Sturm in der Macht 2

Teil 1 von 5


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





Eine halbe Standardstunde später saß Nenomith neben Naurya auf der gepolsterten Rückbank des Landgleiters, der sie ein letztes Mal zurück zum Haus der Painns bringen sollte. Das Mädchen zitterte vor Glück und übermütiger Freude und am liebsten hätte sie die Hand der Jedi ergriffen und sie fest gedrückt, um ihr zu zeigen wie über alle Maßen bereit sie doch war mit ihr zu gehen und ihr eine gelehrige Schülerin zu sein. Sie hielt sich allerdings zurück. Nicht, weil sie befürchtete, Naurya könnte ihr diese Geste der Zutraulichkeit übel nehmen – zwischen den beiden herrschte bereits jetzt, verstärkt durch die alles durchfließende Macht, eine gewisse Vertrautheit vor und jedwede Zuneigung beiderseits war verständlich - , doch brachte sie es nicht über ´s Herz ihren Pflegeeltern, die stumm und gramgebeugt auf den Vordersitzen des Fahrzeugs saßen, auf diese Weise zu zeigen, wie weit sie sich schon jetzt von ihnen entfernt und Naurya als neuen Vormund akzeptiert hatte. Die beiden taten ihr unendlich leid, aber was sollte sie tun? Würde sie bei ihnen bleiben, nur um sie nicht zu verletzen, würde sie dem alten Ehepaar früher oder später bittere Vorwürfe machen und ihnen die Schuld daran geben, dass sie es versäumt hatte, ihren sehnlichsten Traum zu verwirklichen.

Nein, das, was sie gerade dabei war in die Tat umzusetzen, war das einzig Richtige. Nenomith seufzte, lehnte sich entspannt in ihren Sitz zurück und ließ ihren Blick freudig über die Schäfchenwolken in hellem rosa schweifen, die zu dieser fortgeschrittenen Morgenstunde über den Himmel von Orrostar zogen. Sie würde diesen Anblick vielleicht nie wieder genießen können, aber sie würde andere Himmel mit anderen Wolken sehen, schönere und auch weniger herrliche, aber in jedem Fall würden jene Aussichten Bestandteil eines aufregenden Lebens an der Seite einer mutigen Jedi sein, da war sie sich sicher. Sie wandte ihren Kopf zu Naurya. Es gab so viele Fragen, die sie stellen wollte, so viele Antworten, die sie zu erhalten hoffte. Wo sollten sie anfangen? Naurya lächelte geheimnisvoll als könne sie verstehen, was im Kopf ihres Padawans vorging. Und womöglich konnte sie es ja tatsächlich. Nenomith war sich nicht sicher. Im Grunde war sie sich über rein gar nichts mehr sicher, nur darüber, dass sich ihr Blickwinkel geändert und ihr Horizont für neue Dinge erweitert werden würde. Ihr Leben hatte sich um 180 Grad gedreht.

„Naurya...“ Es klang unsicher. Tausende von Gedanken schossen ihr durch den Kopf, unzählige Fragen prickelten auf ihre Zunge und wollten ausgesprochen werden.

Die Jedi schüttelte sacht den Kopf. „Später, Nenomith“, sagte sie geduldig. „Wir haben drei lange Tage im Hyperraum vor uns. Wir finden bestimmt die eine oder andere Gelegenheit, um deine Fragen zu klären. Aber jetzt bin ich müde. Es war eine anstrengende Nacht.“ Ihr Mund verzog sich zu einem herzhaften Gähnen und sie schlug rasch die Hand davor. „Außerdem müssen wir uns ein bisschen beeilen.“

„Warum?“, wollte Nenomith wissen. Der Gedanke nicht alle Zeit der Welt zu haben, um sich von ihren Lieben verabschieden zu können, behagte ihr nicht.

„Rave ist schon dabei die Pike startklar zu machen. Sie will hier weg, das spüre ich... und sie ist gerade furchtbar ungeduldig, glaub mir. Das kann ganz schön anstrengend sein.“ Sie zwinkerte der Kleinen verschwörerisch zu und Nenomith kicherte verhalten.

„Ich kann es gar nicht erwarten loszufliegen“, offenbarte sie freimütig und ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, dass dieser Ausspruch Rangaa einen derben Stich versetzte und die alte Frau nicht zum ersten Mal in diesen turbulenten Tagen ihr Herz heftig stechen fühlte. „Ich bin noch nie in einem Raumschiff irgendwo hingeflogen, ich war immer nur hier auf Orrostar. Wie ist es da oben in den Sternen? Lasst ihr mich die Steerpike mal fliegen?“, sprudelte sie hervor und sah die junge Frau an ihrer Seite mit großen, bittenden Augen an.

Ein heiteres Lachen stahl sich aus Nauryas müder Kehle. Sie strich Nenomith liebevoll über das seidig braune Haar. „Sicher. Wenn du versprichst dich zu benehmen und keinen Ärger machst“, entgegnete sie und legte ein wenig Tadel in ihre Worte, aber das freundliche Funkeln ihrer Augen zeigte ihrer Schülerin, dass sie ihr nicht ernsthaft böse war. Wie hätte sie das auch sein können, nachdem Nenomith sich mit Lando im Sabacc gemessen und ihnen damit ein Schiff beschafft hatte?

Nenomith strahlte selig und rutschte aufgeregt auf ihrem Sitzplatz hin und her, die Augen nun fest auf das Haus gerichtet, dem sie sich unweigerlich näherten.

Mit all ihrer ungedämpften Begeisterung entlockte sie ihrer Meisterin damit ein Schmunzeln. Natürlich darfst du die Pike fliegen, Nenomith, dachte Naurya bei sich. Immer vorausgesetzt Rave fängt endlich an dir – nach alldem, was du für uns getan hast - zu vertrauen und lässt dich ans Steuer. Es würde noch viele Konflikte geben bis das geschah. Die Macht fühlte sich schon jetzt nicht mehr so an wie zu dem Zeitpunkt, als sie auf Yavin 4 gewesen war. Seit ihrem Traum hatte sich ein Empfinden tief in ihr verdunkelt. Sturmwolken zogen auf. Ein bitteres Lächeln umspielte ihre feinen Lippen. Dann hielten sie an.

 

* * *

 

Festen Schrittes eilte Rave durch einen über und über mit kitschigen Gemälden behängten Korridor in Landos prächtigem Anwesen. Bis eben hatte sie sich noch einmal mit den Feinheiten des Bordcomputers der Steerpike auseinandergesetzt und nebenbei die Wartungsarbeiter beaufsichtigt, die von Lando ehrenhalber damit beauftragt worden waren die Schäden am Schiff, die bei der Schießerei in der letzte Nacht entstanden waren, zu beheben. Das war das Mindeste, was er tun konnte, nachdem sie und Naurya die Verschwörung gegen ihn aufgedeckt hatten, fand Rave. Aber schließlich war es auch nicht ganz uneigennützig gewesen, musste sie einräumen. Es wäre nicht auszudenken gewesen, wenn diese verfluchten Gauner mit der Pike abgehauen wären.

