Passion and the Opera


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.



Anmerkung der Autorin:

Gekommen ist mir die Idee zu diesem OneShot, während ich mir wieder einmal einen meiner absoluten Lieblingsfilme angesehen habe, „Amadeus“. Dort wird ein Teil der Oper „Die Entführung aus der Serial“ vorgeführt, einem Stück, das mir sehr gut gefällt. Während ich schrieb, hatte ich die Stimme der Opernsängerin regelrecht im Ohr. Dabei bin ich eigentlich kein großer Freund von Mozart, Beethoven & Co. Als ich selbst einmal in der Oper war, um mir „Der Rosenkavalier“ von Strauß anzusehen, erging es mir etwas so wie Luke in dieser Geschichte. Nur mit dem feinen Unterschied, dass ich kein Liebchen neben mir sitzen hatte, um mich abzulenken *g* Der Titel dieses Teils spielt im Übrigen auf einen Song von Nightwish an, der ein Sample aus „Die Zauberflöte“ von Mozart enthält.





Stille hatte sich über den Saal gesenkt, das Publikum hielt in seligem Genuss den Atem an und mancher Zuschauer sah mit glasigem Blick zu der opulent ausstaffierten Dame auf, die auf der Bühne die Arme ausbreitete und ihre gewaltige Stimme ertönen ließ.

 

Luke Skywalker hingegen unterdrückte ein frustriertes Seufzen und verlagerte sein Gewicht so gut es eben ging. Jedoch gingen ihm nach fast vier Stunden in ein und demselben Sessel allmählich die Sitzpositionen aus, während er sich innerlich dafür verfluchte, dass ihn ausgerechnet jetzt seine durch die Philosophie der Jedi geschulte Geduld verließ. Stundenlang konnte er im Handstand auf einer Waldlichtung von Yavin IV stehen und Baumstämme ausbalancieren, doch ein Abend in diesem Stuhl glich einer einzigen Tortur! Mittlerweile erschien im jedes Scharren mit den Füßen, jedes Räuspern seinerseits unmenschlich laut, obgleich die Luft im Saal vom Klingen vieler Stimmen erfüllt war.

 

Quartett, Terzett, Sextett, Septett, Oktett… Auf der Bühne sangen sich die bunt kostümierten Schauspieler in einer nicht enden wollenden Arie heiser. Auf und ab, rauf und runter, wie Feuerwerk bei einem Jahrmarkt. Bevor er Tionne gekannt hatte, war ihm nicht einmal bewusst gewesen, dass Menschen derartige Töne von sich geben konnten. Doch selbst er, der in seiner Kindheit auf Tatooine nur ein absolutes Mindestmaß an Allgemeinbildung erfahren hatte, hatte inzwischen ein Gefühl für die verschiedenen Tonlagen und Stimmungen entwickelt. Was zuerst noch einer Kakophonie geklungen hatte, entpuppte sich nach und nach als eine perfekte, geschickt durchdachte Harmonie.

 

Dennoch wollten sich bei ihm weder Freude noch Genuss einstellen, zumal er die Handlung des Stücks nur dank des Studiums des Programmheftes verstand. Und das machte ihn betroffen. Er und Mara hatten diesen Abend gemeinsam erleben wollen, als eine willkommene Abwechslung zu ihrem geschäftigen Alltag zweier Jedi, doch stattdessen ertappte er sich immer wieder dabei, wie er das filigrane, kunstfertige und reichhaltige Dekor der Kuppeldecke und der oberen Logen inspizierte oder nach bekannten Gesichtern im Saal Ausschau hielt. Ihm waren inzwischen mindestens fünfzehn Senatoren aufgefallen, die mal mehr, mal weniger gelangweilt drein blickten.

 

Mit einem sachten Stich der Schuld in seinem Herzen, warf er seiner Ehefrau einen Blick zu. Selbst in der gedämpften Beleuchtung war sie atemberaubend schön. Dies lag weniger an dem extravagant geschnittenen Kleid aus schwarzer Rinkenseide oder an der aufwendigen Frisur und auch nicht an ihrem zarten Hauch von Schminke. Sie saß vollkommen ruhig neben ihm, wie in einer leichten, fast schwerelosen Trance. Tenor, Alt, Sopran… je höher der Ton, umso tiefer atmete sie ein, nahm den Klang tief in sich auf und schloss in ihn sich ein, damit die Musik und die Harmonie noch eine Weile in ihrem Innern widerhallte. Ihr Atem war wie ein vibrierendes Leuchten.

 

Mara hatte den Mund leicht geöffnet Nicht weit, gerade so, dass man ihre weißen Zähne erahnen konnte. Und ihre Lippen kräuselten sich, ganz zart und sacht. Ein Ausdruck tief empfundenen Friedens. Oft sah er diesen Gesichtsausdruck an ihr, wenn sie einander nachts, kurz vor dem Einschlafen, fest umschlungen in den Armen lagen und sich so tief in die Augen sahen, dass sich das ganze Universum im jeweils anderen zu spiegeln schien. Dass sie nun diese Schwelle des Einklangs ohne ihn überschritten hatte, erweckte sowohl Sehnsucht als auch Eifersucht in ihm, was ihm einen neuerlichen Stich versetzte.

 

Vorsichtig legte er eine Hand auf ihre, strich über ihre schlanken Finger. Als er sie berührte, blinzelte sie und ihr Atem schien sich vom Rhythmus der Musik zu lösen. Fragend sah sie ihn an, beinahe besorgt. Ihm blieb nur zu hoffen, dass er nicht so missmutig drein schaute, wie er sich im Moment fühlte. Um keinen Verdacht zu erwecken, blickte er schnell zurück auf die Bühne, wo eine kleine, blasshäutige Frau in altertümlichen Kleidern ein langes Solo anstimmte.

 

„Sollen wir gehen?“ fragte Mara flüsternd und ihr süßer Atem strich über die Seite seines Gesichts.

 

Luke beeilte sich, den Kopf zu schütteln. „Nein, nein, alles in Ordnung.“

 

„Irgendetwas stimmt doch nicht“, bemerkte Mara leise. Es war keine Frage, denn sie wusste sehr genau, dass etwas im Busch war. Es hatte keinen Sinn darüber zu streiten, dafür kannte sie ihn inzwischen zu gut.

 

„Schon gut.“ Er sah ihr tief in die grünen Augen und versuchte zu lächeln. „Ich habe schon Schlimmeres durch gestanden, da werde ich das hier auch überleben.“ Die ganze Truppe auf der Bühne begann einen gemeinsamen Chorus und ihre Stimmen setzten zu einem Crescendo an.

 

„Dann überleg dir bis zum Ende der Vorstellung etwas, wie ich diesen Abend bei dir wieder gut machen kann. Immerhin schulde ich dir etwas“, murmelte Mara. Ein neckisches Lächeln umspielte ihre Lippen. „Mein tapferer, kleiner Farmjunge.“

 

Und während sich das Crescendo noch oben schraubte und seinem Höhepunkt entgegenstrebte, bedeckte sie seinen Mund mit einem sanften Kuss. Ein Kuss wie Feuerwerk auf einem Jahrmarkt. Das allein und das Wissen, dass sie diese und jede weitere Nacht ihres Lebens mit ihm nach Hause gehen würde, waren Belohnung genug für ihn.

 




ENDE