Kids at play


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





Anmerkung der Autorin:

Basiert auf der größeren Fanfiction "No Good Deed" und sollte als Sequel "When we first met" und als Prequel zu "At the End of a Road" gelesen werden. Das ist zwar nicht zwingend notwendig, um die Geschichte zu verstehen, aber damit wäre bei eventuellen Fragen zur Handlung schon geholfen XD




6 Jahre später…

 

"Ganz vorsichtig!" murmelte Mara hinter ihm und beobachtete nervös jede seiner Bewegungen. Ihr rotgoldenes Haar fiel um ihr schmales, fein geschnittenes Gesicht ein wie ein Bilderrahmen und schien die Sorge in ihren leuchtenden grünen noch stärker hervorzuheben.

Das Spielzimmer war bis auf ihr angestrengtes Atmen vollkommen ruhig, doch die Stille war bis zum zerreißen angespannt.

Luke lag halb auf einem Tisch und halb auf dem kleinen Plastahlfenstersims des Spielzimmers und verrenkte sich fast dem Kopf bei dem Versuch an der Außenmauer entlang nach oben zu blicken.

"Kannst du schon was sehen?" flüsterte Mara, als hätte sie Angst, dass jemand sie hören konnte.

"Noch nicht.", presste Luke hervor, dessen Muskel sich schon eine Weile über die unbequeme Belastung seines Körpers beschwerten. Aber er wusste, es musste sein und er durfte jetzt nicht wegen einer solchen belanglosen Lappalie aufgeben.

"Jetzt könnte ich Hilfe gebrauchen.", sagte er vage in Maras Richtung, als er mit beiden Händen den rauen, mit Moos bewachsenen Stein am oberen Rand des Fenster zu fassen bekam und nun langsam auch seine Beine auf den schmalen Sims zog.

Mara sprang ihm sofort bei, ohne irgendwelche Fragen zu stellen. Mit geschlossenen Augen sank sie auf die Knie und konzentrierte sich. Nur wenige Augenblicke später spürte Luke eine Art Auftrieb, wie bei einem Repulsor, wenn er ansprang und das Raumschiff beim Start in die Höhe drückte. Er konnte von Glück sagen, dass Mara ihm bei dieser irrsinnigen Unternehmung unterstützte. Sie war eindeutig eine der wenigen Padawane, die im zarten Alter von elf Standardjahren die Kunst der Levitation schon so mühelos beherrschten.

Luke vertraute voll und ganz auf den Rückhalt, den Mara ihm anbot und stemmte seine Füße einen nach dem anderen in den schmutzigen Fensterrahmen, während seine Finger weiter oben nach einem Riss in der Steinfassade tasteten, an dem er sich festhalten konnte.

Er tat einen kontrollierten Atemzug, als er sich wackelig an die Wand der Zitadelle klammerte und einen Blick über seine Schulter tat. Unter ihm streckte sich so weit das Auge reichte, der Dschungel des Planeten Belsavis und ein seltsamer, dunstiger Nebel lag auf den Baumkronen wie Zuckerwatte.

Besser, wenn ich nicht nach unten schaue, dachte Luke und wandte stattdessen seinen Augen nach oben. Ihre Berechnungen waren richtig, denn etwa zwanzig Meter über ihm entdeckte er ein weiteres, kleines Fenster, das einsam und verloren wirkte. Dort oben gab es keine anderen Öffnungen jeglicher Art. Das musste einfach das richtige Fenster sein. Dort ging es sicherlich in die provisorische Ratskammer.

Der Wind blies Luke seinen Padawan-Zopf ins Gesicht und er schüttelte heftig den Kopf, um ihn wieder über seine Schulter zu werfen.

"Kann ich?" rief Mara aus dem Spielzimmer.

"Jupp.", antwortete Luke nur und wartete darauf, dass er ihre kleinen, filigranen Finger am Hosenbein seiner beigefarbenen Jedi-Tunika spürte.

