Korriban

Teil 1 von 2


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





Eins

 

Mit ungebremster Geschwindigkeit stürzte die Rettungskapsel dem Felsboden entgegen. Der Aufprallwinkel war so schräg, dass die Hügel den Flug bremsten und eine lange Schneise im Boden entstand. Dann schließlich grub die Kapsel sich tief genug in die Erde um vollständig gebremst zu werden.

Jak Daven stemmte sich mit beiden Füßen gegen die Außentür, von der er glaubte, dass sie nach oben zeigte. Der heftige Aufprall hatte seinen Orientierungssinn deutlich geschwächt. Jetzt kauerte er in unbequemer Lage in der Kapsel und erreichte in der Finsternis nur mit Mühe den Schalter, der die Tür öffnete. Nichts geschah. Jak starrte in die Dunkelheit und seine Gedanken rasten. Einen Defekt im Öffnungsmechanismus konnte er in dieser Situation unmöglich reparieren. Verzweifelt trat der junge Pilot gegen die Tür. Und er hatte Glück. Die Kapseltür öffnete sich nach einigen weiteren kräftigen Tritten und Jak erwartete, dass nach der Dunkelheit des Weltraums endlich Licht in die dunkle Kapsel fallen würde.

Aber es kam kein Licht.

Alles was er sah, war ein tief schwarzer Himmel, über dem ein Sturm tobte. Schwarze, dunkelblaue und lilafarbene Wolken, die so dicht beieinander waren, dass kein bisschen Weltraum zu sehen war. Was Jak am meisten schaudern ließ, waren die Blitze, welche die Wolken durchjagten. Einer dieser Blitze musste seine Rettungskapsel getroffen haben und die Technik fast völlig außer Kraft gesetzt haben.

Jak starrte eine Weile gebannt auf das Naturschauspiel und riss sich dann von dem Anblick los, um die Rettungskapsel zu verlassen. Er kletterte durch die Tür und rutschte dann an der Außenwand herab. Jak hatte Bilder von Korriban gesehen, aber sie waren nichts im Vergleich zu der Realität dieser Welt. Und im Vergleich zu dem Sturm, der auf den Bildern nie zu sehen gewesen war. Auf Bildern war der Himmel zwar bewölkt und auf irgendeine Art bedrohlich gewesen, aber harmlos im Vergleich zu dem hier.

Der Pilot sah sich um. Er befand sich inmitten einer öden und kargen Felslandschaft, sehr hügelig und voll von Felsbrocken, die teilweise sogar übereinander lagen. Stalagmiten ragten aus dem Boden heraus, der an vielen Stellen Risse hatte. Er konnte nicht weit sehen, weil seine Rettungskapsel in eine Senke gestürzt war.

Er verließ diese, um sich einen Überblick zu verschaffen. Aber das brachte nicht viel, denn auch am Rand konnte man nicht sehr viel weiter sehen. Jak ging eilig zurück zu Rettungskapsel, um zu kontrollieren, welche Geräte noch funktionierten. Er nahm seinen Rucksack und warf sein Datapad hinein. Der Pilot wollte gerade nach seinem Scanner greifen, als er sah, dass dessen Energiespeicher schwer beschädigt worden war. Jak brauchte eine Weile, dann hatte er eine Verbindung zur Restenergie der Rettungskapsel hergestellt. Der Scanner arbeitete. Für ein paar Minuten vielleicht, denn der Energiefluss der Kapsel war zu stark für das kleine Gerät.

Der Scanner ortete eine vergleichsweise kleine Menge von Stoffen, die für Korriban untypisch waren. Unter anderem Stahl. Sie schienen alle aus einer Richtung zu kommen, was auf eine Siedlung oder vielleicht auch nur ein Gebäude schließen ließ. Jak fasste etwas Mut, denn er hatte nicht erwartet auf einem Planeten, der offiziell schon lange unbewohnt war, noch jemanden zu finden. Oder machte er sich falsche Hoffungen? Das Gebäude könnte unbewohnt sein. Jak ging los.

