Korriban

Teil 2 von 2


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





Sechs

 

Sie erreichten kurze Zeit später das Forschungsgebäude. Jak riss schwer atmend die Eingangstür auf. „Ann!“

Garron folgte ihm in die Basis.

„Was ist passiert!“, fragte Ann, als sie Jaks schmutzige Kleidung sah. „Wo ist Zan? Und wer sind Sie?“ Ihr Blick fiel auf Cliff Garron.

„Zan…“, keuchte Jak, „hat mich angegriffen…“

„Was?“ Ann sah ihn ungläubig an. „Zan? Er ist ein harmloser Techniker…!“

„Techniker?“ Garron machte ein grimmiges Gesicht. „Dieser Mann war nicht nur Techniker.“

„Garron hat mir die Haut gerettet, als ich angegriffen wurde“, erklärte Jak.

„Sie sind auch abgestürzt?“, fragte Ann.

„Was tut dieser Sturm?“, unterbrach Garron sie.

„Er…“ Ann zögerte. „Er war schon hier als wir abgestürzt sind, vor etwa zwei Jahren. Er wird immer stärker, aber ich weiß nicht, wieso das so ist und er nicht aufhört.“

„Dieser Zan ist mit ihnen abgestürzt?“, fragte Garron.

„Mit mir und einer Twi’Lek Biologin. Jak kam erst vor einer Woche hierher“, erklärte Ann.

„Ihnen ist nie etwas an Zan aufgefallen?“

„Er war immer sehr ernst und dachte nur an Technik… also an die Messinstrumente, mit denen wir die Umgebung hier erforschen. Aber sonst… nein.“

„Wo ist sein Quartier?“, fragte Garron.

Ann zögerte. „Den Gang hinunter und dann links…“

Der Captain rannte los.

„Kann man ihm… trauen?“ Ann sah Jak zweifelnd an.

„Ich vertraue ihm“, sagte Jak. Der Pilot überlegte einen kurzen Moment. „Wissen Sie“, begann er dann, „wer Ravvon Dravk ist?“

„Ich habe in Forschungsberichten von ihm gelesen, bevor wir hierher aufgebrochen sind“, sagte Ann. „Sein Grab ist auf dem größten von Korribans Monden.“

„Wusste Zan von ihm?“

„Denke schon, ja.“

Das passt,dachte Jak. Er muss verrückt geworden sein und sich eingebildet haben, er wäre jemand anders. Vielleicht wegen dem Sturm…?

Garron kam aus dem Quartier gerannt. „Ich habe es nicht gefunden“, erklärte er.

„Was meinen Sie?“, fragte Jak.

„Zans Lichtschwert.“

„Was?“ Jak starrte Garron an. „Sie glauben, er war ein Jedi?“

„Er war kein Jedi“, sagte der Captain. „Sondern ein Sith. Und er lebt.“

Ann und Jak waren fassungslos.

„Ich muss… überlegen“, murmelte Garron.

„Ann“, sagte Jak. „Die Liste der Nachrichten, die der Droide gesendet und wieder empfangen hat umfasst 25 Stück. Zuerst dachte ich, Zan hätte mindestens eine gelöscht, aber warum sollte er. Und wenn er ein Sith ist...“

„Du denkst, X1 konnte tatsächlich eine Nachricht durch den Sturm senden, aber Zan hat uns nichts gesagt?“, fragte Ann.

„Es wäre möglich.“

Ann überlegte fieberhaft.

„Er hat alle Signale an dieselben Koordinaten gesendet, an denselben Planeten. Vielleicht hat er versucht das Imperium zu rufen...“

„Weißt du die Koordinaten noch?“, fragte Ann.

Jak nannte ihr eine Reihe von Zahlen. „Kennst du den Planeten?“

„Ähm...“, begann Ann. „Bist du sicher, dass du die Werte nicht verwechselt hast? Zan kann unmöglich... Warum sollte er...“

„Was?“, fragte Garron. „Was stimmt mit den Koordinaten nicht? Ist dort kein Planet?“

„Das ist das Problem“, sagte Ann langsam und zweifelnd. „Ich bin mir eigentlich sicher, dass es diese Koordinaten gibt.“

„Welcher Planet?“, fragte Jak, aber im selben Moment dämmerte ihm, was Ann so verwirrte.

„Korriban“, sagte Ann. Nach einer kleinen Weile sagte sie: „Aber warum sollte Zan über den Droiden ein Signal in Richtung Planetenkern gesendet haben...“

„Der Sendemast“, überlegte Jak mit einem merkwürdigen Gefühl, „kann überhaupt nicht in Richtung Kern senden. Sondern nur von Korriban weg...“

Plötzlich kamen Jak Gedanken in den Sinn, die...

Er raste in der Rettungskapsel auf Korriban zu.

Die Rettungskapsel hatte vorne keine Fenster. Er sah nur den Weltraum und den Blockadenbrecher hinter sich.

Die Kapsel war in einen Sturm geraten, der in der oberen Atmosphäre, wenn nicht sogar im Orbit tobte.

Auf keinem Bild von Korriban war ein Sturm zu sehen gewesen.

Und jetzt sendete Zan eine Nachricht nach Korriban.

Wo um alles in der Galaxis bin ich hier?

Er sah wieder hoch zu Cliff Garron.

Dieser blickte nur fragend ihn und Ann an. „Wieso von Korriban weg? Das hier ist einer von Korribans Monden.“

Das war die Erklärung! „Welcher?“, fragte Jak hastig und mit einem Anflug von Angst in seiner Stimme. „Welcher Mond ist das hier?“

„Der größte“, sagte Garron mit einem fragendem Unterton.

Jak wurde bleich.

Ravvon Dravks Grab ist hier!

