Spiel um unbegrenzte Macht

Teil 1 von 22


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





 

Prolog

Lässig lehnte die Frau in dem Stuhl aus geflochtenem Holz. Ihre athletische Hand hielt ein Glas mit einem hochprozentigen Drink umklammert, von dem die Hälfte bereits verschwunden war. An der anderen Seite des kleinen, runden Tisches saß ihr Freund. Dessen muskulöse Statur und die Art, wie er in seinem Sessel lehnte, verliehen ihm ein angeberisches Aussehen.

Unter ihren Füßen glitzerte blau das Meer und eine frische Brise wirbelte Haar und Kleidung durcheinander. Eine Szenerie, die sehr zu Gelassenheit und Urlaubsstimmung einlud.

 

Trotzdem seufzte Zantena vor lauter Langeweile unmerklich. Seit gestern war sie vierzig Jahre alt, fast schon ein halbes Leben. Ja, sie wurde auch nicht jünger. Das ließ sich kaum abstreiten.

Eigentlich sollte ich nichts trinken. Heute morgen war ich schon verkatert genug.

 

Lauter Gedanken zu ihrem bisherigen Leben kreisten ihr durch den Kopf, während sie analysierte, was sie so alles erlebt hatte. Die Antwort war: sehr viel. Als Managerin einer Gruppe von Wrestlern war sie wahrhaft in der Galaxis herumgekommen. Es gab kaum ein bekannteres System, das sie noch nicht kannte. Kaum ein Abenteuer, das sie nicht durchgestanden hatte. Und doch...

 

Denk nach, Zantena. Denk nach. Irgendeinen Unfug muss es ja geben, den du noch nicht gemacht hast.

 

Da fragte Joll plötzlich: „Zantena, hast du Kopfschmerzen? Soll ich dir eine Tablette bringen?“

 

Zantena musterte ihren Geliebten kurz. Sofern diese Bezeichnung überhaupt akkurat war, denn sie waren ja immerhin nur zum Spaß zusammen.

Joll hatte sie schon mehrmals gefragt, ob sie nicht doch etwas festeres haben konnten. Aber Zantena hatte stets abgelehnt. Erstens liebte sie Joll nicht, zweitens störte das steile Machtungleichgewicht, das zwischen ihnen bestand. Es fiel ihr viel zu leicht, ihn zu dominieren und manipulieren.

„Nein, danke“, lehnte sie in leidendem Ton ab. „Aber kannst du mir vielleicht einen Tee bringen?“

 

„Klar.“ Er rannte schon los, geflissentlich darauf bedacht, seiner Liebsten auch alles recht zu machen. Sie lächelte.

Dieser Joll. Manchmal ist er ein richtiger kleiner Schatz.

Sie blickte hinaus auf den Ozean, der ruhig unter ihren Füßen wogte. Die Melancholie kehrte wieder zurück.

Vielleicht sollte ich mich von ihm trennen. Aber ist ein neuer Typ wirklich etwas, das mich aus meiner bescheuerten Midlifecrisis rausreißt?

Wie wär’s mit etwas künstlerischem? Oder einem Studium?

Nein. Da langweile ich mich doch erst recht zu Tode. Es muss schon irgendwie zu mir passen.

Sie massierte sich die Schläfen.

 

„Ich hab’s!“, rief sie dann plötzlich mit ihrer schrillen Stimme aus. Ein breites Grinsen breitete sich über ihrem Gesicht aus. Sie stand auf und ging zum Ende der Terrasse, um über das Meer hinauszublicken.

Zanti, wenn du jemals einen Beweis gebraucht hast, dass du wahnsinnig bist, dann hast du ihn jetzt.

Sie konnte es kaum erwarten, ihren Plan in die Tat umzusetzen. Immerhin war er so herrlich verrückt und damit unwiderstehlich. Dann zwang sie sich dazu, an die Risiken zu denken, da sie wusste, dass sie einen starken Hang zum Leichtsinn besaß. Und risikofrei konnte ihre nächste Unternehmung nun wirklich nicht genannt werden.

 

Joll kam jetzt wieder zurück und betrachtete seine Freundin eingehend.

Mundwinkel, die stets leicht spöttisch nach oben gezogen waren. Mimikfältchen um Mund und Augen. Eine athletische, nicht zu dünne Figur. Wallendes, dunkles, gelocktes Haar. Schlitzaugen und eine lange, spitze Nase.