 

Weniger als eine Stunde später erreichte er den Punkt, den der Scanner, den er in der Rettungskapsel zurückgelassen hatte, angezeigt hatte. Dort stand tatsächlich an eine Felswand gelehnt ein sehr schlichtes, mit Metallplatten verkleidetes Gebäude. Und im Sand davor waren Fußspuren. Jak kam näher und sah dabei durch die Fensterscheiben hinein. Hier schien wirklich jemand zu leben. Plötzlich bewegte sich in einem der Fenster rechts von ihm etwas. Eine Frau, die sich vorher geduckt hatte, kam hervor und hielt eine Waffe auf Jak gerichtet. Ein sehr altes Modell, aber auf die kurze Entfernung treffsicher und tödlich.

„Bewegen Sie sich nicht...!“, hörte Jak sie durch die Fensterscheiben hindurch sagen.

„Ich bin nicht hier um Sie anzugreifen...“, sagte Jak laut und deutlich und möglichst ruhig.

„Wer sind Sie?“, fragte die Frau ohne die Waffe herunterzunehmen.

„Mein Name ist Jak Daven.“ Er machte eine Pause. „Ich bin Raumjägerpilot“, fügte er dann hinzu. Er sah zur Frau, die direkt hinter dem Fenster stand, den Blaster nur Zentimeter davon entfernt.

„Raumjägerpilot? Was ist das dann für eine seltsame Uniform!“, fragte die Frau. Jak sah, dass sie nervös war. Das war nicht gut.

„Hören Sie“, versuchte es Jak. „Was immer ich Ihnen jetzt sage... geraten Sie nicht in Panik...“

„Was...?“ Die Hand mit der Waffe zitterte, aber Jak sah, dass es nicht das erste Mal war, dass die Fremde einen Blaster hielt.

„Ich will Ihnen nichts antun“, beteuerte er. „Dieses Fenster ist aus einem Material, das Ihrem Blasterschuss standhalten wird. Der Schuss prallt zurück. Er würde Sie töten, wenn Sie schießen...“

Die Frau wich eilig zurück, die Waffe aber immer noch auf Jak gerichtet. „Was.. wollen Sie hier?“

„Ich bin abgestürzt. Ich bin mit einer Rettungskapsel notgelandet, vierzig Minuten von hier entfernt.“

„Wie viele sind außer Ihnen noch hier?“, fragte die Frau.

Jak überlegte. Es konnte hilfreich sein, zu lügen und zu behaupten, er habe noch Verstärkung irgendwo in der Nähe. Aber die Frau könnte es durchschauen und da es vielleicht gar nicht notwendig war zu lügen... „Niemand, von dem ich weiß. Vielleicht konnten andere unser Schiff ebenfalls mit einer Rettungskapsel verlassen...“ Das war die Wahrheit. Fraglich, was sie bewirkte.

Die Frau zögerte und sah auf ihre rechte Hand, welche die Blasterpistole hielt. Plötzlich schreckte sie zurück und ließ die Waffe fallen. Im gleichen Moment spürte Jak, wie ihn etwas in den Rücken traf. Ein Betäubungsschuss, wusste Jak. Abgefangen durch die Panzerung, aber immer noch stark genug.

Jak verlor das Bewusstsein und sank zu Boden.

 


Zwei

 

Ein grelles Licht schien in Jaks geschlossene Augen hinein. Als er wieder aufwachte, drehte er reflexartig den Kopf von der Lichtquelle weg. Ein lautes „Beep“ ertönte aus Richtung des Lichtes. Dann hörte Jak das Surren eines Astromechdroiden, der anscheinend noch nie gewartet worden war, so laut und schabend war es.

