Sturm in der Macht 2

Teil 2 von 5


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





Randy trat an die graublaue Küchenzeile heran und riss auf der Suche nach den passenden Zutaten wahllos ein Staufach nach dem anderen auf. Rave fragte sich beiläufig wie oft er wohl dazu kam sich als Koch zu betätigen. Dass das Gericht, das er zu fabrizieren gedachte, genießbar war, zweifelte sie stark an, zumal die Idee dazu von Lando kam, und obwohl der wohl als Gourmet durchging, musste das nicht unweigerlich bedeuten, dass sein Gespür für die Essenszubereitung ähnlich ausgeprägt war. Überhaupt konnte sie sich weder Calrissian noch Shapelau als Heimchen am Herd vorstellen, genauso wenig wie sich selbst, Naurya oder auch Nenomith. Hauptnahrungsmittel eines Schmugglers war, was aus Konservendosen kam, das war allgemein bekannt. Im illegalen, intergalaktischen Handel blieb wenig Zeit und Gelegenheit, um selbst den Herd zu schüren und den Kochlöffel zu schwingen, das merkte jeder, der in die Branche eintrat. Randolf Shapelau wollte sie offenbar vom Gegenteil überzeugen. Vor ihm türmte sich bereits ein wüster Haufen von Lebensmitteln, doch waren, wie Rave zugeben musste, durchaus einige Gaumenfreuden dabei. Die Ausstattung der Bordkombüse war nicht übel, so viel stand fest.

Shapelau band die wirre, dunkle Lockenflut mit einem Gummiband zusammen, damit auch ja kein Haar in der Suppe landete, und füllte Wasser in einen Transparistahltopf, den er unsanft auf einer der vier Herdplatten platzierte. „Nettes Küchenequipment“, räumte er anerkennend ein. „Auf der Rhapsody kocht man nicht halb so komfortabel.“

„Du willst mir doch nicht weismachen, dass du oft in der Kombüse stehst, oder?“, spöttelte sie und lehnte sich an den schmalen Tisch, an dem gerade mal zwei Personen Platz fanden. Die beiden Hocker, die daneben standen, hatten langweilige Polsterbezüge aus Grommleder und machten den Eindruck als wären sie noch nicht oft benutzt worden. Kein Wunder, fuhr es Rave durch den Kopf. Sie sehnte ihre alten, zerlöcherten Barhocker herbei. Das erste, was sie tun würde, nachdem sie die Jedi auf Yavin 4 abgeliefert hatte, war neue, angemessene Stühle zu besorgen, sonst würde sie sich in der Steerpike nie heimisch fühlen.

Shapelau Zähne blitzten auf, als sich seine Lippen zu einem erneuten Grinsen auseinanderbewegten. „Ertappt“, sagte er, wobei er seiner Stimme einen unschuldigen Tonfall verlieh. Es machte ihm einige Mühe sich überhaupt an das Rezept von Landos Giju-Eintopf wieder ins Gedächtnis zu rufen, aber der ungeübte Hobbykoch war zuversichtlich, dass er sich letzten Endes als wahrer „maître de la cuisine“ erweisen würde. Er schnappte sich eine längliche, braune Hülsenfrucht, brach ein Stück der Schale weg und drückte die schleimige Flüssigkeit, die daraus hervorquoll wie der Abszess einer widerlichen Eiterbeule, in den Topf. „Also...“ Er nickte Rave aufmunternd zu. „Sei ehrlich. Was hast du gegen die Kleine?“ Sein markantes Kinn ruckte in die Richtung, wo der Raum lag, in dem sich Nenomith mit ihrer Meisterin aufhielt und Wassertropfen schweben ließ.

Rave sah ihn perplex an. Mit einer so offenen und aufdringlichen Frage hatte sie nicht gerechnet.

„Und sag jetzt nicht, dass da nichts ist“, fügte er schnell hinzu, ehe die Schmugglerin es abstreiten konnte. „Ich hab´ Augen im Kopf, weißt du, und dass dich was plagt, ist nicht zu übersehen.“ Er nahm einen Löffel und kratzte den Inhalt einer Blechdose in den Behälter, in dem schon der Schleim der Frucht langsam vor sich hinblubberte. Ohne seine Arbeit gewissenhaft vollendet zu haben stellte er die Dose weg. Dicke Reste klebten noch an ihrer Innenseite. Würde das erst mal getrocknet sein, würde das Spülen trotz der von Chemikalien strotzenden neusten Errungenschaften der Spülmittelindustrie zur reinsten Tortur werden.

Mit Mühe rang sich Rave ein gleichgültiges Schulterzucken ab. „Gut, ich geb´s ja zu, das Mädchen ist mir nicht ganz geheuer.“

„Und gibt es dafür auch einen triftigen Grund oder ist das nur die Intuition einer Fast-Jedi?“, erkundigte er sich neugierig und nicht ohne ein Quäntchen Spott in seine Worte zu mischen.

„Und ob es den gibt, Randylein. Wenn du wüsstest....“ Rave biss sich hart auf die Lippe. Bei den fauligen Gebeinen des Imperators, was hätte sie diesem dahergelaufenen Weltraumhändler da beinahe erzählt?! Sie war drauf und dran gewesen ihm von Nenomiths Betrug beim Sabacc zu berichten. Aber das ging ihn einen feuchten Dreck an und womöglich würde Shapelau gleich zu Calrissian rennen, um seinen Boss darüber zu informieren, dass er hintergangen worden war. Sie musste die Klappe halten. Was war überhaupt mit ihr los? Sie war doch sonst halbfremden Menschen gegenüber auch nicht besonders redselig und unbedachte Äußerungen entschlüpften ihr höchstens, wenn sie nicht mehr ganz nüchtern war. Also beschloss sie es bei dieser vagen Andeutung zu belassen und abwehrend den Kopf zu schütteln. „Vergiss es, Shapelau. Das würdest du ohnehin nicht verstehen.“

Er zog misstrauisch die Augenbrauen hoch und packte den Kochlöffel eine Spur fester. Das Essen sonderte schon jetzt einen abstoßenden Geruch ab, hatte sich zu einem zähflüssigen Brei verdickt und das Umrühren ging nicht leicht von der Hand. Der einnehmende Schurke legte das hölzerne Instrument beiseite und schraubte den Verschluss einer Gewürzdose auf, auf deren Etikett unter einer Reihe tatooinischer Zeichen in Basic die Aufschrift Boonta abgedruckt war. „Wenn du meinst. Aber du kannst mir nichts vormachen. Du schäumst geradezu vor Eifersucht auf die Kleine, nicht wahr?“ Er schnippte eine Prise des gelblichen Gewürzes in den Topf und warf Rave über die Schulter hinweg einen wissenden Blick zu.

„Klugscheißer“, schnappte Rave übellaunig. „Was gibt dir überhaupt das Recht für mich den Psychologen spielen zu wollen?“

„Wenn du mir sagst, was ich in diesem verfluchten Schiff sonst tun kann, lass´ ich dich nur zu gern in Ruhe, aber solange ich hier mit dir und den anderen festsitze und die Spannung zwischen euch – vor allem auf deiner Seite – knistert wie ein Blitz kurz vor der Entladung, bleibt mir wohl oder übel nichts anderes übrig als den verzweifelten Versuch zu starten, die Wogen zu glätten oder in meinem Zimmer vor Langeweile zu vergehen. Glaub mir, Starm, ich bin es satt mir ständig von anderen vorschreiben zu lassen, was ich zu tun habe, nur, weil jeder meint mich irgendwie in der Hand zu haben und über mich bestimmen zu dürfen. Calrissian, dieser vermaledeite Großkotz, hat meine Rhapsody, du verwehrst mir jegliche Gesellschaft und verbannst mich aus dem Cockpit, dem einzigen Ort in dieser Kiste, der für mich interessant ist... Mal ehrlich, ich könnte euch helfen ein paar Kleinigkeiten an dem Baby hier zu verbessern, wäre kein Problem. Ich kenne da eine Menge Tricks und Kniffe, die bestimmt noch nicht mal deiner Schwester und dir zu Ohren gekommen sind.“

Rave schürzte die Lippen. „Da bin ich überzeugt, aber trotzdem muss ich dein nettes Angebot ablehnen, so schwer es mir auch fällt, denn ich traue dir nicht in ausreichendem Maße, Randy, um dich an unserem neuen Baby herumschrauben zu lassen.“

Er verdrehte gänzlich unbeeindruckt die großen, smaragdgrünen Augen. „Na und? Ich dir auch nicht. Was soll´s?“

„Erzählst du uns deswegen nicht, was in Landos Päckchen ist?“ Sie warf ihm einen abschätzenden Blick zu.

