor.

Chewbacca schien dies offensichtlich für eine gute Idee zu halten und begann bereits damit, etwas von den besten Sachen auf einen Teller zu packen.

„Ist schon gut, Chewie“, sagte Leia. „Ich glaube nicht, dass Han hungrig ist.“

„Nicht hungrig?“, erwiderte Lando ungläubig. „Ich hab ihn noch nie nicht hungrig erlebt.“

Die Prinzessin lenkte ihre Aufmerksamkeit auf den Teller, welchen Luke ihr reichte und hielt sich zurück, etwas zu sagen, was sie später bereuen würde. Die Stimme in ihrem Kopf war zwar verschwunden, jedoch blieb ihre Meinung zurück. Sie würde Han Zeit geben. Ihn allein lassen, zumindest solange, bis sie wusste, was sie für ihn tun kann, damit er sich in ihrer Gegenwart wieder normal verhält.

 

 

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Leia blickte schon das fünfzehnte Mal in wenigen Minuten auf ihre Armbanduhr. Das Essen war mittlerweile kalt und es somit offensichtlich, dass Han nicht mehr kommen würde.

Trotz der Abwesenheit des Corellianers, versuchten Luke, Lando und Chewie ihr Bestes, um den Abend mit gutem Humor zu füllen. Einzig und allein Leia schien keine Freude zu verspüren und sie wusste, dass die anderen dies wussten. Das Jucken der heilenden Haut ihres Armes trug auch nicht zur Verbesserung ihrer Stimmung bei. Der einzige Grund, warum sie noch nicht nach Han schaute, war ihre eigene Angst davor, wie er auf sie reagieren würde, wenn sie allein wären.

Nach weitern Minuten entschied sie sich jedoch, dass sie dieser Konfrontation auch nicht ewig aus dem Weg gehen könne. Sie hatte Han seine Zeit darüber nachzudenken gegeben. Ohne ein weiteres Wort oder Zögern stieg sie die Rampe des Schiffes hinauf.

Als Leia ihn nicht im Cockpit antraf, vermutete sie, dass er sich in seine Kabine zurückgezogen hatte. Da seine Tür geschlossen war, klopfte sie, bevor sie eintrat.

Für einen Moment dachte sie, dass Han sie nicht hatte kommen hören, da er sich in seiner Koje nicht umdrehte. Sie trat näher zu ihm. Sein Blaster lag ganz in der Nähe und er war noch immer vollständig angezogen. Der Schlamm tropfte von seinen Schuhen auf die Laken. Leia empfand diese Position als sichtlich ungemütlich und konnte sich nicht vorstellen, dass er so entspannen würde. Ebenfalls merkwürdig fand sie, dass das Kabinenlicht zu hell war, um schlafen zu können, jedoch hob und senkte sich sein Brustkorb in einem regelmäßigen Rhythmus und bestätigte, dass er tatsächlich eingeschlafen war.

Leia strich ein paar Haare aus seiner Stirn und blickte ihn nachdenklich an. Sie war sich nicht sicher, was er tun würde, wenn er nun erwacht und wenn sie ehrlich war, wollte sie ihn auch nicht wecken. Er war ein Held der Rebellen Allianz und brauchte, auch wenn sie noch so sehr mit ihm reden wollte, seinen Schlaf.

Die Macht ist stark in meiner Familie, hatte Luke ihr an jenem Abend gesagt, als er ihr mitteilte, dass er ihr Bruder sei. Natürlich meint dies nicht, dass sie dieselben Fähigkeiten wie Luke haben muss. Du irrst dich, Leia. Auch du besitzt diese Macht und irgendwann lernst auch du sie zu nutzen, genau wie ich.

Nutzen, wie es unser Vater tat, dachte sie bitterlich. Auf die Weise, wie es Vader tat?

Ging Han ihr aus dem Weg, weil er auch so dachte? Befürchtete auch er, dass sie und Luke eine Gefahr darstellen könnten? Leia schüttelte den Kopf. Nein. Sie durfte nicht so denken. Gemeinsam haben sie schon zuviel durchgemacht, als dass er dies glauben könnte. Außerdem liebt er sie doch, oder nicht?