Jak wartete einige ungewisse Sekunden voller Fragen im Kopf, dann hatte er sich etwas an das Licht gewöhnt und sah den Droiden an. Dieser hatte tatsächlich etwa die Größe eines Astromechs, aber damit hörte die Ähnlichkeit auch schon auf. Der fremdartige Droide hatte einen flachen Kopf und einen ungewöhnlichen Rumpf, der vorne mit zwei Kufen stabilisiert wurde.

„Was für ein Droide bist du...“, murmelte Jak, der immer noch etwas benommen war. Er sah sich in der Kammer um, in der er sich befand. Eine Wand des kleinen Raumes war ein Kraftfeld, dahinter ein Gang.

Die Lampe des Droiden blinkte nur einmal kurz auf, aber es kam keine Antwort auf Jaks Frage.

„Ein Astromech...?“

Der Soundchip des Droiden ließ ein „Beep“ ertönen. Dann blinkte die Lampe erneut und der Droide rollte schnell auf Jak, der auf dem Boden hockte, zu.

„Was...?“, entfuhr es dem Piloten. Der Droide öffnete eine Klappe, aus der im nächsten Augenblick ein Schockstrahl schoss. Ein schneller Schmerz durchzuckte Jak. Ein Folterdroide!

Der Droide schoss einen weiteren Schockstrahl, diesmal etwas längere Zeit lang.

Jak versuchte sich zu konzentrieren. „Hey!“, schrie er, in der Hoffnung, dass der Besitzer des Droiden es hörte. „Ich bin nicht Ihr Feind, verdammt noch mal!“ Plötzlich überkam ihm die Angst sich doch in einer feindlichen Basis zu befinden. Dann folgte ein weiterer, schmerzhafterer Schockstrahl.

Der Pilot stieß den Droiden mit aller Kraft weg und versuchte aufzustehen. Doch der Droide war zu schnell wieder bei ihm und setzte den Angriff immer härter fort.

„Oh!“, sagte auf einmal eine Stimme, die fürchterlich verzerrt klang. „Ich... Halten Sie durch!“

Jak konnte vor Schmerz nicht nachdenken, alles was ihm in den Sinn kam war, dass Darth Vader wohl doch ein gutes Herz hatte.

Wieder ein Schockstrahl. Und noch einer. Dann hörten die Strahlen auf. Jak sah auf den Droiden, der etwas zurückgewichen war und sich – obwohl zweifellos noch aktiviert – nicht mehr bewegte.

Wieder erklang die verzerrte Stimme. „Es tut mir Leid. Das hätte nicht... Eine Fehlfunktion...“

Jak sah hoch und bemerkte, dass eine Gestalt hinter dem Kraftfeld stand. Daneben tauchte jetzt eine weitere auf. Dann wurde das Kraftfeld deaktiviert.

Eine Person, war die Frau, die mit dem Blaster auf ihn gezielt hatte. Nummer zwei war ein hager aussehender Mann mittleren Alters und mit einem ängstlichem Gesicht.

„Hey…”, murmelte Jak zur Begrüßung. „Sie gehören nicht zum Imperium, oder?“

„Zum Imp...“, begann die Frau. „Nein. Nein, wir sind Forscher.“

„Forscher die Folterdroiden einsetzen? Sind Sie sicher, dass Sie keine Imperialen sind?“

„Wer sind Sie?“, fragte der Mann, der neben ihr stand.

„Ich bin Pilot“, sagte Jak grimmig. „Tödlich für meine Feinde, aber immer nett zu meinen Freunden. Und kein Freund von Folterdroiden.“

„Es ist ein Astromech“, bemerkte der Mann ruhig. „Ich habe ihn aufgerüstet.“

„Ja, ist mir aufgefallen.“ Jak bewegte seinen leicht tauben Arm etwas hin und her. „Sehr sinnvolles Hobby...“

„Es war keine Absicht...“, sagte die Frau. “X1 hatte eine Fehlfunktion...“

„Hat er mich hier eingesperrt?“, fragte Jak und stand mühsam auf.