"WAS MACHT IHR DENN DA?" kreischte auf einmal eine schrecklich hysterische Frauenstimme, gefolgt von einem Lauten "AUA!" von Mara, als diese vom Schreibtisch hinunter gezogen wurde. Erschrocken späte Luke nach unten, denn auch das sanfte Schwebefeld von Maras Levitation war erloschen, und keine Sekunde später starrte Meisterin Callista Ming zu ihm hinauf. Die sturmgrauen Augen der Jedi-Meisterin weiteten sich und der Wind peitschte ihr das malzblonde Haar in ihr kantiges Gesicht, als sie den jungen Skywalker erkannte und Luke wusste, dass es diese Situation nun wirklich ungeeignet war, um zu diskutieren.

"Hallo.", meinte er daher nur verschmitzt und setzte ein gequältes Lächeln auf.

 

---

 

Meisterin Callista wanderte unruhig vor ihnen auf und ab und nach einer Weile glaubte Luke, eine abgelaufene Schneise auf dem steinernen Fußboden erkennen zu können.

Nachdem die Jedi-Meisterin die beiden jungen Padawane bei ihrem Versuch in das Ratskammer einzubrechen erwischt hatte, hatten Luke und Mara sich eine ganze Reihe prüfenden Blicke und schüttelnder Köpfe gefallen lassen müssen, als sie vom Hauptgebäude hinüber zu dem kleinen Verwaltungsbüro gegangen waren.

Und so saßen sie nun seit fast einer Stunde auf den unbequemen Schalensitzen vor Callistas Schreibtisch und erwarteten ihre Strafe. Selbstverständlich hatte die Vorstehende der Jedi-Enklave von Belsavis sofort die beiden Meister verständigt, die Luke und Mara ausbildeten: Obi-Wan Kenobi und Anakin Skywalker. Die Anwesenheit der letzteren Person bedeutete für Luke in gewisser Weise sogar doppelten Ärger, denn Anakin war nicht nur Maras Lehrmeister, sondern auch sein Vater und seine Erziehungsmaßnahmen waren gelegentlich schwerer zu ertragen als die Strafen der anderen Jedi-Meister. Mancher mochte vielleicht sagen, dass Anakin weich wurde, wann immer es um seinen Sohn und seine Tochter ging. Wieder andere behaupteten jedoch, er sei zu hart zu seinen Kindern, weil er sie mit strenger Hand erzog, doch Luke und auch seine Schwester Leia wussten es besser. Natürlich wussten die beiden von seinen Taten als Darth Vader und wie er während der Klonkriege von der dunklen Seite der Macht verführt worden war, aber dennoch glaubte Luke daran, dass sein Vater deshalb so streng war, um seine Kinder vor einem ähnlichen Fehler zu bewahren. Er wollte um jeden Preis verhindern, dass ihnen Leid widerfuhr, auch wenn das bedeutete, dass er sie vor sich selbst beschützen musste.

Luke sah zu seiner Rechten und warf Mara einen flüchtigen Blick zu. Sie hatte die Lippen gespitzt, strich sich immer wieder die widerspenstigen Strähnen ihres kinnlangen, roten Haars hinters Ohr und starrte auf die Stelle, an der die Zimmerwand und die Decke aufeinander trafen. Das war so typisch für sie. Sie hasste es, ihre Zeit mit etwas so Unnutzem wie Warten zu vergeuden.

Als schließlich die Tür hinter Luke und Mara mit einem unüberhörbaren Zischen aufglitt, unterbrach Callista sich in ihrer Grübelei und begrüßte die Neuankömmlinge. Dem Übel ins Auge blickend drehte Luke sich in seinem Stuhl halb herum und entdeckte Meister Kenobi, seinen Vater und Meister Geith, der zusammen mit Callista die Enklave gegründet und aufgebaut hatte. Doch dann trat noch jemand ein. Sie war klein und zierlich und hatte dunkelbraunes Haar, dass ihr - im Gegensatz zu Mara - weit bis zur Hüfte hinab fiel.

Luke unterdrückte ein Seufzen und starrte genau wie Mara entnervt an die Deckenkante. Es war schon schlimm genug, dass er sich überhaupt die Peinlichkeit antun musste, seine Taten vor Meister Kenobi zu rechtfertigen. Und vielleicht konnte er die Schmach ertragen, dass sein Vater, Meister Geith und Meistern Callista mit anwesend waren. Aber warum mussten sie ausgerechnet seine Schwester zu diesem Treffen mitbringen? Wollten sie ihn vor ihr lächerlich machen?