Sie war vielleicht nicht die schönste Frau, die er je kennen gelernt hatte, aber ihm sicherlich die liebste.

 

Sie drehte sich zu ihm um.

„Joll, wir müssen reden“, sagte sie in ihrem typischen „es geht um was seriöses“ Tonfall, den sie je nach Lust und Laune abschalten konnte.


 

Die Nachricht

Es klopfte an der Tür zu der kleinen Kabine.

 

„Kommen Sie herein“, erscholl es von innen.

 

Curran Kleiber betrat den Raum. Er erblickte Luke Skywalker, der gerade auf einem Bett lag und in eine Lektüre vertieft zu sein schien. Dann sah Luke auf und Curran bemerkte, dass ein dunkler Schatten Lukes verbliebenes Auge zierte. Überhaupt wirkte der junge Mann sehr abgespannt und müde. Vielleicht, so vermutete Curran, konnte er nicht schlafen. Jedenfalls wunderte es ihn nicht, dass Skywalkers Psyche in Mitleidenschaft gezogen war.

 

Curran wollte gerade zu reden beginnen, als Luke in unterbrach: „Was ist denn mit Ihrem Gesicht los?“

 

Curran fasste sich gedankenverloren an die Wange, die von zahlreichen Wimmerl übersäht war. „Ich fühle mich bei Raumflügen immer unbehaglich“, meinte er etwas peinlich berührt. „Und das ist die körperliche Antwort auf dieses Unwohlsein.“

 

Luke nickte verstehend.

 

„Ich wollte Sie etwas fragen“, erklärte Curran. „Nun ja, ich interessiere mich sehr für die Jedi. Und ich habe mich gefragt, ob Sie nicht vielleicht Verwendung für einen Assistenten hätten. Ich könnte Ihnen bei der Organisation helfen, wenn Sie den Tempel neu aufbauen.“

 

Luke war zunächst einmal baff. Diese Frage hatte er offensichtlich nicht erwartet. Aber ja, es machte natürlich Sinn. Er konnte jede Hilfe beim Aufbau des Tempels gebrauchen. Außerdem schuldete er Curran etwas. Trotzdem wollte er noch mehr über diesen Menschen in Erfahrung bringen, bevor er ihm die Stelle anbot.

 

„Ihre Präsenz wirkt manchmal etwas düster“, stellte Luke das fest, was er von Currans Aura spürte. „Sie bewegen sich mehr auf der dunklen Seite, als auf der hellen.“

 

Curran schien wegen dieser Aussage seltsamerweise nicht im geringsten beleidigt zu sein. „Das kann gut sein. Ich bin eine sehr egoistische Person.“

 

Ein komisches Selbstbild.

Luke schwieg nachdenklich und hakte nicht nach. Schließlich fragte er: „Woher weiß ich dann, dass ich Ihnen trauen kann?“

 

Ehrlich: „Geld interessiert mich nicht, ich bin nicht käuflich. Außerdem bin ich zu meinen wenigen Freunden immer loyal.“

 

Luke spürte, dass sein Gegenüber es genauso meinte, wie er es sagte, also akzeptierte er diese Antwort. „Sie haben mich gerettet und dabei Ihr Leben riskiert, obwohl ich nicht zu Ihren Freunden gehöre. Vielleicht sind Sie ja mehr Held, als Sie es sich eingestehen wollen.“

 

„Eigentlich wollte ich nie ein Held sein, das stimmt. Meiner Meinung nach zahlt man da nur drauf.“

 

Dieser Mann ist ein Puzzle. Da sind Unterströmungen – ich bin mir nicht ganz sicher, was sie bedeuten.

Luke lächelte verbittert. „Da könnten Sie recht haben“, pflichtete er bei. Er seufzte. „Seit ich Sie kenne, rätsle ich. Sie sind meistens zurückhaltend, aber manchmal zeigen Sie eine Courage, die man Ihnen gar nicht zugetraut hätte.“

 

Curran schwieg. In seinem Inneren tobte ein Streit. Sollte er diesem Jedi Meister etwas über sich selbst offenbaren, dieser einen Person, die durch ihre Verbindung mit der Macht auch tatsächlich eine Chance hatte, ihn zu verstehen? Er gab sich einen Ruck. „Für mich ist die sogenannte Realität nur Schall und Rauch“, erklärte er es Luke. „Unbedeutend. Ich lebe fast vollständig in meinem Inneren, in meiner Phantasie. Deswegen bin ich auch sehr anpassungsfähig, was meine Verhaltensweisen angeht.“

 

Luke runzelte konzentriert die Stirn, offenbar war er jetzt noch verwirrter als vorher.

