Leia und Anakin




Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





"Was tue ich überhaupt hier..." murmelte Leia vor sich hin, während sie sich eine glitschige Ranke aus dem Gesicht strich. Ihre Schuhe waren halb in dem feuchten, im Halbdunkel kaum genauer zu erkennenden Morast versunken. Uralte Bäume umringten sie, ein fauliger Geruch lag in der Luft. Es war fast unheimlich still; allein der nahgelegene schwarzschimmernde Teich gab gelegentliche Blubbergeräusche von sich.

Langsam stapfte Leia weiter, in der Hoffnung, einen einladenderen Platz zu finden. Es war Nacht, und es drang kaum fahles Mondlicht durch das Gewirr toter Äste und Schlingpflanzen über ihr.

"Ich habe nichts Dunkles mehr bei ihm gespürt, er war ganz offen zu mir", hatte Luke ihr gesagt. "Er richtet dir seine Liebe aus...". Lukes glückliches Lächeln hatte sie kritisch zur Kenntnis genommen. Ihr Bruder neigte zwar nicht zu Schwärmereien... aber in diesem Fall wusste sie nicht, was sie davon halten sollte. Luke und sein Vater...

Nun lag die Begegnung vor ihr. Sie war sich nicht sicher, ob sie sie wollte.

Leia ließ sich seufzend auf einem riesigen umgestürzten Baum nieder. Die modrige Feuchtigkeit der Umgebung drang bereits durch ihre Kleidung... Die Stille wurde ihr immer unheimlicher, Beklemmung stieg in ihr hoch.
I

hr Herz tat einen erschreckten Satz, als sie einige Meter vor sich, halb noch im Schatten der knorrigen schwarzen Bäume, die hochgewachsene dunkle Gestalt wahrnahm. Langsam kam sie auf sie zu. Verhüllt unter dem dunklen Kapuzenumhang, jagte sie Leia eiskalte Schauer den Rücken hinunter. Hätte sie die Aura des Bösen gespürt, hätte sie keine Sekunde gezögert.

Die Gestalt trat ins bleiche Mondlicht, zog langsam die Kapuze vom Kopf. Leia schluckte. Im Licht schimmerte feuchtes lockiges Haar, sie erkannte ein junges ernstes Gesicht.

Leia stand langsam auf, ihr Herz klopfte bis zum Hals. Lächelnd streckte ihr Anakin Skywalker die Hände entgegen.
Sie sah in sein Gesicht, entdeckte dort Wärme und Freundlichkeit. Nur zögernd ergriff sie seine Hände. Sie waren überraschend warm. Leia spürte ein Kribbeln am ganzen Körper.

"Einen seltsamen Ort hast du uns ausgesucht", sagte er sanft. Seine Stimme war dunkel. "Ich wollte nicht kommen", entgegnete Leia leise. Dennoch ließ sie sich mit ihm auf dem alten Baumstamm nieder. Die Situation hatte sie in ihren Bann geschlagen...

Beide schwiegen, in Gedanken versunken. So ist er also, dachte Leia und betrachtete ihres Vaters Gestalt. So war er - bevor er Darth Vader wurde. Wieder lief es ihr eiskalt den Rücken herunter. "So bin ich, nachdem ich zurückgekehrt bin..." Anakin flüsterte es fast. "Ohne deinen Bruder Luke hätte ich es nicht geschafft."

"Ich weiß..." entgegnete Leia sofort. Und setzte etwas schärfer hinzu: "Deshalb hätte ich ihn auch fast wieder verloren, nachdem ich ihn gerade erst gefunden hatte."

"Ich habe dir wehgetan", sagte ihr Vater, ohne sie anzusehen. "Beinahe hätte ich euch beide vernichtet. Dafür gibt es keine Entschuldigung." Nein, dachte sie und schwieg.

"Leia", sagte er sanft. "Wenn es mir irgendwie möglich wäre, würde ich alles daran setzen, es wieder gutzumachen." "Wieder gutmachen..." murmelte sie. Allein schon das Wort... Anakin schwieg, den Kopf gesenkt.

Sie sah ihm in das offene junge Gesicht, die blauen Augen. "Du warst ein Scheusal!" Sie war selbst erstaunt über die Schärfe ihrer Stimme, wie ein Schwert schnitt sie in die modrige Luft. "Ein schwarzes, widerwärtiges Scheusal..." Sie starrte zu Boden; Tränen liefen ihr übers Gesicht, als Bilder in erschreckender Lebendigkeit an ihrem inneren Auge vorbeizogen. Der dunkle Lord... die riesige schwarze Gestalt mit dem Helm... die schreckliche Stimme. Die tödliche Hand...

Anakin neben ihr hatte den Kopf in die Hände vergraben, sein ganzer Körper bebte. Er litt, doch er wich nicht aus, er stellte sich dem Unausweichlichen...

Ein neues Bild schob sich vor Leias inneres Auge. Anakin Skywalker stand in sengender Hitze auf hartem, sandigen Boden. In der Ferne waren zackige schwarze Berge zu erkennen. Drohend und feindselig ragten sie über die trostlose Szenerie. Etwas würde geschehen...