Die drei Jedi-Meister rückten wieder in sein Blickfeld, als sie an Luke und Mara vorbei schritten und sich zu Callista gesellten. Ihre Mienen waren nicht eindeutig lesbar und auch in der Macht konnte er die Schwingungen ihrer Gefühle nicht zuordnen. Alles, was er empfing war das Unwohlsein seiner Schwester, die sich in eine Ecke des Zimmers trollte und so oft es ging, nicht in die Richtung ihres Bruders sah. Luke konzentrierte sich, nutzte das tiefe, fest Band zwischen ihnen und versuchte zu Leia durchzudringen. Doch es war, als hätte sie sich völlig von ihm abgekapselt. Was wollte sie vor ihm verbergen?

Nur mit einem Ohr bekam er mit, wie Callista Anakin, Obi-Wan und Geith den Vorfall schilderte, wie sie Luke und Mara im Spielzimmer vorgefunden hatte und dass die beiden sich seitdem hartnäckig dagegen sträubten, den Grund für ihre waghalsige Unternehmung zu nennen.

Sie tun gerade so, als würden Mara und ich etwas Verbotenes tun, dachte er genervt, wie waren doch bloß neugierig.

"Nun", begann schließlich Meister Kenobi in langsamem, durchdringendem Tonfall und Luke fühlte sich mehr denn je wie bei einem Straftribunal. "Was habt ihr damit erreichen wollen, euch an die Außenwand zu hängen und dort herumzuklettern?"

Mara blinzelte und wandte schließlich ihren Blick von der Wand ab.

"Gar nichts." sagte sie.

"Gar nichts?" hakte Meister Kenobi ungläubig nach. "Ihr habt euch also einfach so zum Spaß in Lebensgefahr begeben?"

"Wir waren nicht in Lebensgefahr!", erwiderte Mara trotzig, ehe Luke zu Wort kam. "Wir hatten die Macht."

"Die Macht bewahrt niemanden davor sich zu verletzen oder gar zu sterben.", warf Anakin ein, der mit vor der Brust verschränkten Armen an Callistas Schreibtisch lehnte und Mara mit einem leicht wehmütigen Blick bedachte. "Egal, wie talentiert ihr beide seid, wäre etwas schief gegangen, hätten wir von Glück reden können, wenn ihr in einem Stück geblieben wärt."

"Aber es wäre nichts schief gegangen", beharrte Mara und verengte ihre Augen zu schmalen Schlitzen.

"Hochmut kommt stets vor dem Fall.", tadelte Meister Kenobi die junge Padawan, "Das ist eine der Grundregeln des Universums."

Luke hatte es nicht für möglich gehalten, doch als Mara sich in ihrem Stuhl zurücklehnte, schaffte sie es ihre Lippen noch weiter zu verzerren und noch grimmiger dreinzuschauen.

"Also?" fragte Obi-Wan erneut in die Runde, den Blick nun auf Luke gerichtet, der am liebsten vor Scham im Boden versunken wären.

"Es waren die Labyrinthkugeln, nicht?" warf nun Meister Geith ein, wofür er von Callista, Obi-Wan und Anakin fragende Blicke erntete. "Ich habe bemerkt, wie ihr beiden sie ganz wissbegierig beäugt habt, als ich vor zwei Tagen drei von ihnen zurück in die Ratskammer gebracht habe."

Röte brannte Luke plötzlich auf den Wangen. Er fühlte sich ertappt und er konnte nicht einmal annähernd genug Selbstbeherrschung üben, um seine Gefühle vor dem Jedi-Meistern zu verbergen.

Meister Kenobi nickte verstehend, dann neigte er den Kopf in Richtung Tür und bedeutete Anakin und den anderen beiden Erwachsenen, sich ohne die Anwesenheit der Kinder mit ihm zu unterhalten.

Lukes Vater kam dem Ruf offensichtlich nur sehr widerwillig nach, als ahne er bereits, was sein alter Lehrmeister ihm nun erzählen würde. Geith und Callista warfen einander vielsagende Blicke zu, doch sie widersprachen Obi-Wan nicht und folgten ihm ebenfalls nach draußen.