„Fast vollständig?“

Was ist mit ihm passiert, dass er sich so von der Welt abgenabelt hat?

 

„Es gibt gewisse ... Obsessionen. Zum Beispiel liebe ich gutes Essen. Oder etwas fasziniert mich so sehr, dass es mich vollständig in den Bann zieht, trotz meiner Distanziertheit zur Welt. Wie zum Beispiel die Macht.“

 

Luke lächelte jetzt, obwohl er noch immer nicht das Geringste nachvollziehen konnte. Klar, er verstand den rationalen Sinn der Worte, aber sich diese absolute Gleichgültigkeit vorzustellen war für ihn beinahe unmöglich. Wie konnte einem alles so egal sein? „Ich glaube, ich habe Sie jetzt genug ausgefragt. Sie können bei mir arbeiten. Ich hoffe nur, dass ich das Geld aufbringen kann, Sie auch zu bezahlen.“

 

 

 

Plötzlich blinkte ein Licht im Cockpit des Falken. Curran Kleiber blickte von seiner Lektüre auf. Er stupste sachte Han an, der ungehemmt neben ihm schnarchte.

 

„He! Lass mich schlafen.“

 

Curran schüttelte den Kopf. Dieser Solo hatte die unselige Angewohnheit im Pilotensessel zu pennen. Als ob das gemütlich wäre.

 

„Ich glaube, jemand hat uns eine Nachricht gesendet“, berichtete Curran, um den Schmuggler endgültig aufzuwecken.

 

Han war plötzlich hellwach. „Eine Nachricht?“, fragte er verwundert. „Ah ja, wirklich.“ Han las mit aufmerksamen Blick die Adressierung. „Die ist für Luke“, wunderte er sich. Wer konnte Interesse daran haben, Luke ausgerechnet hier zu kontaktieren? Immerhin war der Falke ja nicht Lukes Schiff.

 

„Chewie, kannst du kurz Luke Bescheid sagen?“

 

Chewie knurrte etwas Bejahendes und ging nach hinten in Richtung Koje. Er öffnete eine der Türen ohne anzuklopfen und trat ein. Ob Luke gerade Kleidung trug, war dem Wookiee ziemlich egal. Doch Luke saß bekleidet auf dem Bett und hatte das Auge geschlossen. Vermutlich befand er sich in einer Art Jedi-Trance.

 

„Kllroo wrah.“

 

„Äh, was?“ Luke öffnete das Auge. „Nicht so schnell, Chewie. Ich kann dich ja nicht verstehen.“

 

„Kllroo wrah.“

 

„Eine Nachricht, sagst du?“ Luke runzelte die Stirn. Er hatte einen Verdacht. Die Erinnerungen strömten wieder über ihn herein. Das Versprechen. Das Verschwinden. Und die Erschütterung in der Macht.

Vater...

 

Ohne, dass Luke zu fragen brauchte, hob der starke Wookiee ihn hoch, um ihn über die Schulter zu hieven. Luke kam sich ziemlich blöd vor, wie er so an der Schulter des großen Aliens hing. Es war ihm peinlich, darauf angewiesen zu sein, wenn er sich rasch bewegen wollte. Theoretisch konnte er zwar auch auf einem Bein hopsen, aber das war eben nicht so schnell.

 

Nach kürzester Zeit saß Luke im Pilotensitz des Cockpits, den Han zuvorkommend geräumt hatte. Luke wurde wieder einmal unangenehm bewusst, wie sonderbar es sich anfühlte, mit nur einem Bein in einem Sessel zu sitzen.

 

„Na gut, wir verlassen dich einstweilen mal. Was dir deine Angebetete so schickt geht ja schließlich niemanden etwas an.“

 

Luke grinste wegen Hans Blödelei. Es war in letzter Zeit so eine Art Running Gag geworden, dass Han so tat, als hätte Luke eine Freundin. Danach verließen Han, Chewie und Curran das Cockpit, sodass Luke ganz alleine war. Luke sah sich den blinkenden Knopf kurz an, dann drückte er ihn.