„Nein“, sagte der Mann. „Ich habe Sie betäubt. X1 sollte nur feststellen, ob Sie eine Gefahr für uns sind.“

„Und? Was meint er!“

„Sie sind scheinbar kein Sith.“

„Nein“, entgegnete Jak wütend über die Behandlung. „Ich bin verdammt noch mal kein Sith! Sehe ich so aus?“

„Die Sith sind Meister der Tarnung.“

„Vielleicht bin ich ja ein Jedi!“, sagte Jak ironisch.

„Die Jedi“, sagte der Mann noch immer sehr ruhig, „sind Meister der Arroganz und der Schwäche.“

Jak stutzte kurz angesichts der Tatsache, dass der Mann etwas über ein ausgestorbenes Volk zu wissen schien. Er selbst wusste nur, dass die Jedi das Gute und die Sith das Böse einer Form von Magie waren, die vergessen worden war.

Die Frau brach das Schweigen, das eingetreten war. „Ich bin Ann Rioun, Wissenschaftlerin.“

Der Mann nickte. „Trevor Zan. Techniker. Ich entschuldige mich für die Fehlfunktion von X1.“

„Mein Name ist Jak Daven“, sagte Jak. „Ich bin Raumjägerpilot.“

„Sind Sie abgestürzt?“, fragte Zan.

Jak nickte. „Meine Staffel hat die Evakuierung einer kleinen Rebellenstation in diesem Sektor gesichert. Als wir angegriffen worden sind, dachten wir, wir könnten die feindlichen Jäger, in dem Sturm da oben vielleicht abhängen.“

„Auch unser Schiff ist dem Sturm zum Opfer gefallen“, sagte Rioun. „Aber wir konnten uns retten.“

„Haben Sie diese Basis hier errichtet?“, fragte Jak.

„Ja. Wir setzen unseren Auftrag, die Erforschung von Korriban fort, solange bis Trevor ein Hilferuf senden kann.“

„Haben Sie keinen Sendeturm, der den Kontakt nach draußen ermöglicht?“, fragte Jak. Kein Schiff, keine Funkverbindung. Das sieht nicht gut für mich aus.

„Es gibt eine kleine Sendestation auf einer der Erhebungen in der Nähe.“, sagte Rioun. Aber der Sturm wirft unsere eigenen Signale wieder zu uns zurück.“

„Tobt der Sturm über dem ganzen Planeten?“, wunderte sich Jak. Aus dem Weltraum betrachtet, hatte es nicht so ausgesehen. Und die Bilder von Korriban, die er kannte, zeigten keinen derartigen Sturm.

„Zumindest über dem gesamten Gebiet, das wir erreichen können, ja. Wir haben X1 ein paar Mal auf längere Erkundungen geschickt und selbst in großer Entfernung von hier kann er kein Signal senden.“

„Der Droide kann ein interstellares Signal senden?“

„Er könnte, wenn der Sturm nicht wäre“, sagte Trevor Zan. „Wie ich schon sagte, ich habe ihn modifiziert. Es hätte eine miserable Qualität und wäre überhaupt nicht verständlich, aber wenn es jemand da draußen empfangen würde, wüsste er, dass es von Korriban stammt.“

Ob uns das hilft? Jak verlor immer mehr Hoffnung, diesen Planeten verlassen zu können. Es herrschte Bürgerkrieg in der Galaxis und die Rebellenallianz konnte vor lauter Rückzügen sicherlich kein ein Rettungstrupp nach Korriban schicken. Nicht für einen unbedeutenden Piloten und nicht durch einen Orbitalsturm.

„In welchem Zustand“, begann Trevor Zan zögernd, „befindet sich ihr Raumschiff?“

„Es ist nur eine Rettungskapsel“, sagte Jak niedergeschlagen. „Groß genug für uns, aber nicht dafür gedacht, die Schwerkraft eines Planeten zu überwinden.“

„Wenn Sie Raumjägerpilot sind, wieso dann nur eine Rettungskapsel und kein Jäger?“, fragte Zan, der scheinbar misstrauisch war.