„Garron“, sagte Jak. „Zan, sagte er sei Ravvon Dravk! Und Dravk war ein Sith-Lord, dessen Grab hier auf dem größten der Monde liegt!“

„Was!?“, fragte Garron. “Dieser Ort ist überflutet von der dunklen Seite… vielleicht… hat die zurückgelassene Aura der alten Sith Lords ihn beeinflusst…“

“Was...!“, entfuhr es Ann. „Ein toter Sith Lord kann auch aus dem Jenseits heraus...?“

Garron nickte. „Auch manche Jedi können sich als „Geister“ im Dieseits zeigen. Zu Ravvon Dravks Zeiten besaßen die Sith vielleicht ähnliches Wissen. Tatsache ist, dass ich die dunkle Seite in Zan gespürt habe, jedoch nur in seinem Gehirn.“

“Ein Geist...“ Jak verstand, worauf Garron hinauswollte. „Da draußen befindet sich jetzt praktisch ein Sith Lord?“

„Ja...“, sagte Garron ernst. „Aber er kann die Macht nicht nutzen."

Jak spürte Hoffnung in ihm aufkommen. „Nein?“

„Zan hat keine Midichlorianer im Blut, vermute ich. Sonst hätte ich ihn eben nicht abwehren können.“

Der Rebellenpilot atmete ein wenig auf. Jetzt hatten sie es zwar immer noch mit einer sehr gefährlichen Kreatur zu tun, aber wenigstens waren ihre allerschlimmsten Kräfte blockiert.

„Navara U’Unen“, begann Ann und sah keinen der beiden anderen an. „Sie ist unsere Biologin... Navara hat Midi-Chlorianer im Blut, auch wenn sie nie eine Jedi Ausbildung hatte...“

 Garron riss die Augen auf. „Wo ist sie jetzt?“

„Da draußen...“, sagte Ann leise. „Mit unserem einzigen Blaster…“, fügte sie dazu.

Alle drei wussten: Jeden Moment konnten sie von einem bewaffneten Sith Lord angegriffen werden, der im vollen besitz seiner Kräfte war.



 

Sieben

 

„Wenn wir das überleben wollen“, sagte Garron, „muss ich genau wissen, was hier gerade passiert. Navara ist die zweite Forscherin?“ Auf seiner Stirn hatten sich Schweißperlen gebildet.

„Ja“, sagte Ann und nickte. „Sie ist Twi’Lek Biologin. Einer unserer beiden Vaapad ist aus seiner Zelle entkommen und sie ist ihm gefolgt…“

„Und der Droide?“, fragte Garron weiter.

„Er war mit mir und Zan beim Sendeturm“, antwortete Jak.

„Es ist Zans Droide!“, sagte Ann erschreckt. „Zan kontrolliert ihn völlig!“

„…und hat ihn modifiziert!“, erinnerte sich Jak plötzlich.

Eine Weile lang schwiegen alle. Jak dachte daran, dass sich die Situation in der letzten Stunde um ein Vielfaches verschlimmert hatte. Ohne Zan und den Droiden war es unmöglich ein Signal zu senden, damit irgendjemand… Das Signal!

„Schicken Sie mir ein Raumschiff und ich gebe Ihnen alle Macht, die Sie sich vorstellen können“, zitierte Jak. „Das hat Zan in der Nachricht gesagt, die durch den Sturm gelangt ist!“

„Sehr überzeugend“, murmelte Garron. „Das wird einige anlocken.“

„Wer sind Sie“, fragte Ann plötzlich Garron.

„Ich bin Captain Cliff Garron, Kampfpilot. Der Name meiner Staffel würde ihnen nichts nutzen, denke ich.“

„Wieso sind sie hier?“, fragte Ann weiter.

„Mein Schiff wurde abgeschossen.“

„Abgeschossen?“, fragte Jak. „Dasselbe ist mir auch passiert. Ist dieses imperiale Schiff immer noch im Orbit?“

„Ich weiß von keinem Schiff der Restwelten.“

Jak stutzte. Restwelten?

„Wer hat Sie dann abgeschossen?“, fragte Ann.

„Sie bekommen hier nicht viel mit vom Krieg, oder?“

„Was meinen Sie?“ Jak verstand nicht. Was sollte er verpasst haben, er war doch vor einer Woche noch draußen gewesen? „Wenn es nicht die Imperialen waren, wer denn dann? Kriminelle Banden?“

„Wer bitte“, begann Ann zögernd, „sind die Imperialen?“

Was? Jak starrte Ann verwundert an, aus den Augenwinkeln sah er, dass Garron dasselbe tat.

„Oh Mann...“, murmelte Garron. „Wie lange sind sie schon hier unten?“

„Zweieinhalb Jahre...“, antwortete sie zögernd.

„Wie können Sie dann das Imperium nicht kennen?“

„Oder meinen Sie mit ‚Imperium’ etwa die...“, Ann stockte unsicher, „Mandalorianer?“

Jak verstand nicht, was mit Ann los war. „Die Mandalorianer“, sagte Jak, „sind fast verschwunden aus der Galaxis. Ich glaube Boba Fett ist Mandalorianer, aber außer ihm...“

„Er war...“, korrigierte Garron, anscheinend in Gedanken.

„Ist er tot?“, fragte Jak überrascht.

„Ja, sicher“, murmelte Garron. „Seit Jahren. Ist doch noch vor der Zerstörung des Todessterns getötet worden...“

„Was?“ Jak verstand nicht, was... „Das kann doch nicht sein...“

„Den zweiten meinte ich“, berichtigte sich der Captain selbst.

„Den zweiten... Todes... was?“

Garron sah Jak erstaunt an. „Sie tragen den Anzug eines Kampfpiloten. Wie kommt es, dass Sie nichts von der Zerstörung der beiden Todessterne wissen?“

„Okay...“, sagte Jak. „Ganz ruhig... Was ist hier los?“

„Vielleicht...“, begann Ann. „Sollte jeder erst einmal ganz genau sagen, wer er ist.“

Jak und Garron nickten.