Shapelaus Linke vollführte eine abwehrende Geste. „Hab´ meine Anweisungen, das ist alles. Sonst würde ich ´s euch vielleicht sagen.“

„Du lässt dir also doch gern Vorschriften machen, was?“, gab Rave schlagfertig zurück. Langsam aber sicher begann sie den hitziger werdenden Schlagabtausch zwischen ihnen ein bisschen zu genießen. Indem sie sich mit ihrem Gegenüber ungestüme Wortgefechte lieferte, gelang es ihr, ihrem angestauten Frust Luft zu machen.

„Und du lässt dich vom Verlust eines Schiffes und dem Neid auf den zukünftigen... Wie heißt das noch gleich?... Padawan deiner Schwester so sehr runterziehen, dass es schon wieder auf lächerliche Weise peinlich ist. Hätte dir wirklich mehr Schneid und Selbstbeherrschung zugetraut, Schätzchen.“ Eine hässliche violette Wurst verschwand in Stückchen zerhackt im Eintopf, der mittlerweile einen beißenden Verwesungsgeruch absonderte.

„Nenn mich nicht Schätzchen, Randy!“ Wutentbrannt stemmte sie die Hände in die Seite. Ihr Kopf nahm eine rötliche Färbung an und ihr Magen drohte sich in Anbetracht des furchtbaren Gestanks auf der Stelle zu entleeren. Rave würgte hart und verdrängte den Brechreiz.

„Nenn mich nicht Randy, Schätzchen!“, grollte er zurück und nahm die gleiche Haltung ein. Auch er war etwas grün um die Nase.

„Vergiss nicht deine ekelhafte Pampe umzurühren!“ Raves Gesicht verzog sich zu einer angeekelten Grimasse.

Seine Augen weiteten sich erschrocken, er fuhr zum Topf herum und rührte hektisch. Ohne sich ihr wieder zuzuwenden sagte er: „Komm schon, Rave, gib dir nen Ruck und red ´s dir endlich von der Seele. Sieh ´s als vertrauliches Gespräch unter Schmugglerkollegen.“

Die junge Frau haderte gewaltig mit sich. Einerseits wäre sie froh gewesen, jemandem ihr Herz auszuschütten zu können, schon allein, damit sie Naurya unbefangener entgegentreten und es vielleicht doch noch zu einer Aussprache wegen ihres Aussetzers in der Kakaoplantage kommen konnte. Andererseits war es ihr zutiefst zuwider, gerade diesem derben Schmuggler Einblick in ihr Innerstes zu gewähren. Aber was hatte sie schon großartig zu verlieren? Sobald sie auf Yavin waren, wäre sie ihn ohnehin wieder los und musste sich nie wieder darauf einlassen, ihre Geheimnisse vor ihm zu entblößen.

Zähneknirschend gab sie letztendlich klein bei. „Wenn du so scharf darauf bist, dass ich meine Seele vor dir entblättere, bitte.“ Mit einem bedrückend elenden Gefühl, das sich durch ihre Eingeweide fraß, stützte sie plötzlich sehr matt den Ellbogen auf die Tischplatte. „Ich kam vor ein paar Tagen nach Yavin 4, um meine Schwester von der Jediakademie abzuholen. Sie hatte mir versprochen, mit mir endlich wieder den Weltraum unsicher zu machen. Alles sollte wie früher sein, bevor sich unsere Wege trennten.“ Ein müdes Lächeln huschte über ihr Antlitz, wich aber geschwind einem Ausdruck der Bitterkeit, den man dort in letzter Zeit bei weitem zu häufig vorfand. „Aber dann... dann kam etwas Unvorhergesehenes dazwischen und wir mussten uns auf den Weg nach Orrostar begeben, um ihre zukünftige Padawanschülerin aufzuspüren...“

Sie erzählte ihm beinahe alles. Die Worte flossen nur so aus ihrem Mund. Ein reißender Bach brach aus, nachdem er lange Zeit von einem Staudamm gehalten worden war. So gut wie nichts wurde ausgelassen. Stockend schilderte Rave das Ende der Rogue und den Streit, der daraus resultiert war. Das erste Zusammentreffen mit Nenomith und den Painns fand Erwähnung, nachdem sie noch einmal auf die Vergangenheit zurückgegriffen und von Nauryas Traum und Skywalkers Offenbarung gesprochen hatte. Nur den Betrug beim Sabacc-Duell mit Lando ließ sie weg. Gründe dafür gab es genug.

 „... und jetzt stehe ich da, ohne die Rogue.... Herrgott, du weißt ja nicht, was wir mit der alten Schrottmühle schon alles erlebt haben! Die ganzen Erinnerungen, meine und Nauryas...“ Sie schniefte. Es rutschte ihr einfach so raus. Es hatte nichts weiter zu bedeuten, außer, dass sie sich von ihren Gefühlen übermannen ließ und der Verlockung sich auszusprechen, zu toben, zu weinen, zu zetern keinerlei Widerstand entgegensetzte. „... und wieder ohne Schwester.... Ich weiß, dass ich auf Yavin bleiben und meine Ausbildung fortführen könnte, dann wären wir zusammen, aber das würde ich nicht aushalten. Nicht eingesperrt zwischen dem ganzen Machtritus, nicht mit Nenomith...“ Sie geriet ins Stocken. „Verdammt! Ich weiß nicht mal, was es eigentlich ist, das mich gegen sie aufbringt, verstehst du? Wenn ich ehrlich bin, ist sie mir nicht mal unsympathisch oder dergleichen. Im Gegenteil! Naurya und ich waren in ihrem Alter ganz ähnlich.“ Ihre Stirn legte sich in Falten. „Vielleicht ist es das“, räumte sie ein. „Vielleicht versuche ich ihr nur die Schuld an dem ganzen Sithdreck hier zugeben, weil ich... Angst habe, dass sie meinen Platz an Nauryas Seite einnimmt. Das ist dumm, oder? Sehr dumm.“ Etwas trotziges aber auch betrübtes schwang in ihren Worten mit.

Shapelau schüttelte nachsichtig den Kopf. „Aber sie kann dich doch nicht als Nauryas Zwillingsschwester ersetzen“, sagte er mit milden Tonfall, wie man es von einem flegelhaften Haudegen wie ihm eigentlich nicht erwartet hätte.

„Als Schwester nicht, aber ich glaube mich dunkel zu erinnern, dass Skywalker etwas von Tochter sagte.“ Stöhnend rieb sich die junge Frau die Schläfen. Mit einem Mal war sie sehr müde. Der erdrückende Mief der warmen Mahlzeit, die auf dem Herd vor sich hinköchelte, tangierte sie nur noch peripher. Ihr Verdauungstrakt hatte aufgehört sich dagegen aufzulehnen. Man gewöhnte sich an vieles.