Ein weiteres Zischen und die Tür hatte sich wieder hinter den Jedi-Meister geschlossen. Luke sah ihnen nach, doch Mara rutschte sogleich von ihrem Stuhl hinunter und starrte Leia grimmig an.

"Du hast uns verpetzt, oder?" fragte Mara erstaunlich ruhig, doch vielleicht wirkte sie gerade deshalb so bedrohlich. "Du hast Meisterin Callista gesagt, wo sie uns finden kann, nicht wahr? Warum hast du ihr nicht auch noch gleich aufgetischt, was wir vorhaben!"

Leia schien in ihrer Ecke ganz klein zu werden und zog schützend den Kopf ein.

"Ja, ich war's." gab sie kleinlaut zu. "Aber es war nur zu eurem Besten."

Luke blinzelte verwirrt und konnte erst nicht glauben, dass seine eigene Schwester ihn in diesen Schlamassel gebracht hatte. Doch als im bewusst wurde, dass sie ihm in den Rücken gefallen war, machten sich Empörung und Ärger in ihm breit.

"Du hast was gemacht?" rief er aus.

"Ihr werdet das schon noch verstehen!" verteidigte Leia sich.

"Na toll, davon können wir uns jetzt echt viel kaufen!" brummte Luke. "Und ich will gar nicht wissen, was Meister Kenobi, Callista, Geith und Dad sich gerade wieder ausdenken, um uns zu bestrafen."

Leia schluckte schwer und tat ein paar lange Atemzüge, um sich zu beruhigen. Sie sah aufgewühlt und mitgenommen aus.

"Vielleicht hilft uns das hier.", meinte sie dann schließlich und brachte einen kleinen Ohrstöpsel aus dem Ärmel ihrer Tunika zum Vorschein.

"Was ist das?" fragte Mara mit kritisch zusammen gezogenen Augenbrauen, als Leia näher herantrat und Luke den knopfgroßen Stöpsel anbot.

"Damit können wir die Schallisolierung der Tür überwinden und hören, was auf der anderen Seite gesprochen wird.", erklärte Leia und Luke und Mara sahen sie verblüfft an. "Ich hab ihn von Peckum, ihr wisst schon, der Typ, der unten am Raumhafen arbeitet."

"Und wir sind unvernünftig?" fragte Mara, doch ihr rechter Mundwinkel zuckte leicht nach oben, als müsse sie sich ein Lächeln verkneifen.

Luke verlor keine Zeit, sondern wand das Abhörgerät aus Leias Hand und eilte zur Tür. Mit der rechten Hand schob er das kleine schwarze Ding in sein Ohr und presste dieses dann gegen den schmalen Spalt, wo Tür und Rahmen ineinander übergingen.

Erst hörte er nur ein diffuses, statisches Rauschen, doch dann stellten sich nach und nach die vertrauten Stimmen seines Vaters und der anderen Jedi-Meister ein.

"Warum haben sie diese Einfälle immer mit dreizehn?" fragte Obi-Wan mit einer Mischung aus Resignation und Frust.

"Vielleicht liegt es an den Hormonen.", warf Anakin ein und lachte kurz. "Komm schon, sie sind noch viel zu jung, um verantwortungsvoll und erwachsen zu handeln."

Obi-Wan schnaubte: "Das hätte ich mir ja denken können, dass du diesen Standpunkt vertrittst. Warst du es nicht, der mit dreizehn Jahren beschlossen hat, an einem Todesrennen durch die Müllverbrennungsanlagen auf Coruscant mitzumachen, wo dich beinahe ein Blutcarver erwischt hätte?"

"Irgendwoher muss Luke es ja haben.", erwiderte Anakin. "Er ist sehr wissbegierig." Luke war sich nicht ganz sicher, ob er da wirklich einen Funken Stolz aus der Stimme seines Vaters herausgehört hatte.

"Neugierig hin oder her!", sagte Obi-Wan. "Fakt ist, dass ich ihn immer in Begleitung von Mara Jade antreffe, wenn er irgendwelche Dummheiten macht. Ich will dem Mädchen nichts unterstellen, aber ich glaube, sie hat einen schlechten Einfluss auf ihn."