„Also noch einmal... Ich bin Captain Cliff Garron, Kampfpilot der Neuen Republik.“

„Der neuen Republik?“, fragte Ann.

Garron nickte.

„In welchem Bereich des Universums... Wo ist die Neue Republik?“, fragte Jak.

„Was? Die Neue Republik ist die größte Gemeinschaft von Planeten, die es im bekannten Universum gibt, wie können Sie nicht wissen, wo sie sich befindet? Wer sind Sie, Jak?“

„Kampfpilot, genau wie sie. Aber ich gehöre zur Rebellenallianz...“

„Das meinen Sie nicht ernst...“ Garron starrte ins Leere. „Die Rebellen... Die Allianz ist vor Jahren in die Neue Republik übergegangen!“

„Aus welchem... Jahr kommen Sie?“, fragte Jak.

„Welche Zeitrechnung wollen Sie denn? Die alte imperiale? Aus dem Jahr 43. Aber die gebraucht doch niemand mehr, oder... sind...“

„Jahr 14“, sagte Jak. „Wenn wir beide die Wahrheit gesagt haben, kommen wir aus verschiedenen Zeiten. Mit einer Differenz von 29 Jahren. Das ist doch…“

Eine Weile lang sagte niemand etwas.

„Sie sind seit einer Woche hier?“, fragte Garron Jak.

Wieder schwiegen sie.

„Dann sind in ihren sieben Tagen draußen 29 Jahre vergangen.“

„Draußen? Sie meinen im Rest der Galaxie?“

„Ja“, sagte Garron. „Ich weiß, dass Sie nicht lügen. Auf diesem Mond hier verläuft die Zeit anscheinend sehr viel langsamer...“

„Kann so etwas wirklich sein?“, fragte Ann. „Ich habe noch nie von etwas in dieser Art gehört... Aber das würde erklären, warum ich weder das Imperium noch die Neue Republik kenne...“

„Ja, Sie stammen demnach aus einer völlig anderen Zeit als Jak und als ich...“, sagte Garron immer noch ungläubig. „Ja… Weil Sie lange vor uns hier waren... Sehr lange. Ist hier jemand gut im Kopfrechnen?“

„Ich hab’ ein Datapad hier“, meinte Jak. „Angenommen die Zeit vergeht auf diesem Mond tatsächlich schneller... was überhaupt nicht sein kann... aber angenommen in der einen Woche, die ich hier bin, sind draußen 29 Jahre vergangen... Ein Standartjahr hat 52 Wochen, bei zweieinhalb Standartjahren...“

„Ich kann Ihnen die genaue Zahl der Wochen sagen...“, erklärte Ann leise. „137 Wochen sind wir Forscher schon hier, denke ich.“

Jak kramte sein Datapad hervor und tippte schnell die Rechnung ein. „3981 Jahre.“

„Das ist...“ Garron beendete den Satz nicht.

„Ich hab’ ein bisschen Ahnung von galaktischer Geschichte“, sagte Jak. „Die Mandalorianischen Kriege? Oder schon der...“

„Ja...“, nickte Ann. „Die Sith haben etliche Welten besetzt…“

Dann passierte es.

Mit einer lauten Explosion wurde die Eingangstür zerfetzt und der Droide rollte herein.

Die drei stürzten in die Räume, die links und rechts an den Korridor grenzten.

„Mist!“, entfuhr es Jak. Er hörte, wie der Droide begann, Pieptöne von sich zu geben.

„Ich kenne diese Töne…“, sagte Ann, die sich in den gleichen Raum geflüchtet hatte. „Das ist ein Countdown für Detonationspacks! Wir haben Sie manchmal eingesetzt um Höhlen frei zu sprengen!“

Jak sah, wie Garron seinen Blaster hervorholte. „Nein“, rief er. „Vielleicht gehen die Sprengladungen dann sofort in die Luft!“

„Das gehen sie auch, wenn der Droide runtergezählt hat!“, entgegnete Garron und zielte.

Dass der Captain zögerte, rettete ihnen vielleicht das Leben. Denn im selben Moment wurde der Droide von einer blitzenden Energiekugel getroffen und blieb regungslos stehen.

„Eine Ionengranate…!“, sagte Jak.

„Genau…“, ertönte eine erschöpfte Stimme. Zan humpelte durch die aufgesprengte Eingangstür. Er sah mehr tot als lebendig aus.

„Bleib weg!“, rief Ann.

Jak starrte den Techniker an. War der Geist gegangen? Wenn es eine Falle war und sie hereinfielen, waren sie so gut wie tot…!

„Runter!“, schrie Garron plötzlich und duckte sich.

Durch das Loch in der Vorderwand der Basis fegte ein Blitz und schoss über die vier hinweg.

Jak stürzte zurück in den Raum. Navara! Der Blaster!

„Er ist hier!“, jammerte Zan. „Er bringt uns alle um!“

„Ann!“, rief Garron. „Gibt es hier irgendwo einen Sicherheitsraum!“

„Ja, aber er ist inaktiv!“

„Dann aktivieren sie ihn!“ Garron schoss mit seinem Blaster in die Richtung, aus der der Angriff kam. Aber Jak konnte dort niemanden erkennen, also schoss der Captain vermutlich nur nach Gefühl.

Ann nutzte den Moment, rannte gebückt den Gang hinunter und dann um eine Ecke in den Sicherheitsraum.

„Jak“, rief Garron und warf dem Piloten den Blaster zu. „Gib mir Deckung, ich ziehe Zan in den Sicherheitsraum.

Garron schleifte Zan um die Ecke, während Jak ein paar Mal ungezielt schoss und dann Garron folgte.

Als Jak sich zurück um die Ecke beugte, verfehlte ein weiterer Schuss Navaras ihn nur knapp. Ohne zu wissen, wo da draußen sie war, schoss Jak auf einen der Felsen, hinter denen sie sich vielleicht versteckte. Der große Stein zerfetzte, aber von Navara war nichts zu sehen. Verdammter Mist!