„Soweit ich das beurteilen kann, ist Skywalker ein Idiot“, sagte Randolf leichthin und warf geschickt zwei Zehen  Mialluknoblauch in das dampfende Gemisch, das immer mehr und mehr einem Haufen Kot glich.

„Immerhin ist er ein Jedi und Meister des neuen Ordens“, gab Rave zu bedenken. „Er hat Visionen. Sonst wären wir nie losgezogen. Und er hat so was angedeutet...“

Der junge Mann winkte schnaubend ab. „Oh, komm schon, Starm! Was für ein Urteilsvermögen kann ein Mann schon haben, der süchtig nach heißer Schokolade ist?“ Er lachte schallend. Es war ein herrlich ehrliches und befreiendes Lachen und obwohl Rave nicht gedacht hatte, dass ihr Mund allzu bald wieder in den Genuss eines solchen Lautes kommen würde, stimmte sie herzlich mit ein. Erfrischend kam es ihr vor und war eine wahre Wohltat.

Ohne auch nur das geringste Geräusch zu verursachen, glitt die Tür auf und Naurya steckte den Kopf herein. „Redet ihr über Luke?“, erkundigte sie sich amüsiert und betrat die enge Küche. „Er liegt wirklich nicht immer richtig mit seinen Zukunftsvisionen. Erinnerst du dich, was er sagte, kurz bevor wir von Yavin aufbrachen, Rave?“

Ihr Zwilling deutete Verständnislosigkeit an.  Ihr Lachen hatte sie – wie auch Shapelau – abgewürgt, doch es klang noch in ihren Ohren nach. Ob es ihr nun Recht war oder nicht, sie war ein wenig verstimmt, weil die junge Jedi ihre Unterhaltung unterbrach. „Nein. Was?“

„Er sagte, dass wir mit Nenomith zur Akademie zurückkehren würden....“, setzte die Jedi zu einer Erläuterung an.

„Tun wir doch auch“, unterbrach sie Rave murrend.

„... auf der Rogue“, vollendete Naurya ihren Satz und etwas wehmütiges schlich sich in ihre klaren Augen. „Er hat sich geirrt. Die Zukunft ist immer in Bewegung. Das ist es, was Meister Skywalker tagein tagaus predigt, und damit hatte er immerhin Recht, wenn er sich auch sonst getäuscht hat.“ Plötzlich rümpfte sie die Nase und erblasste im ganzen Gesicht. „Mein Gott, was stinkt hier so? Habt ihr einen Gamorreaner im Vorratsschrank versteckt?“

Rave schüttelte den Kopf und wies vielsagend auf den Transparistahltopf.

Im nächsten Moment tauchte auch Nenomith, angelockt von dem gräulichen Ausdünstungen der dickflüssigen Suppe, in der Küche auf. „Iiiih!“, stieß sie entsetzt hervor, nachdem sie einen vorsichtigen Blick auf Randys Meisterwerk geworfen hatte, und kniff mit spitzen Fingern die Nase zusammen, um weiteren heimtückische Attacken auf ihr olfaktorisches Wahrnehmungsvermögen vorzubeugen. „Das sieht aus wie eine Mischung aus geschmolzenen Plastikstiefeln und Kunstdünger, abgerundet mit einem Spritzer Schlamm von tiefsten Grund eines trüben Teiches“, wertete das Mädchen den Giju-Eintopf gnadenlos kritisch herab. „Und es stinkt genauso, wie man es von einer derartigen Mischung erwarten kann.“

„Wo sie Recht hat, hat sie Recht“, stimmte Rave zu und verpasste Shapelau einen Stoß in die Seite, um ihn zu necken. „Nimm ´s nicht zu tragisch, Randy. Lando ist es garantiert auch nicht besser gelungen.“

Der Schmuggler gab ein verstimmtes Grunzen von sich. „Papperlapapp! Der Eintopf schmeckt bestimmt köstlich! Was seid ihr drei nur für Banausen, wenn ihr meint, alles Essen nur nach seinen Aussehen und Geruch beurteilen zu können? Naurya, Rave, von weit gereisten, erfahrenen Weltraumratten erwarte ich etwas mehr Toleranz!“ Mit gespielter Empörtheit hob er den Zeigefinger. Dann schnappte er sich ohne zu zögern einen Löffel und tauchte ihn in die zähe Masse.

Naurya wandte angeekelt das Gesicht ab. „Wenn du das tust....“, prustete sie.

Aber da war das scheußliche Gemisch auch schon in Randys Rachen verschwunden und rutschte, klebrig wie es war, langsam die Speiseröhre hinab. Shapelaus ausgeprägte Gesichtszüge verwandelten sich in eine Maske des Ekels. Er würgte und versuchte den Eintopf wieder auszuspucken aber es war zu spät. Das Boonta-Gewürz brannte heiß wie Feuer in seiner Kehle und hinterließ ein dumpfes, leeres Gefühl als hätte es etwas in seinem Körper herausgeätzt. Er dürstete nach Wasser. Mit fahrigen Schritten torkelte er zur Kühleinheit, holte eine Flasche Civvolwasser heraus, entkorkte sie eilig und nahm einen großen Schluck, noch ehe er die Öffnung richtig an die Lippen gesetzt hatte. Aufgrund dieser Unachtsamkeit wurde ein Großteil des Wassers verschüttet und durchtränkte sein T-Shirt.

Nenomith, Naurya und Rave lachten. Auf den leicht benebelten Shapelau wirkten sie plötzlich wie eine Einheit als sie da so standen und sich unter ihrem Gelächter krümmten und bogen. Es war ein erbaulicher Anblick, aber das Brennen in seinem Mund hielt immer noch an. Auch ein weiterer Schluck des kühlen Nasses konnte ihm nicht wirklich Linderung verschaffen. Er räusperte sich. „Das sollten wir wohl lieber wegschütten“, sagte er kleinlaut und warf einen trübsinnigen Blick auf das Chaos, das er in der Küche hinterlassen hatte.

„Aber was essen wir dann?“, wollte Nenomith wissen. „Ich werde langsam wirklich hungrig.“

Naurya rieb sich nachdenklich am Kinn, aber da sie einen angeborenen Sinn für das Praktische hatte, musste sie nicht lange überlegen bis ihr eine Lösung einfiel. „Im Kühlschrank sind eingeschweißte Fertigschneckennudeln. Die können wir aufbacken. Ne Tasse Caf dazu und fertig“, entschied sie und holte die Plastiktütchen mit dem Gebäck aus dem Eisschrank.

Rave nickte zufrieden vor sich hingrinsend. Sie nahm vier Teller und Tassen vom Regal und drückte Nenomith das Geschirr in die Hand. „Wichtige Lektion auf dem Weg zum Jedi-Sein: Der Padawan deckt immer den Tisch!“

Nenomith schob maulend ab, aber sie war nicht wirklich sauer. Das war das erste positive Signal aus Raves Richtung, das sie heute bekommen hatte und sie war unendlich erleichtert darüber.

Während die Nudel auftauten, ließ Naurya den Blick über die Berge von ungewaschenem Geschirr schweifen, das Randy beim Kochen verbraucht hatte. „Wir brauchen einen Droiden“, seufzte sie und ließ sie das Essen mit Hilfe der Macht auf eine Platte schweben, um sich nicht die Finger zu verbrennen. „Aber vorerst....“ Sie schmunzelte. „Weitere wichtige Lektion: Die Schwester der Meisterin und der... Küchenchef machen den Abwasch!“, fügte sie spöttelnd hinzu, als Nenomith in die Kombüse zurückkehrte.