„Steerpike“, flüsterte sie bei sich und ließ sich den Namen auf der Zunge zergehen. Er hatte etwas Besonderes, etwas, mit dem sich die junge Schmugglerin sofort verbunden fühlte, aber er würde in ihren Ohren wohl nie so gut klingen wie das alt vertraute „Rogue“. Ein Seufzen entglitt ihrem Mund, dann stieß sie ohne anzuklopfen oder sich sonst irgendwie auf höfliche Weise vorher bemerkbar zu machen die Tür zu Landos Büro auf.  Fast hatte sie gehofft Lando in einer heiklen Situation zu erwischen, in einer innigen Umarmung mit seiner menschlich anmutenden Droidin etwa, aber dass sie wirklich in einem unpassenden Moment hereinplatzen würde, das hatte sie nicht wirklich erwartet.

Als die Tür schwungvoll aufflog, wirbelten die zwei ungleichen Männer, die sich im Raum dahinter befanden, erschrocken herum. Shapelaus Hand wanderte sofort zu seinem Blaster, der lockern an der Seite baumelte, damit er ihn zu jeder Zeit möglichst schnell ziehen konnte, wie es für einen Mann in seinem Metier ratsam war. Lando, der hinter dem breiten Schreibtisch aus edlem Holz stand, hatte einen länglichen Gegenstand in der Hand, doch was es war, konnte Rave auf den ersten Blick nicht erkennen, denn das Objekt war in einige Schichten von hromaglischem Seidenpapier eingewickelte. Er warf ihr einen überraschten und zugleich bitterbösen Blick zu. „Rave“, knurrte er eine Spur verärgert. „Gehe ich recht in der Annahme, dass es keine Absicht war, dass du hier so unangemeldet und... unhöflich eingedrungen bist?“

Rave nickte grinsend. „Sicher doch. Tut mir furchtbar leid. Ich kann später wiederkommen, wenn ich euer kleines... hm, Geschäft gestört habe.“ Sie wollte sich schon umdrehen, um das protzige Arbeitszimmer zu verlassen, als Lando sie davon abhielt, indem er sagte: „Bleib, bitte. Ich wollte ohnehin noch mit dir und deiner Schwester reden, aber da Naurya im Moment noch verhindert ist... nun ja, wir könnten es ohne sie besprechen oder warten. Wie du willst.“ Ein unsicheres Lächeln huschte über sein sonst so undurchschaubares Antlitz und zerstörte jegliche Illusion eines Pokerfaces.

Rave ließ sich die Sache kurz durch den Kopf gehen. Es würde wohl noch eine Weile dauern bis Naurya mit ihrem kleinen, machtbegabten Anhängsel zurückkam und dann wollte sie sofort aufbrechen. Sie hatte es satt auf dieser Kakao überwucherten Steinkugel festzusitzen und Däumchen zu drehen, während auf dem galaktische Markt ohne ihre Beteiligung Geschäfte abgeschlossen wurden und sie hier jedes Staubkorn an das tragische Dahinscheiden der Rogue erinnerte. „Wir besprechen es jetzt“, gab sie knapp zurück. „Meine Schwester wird frühestens in ein paar Stunden wieder hier sein. Wenn es um ein Geschäft geht, kannst du das auch alleine mit mir klären. Naurya vertraut mir in dieser Hinsicht voll und ganz, was übrigens auf Gegenseitigkeit beruht, falls es dich interessiert, Calrissian.“ Ihr Tonfall war kühl und schneidend, denn sie versuchte ihre plötzlich aufkeimende Beklommenheit zu verbergen.

In Sachen Jedinachwuchs vertraute sie ihrem Zwilling ganz und gar nicht, wobei sich Rave jedoch nicht eingestehen wollte, dass die nagende Eifersucht auf die aufgeweckte, überaus talentierte Nenomith ihr Urteilsvermögen beeinträchtigte, obgleich sie diese unangenehme Empfindung so deutlich fühlte, als säße sie wie ein Dolch in ihrer Brust. Und, so schmerzlich es auch war, sie wusste nicht, ob es mit Nauryas Vertrauen zu ihr so weit her war oder ob es erschüttert worden war. Ohne Zweifel standen sie immer noch als Einheit Seite an Seite – der jüngst verstrichene Kampf hatte es ihr deutlich gezeigt – aber was war mit der abscheulichen Auseinandersetzung im Kakaofeld, unmittelbar nach ihren Absturz? Konnte sie das Fünkchen Hader, das der Tod der Rogue entfacht hatte, einfach so beiseite schieben? Nicht wirklich. Sie mussten sich aussprechen, aber weder hier noch jetzt war der richtige Zeitpunkt dafür. Erst mussten sie von diesem Planten weg, dann würde sich schon eine Gelegenheit finden. „Also, was ist jetzt?“ Raves grau-grüne Augen wanderte forschend von Lando zu Shapelau und wieder zurück.

Übermäßig behutsam legte der Schokoladenlord das Päckchen vor sich auf den Schreibtisch, dann verschränkte er die Arme vor der Brust. Das gewinnende Lächeln kehrte zurück. Er wollte es ganz offensichtlich dazu einsetzen die junge Frau zu überreden. „Ich möchte, dass ihr einen Passagier für mich befördert“, eröffnete er ganz ohne Umschweife. „Natürlich nicht umsonst. Ich bin bereit einen angemessenen Preis dafür zu zahlen.“

„Ach ja?“ Rave hob argwöhnisch die Augenbrauen. Der intergalaktische Jungfernflug mit der Steerpike und sie sollten sich gleich mit einem weiteren Menschen an Bord des neu errungenen Schiffes belasten. „Wer? Warum? Wohin?... Die üblichen Fragen eben.“ Sie verzog den Mund zu einem spöttischen Grinsen. „Und vor allem: Wie viel?“

Calrissian lachte schallend. „Immer auf einen möglichst großen Gewinn aus, was?“

„Sind wir das nicht alle?“, warf Shapelau ein, der sich mittlerweile in einen Sessel vor Landos Schreibtisch gelümmelt und sich an der halb gefüllten Flasche corellianischem Whiskeys, die der reiche Plantagenbesitzer für seine Besucher bereithielt, bedient hatte. „Entspricht nicht ganz dem Kodex des Ordens und den Wertvorstellungen eines Jedi, nicht wahr, Starm?“

Die Schmugglerin zuckte nur mit den Schultern. „Deshalb bin ich ausgetreten“, gab sie trocken zurück. Sie musterte den jungen Mann mit den wirren, schwarzen Locken kritisch. Dieser selbstgefällige Ausdruck in seinem Gesicht gefiel ihr gar nicht. Es war so als wisse er etwas, das sie nicht wusste, aber was konnte das sein? Mit einem Mal kam ihr die Erleuchtung. „Lasst mich raten, ihr beiden, unser netter Passagier ist sicher der gute Randy hier, oder?“ Sie stemmte herausfordernd die Hände in die Seiten und hoffte inständig auf ein ehrliches „Nein“. Sie hatte eigentlich nichts gegen ihren Kollegen, doch verspürte sie herzlich wenig Lust den gesamten Flug damit zu verbringen seine Anwesenheit zu ertragen, während ihre Zwillingsschwester sich mit ihrer Padawanschülerin auseinander setzte und Rave genau genommen nichts als ihre Ruhe wollte, um ungestört ihrer verwirrenden Gefühle über den Verlust der Rogue Herr werden zu können. Aber ihre Hoffnung wurde bitter enttäuscht.