Aus dem harten Wüstenboden heraus trat etwas Gewaltiges der menschlichen Gestalt gegenüber, wurde größer und größer, schwärzer und schwärzer.

Leias Vater reagierte nicht. Schmal und zerbrechlich stand er vor dem monströsen schwarzen Etwas. Widerstandslos ließ er sich von der schwarzen Masse verschlingen...

Leia wollte den Blick abwenden, doch irgend etwas hielt ihre Augen auf die Szene gebannt.
Langsam, fast unmerklich begann die schwarze Masse sich aufzulösen. Sie wurde auseinandergezogen wie eine Wolke, ging allmählich in ein häßliches Grau über. Die letzten schmutzigen Fetzen sanken zu Boden, lösten sich auf. Leias Vater stand da mit hängenden Schultern, den Kopf gesenkt. Das Bild verschwamm...

Leia schwieg erschüttert, sah auf die zusammengesunkene Gestalt ihres Vaters neben ihr.
Anakin Skywalker rang um seine Fassung. Nach einer ganzen Weile sah er sie an, sein Gesicht war naß. Er wirkte unendlich müde. "Ich bitte dich nicht um Mitleid", sagte er leise. "Ich bitte dich nicht um Verzeihung..."

Er schloß die Augen und fuhr sich mit den Händen darüber. Wieder wirkte er sehr verletzlich. Auch Leia schloß ihre Augen. Sie empfand seine tiefe Trauer. Sie spürte seine Zuneigung, seine Kapitulation. Mitgefühl stieg in ihr hoch, die schrecklichen Bilder waren vergangen. Sie gab sich einen Ruck. "Vater..."

Zögernd legte sie ihren Arm um seine Schultern. "Es ist nun einmal, wie es ist", sagte sie leise. "Vielleicht hast du den Schatten besiegt..."

"Leia, meine Tochter", flüsterte Anakin dankbar. Er schwieg, in Gedanken versunken, gab sich glücklich ihrer Nähe hin.
Aneinander gelehnt saßen sie auf dem alten Baumstamm, Vater und Tochter. Ein leichter Wind kam auf und brachte die Rankpflanzen, die von den toten Bäumen hingen, in sanfte Bewegung. Es herrschte vollkommene Stille, nur aus dem Teich drang gelegentliches leises Blubbern.

"Wir wollten das Baby Leia nennen, wenn es ein Mädchen werden sollte." Seine Stimme klang sehr jung. "Sie glaubte, es würde ein Junge werden." Leia spürte, dass er lächelte.

Dann wurde er wieder ernst und sah sie an, "Leia, es tut mir so leid..."
Ihre Augen antworteten ihm dunkel und warm.

"Wenn wir nun schon einmal hier sitzen..." sagte sie in die Stille. "Erzähl mir doch von ihr."
Anakins Gesicht leuchtete auf, Leben kam in seine Gestalt. Leia spürte, wie sie mitgerissen wurde. Nun taten sich neue Welten vor ihr auf...

Sie spürte ihres Vaters Begeisterung, seine bedingungslose Liebe, seine grenzenlose Hingabe. Seinen fassungslosen Schmerz.

"Wenn ich wüßte, ich würde Han verlieren...", sinnierte sie. Sie seufzte tief und sah Anakin an. "Ich würde es wohl überleben", sagte sie traurig. "Aber wie sollte ich mich jemals wieder freuen können?..." - Du hast noch die Kinder..., sagte eine leise Stimme in ihrem Kopf.

Leia mochte nicht mehr daran denken, sie schob das Ganze von sich.
Sie holte tief Luft. "In meinem Leben mag noch viel Schlimmes passieren, Vater. Ich will es nicht wissen..."

"Ich wusste einfach, dass es passieren würde", flüsterte Anakin gequält.

"Es gibt nichts Unausweichliches, Vater", widersprach Leia sanft. "Es gibt immer eine kleine Chance..."
"Vielleicht....", antwortete er und sah sie an. "Vielleicht war das das Hauptproblem in meinem Leben." Er seufzte tief und resigniert.

Leia fühlte sich ihm sehr nah, sie umarmte ihn impulsiv. Tiefe Dankbarkeit strömte ihr entgegen, umhüllte sie ganz wie eine warme Wolke. Nie hätte ich mir dies träumen lassen, dachte sie.

Als das fahle Mondlicht langsam einer trüben Morgendämmerung wich, verabschiedeten sie sich voneinander. Voller Zuneigung schloss Anakin Skywalker seine Tochter in die Arme. "Du bist wunderschön, wie sie", flüsterte er. "Ich wünsche dir alles Glück im Leben... ich danke dir."

Leia spürte Tränen in ihren Augen. "Wir werden uns wiedersehen, Vater."
"Möge die Macht mit dir sein..." hörte sie seine leise Stimme, als sich seine Umrisse bereits in dem wabernden Nebel auflösten. Bis zum Schluß sah sie auf seine ausgestreckten Arme, dann wandte sie sich rasch um und ging.




ENDE