„Ich war an Bord eines Blockadenbrechers und gerade auf dem Weg zum Hangar.“

„Eine Rettungskapsel“, sagte Ann. „Müsste sie dann nicht mit einem Funksystem ausgerüstet sein?“

„Ja“, bestätigte Jak. „Aber ich habe keine Verbindung hergestellt, weil die Schlacht im Orbit vielleicht noch tobt.“ Jak war sich bezüglich der Schlacht nicht sicher. Vielleicht hatte das Imperium die Rebellen schon in die Flucht geschlagen. Wie viel Zeit war vergangen? Es kam ihm vor, als wäre sein Zeitgefühl völlig durcheinander.

„Es hätte eh nichts genutzt“, sagte Zan. „Ich arbeite seit über zwei Jahren daran, die Störung, die der Sturm verursacht, zu überwinden. Aber jedes Signal wurde zurückgeworfen.“

„Wir könnten“, überlegte Jak, „Technik aus der Rettungskapsel verwenden, um den Sendeturm zu verbessern.“ Aber wer wird uns hier rausholen? Lieber für immer hier unten als in imperialer Hand.

 


Drei

 

Jak Daven und Trevor Zan machten sich Minuten später auf den Weg zur Rettungskapsel. Über ihnen tobte der Sturm.

Jak bemerkte, wie Zan ernst hoch in die dunklen Wolken und blendend hellen Blitze blickte.

„Er wird stärker“, sagte Zan ohne den Blick von dem bedrohlichen Schauspiel am Himmel abzuwenden.

Im selben Moment begann schwerer Regen auf die beiden herunterzuprasseln.

„Wie gefährlich ist es hier draußen?“, fragte Jak. „Die Rettungskapsel ist wasserdicht, wir könnten warten, bis der Sturm wieder schwächer geworden ist. Der Rebellenpilot fragte sich, wie der Planet bei häufigem Regen so trocken sein konnte. Nahm der Boden das Wasser nicht auf?

„Im Moment ist es nicht gefährlich“, sagte Zan. „Aber das wird sich bald ändern. Der Sturm wird den Planeten zerreißen. Und dann wird es hier sehr gefährlich.“

Jak hielt Zans Aussage zuerst für einen Witz. Es war keiner.

„Es hat hier noch nie geregnet“, sagte Zan. „Jetzt hat es angefangen und es wird nie wieder aufhören. Genau wie der Wind stärker wird und nie wieder abflaut.“

Jak sagte nichts. Das konnte nur eine Übertreibung sein.

„Wenn wir die Rettungskapsel nicht erreichen, wird vielleicht das Gebiet, in dem sie sich befindet, überschwemmt und die Kapsel wird weggespült“, warnte Zan.

Jak ging immer schneller. Dieser Planet war mehr als seltsam. Er war unheimlich. „Was ist mit der Basis? Und dem Sendeturm?“

„Der Sendeturm steht logischerweise auf einem der höchsten Punkte in dem Gebiet. Die Basis allerdings wird früher oder später in Gefahr sein.“

„Sie vermuten wirklich eine Sinnflut?“, fragte Jak ungläubig.

„Ja.“

 

Knapp eine halbe Stunde später erreichten Jak und Zan die Kapsel. Noch nahm der Boden um sie herum das Wasser auf. Der Pilot und der Techniker verbrachten die nächsten zwei Stunden damit, wichtige Teile aus der Kapsel auszubauen. Dabei fiel Jak auf, dass Zan für einen Techniker wenig über die Technologie der Rettungskapsel wusste. Der Mann hatte zweifellos Ahnung, aber er schien ältere Technik gewohnt zu sein. Jak akzeptierte das ohne weiter darüber nachzudenken, schließlich gab es viele Unternehmen in der Galaxis, die nicht die Technologie der Rebellion oder gar des Imperiums besaßen.