„Wie scharfsinnig“, lobte Lando breit grinsend. Er pochte mit dem Finger sanft auf den sorgsam verpackten Gegenstand. „Ich hatte gedacht, ihr könntet Mister Shapelau mit nach Yavin nehmen. Es wäre also nicht mal ein Umweg.“

„Und wieso kann er nicht selbst dorthin fliegen?“, hakte Rave nach. Das ganze kam ihr reichlich suspekt vor, aber sie ahnte ja nicht wie sehr sie den armen Lando damit in die Enge trieb. Er schluckte und senkte den Blick für einen Augenblick, um auf eine Antwort zu sinnen. Verbissen zermarterte er sich das Hirn nach einer Lösung. Warum, bei allen Göttern in diesem verdammten Universum, hatte er diese Lücke in seinem fein ausgetüftelten Plan übersehen? Er hatte sich doch alles so perfekt ausgedacht! Zuerst hatte er das Geschenk besorgt. Eine Kostbarkeit, wie gemacht für den Mann, der es erhalten sollte. Dann hatte er Shapelau eingeweiht und ihm den Auftrag erteilt den Boten zu spielen.

Der Schmuggler war zunächst nicht einverstanden gewesen, hatte die Unternehmung als hirn- und sinnlos abgestuft und ihm klar gemacht, dass er sich, mochte er auch noch viele Schulden beim Schokoladenlord haben, nicht darauf einlassen würde. Das Geschäft in seiner Gesamtheit war unter seinem Niveau. Zu subtil für seinen Geschmack, riskant und möglicherweise reine Verschwendung von Landos Investitionen. Ewig hatten sie darüber gestritten und sich ermüdende Wortgefechte geliefert, in denen Shapelau Calrissian an Eloquenz und fachkundiger Argumentation in nichts nachstand, obwohl er sich normalerweise nicht in derart nobler Gesellschaft aufhielt wie der wohlhabende Glücksspieler. Der Weltraumhändler hatte lange und wild gestikulierend aber letztendlich ohne viel Überzeugungskraft auf seinen reichen Geschäftspartner eingeredet, als sie am gestrigen Tag das ausgedehnte Feld entlangspaziert waren, und nun hatte man Randolf Shapelau davon überzeugt, er selbst könne einen wirklichen Nutzen aus der Sache ziehen. Das Versprechen, ihm all seine Schulden zu erlassen, hatte den Gauner schließlich dazu gebracht einzuwilligen. Sie hatten dieses Abkommen erst heute morgen getroffen und Calrissian war gerade dabei gewesen die Details mit ihm zu besprechen, als Rave in die Unterhaltung geplatzt war. Das Auftauchen der Zwillinge und ihr Plan zur Jediakademie auf Yavin 4 zu fliegen war in der Tat ein unerwarteter Glücksfall gewesen, wenn man es aus diesem Blickwinkel betrachtete.

Als er bewusstlos gewesen war, nachdem ihn der Betäubungsschuss getroffen hatte,  war Landos Unterbewusstsein der Einfall gekommen, er könne seinen Handlanger mit den Schwestern mitschicken. Sicher, es würde ihn einiges mehr kosten, aber es wäre auch eine Bereicherung seines Vorhabens. Denn das kostbare Präsent, welches Lando auf dem galaktischen Schwarzmarkt nach langem Suchen und Feilschen erstanden hatte, war für niemand anderen gedacht als für seinen alten Freund Luke Skywalker und was würde einen besseren Eindruck auf den Jedi machen als ein Bote in Begleitung einer seiner Schülerinnen, die – noch dazu mit einem neuen Lämmchen für seine Schar von machtbegabten Individuen – zu ihrer Ausbildungsstätte zurückkehrte?

Nein. Es war perfekt. Shapelau würde Luke das Ding überreichen, damit an seine Sucht appellieren und ihm Landos kühne Geschäftsidee unterbreiten. In Anbetracht des Geschenkes und der Mengen an heißer Schokolade, die ihm der Unterhändler im Namen seines Arbeitgebers versprach, würde er trotz all seines Jedi-Trainings und seiner Selbstbeherrschung schwach werden. Dann war es nur noch eine Frage der Zeit und weniger wohl platzierter Worte bis der Meister des Jedi-Ordens einen gewissen, sorgsam aufgesetzten Vertrag unterschrieb. Den Vertrag, der ihn an Calrissian binden und ihn zu dessen Werbeträger für heiße Schokolade in der ganzen, weiten Galaxie machen würde. Und mit Luke als Publikumsmagneten, auf jedem Planeten zu sehen, im Holonet oder auf Plakaten, eine Tasse des schokoladigen Heißgetränks vor sich, die er mit Hilfe der Macht schweben ließ... Alle Türen wären offen für Landos Schokoladenimperium! Es war einfach göttlich! Wundervoll! Er widerstand mit Mühe dem Drang sich hier und jetzt gierig und voller vorfreudiger Zufriedenheit die Hände zu reiben.

Rave wippte ungeduldig auf den festen Sohlen ihrer schweren Stiefel hin und her und grub sie immer tiefer in Landos teuren, von Hand gewebten Teppich. „Was ist jetzt?“, knurrte sie gereizt. „Ich warte immer noch auf eine Antwort!“

Aus den Augenwinkeln heraus nahm Lando wahr, dass Shapelau drauf und dran war, irgendeine raffinierte Lüge zu spinnen, um sich aus der Affäre zu ziehen, doch gab es keine Garantie dafür, dass das, was er gleich von sich geben würde, in Landos Konzept passen würde. Er musste ihm zuvor kommen. Mit einem strengen Blick stopfte er dem jüngeren Mann das Maul, ehe er mit einem entwaffnenden Lächeln und einem schrägen, halb mitleidigen Seitenblick auf ihn erklärte: „Sagen wir´s mal so, Rave, Mister Shapelau schuldet mir eine Menge Geld und mit diesem kleinen Auftrag wird er seine Schulden... abarbeiten.“

Die Schmugglerin verzog keine Miene und wartete ab, was nun folgen würde, während Shapelau zapplig in seinem Sessel herumrutschte. Er hatte nicht damit gerechnet, dass Lando die Karten derart offen auf den Tisch legen wollte. Andererseits, er war ein erfahrener Spieler und wusste schon, was er tat.

Der Lord der Schokolade machte eine ausschweifende Handbewegung. „Und um sicher zu gehen, dass er seinen Job auch zu meiner Zufriedenheit erfüllt, behalte ich sein Schiff als Pfand, bis er erledigt hat, was ich ihm aufgetragen habe“, schloss Lando.

Shapelau spürte wie seine Gesichtsmuskeln erschlafften und seine Kiefer Anstalten machte nach unten zu sacken, was das „Schauspiel“, das Calrissian so gewitzt aus dem Stehgreif inszeniert hatte, seiner Glaubwürdigkeit berauben würde. Er konnte einfach nicht glauben, dass der Plantagenmagnat ernsthaft daran dachte ihm sein Schiff wegzunehmen. Zweifellos hatte er das nur gesagt, um Rave einen plausiblen Grund dafür zu liefern, warum sie ihn an Bord nehmen sollte, wenn er doch selbst Eigentümer eines Raumschiffes war. So musste es sein. Alles andere war absurd. Calrissian war ein ausgekochter Geschäftsmann, aber er war kein skrupelloser Erpresser.