 

Auf dem Bildschirm erschien das nachtschwarze Abbild Vaders. Luke stieß kurz den Atem aus, weil ihn eine unerklärliche Nervosität überkam.

Jetzt zeigt es sich ja, ob ich recht habe.

 

Typisch für Vader verschwendete er die Zeit nicht mit Floskeln:

„Luke, ich habe dir diese Aufzeichnung zugesandt, um dich über die Gründe meines plötzlichen Verschwindens aufzuklären. Überdies möchte ich, dass du auch deiner Schwester mitteilst, was ich dir hiermit anvertraue.

Du hast sicherlich bereits Vermutungen angestellt, weswegen ich euch verlassen habe. Und dabei liegst du wahrscheinlich zum größten Teil auch richtig. Ich wollte tatsächlich nicht nach einem unangenehmen Prozess zum Tode verurteilt und hingerichtet werden. Doch das ist nicht der einzige Grund. Wie du dir bereits vorstellen kannst, habe ich mir viele Gedanken gemacht, was ich in meinem Leben noch erreichen möchte.

Nun, zunächst zweifelte ich an der Idee einer neuen Republik, hielt die Vorstellung für naiv und gefährlich. Aber die Gespräche mit deiner Schwester brachten mich dazu, meine frühere Position zu überdenken. Und ich sah mich gezwungen, meine Einstellung zu revidieren, auch wenn ich zunächst die Wahrheit ihrer Worte verkannt habe.

Ich bin zu den Schluss gekommen, dass die Diktatur ein System ist, dem Gewalt inhärent ist, und das inakzeptabel viele Todesopfer fordert. Und diesen Preis möchte ich jetzt, da ich ein Jedi bin, nicht mehr zahlen. Eine Diktatur braucht stets einen äußeren Feind, ergo Kriegszustände, um überhaupt zu funktionieren. Bei der Demokratie, so viele Schwächen sie auch besitzt, ist das nicht der Fall.

Leider wird die neue Republik vermutlich Jahrzehnte brauchen, um alle versteckten Überreste des Imperiums aufzuspüren und zu beseitigen. Und nur nach der vollständigen Vernichtung all dieser Überreste kann es dauerhaften Frieden und Stabilität in der Galaxis geben.

Jetzt fragst du dich selbstverständlich, was dieses ganze politische Gefasel soll.

Luke, ich habe einen Weg gefunden, die endgültige Vernichtung fast aller imperialen Überreste zu verwirklichen. Das Imperium weiß nicht, dass ich inzwischen auf Seiten der neuen Republik stehe. Manche werden es ahnen, doch es wird keinerlei Beweise geben. Es sollte daher möglich sein, mich wieder einzugliedern.

Darum werde ich mich in das imperiale Hauptquartier begeben, wo auch immer es sich befindet. Und dort werde ich alles in meiner Macht Stehende tun, um die Überreste unter meinem Banner zu einen. Es wird nicht einfach sein, denn es wird viele Konkurrenten geben, die um den Kadaver des einstigen Imperiums streiten. Außerdem werde ich gezwungen sein, viele Opfer zu erbringen, ohne dabei der dunklen Seite zu verfallen.

Aber ich habe in der früheren Kommandostruktur die zweite Stelle bekleidet. Zusätzlich stelle ich für viele einfachen Soldaten eine unfehlbare, beinahe gottähnliche Gestalt dar. Und außerdem ist die Macht auf meiner Seite. Ich denke also, dass es mir gelingen kann.

Sobald ich dann eine entsprechende Machtposition innehabe, werde ich subtil damit beginnen, die imperialen Truppen auf die endgültige Kapitulation vorzubereiten. Ich werde dabei sehr vorsichtig vorgehen müssen, da jeder Fehler zu meiner Entlarvung, und damit zu meinem Tod führen würde.

Aber wenn es dann soweit ist, und ich die absolute Kapitulation aller imperialen Truppen erreicht habe, wird es keinerlei Krieg mehr geben.

