When we first met


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





Anmerkung der Autorin:

Basiert auf der größeren Fanfiction "No Good Deed" und war dort eigentlich als Epilog angedacht, doch irgendwie hatte ich Lust, die möglichen Ereignisse nach diesem veränderten Storyverlauf nicht unkommentiert stehen zu lassen. Ich habe mir Mühe gegeben, alle Informationen, die zum Verstehen der Geschichte notwendig sind hier noch einmal anzuführen, da "No Good Deed" ja noch nicht abgeschlossen ist *hüstel* ;). Ich hoffe jedoch, dass ihr euch trotzdem daran erfreuen könnt.




Ein sehr schöner Tag, dachte Anakin und wandte seine Blicke zum leuchtend blauen Himmel über Coronet, der Hauptstadt von Corellia. Eine lauwarme Brise wehte durch die Gassen, strich ihm sanft durch das Haar und trug den Geruch der einheimischen Blumen zu ihm hinüber. Die Sonne beschien seine blasse Haut und Anakin genoss für einen Moment die Wärme auf seinem Gesicht.

Der Frühling war über die Stadt hinein gebrochen und lockte viele Menschen, Selonianer und Drall gleichermaßen, aus ihren Häusern. Überall herrschte buntes und aufgeregtes Treiben. Straßencafés waren voll besetzt und vergeblich suchte man nach einem Sitzplatz, während auf der anderen Straßenseite Kinder bei einem fahrenden Süßwaren-Händler Schlange standen.

Angesichts der vielen, fröhliche Gesichter war es kaum vorstellbar, dass Corellia - oder vielmehr das gesamte Sternensystem - in ziemlich großen Schwierigkeiten steckte.

Anakin seufzte.

Er war gespannt, was Obi-Wans Gespräch mit dem Vorsitzenden der sogenannten Regierung ergeben würde.

Plötzlich spürte er, wie jemand an seinem Ärmel zupfte. Er sah hinunter und entdeckte Luke, der mit einer Hand die schlichte Jedi-Tunika seines Vaters festhielt. Mit jedem Tag, den Luke älter wurde, und mit jedem Blick in das unschuldige Gesicht seines Sohnes, konnte Anakin sich mehr und mehr vorstellen, welchen Eindruck er vor all den Jahren auf Padmé gemacht haben musste. Sicherlich, Luke war nicht in Knechtschaft geboren und als Sklave in den staubigen und rauen Straßen von Mos Espa aufgezogen worden, doch immer wieder entdeckte Anakin die gleiche Neugier und den gleichen Tatendrang an Luke, die damals ihn ausgemacht hatten.

Mit einem Lächeln kniete Anakin sich neben Luke und sah den Jungen fragend an.

"Was ist denn los?"

Luke öffnete und schloss den Mund, als wäre er sich nicht ganz sicher, ob er die Frage, die ihm auf der Zunge lag, auch wirklich aussprechen sollte. Aber das musste er auch nicht. Anakin konnte sich vorstellen, woran sein Sohn dachte und sein Blick huschte für den Bruchteil einer Sekunde hinüber zu dem Süßwaren-Händler.

"Ähm...", brachte Luke nun hervor, aber weiter kam er nicht.

Denn in eben jenem Moment kam seine Schwester von rechts herbei gerannt und raunzte ihren Bruder unwirsch an. "Ich hab‘ doch gesagt, dass ich fragen sollte!" murmelte sie und funkelte Luke aus ihren tiefbraunen Augen heraus an.

"Hättet ihr beiden die Güte, mir zu erklären, was hier los ist?" fragte Anakin erneut, diesmal jedoch mit etwas mehr Nachdruck.

Wieder tauschten die Zwillinge Blicke - und sicherlich auch Gedanken - aus, ehe Leia dann das Wort ergriff. Sie griff ebenfalls nach dem Arm ihres Vaters und setzte ihren besten Bettelblick auf. "Also", begann sie langsam und gedehnt. "Weißt du, Daddy,..."
Wann immer Leia ihn in ihrem zuckersüßen Tonfall mit Daddy anredete, musste Anakin sich ein Grinsen schwer verkneifen. Insbesondere, weil der Plan, den sie und ihr Bruder ausgeheckt hatten, um Anakin dazu zu bringen nach ihrer Pfeife zu tanzen, einfach viel zu durchschaubar war, selbst für einen Nicht-Jedi. Dennoch erinnerte sie ihn damit auf die wohl deutlichste Art daran, wer er war und welchen Platz Luke und Leia in seinem Leben und in seinem Herzen einnahmen.