Er wandte den Blick zu ihm und erwartete ein beruhigendes, jedoch kaum merkliches Zwinkern seinerseits, das nur für denjenigen zu sehen war, für den es gedacht war. Aber was er tatsächlich sah schnürte ihm für drei endlos scheinende Sekunden die Kehle zu. Kein solches Zwinkern kam ihm entgegen, kein Zeichen, dass ihm hätte verheißen können, alles sei nur eine geniale Finte gewesen. Das dunkle Gesicht war versteinert. Das berüchtigte Pokerface war zurückgekehrt. Calrissian hatte sich keinen Spaß mit ihm erlaubt.  Er würde die Rhapsody in Gewahrsam nehmen und Randolf konnte nur darauf hoffen, dass der irrsinnige Deal, der seinem Boss vorschwebte, gut ausging und er sein Baby noch einmal fliegen konnte ehe der Tag des jüngsten Gerichts kam. Gut, die Rhapsody war ein verhältnismäßig unspektakuläres Schiff von recht einfachem Bau, nicht besonders groß und machte optisch nicht halb so viel her wie die Steerpike, aber sein Herz hing an der Schrottkiste. Sie war schnell und nach seinen Vorstellungen modifiziert und hatte ihm mit ihren Absonderlichkeiten und versteckten Überraschungen schon oft den Hals gerettet. Einfach aufgeben würde er das gute Stück sicher nicht. Alles, was er tun musste, um sie behalten zu können, war das „Spiel der Schokolade“ mitzuspielen. Wie schwer konnte es schon sein, diesen kakaosüchtigen Jedi-Hexer zu ködern, wenn er so schräg drauf war, wie man allgemein behauptete?

Herrgott noch mal, Randy, es wird ein Klacks werden!, sagte er zu sich – er hasste es, wenn man ihn „Randy“ nannte und doch kam er selbst oftmals nicht umhin sich mit diesem Kosenamen, einer abgekürzten Form von Randolf, zu bezeichnen. Du ziehst das Ding durch, verschwindest wieder, kehrst nach Orrostar zurück und fliegst ohne Schulden, die dir das Leben schwer machen, in der Rhapsody davon. Yeah! Genau so und nicht anders wird es sein. Er griff beherzt nach seinem Glas und nahm einen tiefen Schluck, um seine angespannten Nerven zu beruhigen.

Rave nickte. Sie war zufrieden... jedenfalls für den Augenblick. Vielleicht konnte sie später mehr aus Lando herausquetschen, zum Beispiel um was für ein Geschäft es sich handelte und warum zur Hölle es Shapelau ausgerechnet auf einen wilden Dschungelmond führte. Aber das hatte Zeit. „Dann hoffe ich für dich, dass du deinen Job auf die Reihe kriegst, Shapelau“, sagte sie eine Spur zu zynisch. „Und jetzt verschwinde! Ich will mit Lando das Geschäftliche regeln.“

Er erhob sich wortlos und warf Lando einen fragenden Blick zu. Der deutete nur ein bestätigendes Nicken an. „Du kannst dein Gepäck an Bord bringen. Das Päckchen bringe ich später höchstpersönlich vorbei.“ Wieder glitt seine Hand liebkosend über die seidige Verpackung. Rave hätte nur zu gerne gewusst, was sich unter der Hülle befand, aber sie hatte so das Gefühl, dass sie das erst auf Yavin erfahren würde.

„Geht klar.“ Shapelau schlurfte mit hängenden Schultern aus dem Büro und zog die Tür hinter sich zu. Draußen lehnte er sich begleitet von einem lauten Aufseufzen an die Wand. Sein Instinkt sagte ihm, dass er hier in eine Sache geriet, die außer Kontrolle geraten und sich weit über die Rolle, die er hier eigentlich zu spielen gedachte, ausdehnen würde. Ein ungutes Gefühl machte sich in seiner Magengegend breit. Er spürte auf bohrende Art und Weise, dass er schon bald in etwas größeres verwickelt sein würde und das verschaffte ihm einiges Unbehagen. Er hatte nie daran gedacht, eine Begabung für die Macht zu haben, und auch jetzt schien ihm das völlig ausgeschlossen, aber sein gesunder Menschenverstand arbeitete auf Hochtouren und die Empfindsamkeit für unkalkulierbare Gefahr, die er mit den Jahren entwickelt hatte, hatte ihn noch nie getrogen. Eine ungewisse Zukunft lag da draußen in den Sternen, die er schon so oft bereist hatte. Ach was! Mach dich nicht verrückt!, wies er sich streng zurecht. Alles nur Hirngespinste. Es wird ganz so laufen, wie du es geplant hast, Randy. Also, mach dir nicht ins Hemd! Er fuhr sich abwesend durch die dichten Locken, dann stieß er sich von der Wand ab. Als erstes würde er sich jetzt einen Caf organisieren, danach konnte die Welt nur besser aussehen.




* * *


..

Ein Standardtag später...

 

Die Steerpike bahnte sich mit Hyperlichtgeschwindigkeit ihren Weg durch das Universum und hielt Kurs auf Yavin. Naurya hatte am Vortag die kürzeste Sprungroute mit Hilfe des exzellenten, hochtechnifizierten Navcomputers berechnet. Nenomith hatte hinter ihrer Meisterin gestanden und mit ungezügelter Wissbegierde jeden Handgriff beobachtet und in ihrem Gedächtnis gespeichert, sofern ihr das bei den blitzschnellen Bewegungen der Jedi möglich gewesen war. Nun saß sie zusammen mit Naurya im hinteren Bereich des Schiffes und las. Man hatte ihr einen Datenblock gegeben, auf dem die Geschichte Jediordens - soweit bekannt - gespeichert war und sie saugte jedes noch so kleine Detail in sich auf. Sie war noch nicht mal einen Tag von Orrostar weg und hatte das Gefühl schon mehr gelernt zu haben als in ihrem ganzen bisherigen Leben. Sie löste den Blick von dem Text, den sie vor Augen hatte, um zu sehen, was ihre junge Mentorin gerade tat. Die Jedi steckte bis zu den Ellbogen in einem bunten Kabelgewirr, das unkontrolliert aus einer Luke in der Wand quoll. Nenomith musste unwillkürlich lächeln. Sie war wirklich glücklich, an Naurya geraten zu sein, denn sie verstand sich auf eine Menge verschiedener Dinge. Sie hatten noch nicht viel über die Macht gesprochen, aber ihre Lehrerin hatte ihr ausführliche Erklärungen zum Thema Schiffe und Raumfahrt zuteil werden lassen. Bewundernd beobachtete das Mädchen die junge Frau dabei wie sie ein Kabel nach dem anderen heraus zog und es an einer anderen Stelle wieder hineinsteckte. Das absonderliche Szenario weckte ihre Neugier.

„Was tust du da, Naurya?“ Sie legte ihren Block beiseite, stand auf und trat zu ihrer älteren Freundin.

Mit einem leisen Ächzen zog Naurya die behandschuhten Hände aus der Öffnung, streifte die Schutzhandschuhe ab und strich sich ein paar lose gewordene Haare aus der Stirn. „Das ist ein alter Trick, den wir auch schon auf der Rogue angewandt haben.“ Sie zog den Schutz wieder über die Finger und vertäute einen grünen Kabelstrang. „Was du hier siehst, ist das System für die Temperaturregelung an Bord. Der Mechanismus verbraucht eine ziemliche Menge an Energie, die man eigentlich anderweitig einsetzen könnte“, erklärte sie.