Sie streckte eine Hand nach ihrem Geliebten aus, strich vorsichtig erneut durch sein Haar und weitete ihre Liebkosung zu seiner Wange aus.

Mein armer Han. Was hatte Vader ihm nicht alles angetan, bevor er ihn letztendlich in Karbonit einfrieren ließ. Ihr Vater war für seine Qualen verantwortlich. Sie würde verstehen, wenn er Probleme mit ihrer Abstammung haben sollte. Sie selbst war nicht bereit Vader

ihrem Vater– zu verzeihen, was er ihr und ihren Freunden antat. Sie konnte nur hoffen, dass Han ihr verzeihen würde und er sie auch weiterhin liebt.

Ein kritischen Blick mehr über ihn schweifend, entschied sie, dass er wirklich nicht komfortable aussah und befreite ihn langsam von seinen Schuhen und Socken. Vorsichtig lockerte sie seinen Gürtel und löste sein Hemd aus der Hose. Da sie ihn nicht wecken wollte, beließ sie es dabei und deckte ihn stattdessen mit einer Decke zu. Leia küsste ihn abschließend auf die Wange, bevor sie sich von ihm entfernte.

„Schlaf gut“, flüsterte sie. „Ich liebe dich.“

Sie schenkte ihm noch einen letzten Blick und ging hinaus, um eventuell noch etwas Zeit mit ihren Freunden zu verbringen und auf andere Gedanken zu kommen. Doch auf ihrem Weg überkam sie der Wunsch, wieder zurück in seine Kabine zu gehen und sich einfach neben ihn zu legen. Da sie ihn aber nicht stören wollte, eilte sie lieber zu einem anderen Teil des Falken, welchen sie, neben Hans Kabine, ebenso liebte: den Pilotensitz im Cockpit; Hans Sitz.

Als Leia sich setzte, legte sie ihre Beine unter sich und erinnerte sich daran, wie gut der Sitz sich Hans Körperform anpasste. Für einen Moment fühlte sie sich mit ihm verbunden, konnte beinahe seinen friedlichen Schlafrhythmus spüren. Sie schloss die Augen, verlangsamte ihre Atmung und erlaubte ihrer Fantasie zu fliegen. Durch die Macht war sie in der Lage, den Rhythmus seiner Atmung und den Schlag seines Herzens zu erkennen. Er wirkte so friedlich und nichts von all ihren Sorgen konnte sie lesen.

Erschreckend stellte sie beinahe fest, dass sie die Macht anwandte und verließ ohne weitere Gedanken das Schiff.

 

 

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Es fühlte sich so an, als ob es ihn eine Ewigkeit kostete, um aufzuwachen. Die schwache Beleuchtung zeigte, dass er sich noch immer in seiner Kabine befand. Seine Füße waren bloß und schauten unter dem Ende einer Decke, an die er sich nicht erinnern konnte, dass er sie über sich gelegt hatte, hervor. Es muss Leia gewesen sein. Han schloss die Augen und sank zurück. Er hatte den Falken nicht noch einmal verlassen, um sie zu sehen, als sie ihn am Abend erwartete. Er hatte ihr noch nicht einmal gute Nacht gewünscht. Er wollte sie nicht verletzen oder sie von sich stoßen…er brauchte einfach Zeit.

Langsam stand er auf und ging in die Dusche. Nachdem er die Nacht in seinen Kleidern schlief, tat das warme Wasser auf seiner Haut gut. Für mehrere Minuten stand er unter der Dusche und ließ das kalte Nass über seinen Körper waschen. Er seifte sich ein, rubbelte durch seine Haare und über den Rest von sich.

Frisch gekleidet fühlte er sich um einiges besser und wurde sich bewusst, dass er nicht noch länger drum herum kommen würde, mit Leia zu sprechen. Wenn er nur wüsste, was er ihr sagen will.

Vader war ihr Vater, hallte es in seinem Kopf.

 

 

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Sie wendete sich wieder dem Datapad auf ihrem Schoß zu. Da sie Han offensichtlich vermisste, fiel es ihr schwer, sich auf Arbeit zu konzentrieren. Luke war in den frühen Morgenstunden nach Dagobah aufgebrochen, Chewie und Lando kehrten mit den Droiden zur Flotte zurück und so war sie den größten Teil des Tages auf sich gestellt. Alle drei sagten ihr, sie hätten dringende Aufgaben zu erledigen, doch sie wusste nur zu genau, dass niemandem die Spannung zwischen ihr und Han entgangen war und man ihnen etwas Zeit allein, weg von der Allianz, geben wollte.