Diese Familie ist wirklich alles andere als normal, dachte er.

"Ja, mein Schatz?" fragte Anakin dann in ebenso gedehntem Tonfall. Wenn seine Kinder mit ihm spielen wollten, war er geneigt, auf dieses Spiel einzugehen.

"Also, weißt du", fuhr Leia in Unschuldsmiene fort, "Es ist doch so ein schöner Tag und Luke und ich haben doch heute morgen auch ganz brav das Geschirr gespült..."

Sie verstummte und schlug ihre Augen ganz unschuldig auf und zu, während sie mit dem Zeigefinger Aufmerksamkeit heischend Anakins Unterarm anstupste.

"Schon gut", sagte dieser amüsiert. "Ihr bekommt etwas Süßes. Aber jeder nur ein Teil, verstanden?!"

Beide richteten sich gerade auf und nickten heftig, beinahe so als wollten sie zum Dank salutieren. Nachdem er dann aber einige Credits in ihre Hände abgezählt hatte, warfen sie sich beide in seine Arme und drückten sich fest an ihn.

Anakin erwiderte die Umarmung ebenso liebevoll und drückte beiden einen Kuss auf die Stirn.

"Ich hab' euch lieb."

Luke und Leia lösten sich langsam von ihm und lächelten ihn strahlend an, ehe sie einander verstohlen angrinsten und ein kleines Wettrennen bis zum Süßwaren-Stand veranstalteten.

Anakin schaute ihnen mit einem sanften Schmunzeln hinterher. Dies war einer der Momente, die ihm das größte Glück des Universums bescherten. Und er war sich sicher, dass Padmé - nun eins mit der Macht - an diesem Glück teilhatte und sich mit ihm freute.

Er richtete sich wieder auf und bemerkte das sanfte Lächeln eine Frau mittleren Alters, die ihn und die Zwillinge beobachtet hatte. Doch als sich ihre Blicke trafen, wandte sie sich hastig ab und eilte die Straße hinunter. Anakin runzelte die Stirn, doch es blieb ihm keine Zeit zum Nachdenken.

Der Comlink an seinem Gürtel gab plötzlich ein schrilles Zirpen von sich und er beeilte sich, den Anruf entgegen zu nehmen.

"Ja?"

"Anakin?" drang die gedämpfte Stimme Obi-Wans aus dem Comlink, "Ich bin jetzt aus dem Regierungsgebäude heraus."

"Du hörst dich nicht besonders begeistert an", erwiderte Anakin, der Obi-Wans Verärgerung aus dessen Stimme heraus hören konnte.

"Das kann man so sagen. Draußen auf dem Platz gab es Randale. Ein Jugendlicher namens Thrackan Sal-Solo hat eine kleinere Rebellentruppe angeführt, die Abgeordnete von Selonia und Drall mit Steinen und Abfall beworfen hat. Der Premierminister hat die Sicherheitskräfte eingeschaltet und das Treffen auf übermorgen verschoben. Den Treffpunkt wird man uns noch mitteilen."

Anakin verzog ungehalten den Mund. Wieder so eine unnötige Verkomplizierung ihrer Mission, aber das war nichts, was sich nicht mit der Macht, Diplomatie oder wahlweise einem Laserschwert lösen ließ.

"Ich schlage vor, wir treffen uns beim alten Herrenhaus, dass uns von der Regierung zur Verfügung gestellt wurde", fuhr Obi-Wan fort ohne auf eine Antwort zu warten. "Sind Luke und Leia in Ordnung?"

"Den beiden geht es bestens", erwiderte Anakin und warf seinen Kindern einen Seitenblick zu. "Wir sind schon unterwegs."

Obi-Wan gab ein verstehendes Brummen von sich. "Momentan sollten wir keine Probleme mehr mit aufsässigen Jugendlichen haben, aber halte trotzdem die Augen und Ohren offen. Selbst die Polizeibeamten hier sind alles andere als vertrauenerweckend."

"Das werde ich", bestätigte Anakin und setzte sich in Bewegung, um zu Luke und Leia aufzuschließen, die schon ein ganzes Stück in der Schlange vor dem Wagen des Händlers vorgerückt waren.