Nenomith runzelte die Stirn, dann verzog sich ihr Mund zu einem schelmischen Grinsen. „Um die Fluggeschwindigkeit zu beschleunigen oder die Waffensysteme zu verstärken zum Beispiel?“

Die Jedi nickte und erwiderte das Grinsen. „Richtig erkannt, Nenomith. Du bist wirklich ein helles Köpfchen.“ Vorsichtig löste sie einen Kupferdraht, nahm ein kleines Laserschweißgerät und verlötete das Stück Metall mit einem anderen. Sie wollte Nenomith eigentlich nicht allzu offensichtlich merken lassen, dass sie von unbändigem Stolz übermannt wurde, sobald das Mädchen etwas Kluges von sich gab. Das würde ihr unerfahrenes Ego nur zu sehr aufputschen und sie überheblich machen. Als Lehrerin musste sie vorsichtig mit Lob und Tadel umgehen. Sie hatte die ganze Nacht darüber nachgedacht wie sie wohl am besten mit ihrem Zögling verfahren sollte, denn sie musste zugeben, dass sie in dieser Angelegenheit verdammt unsicher war. Schließlich hatte sie noch niemals so viel Verantwortung für einen anderen Menschen inne gehabt wie jetzt. Ein gutes Meister-Schüler-Verhältnis war wichtig für Nenomiths weiteren Weg, das war ihr vollkommen bewusst. Was das Mädchen brauchte, war eine ausgewogene Mischung aus Strenge und Zuneigung. Lob und Tadel mussten sich die Waage halten. Es war ein Drahtseilakt und gewiss nicht leicht zu handhaben. Wenn sie ehrlich zu sich selbst war, hätte sie sich ein bisschen Unterstützung von ihrer Schwester erhofft, aber darauf musste sie wohl oder übel verzichten. Rave hatte kaum ein Wort mit ihr oder dem Mädchen von Orrostar gewechselt und war seit gestern Abend nur noch aus dem Cockpit gekommen, um etwas zu trinken oder die Erfrischungseinheit zu benutzen. Vermutlich brauchte sie einfach ein wenig Zeit, um über die Rogue hinwegzukommen… ja, und über die Tatsache, dass ihre Zwillingsschwester, die endlich wieder an ihrer Seite ins All hinausgezogen war, sie nun wieder verließ, weil sie sich um die Ausbildung einer machtsensiven Jedi-Anwärterin kümmern musste. Naurya ließ sich ein lautloses Seufzen entlocken. Ein klärendes Gespräch zwischen ihnen stand immer noch aus, aber erst mal waren andere Dinge wichtig. Sie stopfte den Rest des Kabelsalats zurück in die Wand und schloss die Luke. „Fertig.“

Nenomith zog misstrauisch die Augenbrauen zusammen und beäugte die verschlossene Wandverkleidung. „Und das funktioniert wirklich?“

„Sicher.“ Naurya schlenderte zur Sitzecke und nahm ein Glas Wasser vom Tisch. Sie trank einen Schluck und setzte es wieder ab. Dann warf sie einen Blick auf Nenomiths Datenblock, um sich zu vergewissern, dass die Kleine auch fleißig studierte. Sie hätte sich die Bedenken sparen können. Auf dem flachen Monitor flackerten Informationen über die letzten Tage des Jediordens in der Alten Republik. Wieder drohte eine wahre Flutwelle von Stolz sie zu überschwappen. Es würde einen guten Eindruck auf Meister Skywalker machen, wenn ihr Schützling sich mit den historischen Ereignissen ihrer Bruderschaft auskannte noch bevor das eigentliche Jedi-Training begonnen hatte.

Nicht, dass Luke auf so etwas Wert legte, aber er würde diesem unstillbaren Wissensdurst sicher wohlwollend und mit einer gewissen Anerkennung begegnen. Sie erinnerte sich noch an ihre Anfangszeit auf der Akademie als wäre es erst gestern gewesen. Sie hatte diese rein theoretischen Schriftstücke furchtbar langweilig gefunden, aber durchgequält hatte sie sich trotzdem, immer im Hinterkopf der Gedanke an die nächste praktische Lektion. Rave hatte mit dem Lesen solcher Aufzeichnungen noch weniger anfangen können. Naurya wusste, dass ihre Schwester Geschichte nicht uninteressant fand, aber sie hatte einmal gesagt: „Warum soll ich Geschichten über Lichtschwert schwingende Diplomaten und Friedensbotschafter lesen, wenn ich sie da draußen selber erleben kann?“ Dann hatte sie für gewöhnlich zu einem Holobuch über legendäre Raumpiraten oder längst vergangene Königshäuser gegriffen – Dinge, mit denen sie selbst vermutlich nie wirklich in Berührung kommen würde – und die schillernden Legenden verschlungen. Aber mit Nenomith lagen die Dinge anders. Sie begeisterte sich für alles, was Naurya ihr erzählte, für jede noch so kleine Information, die sie ihr zuspielte, als wolle sie in Windeseile all das nachholen, was sie auf der Kakaowelt Orrostar versäumt hatte. Naurya fragte sich beiläufig wie lange es wohl andauern mochte, dieses „das Mark des Wissens in sich einsaugen“.

Nenomith ließ sich wieder am Tisch nieder und bediente sich ebenfalls am Wasser. Sie führte das Glas zum Mund und hielt inne. Beinahe ehrfürchtig betrachtete sie die klare Flüssigkeit, denn ihr war ein Gedanke gekommen, eine verschwommene Erinnerung und von einem rätselhaften Impuls angestoßen grübelte sie darüber nach ob es ihr gelingen würde nur einen einzigen winzigen Tropfen davon aus dem Glas schweben zu lassen.

„Was denkst du?“, fragte Naurya, die die tief gefurchte Stirn ihres Padawans bemerkt hatte. Sie setzte sich Nenomith gegenüber, stützte die Ellbogen auf der Tischplatte ab und legte das Kinn auf ihre verschränkten Hände. Dann wartete sie auf eine Antwort. Sie war geduldig. Irgendetwas ging offensichtlich in dem Mädchen vor und sie verspürte kein Bedürfnis, sie zu drängen.

Nenomith kniff die Augen zusammen und drehte das Glas in ihrer Hand. „Ich frage mich ob ich einen Wassertropfen schweben lassen könnte“, gestand sie und sah Naurya gleichzeitig erwartungsvoll an.

Die Jedi rieb nachdenklich das Kinn an den Händen, ehe sie zögerlich nickte. „Ich denke schon. Wenn du dich stark darauf konzentrierst, könnten deine unerprobten Kräfte dafür ausreichen. Versprechen kann ich dir aber nichts…“

Sie vernahm ein leises Klirren, als das Gefäß zurück auf die flache Platte gestellt wurde, und ein Scharren, denn Nenomith rückte ein Stück näher heran. Das Mädchen griff in ihre langen, braunen Haare und bändigte sie mit einem dehnbaren Haarband, als könnten sie ihrem Geist im Weg sein, wenn sie ihre Fühler ausstreckte, um sich zu erproben. Nenomith sammelte sich, dann schloss sie die Augen und stellte sich das Wasserglas vor. Klar und deutlich erschien es vor ihrem inneren Auge. Sie brauchte nur noch mit der Macht hineinzugreifen und einen Tropfen aus der nassen Flut zu heben. Sie ballte ihre Konzentration und richtete sie auf einen Punkt in der Mitte der spiegelnden Oberfläche. Die Macht floss durch ihren Körper wie ein warmer Strom. Gänzlich bereit war sie, nach dem Wasser zu greifen. Nur noch ein Stück… dann wusste sie nicht weiter. Sie konnte das Wasser nicht erfassen, keinen Tropfen abperlen lassen. Enttäuscht schlug sie die Augen auf. „Naurya, es geht nicht!“, jammerte sie niedergeschlagen. „Ich kann es nicht! Ich weiß einfach nie wie es geht!“ Tränen schossen ihr in die Augen.