 

In der folgenden Woche half Jak Zan bei der Erweiterung des Sendeturms. Gelegentlich versuchten sie Signale in den Weltraum zu senden, aber der Sturm warf sie zurück. Jak lernte außerdem das dritte Mitglied des Wissenschaftlerteams kennen (das vierte, wenn man X1 mitzählte): Navara U’Unen, eine Twi’Lek Biologin. Er erfuhr, dass auch Ann sich mit Tieren beschäftigte, allerdings mehr mit ihrem Verhalten. Zu diesem Zweck hatten Ann und Navara vor einiger Zeit sowohl ein paar einheimische Tiere als auch welche von anderen Planeten in die Zellen der Basis gebracht.


 

Vier

 

„Und da ist es wieder...“, murmelte Jak, als der kleine Lautsprecher des Sendeturms Zans Stimme abspielte: „Dies ist ein Notruf. Wir sind Wissenschaftler und sitzen seit zwei Jahren auf Korriban fest. Wenn Sie dieses Signal empfangen, helfen Sie uns bitte und...“ Zan schaltete ab.

„Wir sollten die Nachrichten auf keinen Fall löschen“, meinte Zan. „Damit wir wissen, welche Sendeeinstellungen wir schon ausprobiert haben.“

Jak nickte.

„Das Signal ist zu schwach“, stellte er trocken fest. „Immer noch.“

„Vielleicht“, meinte Jak, „sollten wir in dem Notruf vor dem Sturm warnen. Was wenn jemand uns helfen will und auch abstürzt?“ Oder sogar zerstört wird, überlegte Jak. Schließlich war der Sturm stärker geworden. Deshalb sanken nicht nur die Chancen, dass ein Schiff ihn durchfliegen konnte, sondern auch, dass ihr Signal den Planeten überhaupt verlassen konnte.

„Das Signal muss schneller stärker werden als der Sturm“, sagte Zan und tat so, als hätte er Jaks Einwand überhört. „Aber wenn wir noch mehr Komponenten einbauen, könnte der Sendeturm überfordert sein.“

Die beiden fingen zum tausendsten Mal an, still zu überlegen.

Nach einer Weile sah Jak auf. „Vielleicht ist nicht nur die Stärke wichtig, sondern auch das Timing...“, sagte er.

„Ja“, sagte Zan. „Wir müssen die Schwankungen im Sturm ausnutzen.“ Der Techniker schien Jaks Idee extrem schnell verstanden zu haben.

„Aber es ist mit bloßem Auge kaum erkennbar, wann und wo der Sturm kurzzeitig nachlässt. Außerdem tut er das nur für wenige Zehntelsekunden. Wir können ja auch nicht voraussagen, wo ein Blitz entsteht“, sagte Jak und seine Hoffnung sank wieder.

„Der Droide“, sagte Zan schlicht und Jak brauchte eine Weile, um zu verstehen, dass der Techniker Recht hatte. Die Sensoren des Droiden konnten den Zeitpunkt exakt bestimmen und ein Signal senden, wenn X1 mit dem Sendeturm verbunden wurde.

Zan fing, ohne ein weiteres Wort zu sagen, an, den Sendeturm so zu modifizieren, dass er mit dem Droiden verlinkt werden konnte. Jak begann, X1 zu konfigurieren. Während er versuchte, sich über das kleine Display am Rücken des Droiden in dessen System zurechtzufinden, stieß er auf eine Liste von Audiodateien. Ann hatte gesagt, dass sie X1 mehrmals losgeschickt hatten, um von anderen Orten aus Signale zu senden. Dies mussten alle bisherigen sein, wobei jedes zweimal vorhanden war. Einmal in der Version, die gesendet und einmal in der Version, die vom Sturm zurückgeworfen worden war. Jak fiel auf, dass die Signale alle auf die gleichen Koordinaten gerichtet waren, vielleicht auf den Sitz der Organisation, der die Wissenschaftler angehörten. Er prägte sich die Koordinaten gut ein, um später mehr über sie erfahren zu können. Wenn sie von diesem Planeten flüchten konnten.