 

* * *

 

2 Minuten später saßen die vier am dem Tisch, an dem Nenomith und Naurya vor einer kleinen Weile ihr Wassertropfenexperiment gestartet hatten, und ließen sich die Gebäckstücke schmecken. Die Stimmung war ungewöhnlich gelöst und unkompliziert und Randolf kam nicht umhin ein bisschen stolz auf sich zu sein, weil er mit seinen zweifelhaften Kochkünsten dazu beigetragen hatte.

Nenomith kostete ein Schlückchen Caf und tunkte dann ihre Schneckennudel in die Tasse. Während sie genüsslich an dem durchweichten Leckerbissen lutschte, schweiften ihre Gedanken ab. Unvermittelt musste sie an Lemmbas und Rangaa denken. Was die beiden wohl gerade machten? Hoffentlich stritten sie sich nicht. Es reichte, wenn es hier Zwist und Hader gab, auch wenn er nicht offen angesprochen wurde und im Augenblick Waffenstillstand herrschte. Mutig fasste sie den Entschluss die Gunst der Stunde zu nutzen, um die Zwillinge etwas Persönliches zu fragen. Sie schluckte den letzten Krumen hinunter und wandte sich dem Schwesternpaar zu. „Darf ich euch etwas fragen?“

Rave stierte verbohrt in ihren Caf, aber Naurya nickte aufmunternd. „Nur zu.“

„Ich... Es ist nur, weil ich gerade an Lemmbas und Rangaa gedacht habe“, versuchte Nenomith sich zu erklären noch ehe sie die Frage überhaupt gestellt hatte. „Habt ihr beide eigentlich noch Eltern? Und eine Familie“ Ihre braunen Augen flitzten unsicher zwischen Rave und Naurya hin und her. Erstere lugte verstohlen über den Tassenrand und wusste offenbar nicht recht wie sie reagieren sollte. Naurya hingegen gab sich einen Ruck und berichtete mit traurig gedämpfter Stimme: „Unsere Eltern wurden bei einem Piratenüberfall getötet. Sie hatten eine Art Tankstelle auf Corellia und diese Halunken haben sie überfallen und kurzen Prozess gemacht.“ Der Gedanke daran schnürte ihr die Kehle zu.

Shapelau guckte bekümmert drein, Nenomith riss entsetzt die Augen auf und schlug sich die Hand vor den Mund.

Raves Kopf ruckte hoch. Sie richtete sich auf und legte Nenomith die Hand auf die Schulter. „Das ist auf Corellia so üblich, musst du wissen“, wisperte sie und gab dem Mädchen mit einem Augenzwinkern zu verstehen, dass ihre seltsame Aussage aufmunternd gemeint war.

Obwohl sie spürte, dass keine der Schwestern angesichts ihrer unbedachten Frage ernsthaft verärgert oder getroffen war, machten sich doch unangenehm drückende Schuldgefühle in Nenomiths Brust breit. Sie hatte Rave und Naurya diese schrecklichen Ereignisse aus ihrer Vergangenheit nicht wieder ins Gedächtnis rufen wollen.

„Es tut mir Leid, das zu erfahren“, brachte sie mit trockener Kehle hervor, senkte ihren Blick und pulte verlegen eine Guwenaso-Rosine aus ihrer Schneckennudel. Randolf Shapelau schluckte vernehmlich. Für einen Moment herrschte Stille.

„Ist schon in Ordnung, dass du gefragt hast“, unterbrach Rave das peinliche Schweigen, „Jetzt weißt du, was passiert ist. Naurya und ich reden nur nicht sonderlich gern darüber. In manchen Fällen ist es besser, die Vergangenheit ruhen zu lassen.“

„Ich verstehe...“

Nenomith erhaschte einen flüchtigen Blick in Raves graugrüne Augen, in denen sich für einen Sekundenbruchteil eine Art melancholischer Schmerz widerspiegelte. Schon zum zweiten Mal heute schien die Schmugglerin dem Mädchen von Orrostar plötzlich nicht mehr ganz so unsympathisch und abweisend wie gewöhnlich. Vielleicht würde sie ja eines Tages noch zu Rave durchdringen können. Vielleicht würde sie auch zu ihr ein freundschaftliches Verhältnis aufbauen können. Zumindest hoffte sie das.

Auch Naurya machte sich Gedanken über Rave. Durch Shapelaus zweifelhafte Kochkünste hatte sich die Laune ihrer Schwester glücklicherweise zum ersten mal seit Tagen gehoben. Das schlimmste Tief war offenbar überwunden und es konnte nur noch aufwärts gehen. Die Reise durch den Hyperraum würde noch einige Zeit dauern und eine Aussprache zwischen den Zwillingen war längst überfällig. Wenn Naurya ehrlich zu sich selbst war, hatte sie das notwendige Gespräch schon seit geraumer Zeit vor sich hergeschoben. Nun war die Gelegenheit günstig. Es gab allerhand Fragen, die geklärt und Missverständnisse, die bereinigt werden mussten. Und außerdem fühlte die Jediritterin sich nicht ganz unschuldig an der Situation ihrer Schwester. Sie durfte sie jetzt nicht im Stich lassen, auch wenn es ihr schwer fiel, ihre Aufmerksamkeit auch nur für einen Moment von ihrer talentierten Schülerin abzuwenden.

Rave trug sich mit ähnlichen Überlegungen. Eigentlich widersprach es ja gänzlich ihrem Wesen, jemanden um so etwas wie eine Aussprache zu bitten. Schon allein das Wort ließ sie schaudern. – War sie doch eine Frau der Tat und keine dieser Freunde von langen Reden und Diskussionen, so wie all die Leute auf der Jedi-Akademie, die sie unter anderem eben aus genau diesem Grund verlassen hatte. Und jetzt will Naurya mich erneut verlassen, um auf der Akademie zu bleiben! In diesem Fall gab es wirklich keine andere Lösung: Es war höchste Zeit für einen gründlichen Gedankenaustausch, oder die Schwestern würden sich trennen und noch immer würden diese unausgesprochenen Fragen im kalten leeren Raum zwischen ihnen schweben.

„Rave, wir sollten...“, begann die Jedi.

„Naurya, können wir...?“, setzte Rave im selben Moment zu einer Frage an.

Ein Lächeln huschte über ihre beiden Gesichter. Das stille Verständnis zwischen ihnen bestand immer noch, wie seit eh und je. Naurya nahm Raves und ihre mittlerweile leere Teller und Tassen, stand auf und brachte sie zurück in die immer noch mit Schmutz und Essensresten eingedeckte und nach Shapelaus Création stinkende Küche.

„Lass uns ins Cockpit gehen. Dort sind wir ungestört.“

Rave nickte nur knapp und erhob sich ebenfalls. Ohne die Tatsache zu beachten, dass ihr kurzer Wortwechsel auf die beiden anderen so kryptisch wie eine verschlüsselte Botschaft wirken musste, verließen die Zwillinge beinahe eilig den Raum.

„Eigentlich hätte Rave mir ja beim Abwasch und beim Aufräumen helfen sollen“, bemerkte Shapelau gespielt säuerlich und verzog beleidigt das Gesicht, „aber wie’s aussieht, bleibt wieder alles an mir hängen...“

Nenomith musste unwillkürlich schmunzeln.

„Wenn du willst, helfe ich dir dabei, das Chaos zu beseitigen“, bot sie freundlich an, „Ich glaub, das wird eine Weile dauern, bis wir die beiden wieder sehen.“

 

* * *

 

„Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Es gibt so vieles, was schief gelaufen ist in letzter Zeit“, bekannte Naurya, die im Copilotensessel der Pike Platz genommen hatte und Rave dabei zusah, wie sie die Tür zum Cockpit verriegelte.