Sie war sich gar nicht so sicher, ob es eine gute Idee von ihr war, im Cockpit auf ihn zu warten, als sie das Klicken von Schuhen hinter sich hörte.

Leia drehte sich um und diesmal sah sie Han, ausgeruht und mehr in altem Glanz strahlend, als den Abend zuvor. Sie war froh, dass er geduscht und sich rasiert hatte, doch dann stellte sie fest, dass er unbewaffnet war und dies sprach wirklich gegen Han Solos Natur.

Er stoppte in der Tür, eine Hand in der Hose, um seine Nervosität zu verbergen.

„Hi“, begrüßte sie ihn, legte das Datapad zur Seite und stand auf.

Seine Augen trafen ihre und einige Sekunden herrschte Stille, bevor er fragte: „Wo ist Chewie?“

Leia zog kurz ihre Augenbrauen zusammen, vergab ihm jedoch seine vergessene Begrüßung und die Tatsache, dass er mehr an der Abwesenheit seines Freundes als ihrer Anwesenheit interessiert war. „Er ist zurück zur Flotte, zusammen mit Lando.“

„Was?“ Han schüttelte unverständlich den Kopf. „Weiß er denn nicht, dass wir Reparaturen zu erledigen haben? Besonders nach allem, was Lando ihr angetan hat.“

Langsam trat Leia auf ihn zu und erklärte ruhig: „Das ist der Grund, warum er gegangen ist. Lando fühlt sich so schon schuldig genug für den Kratzer im Rumpf, geschweige denn für den kaputten Teller.“ Innerlich musste sie darüber schmunzeln, dass Han sich über solche Kleinigkeiten mehr aufregen konnte, als dankbar dafür zu sein, dass Lando in seinem Schiff zum Untergang des Imperiums betrug.

„Das sollte er auch“, stimmt ihr Solo muffelig zu.

„Sie sind extra gegangen, um dir einen neuen zu kaufen“ Statt seines unerfüllbaren Wunsches erzürnt zu sein, griff Leia nach seiner Hand und war dankbar, dass er ihr erlaubte, sie zu halten. „Und wie steht es mit dir?“

Er traf ihren Blick. „Mir?“

„Bist du in der Lage die Reparaturen durchzuführen?“

Er zog ein gleichgültiges Gesicht. „Mir geht’s gut.“

Sie nickte. „Konntest du gut schlafen?“ Als er nicht antwortete, fügte sie hinzu: „Ich war einwenig besorgt, als du zum Abendessen nicht zurückkamst.“

Er wendete seine Augen ab. „Ich war nicht hungrig.“

Sie vermutete, dass er sich schuldig fühlte, da er nicht einmal zurückkam, um wenigstens gute Nacht zu sagen, allerdings wollte sie ihn auch nicht zu einer Entschuldigung zwingen. „Bist du nun hungrig? Ich kann dir etwas zu Essen holen, wenn du möchtest.“

„Vielleicht später. Ich muss noch etwas erledigen.“

Leia neigte ihren Kopf in Neugier und Angst. Wollte er sich ihr entziehen? Sie könnte ihm nicht böse sein, wenn sich seine Gefühle nach allem geändert haben sollten.

„Und dann werde ich dich wohl besser zurück zur Flotte bringen, euer Gnaden. Man denkt vermutlich schon, dass ich mit dir durchgebrannt bin.“

Er sah nicht sonderlich glücklich aus, aber immerhin bemühte er sich, normal zu wirken. Sie küsste zart seine Wange, um die Stimmung etwas zu erleichtern. Han umarmte sie leicht und sie erwiderte seine Geste, legte ihre Arme um seine Taille und ließ ihren Kopf an seiner Brust ruhen. Es war das erste Mal, seit sie ihm von Vader erzählte, dass er sie berührte und es fühlte sich so wunderbar an, wieder in seinen Armen zu sein.