„Beeil dich“, mahnte Zan. „Der Sturm wird immer stärker...“

Jak nickte und scrollte nur noch schnell die Liste der Nachrichten nach unten. Es musste etwa zwanzig Paare von je zwei gleichen Nachrichten geben. Eine Zahl am Bildrand zeigte die genaue Anzahl an.

Jak stutzte.

25 Nachrichten.

 

Ann Rioun starrte auf das Vaapad. Ein dreibeiniges Wesen, das sie von dem Vulkanplaneten Sarapin mitgenommen hatten, um sein Verhalten auf einem völlig anderen Planeten wie Korriban zu testen. Als Biologin wusste Ann, dass mit dem Vaapad alles in Ordnung war, obwohl es schon Monate hier lebte. Das Problem war ein anderes: Wo war das zweite Vaapad?

Ann rannte in Navara U’unens Kabine. „Das zweite Vaapad ist verschwunden!“

„Was?“ Die Twi’Lek schaute von ihrem Computer auf.

„Das größere der beiden“, sagte Ann. „Es ist weg.“

„Durch die Hintertür?“, fragte Navara und stand auf.

Ann nickte. „Das ist die einzige Erklärung. Vielleicht eine Fehlfunktion...“

„Wahrscheinlich“, stimmte Navara zu. „Ich nehme den Blaster und folge dem Vaapad, okay?“

„Vielleicht kehrt es von alleine zurück“, sagte Ann. „Das hier ist nicht seine natürliche Umgebung. Es braucht Nahrung, in seinem Fall Mineralien, die es auf Korriban nicht gibt.“

„Unsere Forschung ist noch nicht abgeschlossen“, erinnerte Navara sie. „Es ist möglich, dass es die entsprechenden Mineralien findet und seine Spuren vom Regen verwischt werden. Dann ist es für uns verloren.“

Ann musste zugeben, dass die Twi’Lek richtig liegen könnte.

„Ich gehe los und versuche, es mit dem Blaster zu betäuben. Dann bringe ich es zurück.“

Die Twi’Lek rannte den Gang hinunter und Ann sah ihr nach. Navara war nicht nur eine ausgezeichnete Biologin. Es gab noch etwas, das sie zu etwas besonderem machte. Sie hatte einmal erzählt, wie in ihrer frühsten Kindheit zwei Fremde zu ihren Eltern gekommen waren und Navara mitnehmen wollten. Die Eltern lehnten ab. Trotzdem hatte einer der beiden Navara einen Moment beiseite genommen und ihr erklärt, was an ihr so besonders war: In ihrem Blut befanden sich Midi-Chlorianer. Erst als Erwachsene erfuhr Navara, was es damit auf sich hatte. Die Twi’Lek hatte die Chance gehabt, zu einer Jedi ausgebildet zu werden. Doch sie akzeptierte die Entscheidung ihrer Eltern.

Wenn man Navara erneut die Chance angeboten hätte, sie hätte abgelehnt.

 

Fünf

 

Jak sah auf das Display der erhaltenen und empfangenen Nachrichten. Der Droide hatte zwölf Nachrichten empfangen, obwohl er dreizehn gesendet hatte. Zan hatte gesagt, dass sie keine Nachrichten löschen sollten, also hatte der Techniker es vor Jaks Ankunft vermutlich auch nicht getan. Aber wenn also tatsächlich eine Nachricht durchgekommen war – warum versuchten sie dann weitere zu schicken?

Er sah zu Zan, der mit dem Rücken zu ihm am Sendemast arbeitete. Sollte er nachfragen? Er entschied sich für den Moment dagegen und öffnete stattdessen die Einstellungen der gesendeten Nachricht, die anscheinend durchgekommen war. Es waren exakt dieselben, die Jak und Zan die letzte Woche hindurch immer verwendet hatten.