Ein dritter Schuss raste auf ihn zu und brannte ein Loch in die Wand hinter ihm. Dann wurde er plötzlich zu Boden gerissen und gegen diese Wand geschleudert. Navara stand auf einmal direkt vor ihm.

Jak hörte, wie sich die Tür des Sicherheitsraumes schloss. Er war verloren.

Es gab nur eins, was er jetzt noch tun musste, bevor der Sith ihn umbrachte. Er sah über seine Schulter in das Loch hinter ihm und schoss auf den freigelegten, kleinen Energiekernraum der Forschungsbasis.

 


Acht

 

Im Sicherheitsraum sprang die Notbeleuchtung an.

„Was ist passiert?“, fragte Garron hastig.

„Der Energiekern…“, sagte Zan. „Er muss durch einen Blasterschuss zerstört worden sein…!“

„Ganz ruhig…“, sagte Garron. „Fürs Erste sind wir hier drinnen und Navara da draußen. Zusammen mit Jak…“

Ann sah immer verzweifelter aus. „Der Sith wird ihn töten, oder…?“

„Dravk will hier weg…“, sagte Zan, der verwundet am Boden lag. „Genau wie wir will er diesen Mond verlassen…“

„Vielleicht“, sagte Garron, „lässt er Jak am Leben, weil er ihn braucht… Andererseits hat er auch auf uns geschossen…“

„Dreimal“, nickte Ann und schöpfte etwas Hoffnung. „Und in dem Blaster ist immer nur Energie für maximal drei Schüsse… Das ist doch immerhin etwas…“ Ann zwang sich zu einem Lächeln. „Der Blaster muss über die Energieversorgung der Basis aufgeladen werden…“

„Und die ist gerade in die Luft geflogen.“ Garron nickte. „Ja, das ist gut.“

„Er ist ein Sith“, sagte Zan und hustete. „Er kennt Tausende Arten jemanden zu töten…“

„Ann, hat der Sicherheitsraum Schilde?“

Die Frau nickte schwach. „Ja. Die Energieversorgung ist unabhängig vom Energiekern der Basis. Aber die Energie wird nicht ewig reichen...“

„Wir brauchen nur etwas Zeit. Wenn der Sith den Droiden reaktiviert und die Detonationspacks zündet sind wir hier einigermaßen sicher... Was wissen wir über Ravvon Dravk?“, fragte Garron. „Wir müssen alles sammeln, was wir haben, dann bekommen wir vielleicht eine Chance.“

Eine Chance… Ann blickte niedergeschlagen zu Boden. Ihre kurze Freude, dass Navaras Blaster leer war, war verflogen. Sie saßen in einem Sicherheitsraum fest und wenige Meter entfernt überlegte ein Sith Lord, wie er sie umbringen konnte.

„Ich weiß alles über ihn…“, keuchte Zan. „Er hat mich seit Monaten immer wieder kontrolliert… Was wollen Sie wissen? Die Zahl seiner Opfer!“

„Zum Beispiel“, sagte Garron. „Und wer sie waren.“

„Bewohner der mandarischen Welten… Mandaria war ein Zusammenschluss mehrer Planeten und sie waren kein Mitglied der Republik. Die Sith dieser Zeit wussten nicht genau, wie groß und mächtig die Republik war. Sie warteten also ab und vernichteten eine andere, sehr viel kleinere Macht.“

„Damit die mandarischen Welten sich der Republik nicht anschließen konnten?“

„Nein“, hustete Zan. „Aus Mordlust.“

Ann lief ein Schauer über den Rücken. Sie erinnerte sich, wie man sie hatte überzeugen müssen, nach Korriban zu gehen. Und die letzten zwei Jahre hatte sie immer im Hinterkopf gehabt, dass auf der anderen Seite des Planeten eine Sith Akademie und Ausgrabungsstätte war, in der es von wahnsinnigen Mördern nur so wimmelte. Und jetzt hatte sich zwar herausgestellt, dass sie selbst gar nicht auf Korriban war, aber ein Sith war trotzdem hier.

„Wie funktioniert die Übertragung des Geistes auf ein Opfer?“, wollte Garron von Zan wissen.

„Berührung.“

„Der Geist muss einfach nur in das Opfer hinein fliegen?“

„Nein…“, sagte Zan unter Anstrengung. „Gehirne von Menschen sind viel zu gut gesichert, als dass er sie so einfach übernehmen könnte. Auch wenn er es irgendwann lernen wird… Aber durch ‚hinein fliegen’ kann er Tiere beherrschen.“

„Und was ist mit Menschen? Wie hat er Sie übernommen?“

„Es gibt eine Möglichkeit… die mentalen Barrieren, die wir aufbauen zu durchbrechen…“

„Angst“, sagte Garron.

„Ja. Oder man verletzt ihn so stark, dass er nicht mehr klar denken kann… Er ließ mich nach dem Sturz Navara angreifen… und indem er sie verletzte, konnte er sie übernehmen…“

„Navara ist also verletzt?“

Zan nickte mit schmerzverzerrtem Gesicht. „Aber das spürt er gar nicht… Ihm macht es nichts aus…“

„Ist er im Moment hier? Im Sicherheitsraum?“, fragte Garron.

„Ich weiß es nicht. Aber er kann niemanden von uns übernehmen, ohne dass dieser jemand vor Schmerzen schreien würde.“

„Er ist vielleicht hier drin?“, sagte Ann schaudernd.

Dann begann Zan laut zu schreien.

Er schrie immer lauter und klang, als ob er lebendig verbrennen würde. Ann geriet in Panik. Der Sith! Oder stirbt Zan? Garron bedeutete ihr mit einer Geste, ruhig zu bleiben und nichts zu unternehmen.