„Wir müssen nirgendwo hingehen“, teilte sie ihm mit. „Carlist hat uns die nächsten Tage frei gegeben. Ich dachte, wir könnten ein paar Tage hier verbringen. Allein.“

„Rieekan hat uns gehen lassen?“, fragte er verblüfft. „Wie hast du ihn dazu überreden können?“

Leia gluckste und drückte sich noch enger an ihn. „Ich kann meine Geheimnisse nicht verraten.“

„Und du hast Chewie und Lando fortgeschickt?“

„Und Luke“, fügte sie hinzu. „Er ist nach Dagobah aufgebrochen.“

„Klingt so, als würdest du etwas für uns geplant haben.“

Sie löste sich von ihm, aber nur, um ihn anschauen zu können. „Nichts Bestimmtes. Wir könnten nur einwenig Zeit gutmachen. Du und ich, wir könnten uns wieder besser kennen lernen.“ …und wir könnten über meine Herkunft sprechen. „Wir hatten seit Bespin keine Pause mehr.“

Han strich ihr sanft über die Wange, eine Geste, die er seit einer Weile nicht mehr ausübte. „Ich weiß.“

„Ich liebe dich auch, Fliegerass“, flüsterte sie und versuchte die Gefühle in ihrer Stimme zu kontrollieren. Sie wünschte sich, er würde wie sein altes Ego reagieren und ihr zeigen, dass es für sie wirklich eine Zukunft gibt.

„Werden sie mir jetzt bloß nicht sentimental, Prinzessin“, warnte er sie mit einem Schmunzeln.

Sie erwiderte sein Lächeln über ihren privaten Witz. Es waren Momente wie dieser, die sie glauben ließ, dass mit ihnen alles in Ordnung sei. Sie brauchte all ihre Stärke, um das Zittern ihrer Lippen zu stoppen und gab zu: „Vielleicht ein bisschen.“ Die letzte Sache die sie wollte, war, dass er sich genötigt fühlt, sie zu trösten. Er muss schon für sich mit den Tatsachen umgehen, als dass er sich noch um eine weinende Prinzessin sorgen sollte.

„So“, begann sie, „gehen wir nun und erledigen deine wichtige Aufgabe?“

Han erstarrte. „Ist schon gut, ich werde allein gehen.“

Sie sah ihn verunsichert an und versuchter herauszufinden, warum er ihren Vorschlag abschlug. „Du willst nicht, dass ich mit dir komme?“

Es lag ein schmerzlicher Ausdruck auf seinem Gesicht, als es zu erklären wollte. „Das ist es nicht.“

„Aber du willst nicht, dass ich mit dir komme?“

„Das ist es nicht.“

„Was ist es dann?“

Schwer atmend, streifte sein Blick alles, nur nicht sie. Leia jedoch hatte nicht die Absicht, ihn so einfach gehen zu lassen. Sie würden früher oder später darüber reden müssen.

„Han?“

Er fuhr sich mit einer Hand durch das Haar und sah sie schließlich an. „Die Aufgabe“, er stoppte, „ich wollte… ich wollte nur sehen, wo Luke das Shuttle landete, als er auf Endor ankam.“

Urplötzlich verstand Leia seine Verschlossenheit. Er wollte die Überreste Vaders sehen und sie sollte nichts davon wissen. Wollte er sich vergewissern, dass ihr Vater wirklich nur noch eine Figur der Vergangenheit sei?

Sie schenkte ihm ein kleines Lächeln. „Das ist gut. Ich habe selbst darüber nachgedacht, dorthin zu gehen.“

„Du hast?“

Sie hatte nicht. Irgendwo hinzugehen, wo die Überreste ihres Vaters lagen, war das letzte, was sie im Kopf hatte. Allerdings, wenn es bedeuten würde, mit Han zusammen zu sein, für ihn da zu sein und ihm zu helfen, mit der Situation zurechtzukommen, würde sie gehen.