„Kann man wohl so sagen“, brummte Rave, „Ich hatte mir unser Wiedersehen eigentlich etwas anders vorgestellt – und vor allem länger.“

„Ich weiß...“ Die Jedi fuhr sich nachdenklich mit der Hand durch das blonde Haar. „Ich auch. Die Ereignisse haben sich einfach überschlagen und bevor ich auch nur einmal blinzeln konnte...“

„...hattest du das kleine Wunderkind am Hals“, vollendete Rave den Satz und beobachtete, wie sich der Blick der Anderen augenblicklich merklich verfinsterte. Es schien fast so, als fühlte die Jedi sich persönlich gekränkt, wenn jemand etwas Falsches über ihren Schützling sagte. Zweifellos hatte ihr Stolz auf das Mädchen sie ein wenig blind gemacht für alles, was über Nenomiths Talent und ihre Glanzleistungen hinaus ging.

„Was hast du gegen sie? Kannst du nicht wenigstens versuchen, sie besser kennen zu lernen und sie lieb zu gewinnen, so wie ich es tue?“

Rave ließ sich im Pilotensessel nieder und verschränkte die Arme vor der Brust. Das Gespräch schlug eine Richtung ein, die ihr gar nicht ins Konzept passte.

„Ich mag sie einfach nicht. Sie ist mir unsympathisch und suspekt. Wie sie Lando über’s Ohr gehauen hat, hat mir gar nicht gefallen. Das könnte sie eines Tages auch mit uns machen!“

„Nein“, unterbrach Naurya forsch, „Das ist es nicht! Du hast Nenomith schon gehasst, bevor ihr euch überhaupt begegnet seid. Du wolltest nie, dass ich einen Padawan habe.“

Naurya zog die Augenbrauen zusammen und sah Rave stechend an. Die Schmugglerin fühlte sich in die Enge getrieben. Ihre Schwester wusste doch genau, wieso sich zwischen Nenomith und ihr niemals ein gutes Verhältnis aufbauen konnte. Es resultierte ganz einfach aus der Tatsache, dass sie beide Konkurrenten waren – Aber sie würde nicht wagen, Naurya das so offen ins Gesicht zu sagen.

„Und das wundert dich wirklich? – Dann überleg dir mal ganz genau, wieso!“

Die beiden Schwestern schwiegen sich einige endlose Momente lang kalt an. Es war nicht richtig. Schon wieder lagen sie sich bei der Erwähnung von Nenomiths Namen sofort in den Haaren. Rave versuchte, den Streit nicht erneut eskalieren zu lassen, wie neulich im Kakaofeld, als Naurya ihr am Ende eine Ohrfeige verpasst hatte. Sie sammelte sich und fuhr dann mit ruhigerer, aber immer noch bebender Stimme fort:

„Schau mal, wenn du deine persönliche Jedi-Schülerin hast, dann folgt sie dir auf Schritt und Tritt. Sie begleitet dich jahrelang! Es ist, wie Luke gesagt hat: Du wirst eine Tochter haben, um die du dich ständig kümmern musst. Und wo soll da bitte noch Zeit und Platz sein für uns beide, für unsere Abenteuer, für unsere Reisen quer durch die Galaxis, für unsere Freundschaft? – Gib’s doch zu: Nenomith nimmt dich jetzt schon so stark in Anspruch, dass du gar nicht mehr merkst, wie es mir dabei geht.“

Naurya bemerkte das zornige, traurig-trotzige Glitzern in Raves verzweifelten Augen und fühlte sich schlechter denn je. Und das Schrecklichste war: Rave hatte Recht. Sie war zerrissen. Die Selbstvorwürfe brodelten in ihrem Inneren und immer deutlicher wurde ihr bewusst, dass das Ganze wohl auf die alles entscheidende Frage hinauslaufen würde: Rave oder Nenomith?

„Du stellst mich also vor die Wahl?“, fragte sie leise und schwach, „Rave, das kannst du nicht von mir verlangen! Das ist eine Entscheidung, die ich nicht treffen kann und nicht treffen will. Ich... ich kann mich nicht vor meiner Verantwortung als Jedi drücken.“

„Ach ja?“, keifte Rave aufbrausend, „aber du kannst mich ohne die Rogue, mit dem neuen Schiff, das ich noch überhaupt kein bisschen kenne, im Stich lassen. Nur wegen IHR!“

„Du bist doch nur eifersüchtig, Rave!“, fauchte Naurya zurück, „Eifersüchtig auf ein kleines Mädchen. Und dass die Rogue zerstört ist, hat damit rein gar nichts zu tun!“

„Na gut, dann bin ich eben eifersüchtig, das ist mein gutes Recht!“, brüllte Rave, die langsam aber sicher von ihren aufgestauten Gefühlen übermannt wurde, „Und die Rouge hat mit all dem sehr viel zu tun, Schwesterherz: Hättest du deine heilige und alles vermögende Macht etwas besser unter Kontrolle gehabt, dann hätte uns dieser verdammte Blitz niemals getroffen!“

„Was?“, keuchte Naurya fassungslos angesichts dieser unfairen Beschuldigungen. Spätestens jetzt gingen auch bei ihr sämtliche Lichter aus und alle Hoffnung auf eine vernünftige Argumentation war dahin.

„Ohne mich wärst du doch überhaupt nicht durch die magnetischen Stürme durchgekommen! Die Rogue wäre schon nach ein paar Metern gebrutzelt worden!“

„Ja und? Ohne dich wäre ich nie im Leben zu diesem bescheuerten Kakao-Planeten geflogen!“

„Dann hättest du ja gleich ganz wegbleiben können! Warum hast du mich überhaupt von Yavin abgeholt?“

„Das frag ich mich allerdings auch! Seitdem ist mein Leben nämlich eine einzige Katastrophe! Warum lass ich mich bloß immer wieder auf diesen Jedi-Mist ein?“

„Wenn es dir nicht passt, dass ich eine Jediritterin bin, dann hau doch ab und heul dich bei Randy aus! Mit dem verstehst du dich ja blendend...“

„Und du wirfst MIR vor, ich sei eifersüchtig? – Du bist doch selbst gelb vor Neid, weil Randy nicht dir hinterherläuft, sondern mir!“

„Natürlich!“ Naurya verdrehte wütend und genervt die Augen. „Mein ganzes Leben lang hab ich nur auf so einen schleimigen, windigen Schmuggler-Typen wie Randy gewartet...“

„Ach ja, ich vergaß: Gewöhnliche „Schmuggler-Typen“, wie Mylady Naurya sich auszudrücken pflegt, sind ja in Gegenwart Ihrer Ritterlichkeit nicht länger erwünscht!“

„Solange sie so verbohrt und starrköpfig sind wie du, ziehe ich Nenomiths Gesellschaft allemal vor!“

Die Luft im Cockpit schien zu kochen. Die Zwillinge standen sich wutentbrannt Auge in Auge mit geballten Fäusten und hochroten Köpfen gegenüber. Man konnte regelrecht das zornig rauschende Blut pumpen hören. Rave setzte gerade schon wieder zu einem Gegenschlag gegen ihre Schwester an, als plötzlich das Kommunikationssystem zu blinken und zu piepsen anfing. Es dauerte eine Weile bis das Geräusch durch ihre vor blinder Wut vernebelten Sinne zu Naurya durchdrang. Ihr war ganz schwindelig. Ein Gefühl der Übelkeit stieg in ihr auf und sie fühlte sich, als hätte jemand ihr einen Tritt versetzt und sie unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Wie betäubt taumelte sie rückwärts und ließ sich in den Copilotensessel fallen. Was hab ich nur gesagt? Wie konnte das passieren? Wie konnte ich meiner Schwester, meinem Zwilling, meiner einzigen Familie, nur solche Dinge an den Kopf werfen?