Die Jedi sah sie nur stumm an. Sie fixierte ihr eigenes Glas und eine Sekunde später kreisten drei kleine Tröpfchen über dem Rand entlang.

So schnell er gekommen war so schnell versiegte Nenomiths Tränenfluss wieder und machte staunender Bewunderung Platz. „Wie machst du das?“

Naurya deutete ein Schulterzucken an. „Fühl es einfach“, riet sie.

Im nächsten Moment spürte Nenomith wie sich etwas in ihrem Verstand vortastete und sie aufforderte ihm zu folgen. Lass mich den Lotsen für dich spielen, hallte die Stimme ihrer Freundin in ihrem Kopf wieder. Nenomith ließ sich willig darauf ein. Sie legte den Kopf schräg und verzog konzentriert den Mund.

Lass locker!, mahnte Naurya und das Mädchen entspannte sich zusehends. Die Lider fielen ihr wiederum zu und das Glas tauchte greifbar nahe in ihrem geistigen Sehbereich auf. Geleitet von der Macht, verkörpert in der imaginären, warmen Hand ihrer Meisterin, war es dieses Mal ganz leicht. Zielstrebig senkten sich Nenomiths greifende Gedanken in das Wasser. Verzückt spürte sie die Kreise, die ihr Eindringen auf der einstmals spiegelglatten Wasseroberfläche bewirkte. Leicht, beinahe lächerlich mühelos, tauchte sie unter winzigen Molekülen hindurch und vereinte einige davon kraft ihres Geistes zu einem Tropfen, den sie rasch aus seiner Umgebung befreite und an die Oberfläche beförderte. Einmal gelungen war ihr das nicht genug! Naurya hatte drei Tropfen schweben lassen? Bei ihr würden es fünf sein!

Sie lenkte ihre Konzentration verstärkt auf die molekulare Struktur im Behälter und verband weitere der mikroskopischen Bestandteile zu den vier Bläschen, die ihr noch fehlten. Dass Nauryas hilfreiche Hand von ihrer Führung abgelassen hatte, merkte sie gar nicht. Das Mädchen war viel zu begierig ihr kleines Experiment fortzuführen. Was sie tat, brachte sie ihrer persönlichen Kontrolle der Macht ein Stückchen näher und aus irgendeinem für sie unerklärlichen Grund auch einem längst verloren geglaubten Stück Vergangenheit. Freilich erinnerte sich Nenomith keineswegs an die schicksalsträchtige Stunde damals auf der Croloque, als sie ihren Vater, Peyrac Pierrick, halb zu Tode geängstigt und ihn zu seinem grauenvollen Entschluss das Leben all seiner Mannschaftsmitglieder auszulöschen bewogen hatte, aber da war so ein Gefühl in ihr drin... ein seltsames Gefühl, verborgen in den entlegensten Regionen ihrer Erinnerung.

Sie schauderte und verbannte die unbewusste Grübelei aus dem Jetzt. Vor Vergnügen ob ihres Kunststücks hätte sie fast überschäumen mögen, aber Nauryas kritischer Blick belehrte sie eines Besseren. Unter einem Anflug von Verunsicherung ließ sie die glänzenden Wasserkugeln zurück in das Glas fallen. Es stimmte sie ein bisschen mürrisch ihr Spiel schon so früh aufgeben zu müssen, aber der Gesichtsausdruck der Jedi besorgte sie. Hatte sie etwas falsch gemacht? War Naurya etwa wütend, weil Nenomith sie mit der Anzahl der Wassertropfen überboten hatte? Sicher nicht. Die Jediritterin war zweifellos eine stolze, junge Frau, doch ein solch läppisches Gefühl wie verletzte Eitelkeit passte rein gar nicht zu dem Bild, welches sich Nenomith mittlerweile von den Jedi und insbesondere von ihrer coolen Mentorin gemacht hatte. Unbeschwert wischte sie ihre Bedenken beiseite und ein heiteres Strahlen hielt Einzug auf ihrem hübschen Gesicht. „War das nicht genial? Wie du mir gezeigt hast wie ich es machen soll und es dann geklappt hat! Das war so... Wow! Ich konnte die Macht richtig in mir fühlen wie... wie heiße Schokolade, die durch mich hindurchströmt!“ Sie kicherte, wippte auf ihrem Hocker hin und her und tippte im Takt einer Melodie, die ihr plötzlich in den Sinn gekommen war, gegen ihren Trinkbecher.

Naurya nickte matt. „Ja, es war wirklich gut. Dein Geschick ist... außerordentlich.“ Sie rang sich ein Lächeln ab, doch ein ungutes Gefühl schnürte ihr die Kehle zu. Was war das gewesen? Was hatte sie nur in Nenomith gespürt, als diese beschlossen hatte, die ältere Frau zu übertrumpfen? Stolz? Eine Spur Überheblichkeit? Den Drang alles perfekt machen zu wollen? Oder schon frühe Anzeichen einer Rebellion einer Schülerin gegen ihren Meister? Ehrlich gesagt hatte sie nicht die geringste Ahnung, aber was sie bestimmt wusste, war, dass es da etwas gab, dass sie beklommen machte. Es kam ihr falsch vor zuzulassen, dass ihr Padawan die Macht dazu benutzte, sich über andere hinwegzusetzen und sie zu übervorteilen, und mochte es nur im Spiel oder Scherz sein. Verdammt, dachte sie bei sich. Es ist in der Tat schwierig Meister zu sein! Ein grimmiges Lächeln huschte wie ein Schatten über ihr Antlitz, doch unter Nenomiths fröhlichem Gebaren verflüchtigte es sich wie Gewitterwolken vom Himmel, wenn er aufklart und die Sonne durchbricht.

„Was ist denn los?“ Nenomith hörte auf gegen ihr Glas zu pochen. Feinfühlig wie sie war spürte sie natürlich, dass etwas nicht stimmte. „Alles okay bei dir, Naurya?“

„Es ist nichts. Ich habe nur ein bisschen nachgedacht, das ist alles.“ Naurya senkte für einen Moment den Blick. „Weißt du, es ist für mich nicht ganz leicht, plötzlich deine Meisterin zu sein, Nenomith. Ich... ich habe Angst etwas falsch zu machen.“

Das Mädchen musterte sie zuerst unsicher, schüttelte dann aber entschieden den Kopf. „Ach was! Du wirst bestimmt nichts falsch machen! Ich verspreche, eine gute Schülerin zu sein! Ich will so viel lernen und... Oh Naurya, wir zwei schaffen das schon, nicht wahr? Wir sind doch jetzt ein Team und nichts kann uns mehr entzweien!“ Unter dem Anflug überstürzter Gefühle und dem Bedürfnis, der anderen zu zeigen, wie ernst es ihr war, sprang Nenomith auf und schloss Naurya fest in die Arme.

Zunächst war die Jedi ein bisschen überrumpelt, aber dann schüttelte sie ihre Befürchtungen und üblen Ahnungen von sich ab als wären sie nie Teil ihrer Gedanken gewesen und drückte das Mädchen dicht an sich. Sie duftete wunderbar nach Kakao. Das war der Duft von Orrostar. Wie lange er wohl noch an ihr haften mochte? Naurya lächelte still in sich hinein, erheitert von ihren ulkigen Überlegungen, und nahm einen tiefen Zug von dem feinen, köstlichen Hauch, der ihren Padawan umströmte wie ein natürlich schmeichelndes Parfum. Nenomith hatte vollkommen recht. Sie waren jetzt ein unzertrennliches Duo und Naurya würde alles in ihrer Macht stehende tun, um ihrer jungen Freundin eine gute Lehrmeisterin zu sein.