"Fangen wir wieder mit der Debatte an, dass Mara in der Gosse groß geworden ist, ja?" fragte Anakin verächtlich. "Oder willst du mir etwa unterstellen, ich wäre zu nachlässig mit meiner Padawan."

"In diesem Falle seid Ihr mit ihnen beiden zu nachlässig, Meister Skywalker!" rief Geith dazwischen.

"Anakin!" sagte Obi-Wan eindringlich. "Bedenke, was wir versuchen zu verhindern. Ich glaube, du erinnerst dich noch sehr gut daran, was mit mir und Siri Tachi passiert ist?"

"Das ist etwas anderes. Die beiden sind Freunde, so wie Bruder und Schwester." fügte Anakin an.

"Aber woher willst du wissen, dass es dabei bleibt? Was wird passieren, wenn sie älter werden? Anakin, du hast es selber durchgemacht, wenn man den dringendsten menschlichen Bedürfnissen erliegt. Bei Luke und Mara darf es nicht soweit kommen, wenn sie eines Tages zu Jedi-Rittern werden wollen."

"Ja, ich weiß..."

Weiter konnte und wollte Luke die Unterhaltung nicht verfolgen. Langsam richtete er sich auf und zog den Stöpsel aus seinem Ohr, während ihm das Herz bis zum Hals schlug.

Nicht er oder Mara waren es, die eine Menge Ärger kassieren würden, nein, es war sein Vater. Dafür, dass er darauf bestanden hatte, Mara von den Straßen Coronets zu holen und zu einem Mitglied des Jedi-Ordens zu machen. Dafür, dass er sie behandelte wie eines seiner eigenen Kinder. Luke bereute, dass er ihn nicht solche Schwierigkeiten gebracht hatte. Aber was war, wenn Anakin nun entschied, dass es besser war, Luke und Mara eine Weile voneinander zu trennen? Würde er sie an einen anderen Meister übergeben? Würde Meister Kenobi ihn mit auf eine Mission nehmen?

Wie lange hatte er sich seinen dreizehnten Geburtstag herbei gesehnt, die magische Grenze, ab der es Padawanen gestattet war, ihre Meister zu begleiten, wenn sie im Auftrag der Republik die Galaxis bereisten. Doch nun lag ihm der Gedanke an seine erste Mission wie ein schwerer Stein im Magen.

Jedoch fragte er sich, was Meister Kenobi mit 'den dringendsten menschlichen Bedürfnissen' gemeint hatte. Und wer war Siri Tachi? Hatte Obi-Wan etwas schon einmal das selbe wie er durchgemacht. Es war für ihn kaum vorstellbar, dass sein Meister jemals ein Jugendlicher oder gar ein Kind gewesen war.

Als hätten sie seine Sorge gespürt, eilten Mara und Leia an seine Seite und sahen ihn besorgt an.

"Hey, ist alles okay?" fragte Leia und tätschelte den dunkelblonden Schopf ihres Bruders.

Luke schüttelte leicht den Kopf.

Nichts war okay...

Seine Freundschaft zu Mara hing nun allein davon ab, wie stark Anakins Durchsetzungsvermögen gegenüber den anderen Meistern war und welche Strafe er für seinen Sohn und seine Padawan als angemessen erachtete.

 

---

 

Man hatte sie zurück in ihre Quartiere geschickt, wo sie warten sollten, bis man sich ihrer annahm. Auch zum gemeinschaftlichen Abendessen durften sie nicht, auf dass ihnen ihr leerer Magen ihre Leichtsinnigkeit bewusst machte. Und so lag Luke auf seiner Pritsche und sah dabei zu, wie Stunde um Stunde verstrich.

Nachdem man sie fürs Erste entlassen hatte, war Mara beleidigt abgezischt und hatte die Skywalker-Zwillinge nicht eines Blickes gewürdigt. Anfangs hatte Luke noch versucht, auf Mara einzureden, doch sie hatte ihn nur von sich gestoßen und gerufen: "Du lässt deiner Schwester auch immer alles durchgehen!" Leia war daraufhin in Tränen ausgebrochen und hatte sich ebenfalls zurück gezogen. So reif und weise seine Schwester auch war, ihre äußere Schale war erschreckend weich und sie konnte Zurückweisung von denen, die sie liebte, nicht ertragen.