Das hier ist nicht so schlimm wie unser Streit im Kakaofeld. Es ist schlimmer, viel schlimmer! Auf diese Art habe ich mich noch nie mit Naurya gestritten! Dieser Gedanke war beängstigend. Rave keuchte auf vor Entsetzen, als die Erkenntnis sie niederschlug, welch entsetzliche Anschuldigungen sie gegen ihre Schwester vorgebracht hatte.

„Naurya!“

„Rave!“

Die Frauen fielen sich schluchzend in die Arme. Es bedurfte keiner weiteren verbalen Kommunikation, um auszudrücken wie Leid ihnen beiden dieser Streit und all die verletzenden Worte taten. Was ursprünglich als friedliche, versöhnende Aussprache gedacht gewesen war, hatte sich in ein blutiges Wortgefecht auf irrationaler Ebene verwandelt, bei dem jede Aussage nur dazu diente, den Gegner möglichst tief und schmerzlich zu treffen. Dennoch lag viel Wahrheit in diesen unbedachten Vorwürfen...

Die Com-Einheit piepste weiterhin aufdringlich, aber unbeachtet vor sich hin, bis Rave sich schließlich die Mühe machte, den gelben Knopf zu drücken, der das Gespräch abwies. Sie war zu aufgebracht, um sich in diesem Moment mit etwas anderem mit als ihrer eigenen verworrenen Gefühlswelt zu beschäftigen.

Es hat sich eine Menge verändert zwischen uns. In so vielen Aspekten des Leben kommen wir einfach auf keinen gemeinsamen Nenner mehr – seit Naurya auf Skywalkers Akademie war!

Die junge Schmugglerin schluckte. Im Grunde hatte der Zwist zwischen den Geschwistern gar nichts mit Nenomith zu tun. Das Problem lag viel tiefer. Eigentlich hatte Rave es schon seit dem Tag ihres Abschieds von Yavin 4 gewusst: Es würde nie mehr so sein wie früher. Naurya würde nie mehr einfach unbeschwert mit ihr auf Tour gehen. Die Macht und das Wesen der Jedi waren – hatte man sie einmal angenommen - etwas, das sich nicht einfach für einige Wochen, Monate oder gar für immer ablegen ließ wie ein alter Raumanzug. Und Naurya zeigte auch keinerlei Ambitionen, sie abzulegen. Sie wollte diese Verantwortung, auch wenn Rave das nicht verstehen konnte.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich mit meiner Entscheidung, eine Jediritterin zu sein, eine solche Kluft zwischen uns aufreißen würde“, gestand Naurya mit erstickter Stimme, „Ich wollte nicht, dass du darunter leidest...“

 

* * *

 

Gedankenverloren schrubbte Randolf mit einem gelben Putzlappen über das Kochfeld. Er hatte sich zum Schutz seiner teuren Designer-Klamotten eine grüne Schürze um den Bauch gebunden. Nun polierte er schon seit einigen Minuten dieselben paar Quadratzentimeter, die mittlerweile beträchtlich sauberer und glänzender aussahen als selbst vor seinem missglückten Kochversuch, aber dieser Umstand fiel ihm nicht weiter auf. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass die junge Jedi-Anwärterin, die sich so freimütig für den Küchendienst geopfert hatte,  wahre Berge eines weißen Reinigungspulvers in die dafür vorgesehene Schublade des Geschirrspül-Automaten türmte. Sie hatten kaum ein Wort miteinander gesprochen, waren in ihren eigenen Gedanken und Überlegungen ganz versunken.

Trotz der an sich nicht sonderlich erquicklichen Arbeit des Putzens der Küche, zierte Randolfs Gesicht ein glückliches Dauergrinsen, mit dem er fast Lando hätte Konkurrenz machen können. War der heutige Tag nicht wunderbar perfekt? Er hatte es doch tatsächlich geschafft, Rave aus ihrer erdrückenden Traurigkeit zu reißen, und auf eine seltsame Art beglückte ihn das über die Maßen. Die blonde Schmugglerin hatte ihn zu ihr durchdringen lassen und hatte ihm ihr Herz ausgeschüttet, sie hatte ihm vertraut. Raves Vertrauen war kostbar, das wusste er, denn sie brachte es nicht jedem entgegen, was man am Beispiel Nenomiths sehr gut erkennen konnte. Randolf selbst hielt es mit dem Vertrauen ähnlich, aber auch er hatte Rave heute, ohne es eigentlich beabsichtigt zu haben, eine ganze Menge persönlicher Gefühle preisgegeben. Es gab keinerlei vernünftigen Grund für dieses Verhalten, aber ein richtig schlechtes Gewissen hatte er ob dieses Bruchs seiner selbst auferlegten Regeln auch nicht.

Nein, im Gegenteil. In Rave schien er eine Art Verbündete gefunden zu haben. In vielen Punkten waren sie sich sehr ähnlich, wenn auch in anderen wiederum grundverschieden. Aber das machte überhaupt nichts aus, denn sie verstanden sich. Auch wenn Rave zuweilen sehr verschlossen und abweisend war – genau das war es, was sie für Randy so faszinierend machte. Er konnte es nicht definieren, was genau heute passiert war. Er mochte Rave, und vielleicht auch ein bisschen mehr...

Der Schmuggler ertappte sich bei diesem Gedanken und spürte wie sein Atem nervös schneller ging. Verstohlen sah er sich um, ob auch keiner mitbekommen hatte, in welchen Regionen sich seine Überlegungen gerade bewegt hatten. Bei einer solchen Gesellschaft wie hier auf der Steerpike konnte man ja nie wissen. Wie um seine Gedanken zu vertuschen, polierte Randolf in schnellerem Rhythmus und übertrieben engagiert immer noch auf derselben Stelle wie vorher herum. Nenomith kratzte indessen eingetrocknete Spritzer des undefinierbaren Eintopfs von der Arbeitsfläche. Wie weit sind Raves Jedi-Kräfte wohl ausgebildet? Kann sie mich durchschauen und meine Gedanken lesen?

Randolf unterdrückte ein Kichern, fuhr sich andächtig durch die schwarze Lockenpracht und drehte eine Strähne des dichten Haars um seinen Zeigefinger. Die Reise durch den Hyperraum würde nur noch weniger als zwei Tage dauern. Heute morgen war ihm diese Zeitspanne noch beinahe unerträglich lang vorgekommen. Jetzt erschien sie ihm verdammt kurz. Wenn Rave ihn erst einmal auf Yavin abgesetzt hatte, würde sie wohl möglichst schnell verschwinden und es könnte Jahre dauern, bis sie sich wieder begegneten. Etwas in seinem Inneren krampfte sich bei dieser Vorstellung zusammen. Rave war der erste Mensch, mit dem er sich sofort so bedingungslos verbunden gefühlt hatte. Es war fast so wie die Schmugglerin es über Nauryas und Nenomiths besonderes Band in der Macht erzählt hatte, auch wenn Randolf von solchen Dingen keine Ahnung hatte und nicht wusste, wie sich das anfühlte. Aber so stellte er es sich vor. Ein außergewöhnlich starkes Band...

Meine Güte, was bist du heute doch für ein gefühlsduseliger Kerl, Randy!, schalt er sich selbst, Wenn Rave jetzt tatsächlich deine Gedanken lesen könnte, würde sie dich auslachen! Wie aus einem Traum erwacht, sah Randolf sich in der mittlerweile schon beträchtlich saubereren Kombüse um. Verwirrt und verunsichert realisierte er, was für einen Beitrag zu deren Reinigung er bis jetzt tatsächlich geleistet hatte. Die kleinen Lämpchen am Geschirrspüler leuchteten auf und informierten die Benutzer darüber, dass die Spülfunktion in vollem Gange war. Zwei Minuten lang sollte der Vorgang laut Anzeige noch dauern. Aus dem Schlitz zwischen Kontrolltafel und Öffnungsklappe tropfte ein wenig weißer Schaum. Der Schmuggler wunderte sich und wischte mit dem Lappen, den er in der Hand hielt kurz darüber. Doch kaum hatte er die kleine Verunreinigung entfernt, fielen die nächsten Schaumflocken zu Boden. Randolf sah Nenomith irritiert an.