Dann wurde es leiser und in Zans blutverschmiertem Gesicht zeichnete sich ein hämisches Grinsen ab.

„Ich habe eine Ewigkeit“, begann er. „Aber Zan hier nur noch Sekunden. Deshalb mache ich es kurz.“

Ann und Garron starrten gebannt auf Zan.

„Ich kann die Tür nicht aufbrechen. Zan hier hat sie gebaut, deshalb weiß ich, es geht nicht. Ihr zwei werdet allerdings irgendwann verhungern. Deshalb der Deal: Wenn ihr in drei Minuten nicht draußen seid, töte ich Jak.“

Ann stieß einen Schrei aus. Zan grinste.

„Wieso sollte es uns nicht egal sein, ob wir hier drinnen durch die Zeit oder da draußen durch dich sterben?“, fragte Garron. „Du bringst uns doch sowieso um, wenn wir rauskommen.“

„Ich weiß mehr als du denkst“, sagte Zan zu Garron. „Dein Raumschiff kann uns hier wegbringen. Aber ich kann es nicht öffnen. Wenn du es aufmachst, lasse ich Jak am Leben. Noch zweieinhalb Minuten.“

„Ich weiß mehr als du denkst“, sagte Garron grimmig. „Jak ist längst tot.“

Eine Weile blieb Zans Gesicht ausdruckslos. Dann spiegelte sich plötzlich mehr Hass in ihm, als Ann je in einem Menschen gesehen hatte. „Du bist ein verfluchter Jedi!“

„Ich weiß, dass du erst Jak und dann das Vaapad getötet hast.“ Garron sah Zan entschlossen an.

„Kleine Änderung am Deal“, sagte dieser grimmig. „Wenn du das Raumschiff öffnest, fliegst du mit.“

„Das ist lächerlich“, entgegnete Garron. „Du gehst das Risiko nicht ein, mit einem Jedi zusammen zu flüchten.“

„Vielleicht doch“, sagte Zan. „Dieser Sturm vernichtet erst alles Leben und bald den gesamten Mond. Ich will hier genau so sehr weg, wie ihr.“

„Das letzte, was die Galaxis braucht, ist ein neuer Sith Lord“, sagte Garron entschieden. „Du bleibst hier.“

Zan begann einmal mehr fürchterlich zu husten. „Eineinhalb Minuten“, brachte er noch hervor.

Dann starb Zan.

Ann starrte Garron an. „Was machen wir jetzt!“

Garron sagte nichts.

„Garron!“

„Ich kann ihn sehen“, sagte Garron. „Ich kann den Geist in der Macht sehen. Er hat den Sicherheitsraum verlassen und jagt jetzt der Twi’Lek hinterher. Sie hat sich etwas entfernt, während wir gesprochen haben. Wir müssen flüchten und zwar jetzt!“

„Hast du ein Lichtschwert?“, fragte Ann hastig.

„Ja, aber das ist ein verdammter Sith Lord…!“

„Zerstör’ die Kontrollen! Vom Sicherheitsraum!“

„Dann verlieren wir die Schilde!“

„Eben! Mach es!“

Garron zog den Griff seines Lichtschwertes aus einer Tasche seiner Uniform und durchstieß mit einer leuchtend blauen Klinge den Kontrollkasten. Er explodierte unter Funken. „Und jetzt?“

„Schneid’ ein Loch in die Sicherheitstür!“

„Wieso? Der Sith ist schon auf dem Rückweg!“

„Genau wie das Vaapad!“

„Dravk hat es getötet!“

„Aber nicht das Zweite“, sagte Ann. „Navaras Blaster war voll als sie uns angegriffen hat. Sie kann keinen Schuss auf das entlaufene Vaapad abgegeben haben!“

„Und wenn der Sith es getötet hat?“

„Das kann sein, aber wenn Navara zuerst auf ihn und dann auf das Vaapad gestoßen ist, ist das nicht wahrscheinlich, Vielleicht haben wir Glück und es war so.“

„Okay“, sagte Garron nach eienr Weile und nickte hastig. „Ich spüre das Tier jetzt tatsächlich schwach in der Macht. Es kommt auf uns zu, aber wieso!“

„Weil der Sicherheitsraum aus einem der wenigen Materialien besteht, die es auf diesem Mond fressen kann!“ Ann überlegte so schnell sie konnte. „Es ist ein Ablenkungsmanöver! Wenn wir hier rausstürmen, während der Sith gegen das Vaapad kämpft…“ Sie brach mitten im Satz ab. Es wird nicht funktionieren. Das ist ein Sith Lord!

„Der Plan reicht nicht aus“, sagte Garron. „Aber Dravk wird denken, dass wir es so machen wollen. Und das genügt!“ Mit diesen Worten zündete er sein Lichtschwert erneut und begann ein Loch aus dem Sicherheitsraum heraus zu schneiden. In die Decke des Raumes.

Ann begriff und dachte fieberhaft nach. „Aber über uns ist der Wassertank… Wir müssen aufpassen!“

Eine Minute später standen sie an die Wand des kleinen Raumes gepresst, als die schwere Eisenplatte sich löste und auf dem Boden aufschlug. Garron war es nur knapp gelungen, rechtzeitig darunter weg zu springen. Und jetzt stürzten die Wassermassen des Tanks in den Raum.

„Wie viel Wasser ist da drin?“, schrie Garron gegen das Tosen an.

„Es wird den Raum nicht füllen!“, rief Ann zurück.

Das Wasser ging ihnen inzwischen bis zu den Schultern.

„Wir warten also, bis der Tank leer ist und springen dann durch das Loch?“

Garron nickte nur. „Der Sith kämpft gerade gegen das Vaapad. Er wird unsere Flucht spüren, sobald er sich nicht mehr auf das Tier konzentriert…!“

Das Wasser war jetzt so hoch, dass Ann und Garron mühelos durch das Loch in der Decke in den leeren Wassertank gelangen konnten. Dann schnitt Garron ein weiteres Loch durch den Tank und ein letztes etwas später durch die Außenwand. Er half Ann beim Sprung aus dem ersten Stock und Sekunden später rannten sie in Richtung des Raumschiffes.