Ich weiß, dass das Risiko sehr groß ist, mein Plan vielleicht sogar vermessen. Doch es ist eine wesentlich bessere Sühne, als es der Prozess jemals sein könnte. Und es ist eine Vision, für die es sich zu sterben lohnt.

Ich wünschte, mein Sohn, dass uns mehr Zeit zusammen bliebe. Aber ich kann meine Augen nicht vor meiner Verantwortung verschließen. Es ist meine Pflicht, und ich werde sie erfüllen, oder dabei sterben. So wie es deine Aufgabe ist, den Jedi-Tempel wieder neu aufzubauen.

Um das Risiko einer Aufdeckung möglichst gering zu halten, bitte ich dich, dem Oberkommando nichts davon zu erzählen. Denn sogar die höchsten Offiziere können unter der Folter brechen, wie ich sehr genau weiß, und diesen Plan somit zum Scheitern verdammen. Nur du und deine Schwester sollen davon erfahren, weil es für mich unerträglich wäre, würdet ihr mich wieder als euren Feind betrachten.

Möge die Macht mit dir sein, Luke.“

 

Luke massierte sich die Schläfen. Das war sehr viel auf einmal. Er musste diese Informationen erst einmal alle verarbeiten.

Danach presste er erneut den Abspielknopf, um es sich nochmals anzuhören. Dann hörte er es sich sogar ein drittes Mal an. Schließlich sammelte er seine Eindrücke.

Vielleicht lügt er, und ist doch wieder ein Sith. Gefallen, während er Cavella in ein Häuflein Elend verwandelt hat.

Aber er hat mir versprochen, dass er Cavella nicht anrührt! Und er hat mir unter Einsatz seines eigenen Lebens zweimal das Leben gerettet. Ich muss ihm eine Chance geben, er verdient das.

Luke, damit setzt du das Schicksal der ganzen Galaxis aufs Spiel. Wer, außer dir, soll ihn denn aufhalten, falls er doch gefallen ist?

Nein! Yoda hat mir beigebracht, mich auf das Positive zu konzentrieren. Ich sollte ihm und dem Guten in ihm vertrauen. Hoffnung ist wichtig, denn ohne sie verdammt man sich zu Schmerz und Finsternis.

 

 

 

Leias ungläubiger Gesichtsausdruck wurde immer skeptischer, während sie sich die Nachricht ansah. Die Lippen zu einer dünnen Linie zusammengepresst, sprach sie kein einziges Wort.

 

„...Macht mit dir sein, Luke“, endete die Aufzeichnung schließlich.

 

„Er lügt“, sagte sie dann mit erzwungener Ruhe. „Er ist gefallen, hat uns verraten und erwartet nun, dass wir ihm diesen Unsinn glauben. Alles, nur damit wir nichts gegen ihn unternehmen.“

 

Luke bettelte: „Leia, vielleicht spricht er ja doch die Wahrheit. Gib ihm eine Chance.“

 

„Niemals!“, rief sie empört. „Luke, du darfst ihm nicht glauben. Er wird dich benutzen und verraten! Sei nicht so naiv!“

 

Luke schüttelte den Kopf. „Ich bin nicht naiv“, widersprach er. „Ich weiß, dass du Recht haben könntest. Aber ich vertraue ihm. Er hat mir immerhin zwei Mal das Leben gerettet. Und er hat sich doch auch bemüht, mit dir Frieden zu schließen, oder etwa nicht?“

 

„Er ist ein Feind und Verräter“, urteilte Leia unerbittlich. „Er wollte tatsächlich Frieden schließen, dass verneine ich ja gar nicht. Aber das ist vorbei, er hat sich dagegen entschieden. Er hatte seine Chance, Luke.“

 

Jetzt wurde Luke wütend. „Du hast ihn doch in die Flucht getrieben! Was hast du denn erwartet?“

 

Entschuldigend gestand sie: „Vermutlich habe ich das.“ Die tiefbraunen Augen blickten eindringlich. „Aber warum möchte er dann wieder ins Imperium zurückkehren, anstatt sich ein hübsches, friedliches Versteck zu suchen?“

 

„In einem Versteck kann er keine Wiedergutmachung leisten. Ich verstehe schon, dass er etwas tun will. Mit seiner Vergangenheit...“

 

Leia begriff etwas. Egal, was sie Luke auch sagte, er würde an seinem Glauben festhalten. Er sehnte sich einfach zu sehr nach einem Vater. Und außerdem war er seit jeher ein optimistischer Mensch. Ein Mensch, für den das Glas immer halb voll war. Wenn Leia ihm keine unwiderlegbaren Beweise vorlegen konnte, dass Vader wirklich wieder der Alte war, hatte sie nicht die geringste Chance, ihn umzustimmen.