„Ist das normal, dass da solches... Zeug raustropft?“

Das Mädchen schaute ihrerseits irritiert aus der Wäsche, als ihre Augen dem auf die Klappe des Geschirrspülers deutenden Zeigefinger des andere folgten. Die hervorquellende weiße Masse vermehrte sich rapide und tropfte kontinuierlich auf den Boden der Kombüse.

„Ich weiß nicht. Vielleicht ist etwas undicht?“, vermutete Nenomith und wich einen Schritt vor dem sich ausbreitenden Schaum zurück.

„Kennst du dich mit solchen Dingen aus?“, wollte Shapelau mit einem Anflug von Panik in seiner Stimme wissen.

„Eher nicht“, erwiderte die Jedischülerin zögerlich, „vielleicht sollten wir lieber Naurya und Rave holen...“

„Ach komm schon, wegen diesem bisschen Schaum!“ Der junge Mann stieß verächtlich mit der Spitze seines schwarzen schweren Stiefels hinein. „Damit werden wir doch auch allein fertig!“ Hoffe ich zumindest, fügte er in Gedanken hinzu. Immerhin wollte er nicht für zwei mittlere Katastrophen auf dem Gebiet der Küche an einem einzigen Tag verantwortlich sein. Am besten war es wohl, wenn er die Sache möglichst schnell selbst in Ordnung brachte und die ehrenwerten Besitzerinnen der Steerpike nichts davon erfuhren. Er deaktivierte den Abspülmodus, indem er einen silbernen Drehschalter auf die Position „Beenden“ drehte.

„Ich werd mal nachsehen, was da nicht stimmt“

Schon langte Randolf Shapelau nach den Knopf zur Betätigung des Öffnungsmechanismus. Nenomith hatte sofort ein dumpfes Gefühl, dass dies wohl keinen sehr glimpflichen Ausgang nehmen würde.

„Ich glaub, das ist keine gute I...“

Weiter kam sie nicht. Randy hatte bereits den Knopf gedrückt, die Klappe des Automaten öffnete sich und das Mädchen und der Schmuggler mussten mit vor Schreck geweiteten Augen zusehen, wie eine wahre Flutwelle von Schaum ihnen entgegenstürzte. Geistesgegenwärtig sprangen beide einen Schritt zurück.

„Verdammt noch mal“, fluchte Shapelau lautstark und wischte sich pingelig einige Schaumspritzer von seinem Vaucluse-Hemd, „So eine Sauerei! Was hast du mit dem Automaten angestellt?“

Entsetzt blickte die Beschuldigte ihrem Gegenüber in die Augen, so als wollte sie ihrerseits ihm Vorwürfe machen.

„Wieso ich? Ich hab überhaupt nichts gemacht!“

„Egal jetzt“, erklärte der Schmuggler hektisch und fuchtelte wild mit den Armen herum, um den Ernst der Lage zu unterstreichen, denn die schäumende Masse quadderte langsam aber sicher quer durch die Küche, „wir müssen dieses Chaos beseitigen!“

„Nein, wir sollten Naurya und Rave rufen“, widersprach das Mädchen energisch und bahnte sich stapfend den Weg zu der eigentlich nur für Notfälle gedachten Komeinheit der Kombüse, die direkt unter dem thermoplastischen Feuerersticker an der Wand hing. Bevor sie am zweiten Tag, den sie auf dem Schiff ihrer neu gefundenen Freundin und Mentorin verbrachte, schon etwas kaputt machte, war es besser, rechtzeitig Alarm zu schlagen. Je länger man damit wartete, desto größer wurde normalerweise die Katastrophe und desto größer wurde folglich der Ärger. Sie konnte sich zwar überhaupt nicht vorstellen, dass Naurya wirklich wütend auf sie sein könnte, aber bei Rave konnte sie das umso besser. Genauso war es auch immer bei ihrem Adoptivvater Lemmbas gewesen. Einmal hatte es zwischen ihm und Nenomith sogar einen ziemlich heftigen Krach gegeben, weil der Alte steif und fest behauptet hatte, seine Tochter habe seine Vibro-Heckenschere unter dem Sofa versteckt, obwohl das Mädchen nun wirklich nichts dafür konnte, dass sie das Gartengerät rein zufällig an diesem Ort gefunden hatte. Doch das war eine alte Geschichte... Nenomith bediente einige Tasten und stellte eine Verbindung zum Cockpit der Steerpike her.

„Lass das“, funkte der Schmuggler, der nun ebenfalls durch den Schaum auf Nenomith zu watete, dazwischen, „oder willst du, dass Rave dich und mich eigenhändig in der weiten Leere des Hyperraums rausschmeißt?“

Die Jedischülerin achtete nicht weiter auf die Worte des anderen, sondern sah irritiert die Komeinheit an.

„Komisch - Sie melden sich nicht“, stellte sie mit gedämpfter Stimme fest. Shapelau neben ihr atmete erleichtert auf.

„Ist auch besser so, glaub mir...“

Der schwarzhaarige Mann stand nun vor dem Geschirrspülautomaten und sah sich den Schaden genauer an. Geschirr und dessen Reinigung war zwar nicht gerade sein Fachgebiet, aber was auch immer aus Drähten und Schaltkreisen bestand, konnte repariert werden, wenn es einmal den Geist aufgegeben hatte. Jedoch war sich Randy bei diesem Gerät hier ziemlich sicher, dass die Überflutung nicht durch ein durchgeschmortes Kabel oder einen Programm-Fehler der Maschine zustande gekommen war. Misstrauisch zog er die kleine Schublade auf. Sie war noch zu fast einem Viertel voll mit nassem, verklebtem weißen Pulver. Es roch etwas muffig. Randolf zog die Nase hoch.

„Bei allen Mynocks von Xendor, hat dir deine Mutter nicht beigebracht, dass man auf die Packung schaut, bevor man das Zeugs hier einfach... reinschaufelt?“ Die Miene des Schmugglers bewegte sich irgendwo in der Grauzone zwischen Belustigung und Verzweiflung.

„Ich hab doch auf die Packung geschaut!“, verteidigte sich Nenomith, die immer noch wartend auf die Komeinheit blickte und gleichzeitige ihre Hosenbeine anhob, um zu verhindern, dass diese noch mehr von der blasenbildenden Flüssigkeit, die sich mittlerweile einige Zentimeter hoch über den gesamten Boden der Schiffsküche verteilt hatte, getränkt wurden. Shapelau hielt ihr triumphierend das grün laminierte Päckchen vor die Nase und schüttelte es, so dass das hin- und hergeschleuderte Pulver im Inneren einen rhythmischen Klang erzeugte.

„Und was steht da?“

„Drei Scheffel Pulver in den...“

„Und weißt du, was ein Scheffel ist?“, fragte der junge Mann in ironischem Tonfall.

„Natürlich“, brüstete das Mädchen sich, „zuhause beim Kakaoanbau verwenden wir diese Maßeinheit für das Schokoladenpulver.“

Randolf wusste nicht mehr, was er dazu sagen sollte. Geschlagen schlug er sich mit der Hand gegen die Stirn und verwünschte im Stillen sämtliche Hinterwäldlerplaneten mit ihren veralteten, noch nicht den Standard-Maßen angepassten Systemen. Er seufzte leise.