 

Neun

 

Über ihnen tobte der Sturm stärker als je zuvor und der Regen tat fast schon weh. Der matschige Boden von Korribans Mond war voll von Pfützen, weshalb ein Vorwärtskommen nur viel zu langsam möglich war.

„Kann dein Schiff nach dem Absturz noch fliegen?“, rief Ann Garron schwer atmend zu. Bisher hatte sie nur daran gedacht vor dem Sith zu fliehen.

„Ich hoffe es“, sagte Garron.

„Also starten wir und suchen uns dann den höchsten Berg?“ Ann schauderte, als sie daran dachte, dass der Sith gesagt hatte, der ganze Mond würde vom Sturm vernichtet werden.

„Viel besser“, sagte Garron und Ann erkannte zum ersten Mal ein Grinsen bei ihm. „Mein Schiff ist nicht wegen dem Sturm abgestürzt.“

„Was!“

„Ich wurde abgeschossen und wollte mich hier verstecken. Der Sturm hat dem Schiff überhaupt nichts ausgemacht.“

Sie erreichten einen Hügel und unter ihnen lag Garrons Schiff. Ann wusste, es stammte Jahrtausende aus der Zukunft, aber dieses Schiff unterschied sich völlig von allem, was sie aus ihrer Zeit kannte. Es schien zu leben.

„So sehen die Schiffe deiner Zeit aus?“, fragte sie, während sie auf das merkwürdige Gebilde zuliefen.

„Es ist kein Schiff der Neuen Republik“, antwortete der Jedi. Er berührte eine Stelle des Schiffsrumpfes. Eine Öffnung bildete sich. „Es ist eines der Yuuzhan Vong. Ich hab es... gestohlen.“

„Wer sind die?“ Ann folgte ihm ins Innere des Schiffes, das nicht weniger fremdartig aussah.

Garrons Gesicht verhärtete sich. „Ein Volk von fanatischen Eroberern. Sie sind vor knapp einem Jahr in diese Galaxis eingedrungen.“ Garron begann, die unheimlichen Kontrollen des Yuuzhan Vong Schiffes zu bedienen. „Sie verwenden eine Technologie, die völlig anders funktioniert als die unsere.“

„Deshalb konnte der Sturm dem Schiff nichts anhaben?“

„Ich bin mir nicht sicher“, sagte Garron. „Aber dieser Sturm wird im Zentrum durch die Energie der Dunklen Seite der Macht hervorgerufen, das gilt auch für die Blitze, die dein Schiff damals vermutlich zum Absturz gebracht haben. Deshalb tritt der Sturm auch hier auf, in der Nähe des Planeten, an dem die Dunkle Seite stärker ist, als irgendwo sonst in der Galaxis. Und dieses Yuuzhan Vong Schiff stammt aus einer Galaxie, in der die Macht nicht existiert, weder die helle noch die dunkle Seite, zumindest vermuten wir das.“

Und dann ging plötzlich ein schreckliches Geräusch durch das gesamte Schiff.

„Was ist los?“, fragte Ann ängstlich.

„Wir werden angegriffen“, sagte Garron. „Der Sith beschmeißt uns mit großen Felsbrocken! Und unsere Verteidigungssysteme sind noch nicht aktiviert!“

„Was machen wir jetzt? Kann das Schiff das aushalten?“

„Nein, auf keinen Fall. Es ist immer noch geschwächt, von dem feindlichen Angriff, wegen dem ich abgestürzt bin!“ Garron berührte eine Stelle in der Innenwand und es bildete sich erneut eine Öffnung.

„Ich kann das Schiff nicht starten!“, sagte Ann. „Es muss einen anderen Weg geben!“

„Nein. Leider ist es so einfach: Entweder ich töte ihn, oder wir sterben alle drei.“

 


Zehn

 

Garron sprang aus der Öffnung. Der Sith kam gerade den Abhang herunter.

„Ein verfluchter Jedi“, sagte Dravk grinsend und starrte auf Garron.

„Nur die Sith sind verfluchte Jedi“, entgegnete dieser.

Dann riss ein paar Meter rechts von Garron die Erde auf und Steine schossen von dort in alle Richtungen. Zurück blieb ein Krater.

„Weißt du, Jedi…“, begann Dravk. Ein Stalagmit wurde rissig und zersprang in hunderte von Bruchstücken, die explosionsartig weggeschleudert wurden. Die gesamte Landschaft schien zerstört zu werden. „Weißt du, was die drei Forscher hier gesucht haben, auf diesem Mond? Sith-Relikte! Und sie haben welche gefunden…“

Garron stand abwartend in Kampfhaltung vor der besessenen Navara. Er glaubte nicht, dass Ann und die beiden anderen deshalb hier gewesen waren, aber wenn sie bei ihren Forschungen zufällig auf…

„Holocrone, alte Aufzeichnungen,…“, sagte der Sith. „Und natürlich Lichtschwerter… Zornesrote Lichtschwerter!“ Mit diesen Worten hatte er plötzlich einen Lichtschwertgriff in der Hand, sprang auf Garron zu und zündete in der Bewegung die Klinge.

Garron machte einen Schritt zurück, um sich etwas mehr Zeit zu verschaffen, und blockte dann mit seinem Schwert den Angriff. Blitzschnell zog Dravk seine Klinge zurück, griff aus einer anderen Richtung an und dieses Mal konnte Garron nur knapp parieren. Er ist viel zu dicht! Garrons Gedanken rasten.

Dies war kein elegantes Lichtschwert Duell, bei dem ein in Meditation versunkener Jedi langsam aber sicher über einen vom Zorn besessenen Sith triumphierte.