 

Leia verspürte das Bedürfnis zu schreien und zu brüllen. Ihre Nerven waren schon zuvor beansprucht gewesen, und dieses Gespräch mit Luke machte es erst recht nicht besser. Sie hatten den endgültigen Niedergang des Imperiums in Griffweite gehabt. Aber nun war er erneut in die Ferne gerückt. Und die einzige Person, die Vader direkt eliminieren konnte, weigerte sich zu glauben, dass dieser wieder böse war.

 

Luke musterte sie verwirrt. Leia brach ein Gespräch üblicherweise nicht so abrupt ab. Normalerweise besaß Leia eine endlose Ausdauer, wenn es um das Streiten ging. Doch nun schwieg sie, und das erfüllte Luke mit mehr Unbehagen, als es laute Worte vermocht hätten.

 

Plötzlich glitzerten Tränen in Leias Augenwinkeln.

 

„Leia...“, versuchte Luke beruhigend.

 

„Lass mich in Ruhe!“, schnitt sie ihn ab und stürmte von dannen, möglichst darauf bedacht, ihm ihre Tränen nicht zu zeigen.

 


Arkania

„Wir werden eine Zwischenlandung auf Arkania einlegen, um Proviant, Kleidung, Waffen, eine Verkleidung und ein Atemgerät zu besorgen.“

 

Pallas sah zu dem Piloten.

„Was ist überhaupt unser Endziel?“, fragte sie.

 

„Das hat dich nicht zu interessieren“, entgegnete Vader kühl. Er fühlte sich frei – alle moralischen Zwänge, denen er sich zuvor unterworfen hatte, war er jetzt los. Es gab keinen Grund mehr, „nett“ zu sein. Er konnte tun und lassen, was er wollte.

 

„Du hast wahrlich ein Talent, dir alle zu Feinden zu machen“, erwiderte Pallas eingeschnappt.

 

Vader wandte ihr seinen maskierten Schädel zu. Sie hat nicht ganz Unrecht. „Ich werde es dir mitteilen, sobald wir Arkania verlassen“, beendete er die Diskussion abrupt.

 

Pallas nickte unmerklich und blickte dann melancholisch in die Schlieren des Hyperraums.

 

„Da ich den Arkanianern meine Präsenz nicht preisgeben möchte, wirst du diese Besorgungen erledigen müssen“, teilte Vader ihr noch mit, ehe sie ihre Konzentration ganz auf den Hyperraum richtete.

 

Wenig begeistert erwiderte sie: „Okay.“

 

 

 

Pallas zitterte, als sie das Raumschiff verließ. Es war hier wahrhaft eisig, und sie besaß keine wärmenden Klamotten. Die befanden sich alle auf Kuat. Sie holte das Datapad aus der Tasche. Darauf war fein säuberlich alles aufgelistet, was sie einkaufen musste.

Dankbar hatte Pallas das Angebot ihres Mannes abgelehnt, ihr Geld zu leihen. Sie wollte ihm keine Belastung sein und außerdem besaß sie selbst genügend Bares. Ja, sie beabsichtigte wirklich nicht, in seiner Schuld stehen. Er war schon zuvor sehr hart gewesen, doch seit sie mit ihm geflohen war, kam es ihr noch ärger vor, ohne, dass sie den Grund dafür verstand. Eigentlich verhielt er sich nämlich genau gleich. Aber da war trotzdem etwas anderes, etwas dunkleres an ihm.

 

Sie bekam eine Gänsehaut.

Dann blickte sie sich um. Überall sah sie Leute mit bronzefarbener Haut und leeren Augen, Arkanianer. Aber es gab auch viele Personen mit weißer Haut und spitzen Ohren, die arkanianischen Abkömmlinge, die anscheinend unterprivilegiert waren.

Es ist schon sonderbar, dieser Rassismus überall. Immerhin sehen diese hier bis auf die Hautfarbe ja fast gleich aus. Aber ich muss ja schließlich nur etwas einkaufen.