Leia ergriff seine Hand, drückte seine Finger und lächelte ihn an. „Wenn wir jetzt gehen, könnten wir vor der Dunkelheit zurück sein.“

Sein Blick war unsicher, doch er drückte ihre Hand im Gegenzug. Er führte sie hinaus aus dem Schiff. „Ich werd sie lieber schließen. Man weiß auf diesem Mond nie.“

Sie ließ seine Hand los und beobachtete ihn, wie er die Rampe hinaufstieg. Ihr Verstand, wie auch immer, versuchte nicht daran zu denken, was vor ihr lag. Ich kann das tun, versicherte sie sich selbst. Was werde ich schon großartig sehen? Vielleicht ein Paar menschliche Überreste. Ich habe schon weitaus schlimmeres gesehen, als das. Und normalerweise war das, was sie sah, durch die eine Person, die sie nun bereit ist zu sehen, erzeugt wurden.

Vader. Mein Vater.

Han kehrte kurz darauf zu ihr zurück und zumindest gemeinsam traten sie ihm jetzt entgegen. Diesmal würde sie nicht zulassen, dass er ihr Han nimmt.

Während des Weges schwiegen beide, versunken jeweils in ihre eigenen Gedanken. Für keinen war es einfach, ihrem größten Feind noch einmal zu begegnen. Zu tief saßen die Wunden, die er hinterließ.

 

 

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Sie kehrten erst spät zum Falken zurück. Was sie da draußen erblickten, war für beide die Versicherung, dass Vader, tatsächlich, verschwunden sei. Alles was von ihm übrig blieb, war nicht viel mehr als ein Haufen Asche.

Über die letzten Stunden war die Konversation zwischen Han und Leia recht spärlich ausgefallen. Keiner von beiden wusste, was zu sagen war. Doch nun, wo sie den Falken wieder betreten hatten, war sich Leia bewusst, dass sie Han mit seinen Gefühlen ihr gegenüber konfrontieren muss. Sie hatte ihm mehr wie genug Zeit gegeben.

Er saß bequem in einem Stuhl und beobachtete Leia, wie sie etwas zu Essen brachte. Die Stille zwischen ihnen war schon beinahe angespannt und keiner wusste, wer sie zuerst brechen würde.

„Han“

„Leia“

Nun mussten beide lachen. „Du zuerst, Prinzessin“, bot Han schließlich an.

Leia blickte auf und sah das typische Glänzen seiner Augen, was sie die letzten Tage so vermisste.

„Ich…wollte…“

„Leia, es tut mir Leid“, platzte es aus ihm heraus.

„Was tut dir Leid?“

„Ich hätte dich nicht von mir stoßen dürfen, nachdem ich von der Sache mit Vader erfahren habe“, gab er reumütig zu.

Sie, etwas überrascht, blickte ihn einfach ungläubig an.

„Leia?“

„Du meinst, die Sache mit Vader ändert nichts, zwischen uns?“

„Du bist noch immer du und Luke ist ein Held. Ihr konntet euch eure Eltern genauso wenig aussuchen wie jeder andere. Ich brauchte nur etwas Ruhe, um mir darüber klar zu werden. Ich kenne euch nun schon eine verdammt lange Zeit und niemals habt ihr mir auch nur einen Grund zum zweifeln gegeben.“

Leia selbst war froh diese Worte zu hören. Sie war so verunsichert und besorgt, ihn zu verlieren. Han streckte eine Hand nach ihr aus und bereitwillig stand sie auf und ließ sich auf seinem Schoß nieder.

„Ich hab dich vermisst.“ Er erhob seine Hand zu ihrem Gesicht, drehte sie zu sich und küsste sie. Der Kuss war zart, drückte dennoch seine tiefe Liebe für sie aus und versprach mehr Leidenschaft. Als sie sich von einander trennten, war sein Atem kurz und seine Augen funkelten sie an.

Leia lehnte sich noch enger an ihn und brachte ihre Lippen erneut zu seinen. So sehr sie sich auch wünschte, dass dies weiter führen würde, war sie dennoch unsicher. Zu viele frühere Gelegenheiten begonnen auf diese Weise und endeten nirgendwo.

Er zog sie mit sich, als er sich dem Boden näherte. Leia gab sich völlig diesem Moment mit Han hin. Sie ließ ihrer Finger durch sein Haar fahren, während sie ihre Beine auf beiden Seiten neben seiner Hüfte platzierte. Sein Körper war warm und hart unter ihrem. Sie wollte diese Situation nutzen, denn beide warteten viel zu lange darauf, um allein zu sein.