Luke rollte sich auf den Rücken und starrte zur dunklen Decke hinauf, auf der wie goldene Schweife die Strahlen der untergehenden Sonne lagen. Er hatte aufgehört zu zählen, wie lange er nun schon auf seinem Bett lag und erfolglos versuchte seinen Kopf freizubekommen.

Plötzlich erklangen Schritte auf dem Gang und er spürte die Präsenz seines Vaters in der Macht. Luke dachte daran, sich aufzusetzen und ihn ordentlich zu empfangen, doch sein Körper streikte. Und so blieb er einfach liegen.

Anakin betrat die kleine Schlafkammer mit unleserlicher Miene. Bedächtig schaute er sich im Zimmer seines Sohnes um, beschaute sich einige Modellschiffe, die Luke zusammen gebastelt hatte, sowie die überall verstreuten Lernutensilien.

Dann fiel sein Blick auf Luke, der stur an die Decke starrte, als hoffte er, dass sein Vater einfach verschwinden würde und dieser Moment nicht real wäre.

Mit einem Seufzen zog Anakin sich den Hocker vor Lukes Schreibtisch heran und setzte sich neben das Bett seines Sohnes.

"Luke", begann er langsam, als würde eine fürchterliche Last auf ihm liegen. Sein Sohn hoffte, das es nicht das war, was er dachte. "Meister Kenobi und ich haben uns mit Meister Yoda und Meister Jinn beratschlagt."

Luke gab ein verstehendes Brummen von sich.

"Sie... denken, dass du und Mara zuviel Zeit miteinander verbringt und euch nicht genügend auf euer Studium konzentriert. Euch mangelt es an Disziplin und ich persönlich habe auch schon bemerkt, wie du dich von den anderen Jungs ein wenig abschottest."

"Und was werdet ihr jetzt machen?" fragte Luke trotzig. "Mara wegschicken?"

Anakin blinzelte und studierte das Gesicht seines Sohnes für eine Weile.

"Nein.", erklärte er schließlich. "Nein, ich werde sie hier behalten. Ich habe immer Vertrauen in Maras Fähigkeiten gesetzt und ich will ihre Hoffnungen nicht zerstören. Gleichzeitig will ich sie jedoch nicht dir oder Leia vorziehen. Wir werden eure Unterrichtsverteilung ein wenig umstrukturieren, damit ihr nicht ständig zusammen hängen könnt. Außerdem werden du und Meister Kenobi, als auch Mara und ich nach dem Unterricht bis zum Abendessen gesonderte Meditations- und Schwertübungsstunden abhalten."

Luke setzte sich plötzlich auf und sah seinen Vater mit weit geöffneten Augen an.

"Sie wird bleiben?" wollte er sich vergewissern.

Anakin gestattete sich ein schmales Lächeln. "Ja, sie wird bleiben."

Erleichterung überkam ihn. Mara würde bleiben! Der Gedanke wärmte ihm das Herz und brachte einen Lächeln auf seine Lippen. Gut, sie würden einander nicht mehr so oft sehen, aber sie hatten immer noch die Stunden nach dem Abendessen! Niemand würde sie aus einander reißen, es gab nichts zu befürchten.

"Danke, Dad." sagte er dann und umarmte seinen Vater kurz.

"Schon gut.", meinte dieser und schob Luke dann auf Armeslänge von sich. "Und nun lass uns sehen, was deine Schwester macht. Sie war vorhin ziemlich aufgewühlt."

Er stand auf und sah zu, wie sein Sohn die Beine über die Bettkante schwang.

"Ja, das stimmt. Mara ist ziemlich sauer auf sie."

"Dann sollten wir wohl etwas dagegen unternehmen, nicht? Und vielleicht läuft uns dabei ja ganz zufällig auch noch etwas zu Essen für euch drei über den Weg. Schließlich kann ich euch nicht mit leeren Mägen ins Bett schicken."




ENDE