 


* * *

 

 

Geduld hatte noch nie zu Randolf Shapelaus größten Tugenden gezählt. Hatte er das bisher nicht gewusst, war es ihm nun um so klarer. Verdrießlich beäugte er die kahlen, grauen Metallwände seiner Kabine. Es war verflucht eng hier drin. Eng und langweilig. Er lehnte sich so lässig wie möglich an die Wand, zündete sich eine dicke, rote Charrillo-Zigarre an und paffte den schweren feuerroten Rauch durch die Luftschachtöffnung, die sich neben seinem Kopf in der Wand befand. Noch zwei Tage in dieser verfluchten Kiste. Es war zum Verzweifeln. Er war allein, hatte keine Unterhaltung. Rave hatte sich ins Cockpit zurückgezogen und hatte seinen ersten und bisher einzigen Versuch ins Gespräch zu kommen brüsk abgewiesen. Die anderen beiden hielten sich im Wohnraum auf. Er verspürte nicht die geringste Lust sich zu ihnen zu gesellen.

Furchtloser Schmuggler hin oder her, in seiner vor Geheimnissen, die nicht zum Ausplaudern bestimmt waren, strotzenden Branche überlegte man es sich besser zweimal, ob es ratsam war, sich in die Gegenwart einer Jedi und ihrer Schülerin zu begeben. Besser er ließ Vorsicht walten. Unwillkürlich wanderten seine dunkelgrünen Augen auf das längliche, säuberlich verpackte Etwas, das ihm Calrissian anvertraut hatte. Er genehmigte sich einen tiefen Zug des anregenden Dunstes seines Glimmstängels, hustete verhalten, als ihm der Qualm unversehens in die Atemwege geriet und diese reizte, und versuchte dahinter zu kommen, was an dem mysteriösen Geschenk für Skywalker so bedeutsam sein könnte, dass er sich dafür für Lando zum Idioten machte. Denn das würde zweifellos geschehen, wenn der ehrgeizige aber im Großen und Ganzen völlig dämliche Plan des derzeitigen Schokoladenlords aufging.

Er hörte ein Scharren von draußen und spitzte gespannt die Ohren. Sehnsüchtig wartete er eine Weile, aber nichts geschah. Er hatte sich getäuscht. Niemand kam, niemand befreite ihn aus dem unerträglichen Gefängnis der einschläfernden Öde. Dabei wusste er nur allzu gut, dass die drei weiblichen Wesen mit denen er sich auf der Steerpike befand, nur zu gerne hinter das Mysterium von Landos geheimnisvollem Päckchen gekommen wären. Ein grimmiges Lächeln zeigte sich durch die Rauchschwaden hindurch auf seinem markanten Gesicht. Wenn sie wüssten was für ein dummes Ding er da mit sich herumschleppte, würde ihre Neugierde bestimmt sofort erlöschen. In einem plötzlichen Anfall von Zorn knallte er die dampfende Zigarre in den Mülleimer, warf dem Paket einen bitterbösen Blick zu und verfluchte leise aber äußerst wortgewandt und geistreich seine Abhängigkeit von Lando Calrissian. Dann, von einer wilden Laune gepackt, riss er die Tür auf und stampfte mürrisch in Richtung Cockpit. Er würde Rave einen Besuch abstatten, ob sie wollte oder nicht. Er hatte endgültig die Schnauze voll davon wie der letzte Idiot behandelt zu werden.

Er fand seine blonde Schmugglergenossin mehr liegend als sitzend im Pilotensessel vor. Die schwere, schwarzen Reisestiefel lagen aufgestützt am Rande der Konsole, in der Hand hielt sie einen Blaster, an dem sie gedankenverloren herumspielte. Das Licht im Cockpit war herabreguliert. Er sah nicht, dass sie geweint hatte.

 

* * *

 

Sobald sie die müden Augen schloss, sah Rave vor ihrem inneren Auge das höllisches Flammeninferno, dem die Rogue zum Opfer gefallen war. So war es nicht verwunderlich, dass sie krampfhaft versuchte, die trägen Lider nicht herabsinken zu lassen, um sich nicht wieder und wieder den schauderhaften Bildern der Erinnerung aussetzen zu müssen. Die letzte von Alpträumen durchzogene Nacht hatte ihren Bedarf an den bedrückenden Schatten der jüngsten Vergangenheit bereits über alle Maßen gedeckt. Sie hatte es satt, sich vom Verlust eines leblosen Schiffes so herunterziehen zu lassen, aber sie konnte gegen ihre eigenen Dämonen aus Wut und Schmerz ankämpfen so viel sie wollte, der bittere Nachgeschmack blieb an ihr haften. Immer wieder drängten ihre Gedanken in die selbe Richtung, immer wieder ging ihr das gleiche durch den Kopf.

Wären wir nicht wegen Nenomith nach Orrostar aufgebrochen, hätte ich die Rogue noch, sagte eine flüsternde Stimme in ihrem Geist. Und ich würde Naurya nicht wieder hergeben müssen. Die Schmugglerin wusste wie kindisch und albern ihr Verhalten war und dass es keinen Sinn hatte, dem jungen Mädchen, das mit ihnen auf die Reise gekommen war, die Schuld an ihrem persönlichen Elend zu geben, aber in ihrem Herzen überflügelten Trotz und Eifersucht Vernunft und Verständnis. Mürrisch betrachtete sie die blinkenden Schalter und Hebel, die sie im Cockpit umgaben. All das erschien ihr nicht mehr so vollkommen wie zuvor. Lange Stunden des tristen Nachgrübelns hatten die anfängliche Euphorie über die Steerpike verschwinden lassen. Sie war ein gutes Schiff, konnte es mit ihrer Vorgängerin mühelos aufnehmen, und doch war die Pike nur ein billiges Trostpflaster. Ein unpersönlicher Blechhaufen, ausgestattet mit der neusten Technik, aber noch ohne einen einzigen Kratzer, ohne Laserbrandspuren, die ihr auf der Flucht vor Piraten oder im Kampf zugefügt worden waren, seit sie den Besitzer gewechselt hatte. Nun, vielleicht würde sich das mit der Zeit geben. Und wenn nicht...

„Hey, träumst du?“ Eine sanfte, dunkle Stimme riss sie aus ihren Gedanken und Rave wischte sich hastig mit dem Handrücken über die feuchten Augen. Sie nahm die Füße von der Steuerkonsole und drehte sich langsam Randolf Shapelau um, der hinter ihrem Pilotensessel stand, eine Hand lässig in die Seite gestemmt, die andere in den dunklen Locken vergraben, um sich unsicher am Kopf zu kratzen.

„Was ist?!“, blaffte die junge Frau den Schmuggler an.

„Wollte nur sehen, was du so machst, Rave, und...“

„Verschwinde!“, fauchte sie gereizt.

„Was?“ Er hatte insgeheim mit einer solchen Abfuhr gerechnet, aber sich dumm zu stellen, schien ihm im Augenblick überaus passend.