Sie beugte sich zu ihm, bedeckte seine Lippen mit einem leidenschaftlichen Kuss, der beiden den Atem raubte.

Als er sich wieder gefasst hatte, flüsterte Han in ihr Ohr: „Ich liebe dich.“

Sie küsste seine Wange, sagte aber nichts. Ihr Gesicht war feucht von Tränen. Als Han sich etwas zurückzog, sah er, dass sie weinte. Etwas in seiner Brust knackte und es war nicht länger wichtig, wer ihr Vater war. Dies war Leia in seinen Armen. Eine Person, die ein Recht darauf hatte, auch als solche wahrgenommen zu werden und nicht aufgrund ihrer Abstammung. Wie konnte er seine Liebe für diese Frau überhaupt in Frage stellen?

Ich liebe dich, flüsterte ihr Bewusstsein zu seinem. Ich liebe dein Vertrauen und deinen Glauben in dich selbst. Ich liebe deine Loyalität deinen Freunden gegenüber, deinen Heldenmut angesichts auswegsloser Situation und deine Aufopferung, die zu beschützen, die dir wichtig sind.

Ich liebe dich, weil du immer für mich da bist. Weil du immer für mich da warst, von Anfang an und auch, wenn ich dich zurückstieß und meine Gefühle für dich leugnete.

Ich liebe es, dass du denkst, du seiest übler und härter, als du wirklich bist. Tief drin bist du der herzlichste Mann, den ich jemals kennen lernte.

Ich liebe deine Augen und wie du mich anschaust. Ich liebe dein Lachen, den Grinsen. Ich liebe es, was dein Lächeln bei mir auslöst.

Und ich liebe es, wie du mich liebst.

„Es tut mir leid“, murmelte er und wischte ihr ein paar Tränen fort.

Leias Augen weiteten sich in Verwunderung. „Leid?“

Solo grinste. „Dafür, dass ich so dumm war.“

Sie griff nach seiner Hand und drückte sie. „Du bist nicht dumm.“ Sie brachte ihre andere Hand zu seinen Haaren und lächelte. „Vielleicht manchmal zu dickköpfig, aber nicht dumm.“

Für einen Moment schenkte er ihr ein Lachen, doch dann wurde sein Gesicht wieder ernst. „Ich liebe dich, Leia Organa. Dafür, wer du bist und nicht, wer deine Eltern waren.“

Sie hielt seinen Blick mit derselben Intensität. „Ich weiß, Han. Ich liebe dich. Erinnere dich daran, dass ich nicht ohne dich leben kann.“

Er nahm sie erneut in seine Arme, lehnte seinen Kopf gegen ihren und versicherte ihr: „Ich werde dich nie mehr verlassen, Prinzessin. Das verspreche ist.“

Sie hielten einander, was wie eine Ewigkeit erschien. Als sie sich widerstrebend voneinander trennten, hielten sie den Kontakt jedoch, da sie einen Arm und die Taille des anderen legten. Leia schloss die Augen und nutzte den Moment um durchzuatmen. Han zog sie erneut in eine Umarmung, küsste ihre Stirn und ließ sie schließlich aufstehen. Sie griff nach seiner Hand, zog ihn zu sich und lächelte ihn an.

„So, General“, begann sie, „wie es aussieht, bist du in guter Stimmung. Was würdest du am Ende dieses Urlaubstages tun wollen?“

Seine Lippen verzogen sich, so als ob er in Gedanken war, doch sein Blick signalisierte, dass er bereits wusste, was er wollte: „Ich möchte ihn im Bett, mit dir verbringen.“

Leias Kichern widerlegte ihren entsetzten Ausdruck. „An solch einem schönen Abend? Mit diesem sternenklaren Himmel?“

„Es gibt etwas Schöneres, was ich noch mehr genießen würde.“

Ich und Han… Leia lächelte bei dem Bild, das in ihren Kopf entstand: sie und Han. Ein Paar, Partner im Leben und in der Liebe. Dass war keine Vision, die durch die Macht hervorgerufen wurde oder eine Wahnvorstellung. Das war ihre Realität, ihre Zukunft.


ENDE