Obi-Wan seufzte: "Ich kann nur hoffen, dass Qui-Gon bald eintrifft. Ich spüre ein ungewöhnlich hohes Maß an unterdrückten Aggressionen auf diesem Planeten."

"Geht mir genauso. Aber lass und das besprechen, wenn ich mit den Kindern zurück bin."

"Gut. Dann bis gleich, Anakin."

"Ja, bis gleich."

 

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Leia hielt die Hand ihres Vaters fest umklammert und steckte sich ein weiteres Sternenzucker-Stückchen in den Mund. Damit blieben noch fünf Stücke für den Rest des Tages übrig. Luke ging ein paar Schritte vor ihnen her und kaute auf klebrigem Mäusespeck herum, während er sich neugierig nach allen Seiten umsah. Er schien wieder ganz in seiner eigenen Gedankenwelt versunken zu sein. Ihr Bruder nahm dann seine Umwelt eher verschwommen wahr, ohne Blicke für das Wesentliche. Er öffnete sich der Macht und sein Verstand schien sich in diesem Mysterium einfach aufzulösen.

Leia seufzte. Er war halt ein Idiot - ein allzu liebenswerter Idiot.

Das Trio verließ das hektische und bunte Stadtzentrum Coronets mit seinen prächtigen Alleen und Avenues und schlug sich durch weniger belebte Gassen hindurch. Schon bald wurde die Gegend kühl und ungemütlich. Kneipe reihte sich an Kneipe, überall warben Leuchtschriften für unzählige Bars und Cantinas, die am Abend sicherlich überfüllt sein würden, und ein Frösteln durchlief Leias zierlichen Körper, als sie eine Gruppe sehr missmutig aussehender Männer passierten.

Einige rümpften die Nase, als Luke an ihnen vorbei huschte, andere sahen Leia abschätzig an. Doch eines taten sie alle: Sie starrten Anakin an wie eine Erscheinung.

Die dunkle, kauterisierte Schnittwunde über seinem rechten Auge, die er sich während der Klonkriege zugezogen hatte und das vernarbte Gewerbe an Hals und Wange von den Brandverletzungen auf Mustafar ließen ihn für die Meisten ebenso monströs und gefährlich aussehen, wie die finsteren Gestalten an der Straßenecke, die ihn gerade angafften. Sein Haar sah angegriffen aus und bedeckte etwas unwirsch eine Schnittwunde, die von seiner Stirn bis zum Hinterkopf reichte. Dennoch schimmerte sein einstiges, stolzes Aussehen durch diese deformierte Hülle hindurch, so wie Leia es auf Holovid-Aufnahmen gesehen hatte, und die dunkle Jedi-Robe tat ihr Übriges.

Sie selbst hatte sich jedoch noch nie an seinem Aussehen gestört. Er war ihr Vater und die Liebe, zu der er fähig war und die er Luke und Leia jeden Tag aufs Neue spüren ließ, wischte alle oberflächlichen Äußerlichkeiten beiseite.

Ihre Hand klammerte sich fester um die behandschuhte Rechte ihres Vaters. Sie war kühl und sie konnte die metallenen Droidenfinger unter ihren eigenen Fingern spüren. Doch sie wollte nicht loslassen. Luke hatte den Abstand zwischen sich und seinem Vater deutlich verringert. Offensichtlich war ihm die Situation auch nicht ganz geheuer.

Sie passierten die Männer, deren Blicke immer noch auf der Familie lasteten, wie die Strahlen eines Durchleuchtungsgerätes. Leia konnte einen von ihnen abschätzig grunzen hören. Ein anderer wischte sich durch einen ungepflegten Bart und murmelte etwas in einem Dialekt, der ihr nicht bekannt vor kam.

Sie sah, wie Luke fröstelte und seine Schritte wieder beschleunigte. Er warf einen Blick zurück.

Dann ging plötzlich alles ganz schnell.

Wie ein Schatten sprang eine kleine Gestalt hinter einer alten Mülltonne hervor und hatte nach der Tasche an Lukes Gürtel gegriffen. Als ihr Bruder oder gar Leia und Anakin realisierten, was geschah, hatte der Schatten die Tasche vom Gürtel losgerissen und rannte so schnell er konnte die Straße entlang.