Dies war ein Kampf.

 

Wie im Maul einer Bestie saß Ann in dem Cockpit des fremdartigen Schiffes. Ihr Grundwissen über die Raumschiffe, die in ihrer Galaxis gebaut worden waren, half ihr hier nicht im Geringsten weiter. Vermutlich waren sogar die Techniker der Zeit, in die der Mond sie gebracht zu haben schien, mit diesem Gefährt überfordert.

Trotzdem schöpfte Ann inmitten eines fremdes Raumschiffes auf einem sterbenden Mond ein wenig Hoffnung: Vielleicht brauchte es für ein lebendiges Raumschiff ja gar keinen Techniker.

Sondern vielmehr eine Biologin.

Verzweifelt versuchte Ann sich das Schiff als Lebensform vorzustellen. Es war ein Lebewesen, wurde aber durch ein Cockpit gesteuert. Das bedeutete...

Das fremde Raumschiff wurde erschüttert und Ann stürzte zu Boden. Entweder war Garron tot und der Sith bewarf das Schiff wieder mit Felsen, oder aber der Zustand des Mondes verschlechterte sich immer schneller.

Tödlich war beides.

Ann kam mühsam wieder auf die Beine und zwang sich, ihre vorherige Überlegung fortzusetzen. Vermutlich saß sie in einem Lebewesen, das Befehle von einem Piloten entgegennahm, ähnlich wie ein Reittier von einem Reiter. Demnach musste das Wesen doch einen Überlebensinstinkt besitzen, der es handeln ließ, selbst wenn der Pilot keine Anweisung gab.

Oder aber es war deutlich weniger hoch entwickelt und würde einfach sterben. Zusammen mit ihr und Garron.

Ann Rioun starrte auf das Gewirr von Nervenbahnen, das an den Wänden des Cockpits verlief. Zu komplex für eine nicht-denkende Lebensform. Und zu ruhig und langsam für eine denkende. Außer aber...

 

Verbissen blockte der Jedi Cliff Garron die Angriffe seines Gegners, musste aber mit jeder Sekunde zurückweichen. Als er sich dem Kampf gestellt hatte, hatte er gewusst, dass sein Gegner ein Sith Lord war, aber Cliff hatte keine Ahnung gehabt, was das bedeutete.

Ravvon Dravks Wissen um die Macht und den Lichtschwertkampf entstammte einer Zeit, in der die Sith auf dem Höhepunkt ihrer Macht waren. Die Jahrtausende, in denen es immer nur zwei Sith gab und stets ein Meister einen Schüler unterrichtet hatte, hatten das Wissen der Sith gewiss nicht vergrößert, eher waren viele tödliche Techniken in Vergessenheit geraten und Vader und der Imperator hatten sie nie erfahren. Ravvon Dravk konnte der Schöpfer vieler dieser Techniken sein.

Cliff Garrons Wissen dagegen beschränkte sich auf einen kleinen Teil von dem, was Luke Skywalker gelernt hatte. Und Skywalker hatte nie eine wirkliche Jedi Ausbildung durchlaufen.

Wilder und wilder stach Dravk zu und Garron wurde immer schwächer.

Die Erde riss mit einem gewaltigen Beben auf und die letzten Minuten von Korribans größtem Mond begannen.

Und dann verlor die helle Seite der Macht gegen die Dunkelheit des Sturms und des Mondes.

 

Ann Rioun fühlte, wie sie zusammen mit dem fremden Lebewesen in die Tiefe gezogen wurde. Immer wieder wurde das Schiff umher geworfen, als ob es irgendwo gegen prallte und dann weiter nach unten stürzte.

Die Biologin hatte keine Chance zu stehen und verfing sich im Chaos in der organischen Wand des Raumschiffes. Überall schlangen sich Fäden, die Schlingpflanzen ähnelten, um sie.

Weil Ann wegen des rasend schnellen Sturzes und den Erschütterungen nicht mehr klar denken konnte, wurde ihr gar nicht bewusst, dass das lebende Schiff sie schützte.

Und erst jetzt merkte sie, dass das Schiff zwar immer noch durchgeschüttelt wurde, ihre Orientierungslosigkeit aber nachgelassen hatte.

Das Schiff baute eine Gravitation auf.

Es war aufgewacht.

 

Er stürzte dem dunkelsten Abgrund entgegen, den er in seinem gesamten Leben gesehen hatte. Er konnte nichts mehr für Ann tun. Die Dunkle Seite hatte gewonnen. Der Sturm hatte den Mond vollständig erobert und die helle Seite war nirgendwo präsent. Hier war nur Dunkelheit.

Cliff Garron prallte hart auf.

Und dann war gar nichts mehr zu spüren.

Die Macht war verschwunden.

 

Der Mond war übersät von tiefen und riesigen Erdspalten. Der Regen prasselte immer noch, aber er fiel kaum noch auf in all den Blitzen und durch die Luft geschleuderten Felsbrocken. Die Basis, die die republikanischen Forscher vor über zwei Jahren errichtet hatten, war in die Tiefe gestürzt. Sie nahm den toten Techniker Trevor Zan und den deaktivierten Astromech Droiden X1 mit in die Abgründe.

In einem weiteren dieser unzähligen Erdrisse schwebte jetzt ein kleines Raumschiff in der Luft, das nicht nur organisch war. Nein, es verdrängte die Macht. Und zwar nicht nur in seinem Inneren, sondern auch ein wenig um die gepanzerte Haut herum. Und auf dieser Außenhaut lag jetzt der Jedi Cliff Garron, der gerade rechtzeitig die Augen aufschlug, um zu sehen, wie der Sithlord Ravvon Dravk auf dem Schiff landete.

