Begegnungen




Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





Luke Skywalker stand am Strand. Die Sonne ließ ihre letzten schwachen Strahlen über den dunklen Horizont leuchten. Die zackigen Felsen um ihn schimmerten schwarz, orange und rötlich. Ein leichter salziger Wind umwehte ihn. Luke atmete tief durch. Kaum fragte er sich, wie er hier hingekommen war, und wofür... er wusste, er erwartete jemanden.

Er spürte seine Präsenz von hinten, warm, ihn in der Seele berührend.

Langsam wandte er sich um. Eingehüllt in eine schwarze Robe, darunter seine Jedi-Ritter-Kluft hervorschimmernd, stand auf den Felsen sein Vater, keine zwei Meter entfernt.

Während er Luke unverwandt ansah, zog Anakin Skywalker bedächtig die Kapuze vom Kopf. Luke sah langes lockiges Haar im Wind wehen. Ein junges Gesicht, dem seinen nicht unähnlich. Das Grübchen im Kinn. Ein offener Blick aus blauen Augen. Schmerzhaft erinnerte sich Luke an seine Begegnung mit Anakin Skywalker. Die umschatteten Augen unter der dunklen Maske, das bleiche traurige Gesicht...

Dieses Gesicht war befreit, fast jugendlich, es strahlte Liebe und Wärme aus. Anakins Lächeln verstärkte sich - das stolze glückliche Strahlen eines verliebten jungen Mannes, der Vater geworden war.

Ohne Zögern gab sich Luke in die ausgestreckten Arme seines Vaters. Wie lange habe ich auf diesen Zeitpunkt gewartet! dachte er sehnsüchtig, und sein ganzer Körper erbebte. In der Umarmung wurde es ihm wärmer und wärmer, als würde das Licht der Sonne in ihn fließen. Luke spürte starke, hingebungsvolle, leidenschaftliche Liebe, war verblüfft von der Intensität.

Er musste an Owen Lars denken, seinen Stiefvater. Liebevoll war er zu ihm gewesen, freundlich, streng und gut. Er hatte ihn wirklich wie einen Sohn behandelt.

Aber was für ein Gegensatz! Onkel Owen war so... pragmatisch, so vernunftorientiert. Heftige Emotionen, leidenschaftliche Ideen hätte er sich nie erlaubt. Deswegen hatte der junge Luke mit seinen eigenen Träumen und Sehnsüchten immer so im Clinch gelegen... nun endlich hatte er hier sein Gegenstück gefunden. Glücksselig ließ er sich von Anakins Leidenschaften überfluten, bevor sich Vater und Sohn langsam aus der Umarmung lösten.

Beide Männer sahen sich in die Augen, lächelten, schämten sich ihrer Tränen nicht. Anakin zog Luke mit sich auf die Felsen herunter, nebeneinander schauten sie übers Meer zum Horizont, wo die letzten Sonnenstrahlen vergangen waren.

"Ich liebe dich", sagte Luke schlicht. Und fügte hinzu: "Schon als kleiner Junge, seit ich denken kann. Immer habe ich Anakin Skywalker verehrt."

Er spürte, welche Gefühle in seinem Vater aufwallten. Heiße Tränen liefen Anakin übers Gesicht. Den linken Arm um Lukes Rücken gelegt, drückte er seinen Sohn liebevoll an sich. "Endlich vereint..." dachte Luke. Und wünschte sich, der Moment würde niemals enden.

"Es tut mir so leid." brachte Anakin hervor. "Ich habe euch so viel Leid und Elend gebracht."

Luke schwieg. Was sollte er sagen? "Warum?" fragte er leise, fast flüsternd. Es war geraume Zeit vergangen.

Anakin seufzte, versenkte seinen Blick ins weite dunkle Meer. "Ich wollte mehr, immer mehr... ich hatte so glänzende Möglichkeiten, alles gelang mir..." Er lächelte etwas schief. "Man nannte mich den 'Helden ohne Furcht'."

Luke sah ihm ins Gesicht und schwieg. "Ich taugte nicht zum Jedi", fuhr Anakin fort. "Ich hatte einfach nicht genug Disziplin. Dabei wollte ich so gern Gutes tun..."

"Und Obi-Wan?" fragte Luke.

Anakin lächelte breit, aber es lag auch Schmerz in seinem Blick. "Er war mein bester Freund. Ein wunderbarer Lehrer. Und ich sein aufsässiger Schüler...". Er sah Luke an, Luke sah Tränen in seinen Augen glänzen wie Kristalle. "Er hat mich geliebt, bis zum Schluss..." flüsterte sein Vater.

Bewegt gaben sich beide Skywalkers den vielfältigen lebendigen Erinnerungen an Obi-Wan Kenobi hin. Wäre er doch hier...

"Unaufhaltsam führte mein Weg dem Abgrund zu", sagte Anakin in Gedanken versunken. "Palpatine... der Imperator... 'Der größte Jedi wirst du werden'. Was eine Lüge...! - Luke..." eindringlich sah er seinen Sohn an. "Glaube nie den Schmeicheleien, glaube niemals denen, die dich in den Himmel loben... und an deine dunkelsten Antriebe appellieren." Er seufzte tief.

"Allmächtig wollte ich werden, alles wollte ich erreichen, um jeden Preis... ich, der Auserwählte. - Auserwählte!" Er spuckte das letzte Wort aus, wie einen unverdaulichen Happen.

"Du hast mich gerettet, Vater." sagte Luke sanft. "Uns alle hast du gerettet."

"Und du mich!" entgegnete Anakin sofort. "Du hast ein Wunder vollbracht, Luke..."

Beide Männer schwiegen und genossen die Präsenz des anderen.

"Wie war sie?" fragte Luke in die Stille.

Er sah seinen Vater an. Verblüfft wurde er Zeuge, wie ein Leuchten auf Anakins Gesicht kam, wie es zu strahlen begann wie ein ganzes Sonnensystem...

"Sie war wunderbar... ich verliebte mich in sie, als ich noch ein kleiner Sklavenjunge auf Tattooine war - sie war wie ein Engel in mein Leben getreten..." Er seufzte tief. "Keinen Tag, an dem ich nicht an sie gedacht habe. Ich war überglücklich, als sie endlich meine Frau wurde..." Luke spürte, wie Anakin am ganzen Körper erbebte.

"Ich wollte alles für dieses Glück tun! Mit all meiner Kraft wollte ich es festhalten..." Anakins Lächeln schwand. "Ich musste sie verlieren. Sie war mein Leben... ich selber bin schuld an allem", flüsterte er rau. Luke wurde von einer Woge des Mitleids hinweggetragen; impulsiv umarmte er seinen Vater. Anakin zitterte. Luke spürte eine Veränderung...

"Ich muss gehen", flüsterte Anakin Skywalker. - "Ich liebe dich von ganzem Herzen, mein Sohn. Bitte richte auch Leia meine Liebe aus... Ich werde immer für euch da sein!"

Er erhob sich von den schwarzen Felsen, Luke kam rasch auf die Beine. Kalter Wind umwehte ihn, am Himmel zogen dunkle Wolken rasch gen Osten. "Ich liebe dich..." flüsterte Anakin Skywalkers langsam entschwindende Gestalt. "Die Macht sei immer mit dir, mein Sohn..."

 

Luke war allein. Er fror; mit beiden Händen zog er sein Gewand bis zum Hals zu. "Vater..." flüsterte er sehnsüchtig. Dann ging er langsam über die Felsen zurück.


ENDE