Jak schluckte. Wenn es nicht an Einstellungen lag, dann musste es die zunehmende Stärke des Sturms sein, die es inzwischen tatsächlich unmöglich zu machen schien, eine Nachricht zu senden.

Plötzlich ertönte ein Piepton. Zan drehte sich um. Die Nachricht begann, sich automatisch abzuspielen.

„Hier spricht Ravvon Dravk. Schicken Sie mir ein Raumschiff und ich gebe ihnen alle Macht, die Sie sich vorstellen können.“

Ende der Nachricht.

Zan hatte sich von dem Sendeturm abgewandt und ging auf Jak zu.

„Die Nachricht war...“, begann Jak unsicher. Ravvon Dravk? Und es war Zans Stimme gewesen!

„im Speicher des Droiden“, sagte Zan. „Das hatte ich ganz vergessen. Bedauerlich.“

„Sie ist durchgekommen...?“

„Es ist bedauerlich, dass du es jetzt weißt. Auch wenn du keinen Schimmer hast, was es bedeutet, nicht wahr?“

Jak sagte nichts. Ravvon Dravk. Alle Macht, die Sie sich vorstellen können. Wer war Zan?

„Ravvon Dravk“, sagte Zan fast triumphierend. „Du fragst dich sicher, wie das möglich ist?“

Jak glaubte nicht, den Namen schon einmal gehört zu haben und sah Zan nur fragend an.

„Du weißt es nicht...“, sagte Zan leise und ungläubig. „Du erbärmlicher, kleiner Wurm!“ Der Techniker griff zu einem der Gegenstände, die er zuvor zur Modifizierung des Sendeturms verwendet hatte. Ein längliches Werkzeug, das gefährliche Ähnlichkeit mit einem Kurzschwert hatte.

Jak war unbewaffnet und wusste, er hatte keine Chance. Der Pilot sprang auf, drehte sich um und lief los, die Anhöhe, auf der der Sendeturm stand, hinab. Der matschige Untergrund machte es ihm kaum möglich, schnell voranzukommen, aber er hoffte Zan würde es genau so gehen.

Ein paar Augenblicke dauerte die Jagd, dann warf sich Zan mit einem Sprung auf Jak und der Pilot ging zu Boden. Jak stürzte mit dem Gesicht voran in den Matsch und konnte sich kaum noch bewegen.

„Ravvon Dravk!“, schrie Zan. „Die mandarischen Eroberungen! Ich habe unzählige Welten vernichtet! Und jetzt kennt niemand mehr meinen Namen?“

Jak wusste nicht, wovon Zan sprach, aber im Moment war es ihm sowieso egal. Dieser Verrückte würde ihn umbringen. Er hörte das elektrische Knistern des Kurzschwertes in der Nähe seines Nackens.

„Die Galaxis wird sich schon wieder an mich erinnern, wenn ich von diesem verdammten Ort wegkomme und auch den letzten Planeten erobert habe!“, brüllte Zan.

Dann plötzlich wurde Zan von Jaks Rücken geschleudert und in den Abgrund der Schlucht geworfen. Er schrie nicht.

Jak konnte diese Wendung kaum glauben und sah sich um. Neben ihm stand ein uniformierter Soldat.

„Stehen Sie auf“, sagte der Mann. „Wie viele sind noch hier?

Jak stand mühsam auf. „Zwei Forscherinnen und ein Droide…“ Ein weiterer Abgestürzter. Ein merkwürdiger Zufall, aber ohne den Soldaten wäre Jak vielleicht nicht mehr am Leben. „Danke.“

„Bedanken Sie sich nicht zu früh“, entgegnete der Fremde. Er sah sich einen Moment um. „Captain Cliff Garron“, sagte er.

„Jak Daven“, sagte Jak.

„Wo sind die beiden anderen?“, fragte Garron.

„Eine Stunde entfernt“, antwortete Jak. „Weniger wenn wir laufen.“

„Rennen Sie um Ihr Leben.“


Ende von Teil 1

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