 

Cliff zündete sein Laserschwert und erhob es. Zwei Meter von ihm entfernt stand Ravvon Dravk in einer fremdartigen, furchteinfößenden Kampfstellung mit ebenfalls aktivierter Klinge. Im Herzen der dunklen Seite und doch völlig abgeschnitten von der Macht begann der letzte Abschnitt des Kampfes.

Cliff stieß vor und führte einen vertikalen Schlag aus, den Dravk blockte. Es fiel dem Sith schwer, auf einem fliegenden Schiff das Gleichgewicht zu halten, ohne sich mit der Macht perfekt ausbalancieren zu können.

Aber dasselbe galt für Cliff. Dravk stieß ihn weg und verwandelte die Abwehr in einen Angriff. Während sein Gegner noch versuchte, das Lichtschwert wieder vor den Körper zu reißen, schlug Dravk nach Cliff und er verfehlte ihn, da dieser schwankte. Cliff verlor das Gleichgewicht und stürzte.

Flieg hier weg, wollte er Ann durch die Macht zurufen. Aber die Macht existierte nicht. Er konnte nicht kämpfen und er konnte Ann nicht warnen. Wenn Dravk die Hülle des Schiffs zerschneidet, ist das auch ihr Ende!

Ravvon Dravk holte gerade zum finalen Schlag aus, als der Blitz einschlug. Irgendetwas, und es war nicht die Macht, ließ Cliff Garron im Moment des Einschlags reagieren und sein Lichtschwert in Dravks Bauch stoßen. Dann war er geblendet und sah nichts mehr. Aus Kraftlosigkeit musste er sein Lichtschwert fallen lassen.

Aber das war bedeutungslos, denn Ravvon Dravk war tot.

 

Cliff tastete auf der unregelmäßigen Oberfläche des Schiffes nach etwas mehr Halt und fand eine Stelle, an der er sich festhalten konnte. Es war sein Vorteil gewesen, dass er den Blitz geahnt und seine Wirkung bereits gekannt hatte. Das waren keine gewöhnlichen Blitze, schließlich entstanden sie ja auch nicht in einem gewöhnlichen Sturm. Es waren Machtblitze, ähnlich denen der alten Sith. Und so stark die dunkle Seite auch ist, in diesem winzigen Bereich auf einem verdorbenen Mond existierte sie nicht. Der Blitz hatte keinerlei Schaden angerichtet, er hatte lediglich beide kurzzeitig geblendet und Dravk mehr überrascht als Cliff.

Und dann ertönte ein ungeheurer Schrei in Cliffs Kopf. Augenblicklich erkannte er, was passiert war. Ravvon Dravk versuchte, Besitz von ihm zu ergreifen. Und schmerzhafte Sekunden später war es ihm gelungen.

Cliff hatte verloren und keine Kontrolle mehr.

Er konnte noch denken, aber nicht mehr handeln. Das tat Dravk jetzt. Und Dravks Gedanken waren wie Schreie. Das Lichtschwert!

Der Sith wollte die Hülle durchstechen. Dann würde er Ann töten und mit dem Schiff von hier fliehen.

Cliff Garron sah hilflos zu wie Dravk mit Garrons geblendeten Augen und nach wie vor ohne Machtsinne nach einem der beiden Lichtschwerter tastete. Er spürte, wie seine Hände plötzlich Navaras durchstochenen Leichnam fanden und hörte, dass Dravk triumphierte. Die Lichtschwerter lagen genau hier.

 

Ann Rioun war es soeben gelungen, sich von der Wand des Schiffes zu lösen, als ein schreckliches Geräusch von oben ertönte. Ein Blick auf die Nervenimpulse zeigte: Das Schiff wurde angegriffen. Schwer angegriffen.

Im nächsten Moment stieß ein leuchtend rotes Lichtschwert durch die organische Deckenhaut und verbranntes Fleisch fiel auf den Boden des Kommandoraumes. Unter grellem Licht wurde ein weiteres Stück aus der Haut herausgeschnitten und Cliff Garron sprang ins Schiff.

Ann schlug das Herz bis zum Hals, aber sie konnte immer noch klar denken. Und das machte es noch schlimmer: Garron wusste, wie man gewaltlos ins Schiff gelangte. Also hatte der Sith von Garron Besitz ergriffen!

Das war das Ende.

Der durchnässte Cliff erhob sein rotes Lichtschwert, auf dem immer wieder knisternd Regentropfen aufprallten, und ging auf Ann zu.

Der Sithlord setzte zum Schlag an, ließ das Schwert fallen und fiel auf die Knie. „Das ist nicht wahr…“, keuchte er.

Der Sith schrie.

Dann verstummte er und Ann wusste, dass Garron aus unerklärlichen Gründen wieder die Kontrolle hatte.

„Er ist endgültig tot…“, keuchte Cliff erschöpft.

„Wie…?“ Ann kniete sich zu ihm.

„Er wollte wissen, wie man das Schiff hier fliegt… Damit er dich nicht brauchen würde, wollte er es aus mir herauszwingen.“ Cliff grinste hämisch. „Und ich hab mich mit aller Kraft auf etwas ganz anderes konzentriert.“

Ann sah in fragend an.

„Weiß du Ann…“, sagte der Jedi. „So dunkel deine Zeit auch gewesen sein mag, so dunkel die Zeit nach dir für unsere Vorfahren auch war und so aussichtslos der jetzige Krieg gegen die Yuuzhan Vong auch scheint… Die Sith sind vernichtet.“

„Und das hat ihn…?“

„Dravk war sich sicher, sie würden inzwischen die Galaxis beherrschen. Jetzt musste er plötzlich erkennen, dass es keinen einzigen mehr gibt. Und dass niemand ihn zurück ins Leben holen würde.“

Plötzlich fiel kein Regen mehr durch das Einschnittloch in der Decke. Ann sah hoch und staunte, dass es sich geschlossen hatte.

Sie würden den Planeten verlassen und die ungewisse Zukunft der Galaxis fliegen.


ENDE

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