Sie nieste und begab sich anschließend so hastig wie möglich in ein warmes Geschäft. Außer den Gegenständen auf ihrer Liste besorgte sie auch noch ein Grippemittel, und ein Mittel gegen die Schnupfenviren, die trotz Tausenden von Jahren medizinischer Forschung nicht ausgerottet worden waren. Leider konnte sie keinen Blaster erstehen, weil diese Waffen von der örtlichen Regierung erst genehmigt werden mussten. Und das brauchte zu viel Zeit.

Das Kostüm kann ich mir auch abschminken. Hier gibt es kein einziges Geschäft, wo sie so etwas verkaufen.

 

Nebenbei wurde sie auch noch überall mit Werbung berieselt, die Arkanias viele, viele Vorzüge anpries. Pallas freute sich, als sie wieder das Schiff betrat, obwohl sich dort ihr rüder Ehemann aufhielt. Der startete sofort den Antrieb, kaum dass sie einen Fuß auf das Schiff gesetzt hatte. Pallas eilte hurtig ins Cockpit.

„Wohin fliegen wir? Du hast mir versprochen, dass du es mir sagst“, forderte sie.

 

„Nar Shaddaa“, antwortete Vader ungerührt.

 

Entsetzt wiederholte sie: „Nar Shaddaa?“

 

„Ja.“

 

Erregt rief sie: „Aber wir können doch nicht auf Nar Shaddaa herumrennen! Eine Adelige wie ich würde dort sofort gekidnappt. Und du wirst inzwischen sicher auch schon überall gesucht. Nar Shaddaa! Also das geht wirklich nicht. Wenn...“ Pallas konnte kaum glauben, was sie da gerade gehört hatte.

 

Vader machte eine kleine, kreisförmige Geste mit seiner rechten Hand, während er mit seiner Linken weiterhin das Schiff steuerte. Noch ehe sie recht begriff, was überhaupt mit ihr los war, begann Pallas zu würgen. Sie griff sich röchelnd an den Hals. „Gibt es weitere Einwände?“, fragte Vader höhnisch die Würgende, die natürlich kein einziges Wort herausbringen konnte.

 

Schließlich ließ er sie los. Sie schnappte eine Weile nach Luft und musterte Vader mit genau der Mischung aus Zorn und Furcht, die er hatte erreichen wollen. So fühlt es sich also am eigenen Leib an, das Böse. Sie rang ein wenig mit sich selbst. Dann fragte sie ihn sehr vorsichtig: „Warum willst du denn nach Nar Shaddaa? Oder ist das etwas, das du mir ebenfalls nicht anvertrauen möchtest?“

 

„Falls du einen Planet kennst, auf dem sich imperiale Flüchtlinge besser aufspüren lassen, bin ich ganz Ohr“, bot Vader ihr zynisch an.

 

„Nein, kenne ich natürlich nicht“, gab sie etwas kleinlaut zu. „Du kennst dich mit den imperialen Sachen besser aus. Aber warum möchtest du unbedingt imperiale Flüchtlinge aufspüren? Du könntest doch einfach eine der Geheimbasen aufsuchen, die von den Rebellen noch nicht entdeckt wurde, oder?“

 

Sachlich erläuterte er: „Ich habe viele Konkurrenten im Imperium, und ich kenne die derzeitigen Machtverhältnisse nicht. Wenn ich auf gut Glück eine Geheimbasis anfliege, ist es sehr wahrscheinlich, dass ich auf der Stelle eliminiert werde. Ich brauche zuerst Informationen, und ich denke, dass ich sie auf Nar Shaddaa finden kann.“

 

Respektvoll äußerte sie: „Ich mache mir nur Sorgen, dass die meisten Flüchtlinge dir wahrscheinlich gar nicht helfen wollen. Sie haben bestimmt schon mit dem Imperium abgeschlossen und wollen ihre Ruhe. Oder sie verpfeifen dich gegen ein Mittagessen.“

 

„Ich weiß“, meinte Vader unfroh. „Wir werden sehr vorsichtig agieren müssen. Nar Shaddaa ist aber auch aus einem anderen Grund praktisch. Es ist der perfekte Ort um unterzutauchen – habe ich mir sagen lassen.“

 

 



Ende von Teil 1

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