"Oh Nein!" rief Luke, dem soeben zwei wichtige Keycards und ein kleines Vibro-Messer, mit der immer irgendetwas schnitzte, entwendet worden waren.

Bevor ihr Vater überhaupt dazu kam, etwas zu sagen, nahm Luke die Beine in die Hand und spurtete dem Schatten hinterher. Und ehe Leia sich versah, hatte auch sie sich von Anakin losgerissen und rannte ihrem Bruder hinterher, der rufend hinter dem Schatten herjagte.

Hinter sich hörte Leia die Schritte ihres Vaters, der ihnen dicht auf den Fersen war.

Mit einem Ruck änderten der Schatten - und damit auch Luke - die Richtung und beide bogen in eine noch kleinere, schmalere Gasse ein. Leia hörte ein lautes Scheppern und Krachen, als sich Luke auf den Schatten warf und ihn niederrang.

"Das ist meins, gib es wieder her!" hörte sie ihn erzürnt rufen, als sie keuchend in die Gasse einbog. Luke rang den Schatten zu Boden, saß auf dessen Bauch und riss die Tasche wieder an sich. Den Triumph auf dem Gesicht hielt Luke die Tasche umklammert, bevor er noch einmal nach unten blickte und mit einem Mal das Lächeln auf seinen Lippen erstarb.

Unter ihm lag ein kleines, dürres, ja fast ausgemergeltes Mädchen. Sie konnte nicht viel älter als 5 oder 6 Jahre sein, vermutete Leia, die nun näher heran trat. Ihre Kleidung und ihre Haut waren von einer dichten Schicht öligen Schlicks bedeckt, wie die Zwillinge ihn nahe der Abflusskanäle beim Herrenhaus entdeckt hatten. Selbst das Haar war mit Staub und Schlamm verklebt, doch hier und da schimmerte etwas kupferfarbenes unter dem Dreck hervor.

Verdattert starrte Luke das Mädchen an.

"Oh", sagte er fast schon entschuldigend. Leia spürte wie sich sein Triumphgefühl in Betroffenheit und Scham verwandelte und auch sie fühlte einen Stich in ihrem Herzen. Das Mädchen konnte es nicht böse gemeint haben. Sie war nur auf der Suche nach Etwas, um den Tag zu überstehen.

Mit einem ungehaltenen Fauchen stieß das Mädchen Luke von sich hinunter und krocht rückwärts von ihm weg, bis sie mit dem Rücken gegen einen quaderförmigen Müllcontainer stieß.

Anakins Schritte kamen näher und eine Sekunde später erschien er an Leias Seite.

Sorge huschte über sein Gesicht, als er die zusammen gekauerte Gestalt des Mädchens hinter dem alten Container entdeckte. Vorsichtig trat er näher heran. Sie wich zurück, mit dem Rücken zu Wand, bis es irgendwann nicht mehr weiter ging. Doch in ihren grünen Augen war keine Furcht.

Anakin kniete sich vor dem Mädchen nieder.

Luke stand auf und klopfte sich den Staub von der Hose. Dann trat er an Leias Seite und starrte mit einer Mischung aus Entsetzen und Faszination das dürre Mädchen an.

"Ich bin Anakin Skywalker, ein Jedi-Ritter", stellte ihr Vater sich dem Mädchen vor und streckte eine Hand zur Begrüßung aus. "Das sind Luke und Leia. Und wie ist dein Name?"

Das Mädchen biss sich auf die Unterlippe und ein seltsames Funkeln war in ihren Augen zu sehen. Vielleicht, dachte Leia, versteht sie kein Basic!

Luke warf seiner Schwester einen Blick zu. Offenbar hatte er das Gleiche gedacht.

Dennoch hockte ihr Vater mit geduldigem Lächeln da und wartete darauf, dass das Mädchen etwas sagte. Sie schob ihre Hände unter ihre Schenkel und setzte sich darauf. Anscheinend wollte sie nicht mit ihnen reden, immerhin hatte sie versucht, sie zu bestehlen.

Sie schob stolz das Kinn vor und dann, ganz plötzlich, erklang ihre Stimme in der dunklen Gasse. Sie war kraftvoll und stark und wollte gar nicht zu der verkommenen Erscheinung des Mädchens passen. Nicht in der Lage irgendwas zu denken, packte Leia die Hand ihres Bruders und drückte sie.

"Mein Name ist Mara", sagte das Mädchen "Mara Jade."




ENDE