Rave richtete ihm reflexartig den Blaster auf die Brust. „Raus! Ich will meine Ruhe!“

Als hätte er weder ihre rüden Worte gehört noch die Schusswaffe gesehen, mit der er bedroht wurde, ließ sich Shapelau in den Sessel neben Rave fallen und grinste vage in ihre Richtung. „Das meinst du nicht so.“

„Doch tue ich.“ Raves Stimme war zu einem dumpfen Grollen herabgesunken. Sie schien drauf und dran Hand an den charismatischen Gauner zu legen und ihn eigenhändig hinaus zu werfen. Doch Shapelau war nicht der Mann, der sich davon einschüchtern ließ. Er zuckte nur unbeeindruckt die Schultern und lehnte sich tiefer in das weiche Polster zurück. „Weißt du, du solltest aufhören dich hier drin zu verkriechen und deiner Schwester und ihrem netten Anhängsel aus dem Weg zu gehen“, riet er, den Mund zu einem Lächeln verzogen. Ob es spöttisch und böse gemeint oder dazu gedacht war sie mit ein wenig beißender Kritik aus ihrer Melancholie zu holen konnte Rave nicht einschätzen.

„Ich gehe niemandem aus dem Weg!“, versetzte sie ärgerlich. „Und dass ich mich nicht darum reiße, mich in die Unterrichtseinheiten meiner Schwester einzumischen oder höchst interessante Gespräche mit dir zu führen, heißt noch lange nicht, dass ich mich verkrieche, Randy!“ Aber genau das tat sie. Sie wusste es, er wusste es und obendrein wusste er, dass sie wusste, dass er Recht hatte. Man konnte es an einem Dutzend kleiner Dinge sehen und spüren. Schon allein, dass sie ihn „Randy“ genannt hatte. Er hasste es so gerufen zu werden, aber die gewohnte Bissigkeit Raves war ein gutes Zeichen. Shapelau war sich sicher, nun zu ihr durchgedrungen zu sein, doch ehe er sie weiter reizen konnte, meldete sich sein Magen mit einem rebellischen Knurren zu Wort. Ein Hauch von Röte stieg ihm auf die scharf geschnittenen Wangen. Ihm war nicht bewusst gewesen, dass er so hungrig war, doch war es kein Wunder. Dass er zum letzten Mal eine warme Mahlzeit zu sich genommen hatte, war ein Weilchen her. Die eisige Stimmung auf der Pike hatte auch vor der Küche nicht haltgemacht und niemand dachte daran zu kochen.

Mit Mühe verbiss sich Rave ein Kichern. Das wäre nur ein Triumph für ihn gewesen. Sie konnte es sich beim besten Willen nicht leisten, dass er mit seiner plumpen Weise die Mauern einriss, die sie seit dem Fall der Rogue wie Bastionen der Traurigkeit um sich errichtet hatte. „In der Kombüse sind eine Menge Vorräte“, sagte sie kühl und leidenschaftslos. „Bedien dich, aber lass mich in Frieden, okay?“ Bestimmt verschränkte sie die Arme vor der Brust und wartete darauf, dass er verschwand. Vergeblich. Der junge Schmuggler rührte sich nicht vom Fleck. Stattdessen gab ihr eigener Magen einen wütenden Knurrlaut von sich. Peinlich berührt biss sie sich auf die Unterlippe und wandte die Augen ab. Aber alles zu Boden Starren half nichts, denn Shapelau hatte seine Chance auf eine zwischenmenschliche Unterhaltung und etwas warmes zu Essen gewittert. Ein selbstsicheres Wolfsgrinsen verzerrte seine kantigen Züge, als er sich ruckartig von seinem Sitz erhob und nach Raves Arm griff, um sie ebenfalls hochzuziehen. „Hoch mit dir!“

„Aua!“, keifte Rave und versuchte sich loszureißen. Dabei fiel der Blaster zu Boden und Randolf verpasste ihm einen gezielten Tritt mit der Stiefelspitze, so dass er aus Raves Reichweite schlidderte. Er wusste, sie hätte nie wegen einer solchen Lappalie auf ihn geschossen, aber er war nicht unbedingt scharf darauf den Knauf der Waffe in seinem ohnehin schon schmerzenden Bauch zu spüren und ein solcher Schlag war ihr in ihrer augenblicklichen Rage ohne weiteres zuzutrauen.

Schließlich gelang es ihr gewaltsam aus seinem Griff zu entkommen. „Was soll das, du Idiot?!“ Raves rechte Hand landete schwungvoll auf seiner linken Wange und hinterließ ein rotes Mal.

Sich die pochende Backe haltend, gab Shapelau seiner widerspenstigen Kollegin einen Schubs in Richtung Cockpittür. „Um mir und dir zu beweisen, dass du dich hier nicht aus Selbstmitleid verkriechst, kommst du jetzt mit mir in die Küche und wir kochen was Leckeres. Lando hat mir mal eines seiner berühmt-berüchtigten selbst kreierten Geheimrezepte verraten. Soll schon dem großen Luke Skywalker ausgezeichnet gemundet haben, hab´ ich gehört.“ Seine grünen Augen blitzten schelmisch auf. Er hielt sich selbst nicht für unwiderstehlich – das überließ er lieber Typen wie Lando - aber Randolf war sich seines durchaus nicht zu unterschätzenden Charismas gewahr. Er hatte eine vage Vorstellung davon, wie er Rave anpacken musste, um sie aus ihrem Schneckenhaus zu locken, und die setzte er nun in die Tat um... nur so zum Zeitvertreib.

Rave trottete verdrießlich vor ihm her. Sie war ungeheuer wütend auf ihn, aber eins musste man dem Kerl lassen: er hatte es mit seiner nervtötenden Art geschafft, sie für ein paar kostbare Augenblicke das Desaster im Kakaofeld vergessen zu lassen. Sie beschloss auf sein Spielchen einzugehen. „Lass mich raten, Randy, Schokolade steht ganz oben auf der Liste der Zutaten, die wir dafür brauchen“, bemerkte sie gallig.

Er schüttelte amüsiert den Kopf, so dass seine unbändigen Haare leicht hin und her wippten. „Nein. Ob du es glaubst oder nicht, nicht eine einzige Kakaobohne wird in den Topf kommen.“

„Da bin ich aber beruhigt.“ Rave drückte auf einen runden blauen Knopf und die Schiebetür, die zur winzigen Schiffsküche führte, öffnete sich lautlos. Sie trat hinein, Shapelau folgte ihr und die Schmugglerin schloss die Pforte sofort wieder. Der Aufenthaltsraum war gleich nebenan. Sie hatte die Stimmen von Nenomith und Naurya gehört. Aber das Letzte was sie wollte, war, dass die beiden sich zu ihnen gesellten und das Mädchen fortwährend lästige Fragen stellte, nur, weil sie von einem zurückgebliebenen Kakaoplaneten kam und ihr ein schier unersättlicher Wissensdurst zu eigen war. Oh ja, Rave konnte sie nur allzu gut verstehen. Sie erinnerte sich noch genau wie es damals gewesen war, als sie und ihr Zwilling Kinder gewesen war, jünger als Nenomith, noch keine fast erwachsenen Teenager. Sie waren ihrem Vater ständig damit in den Ohren gelegen ihnen alles über Schiffe, Raumfahrt und fremde Welten zu erzählen, sie hatten ihre Mutter bekniet, damit sie ihnen erzählte, was sie über das Leben fern von Corellia wusste, und hatten unaufhörlich alle Raumfahrer verhört, die ihnen über den Weg gelaufen waren. Mit Nenomith war es wohl dasselbe und doch war es ganz anders.




Ende von Teil 1

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