„Ach weißt du was – frag deine Jedi-Freundin, was ein Standard-Scheffel ist. Ich bin mir sicher, sie kann es dir erklären...“

„Da wäre ich mir nicht so sicher, Ran...“

Randolf und Nenomith fuhren herum, als sie Raves Stimme von der Tür her hörten. Nenomith schluckte. Vorsichtig wagte sie einen Blick in das erstarrte Gesicht der blonden Schmugglerin, die fassungslos schockiert des furchtbaren Zustandes der Kombüse ihres Schiffes gewahr wurde. Hinter ihr erschien Naurya in der Tür, stockte, sah das Chaos und dessen Verursacher und ihre Mundwinkel verzogen sich zu einem leicht unterdrückten Grinsen. Die Jedi-Anwärterin fragte sich noch, was ihre Meisterin wohl so lustig an einer überfluteten Kombüse finden könnte, als Randy zaghaft das Wort ergriff:

„Also... Rave... Naurya... ich kann das alles erklären – nicht, dass ihr jetzt denkt, ich kann noch nicht mal einen Geschirrspülautomaten programmieren... also so ist es nun wirklich nicht! – Es gab nur... wisst ihr... ein kleines Problem mit der Definition des Wortes Scheffel – ihr kennt das ja, diese Hinterwäldler-Planeten und ihre veralteten Einheiten... war ja schon immer ein großes Problem beim Handel - Ja, und die Maschine hat das irgendwie nicht vertragen... dieses ganze Pulver... und dann ist der ganze Schaum da eben... er hat alles überflutet! Aber das konnte ich ja nicht wissen, als ich die Klappe aufgemacht hab – also, das mit den Scheffeln mein ich jetzt, wenn ihr versteht...“ Shapelau steigerte sich langsam aber sicher in seinen aufgeregten, ungeordneten und noch dazu absolut überflüssigen Redeschwall hinein. Die Tatsache, dass er Rave gegenüberstand, machte ihm die Sache auch nicht gerade leichter. Die junge Frau schien auch kein bisschen berührt von der wackeligen Argumentation, die ihr Kollege vorzubringen hatte. Ihre Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen und sie sog vernehmlich die Luft durch die zusammengebissenen Zähne ein. Noch bevor Shapelau weitere Worte zu Satzbruchstücken aneinander reihen konnte, hatte Rave sich auch schon blitzschnell gebückt und hatte etwas Schaum mit beiden Händen ergriffen. Dem Schmuggler schwante Übles, doch Rave fackelte nicht lang, stürmte an Nenomith vorbei auf Randy zu und knallte ihm wutentbrannt die ganze Ladung der weißen Masse mitten ins Gesicht. Das ekelhafte Zeug drang in seine Nase und seinen Mund und schmeckte unangenehm nach Reinigungsmittel. Der junge Mann hustete, spuckte und wischte sich angewidert mit dem Handrücken über das Gesicht.

„Wie kannst du es nur wagen, unsere Kombüse zu fluten, du... drittklassiger Amateur-Koch, du... Küchenjunge?!“

Rave verschränkte die Arme vor der Brust und wartete bis Randy sein Gesicht leidlich von Schaum befreit hatte. Eigentlich verstand der Schmuggler sie ganz gut. Wenn jemand sein Schiff auf eine solche Weise geschändet hätte, wäre er sicherlich auch ausgeflippt. Und solange Rave nur mit Worten und Schaum um sich warf, war das Ganze eigentlich recht amüsant.

„Und weißt du, was du bist, Rave?“, fragte er und startete somit ein Ablenkungsmanöver, während er seinerseits eine handvoll Schaum aufnahm.

„Nein, was denn?“ Rave hob herausfordernd die Augenbrauen.

„Eine Schaumschlägerin erster Klasse!“ Mit diesen Worten folgte seine Rache auf dem Fuße und auch Rave bekam ihren Anteil Schaum ab. Fieberhaft befreite Rave ihr Blickfeld von der klebrigen Masse und bückte sich im selben Moment wie Randy nach neuer „Munition“. Na warte! Das war ein Fehler, mit mir eine Schaumschlacht anzuzetteln, mein Lieber! Sie lachte siegessicher in sich hinein, richtete sich wieder auf und stieß schmerzhaft mit ihrem Kopf gegen Randolfs. Sie taumelte einen Schritt zurück und drohte auf dem glitschigen Boden auszurutschen. Nach einem Halt suchend griff sie nach Randys Schürze. Doch damit richtete sie nicht viel mehr aus, als dass der schwarzgelockte Mann ebenfalls mit auf den Boden gezogen wurde. Kreischend und lachend landeten sie beide aufeinander in der glibberigen Schaummasse.

Nenomith blickte zu Naurya hinüber und plötzlich fingen sie beide ebenfalls an hemmungslos zu lachen. Bis jetzt hatte sich die Jediritterin aus dem Schaumkampf herausgehalten und hatte ihrer es Schwester überlassen, Randolf Shapelau seine gerechte Strafe zu zukommen zu lassen. Doch nun glaubte Nenomith zu spüren, dass sie etwas im Schilde führte. Zumindest sah sie es an dem schalkhaften Glanz in ihren blauen Augen.

„Komm, hilf mir!“, forderte Naurya ihre Schülerin enthusiastisch auf und begann im selben Moment mithilfe der Macht, den über den Raum verteilten Schaum zu konzentrieren und über die am beiden am Boden liegenden zu einem kleinen Berg zusammenzutürmen. Nenomith ließ sich dies natürlich kein zweites Mal sagen. Voll Begeisterung versuchte auch sie, ihre neu entdeckten Machtkräfte zu bündeln. Sie tastete nach dem Schaum, spürte seine lose Konsistenz und die unregelmäßige Form seiner Oberfläche. Kraft ihres Willens gelang es ihr, eine unsichtbare Barriere in Verlängerung ihrer mentalen Fingerspitzen zu erschaffen. Sanft stupste sie ihr Gebilde an und schob es konzentriert von sich weg auf die Opfer ihrer Schaumattacke zu. Wie auf einem großen Schneeschieber sammelte sich der Schaum dahinter und türmte sich auf.

„Hey, was soll das?“, blubberte Rave, als die machtgelenkte Schaumlawine begann, Randy und sie selbst von allen Seiten gleichzeitig zu überrollen. Der Schmuggler hingegen schob die glitschige Masse, energisch beiseite, richtete sich auf und reichte Rave seine Hand, um ihr beim Aufstehen behilflich zu sein. Für einen kurzen Moment ließ er seinem durchnässten Vaucluse-Hemd einen bedauernden Blick zukommen. Rave ergriff die Hand ihres Kollegen und zog sich hoch.

„Wollen wir uns das von denen da gefallen lassen?“, fragte Randy in provokantem Tonfall an Rave gewandt. Die blonde Frau schielte zur Decke und verzog leicht den Mund, so als müsse sie Überlegungen anstellen. Ihr Ärger auf Randolf Shapelau war von einem Augenblick auf den nächsten wie weggeblasen und sie beschloss, sich mit dem Mann, den sie gerade noch bekämpft hatte, gegen die beiden neuen Gegnerinnen zu verbünden.

„Ich glaube... NICHT!“

Als ob Raves letztes Wort ein Kommando zu Angriff gewesen wäre, stürzten sich die Passagiere der Steerpike plötzlich mit wilden Kriegsgeschrei aufeinander und seiften sich gehörig ein. Alle Sorgen und Schwierigkeiten, die jedem der vier für sich allein auf der Seele lasteten, zogen sich für einige Zeit ins Unterbewusstsein zurück, um dort geduldig auf eine neue Gelegenheit zu warten, sich bemerkbar zu machen...




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