Regen




Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.






Das Wetter Coruscants war schon den ganzen Abend über schaurig und daher überraschte es Han auch nicht, als ein lautes Donnern seinen Schlaf unterbrach. Er erwachte in den frühen Morgenstunden und murmelte etwas nicht ganz so nettes über den Planeten. Wusste der Sturm denn nicht, dass manche Menschen ohnehin schon früh genug auf sein mussten?

Er mochte diese regnerischen Tage wirklich nicht halb so sehr, wie es seine Frau tat. Leia hatte stets einen bittersüßen Ausdruck in den Augen, wenn sie dem Regen zusah. Einst sagte sie ihm, dass man auf Alderaan glaubte, Donner und Blitz seien die Symbole für Kummer und der Regen das Versprechen eines neuen Lebens.

Er schüttelte diesen Gedanken wieder ab und ließ stattdessen ein leichtes Lächeln über sein Gesicht huschen, als er sich umdrehte, um Leia in seine Arme zu schließen. Sie war nicht da und er war nicht wirklich besorgt. Er wusste, dass wenn Leia nicht schlafen konnte, sie oft genug draußen saß und die Sterne betrachtete. Doch da er das Bedürfnis verspürte, sie in seine Arme zu schließen, nachdem er gerade erst von einer Mission zurückkehrte, erhob er sich und schlenderte Richtung Balkon. Genau wie er es erwartete, saß sie auf einer Bank unter der Markise.

Han stoppte einen Moment vor der Glastür und studierte ihre zarte Form. Ihre Beine hatte sie hochgenommen und ihre Arme herum gelegt, während ihr Kinn auf ihren Knien ruhte, als sie in die Ferne blickte, verloren in ihren eigenen Gedanken. Eine Hand hatte sie gerade soweit hinausgestreckt, dass der feine Regen auf ihren Handrücken tropfen und langsam hinunter fließen konnte. Er wusste, dass sie den unveränderlichen Rhythmus des Wassers genoss.

Je länger Han die geliebten Formen seiner Frau betrachtete, umso mehr ließ auch er sich in seine Gedanken ziehen. ´Solo…von je her dachte er, dass sein Nachname wohl auch sein Schicksal sei, doch seit nunmehr vier Monaten trug die erbliche Prinzessin Alderaans tatsächlich seinen Namen und somit all seine Hoffnungen, nie mehr im Leben wirklich solo zu sein.

Hatte ein Schurke und Nichtsnutz, wie er, tatsächlich solch eine perfekte Frau verdient?

Perfekt? Was hieß schon perfekt in Han Solos Wortschatz? Perfekt meinte normalerweise dünn, blond und blauäugig. Nun war alles anders. Sie kam in sein Leben und verschob all seine Werte und Vorstellungen in neue, unbekannte Bahnen. Nie hätte er gedacht, als er vor so vielen Jahren das äußerst verlockende Angebot des alten Ben Kenobi angenommen hatte, dass er nun hier, als Ehemann, mit einer Prinzessin an der Seite, leben würde.

Unerwartet erhellte ein Blitz den Himmel, schnell gefolgt von einem weiteren Donnerschlag und zusammen holten sie ihn in die Gegenwart zurück.

Der Sturm hatte die Luft in eine Kühle getaucht und daher legte sich Han eine Decke um die Schultern, bevor er hinaustrat. Er bemerkte nun, dass Leia ähnliche Vorsichtsmaßnahmen traf, da sie seinen übergroßen Bademantel trug. Er liebte es, wenn sie dies tat.

Ohne ein Wort zu sagen, setzte er sich neben sie und legte einen Arm, zusammen mit einem Ende der Decke, um ihre schmalen Schultern. Sie gab ein leichtes Seufzen der Überraschung von sich, zog ihre Hand zurück und drehte sich herum, um ihn anzuschauen. Mit der Bestätigung, dass der Eindringling tatsächlich ihr Ehemann war, lächelte sie ihn an. Er erwiderte ihr Grinsen und sie drehte sich soweit, dass sie komfortabel an ihm lehnte.

Han hatte eine bessere Idee. Mit einwenig Überredung brachte er sie dazu, sich auf seinen Schoß zu setzen. Leia legte ihren Kopf an seine Schulter, als er seine Arme, stark und sicher, um sie legte. Nach einigen, leisen Momenten, in denen beide einfach still dasaßen, begannen kleine Tränen über ihre Wangen zu kullern. Ihr Kinn zu sich erhebend, schenkte Han ihr einen besorgten Blick, doch sie schüttelte nur leicht den Kopf. Sie wollte also nicht darüber reden.

Er berührte ihre Lippen mit den seinen, gab ihr einen sanften, langsamen Kuss, der beide in einer Art und Weise beruhigte, was Worte hätten nicht erreichen können. Sie umarmten einander für eine lange Weile und betrachteten zusammen den fallenden Regen. Doch wie Han es sich erhofft hatte, durchdrang schließlich Leias zarte Stimme die Stille, die zwischen ihnen lag.

„Ich bin so froh, dass du wieder zu Hause bist, Han“, flüsterte sie benahe.

„Yeah“, ertönte der maskuline Ton, welchen sie so sehr liebte. Doch ein Blick in ihr müde lächelndes Gesicht, ließ sein Strahlen verblassen und seine Augenbrauen zogen sich zu einem fragenden Ausdruck zusammen.

„Was ist los, Schatz?“, fragte er. „Fühlst du dich wieder schlecht?“

„Nein, Liebling“, antwortete Leia mit einem schwachen Lächeln. „Es war einfach nur eine harte Woche und dann auch noch ohne dich. Die Probleme der Galaxie werden nie weniger, aber lass uns jetzt nicht davon sprechen. Du weißt ja selbst, wie es da draußen zugeht.“

„Stimmt“, war Hans nüchterne Bestätigung, bevor er sich hinunter beugte und sie erneut küssen wollte. Doch bevor er sie berühren konnte, spürte er ihre Finger auf seinen Lippen.

“Was ist? Ich dachte, du magst es, wenn ich dich küsse“, erwiderte er auf ihre Geste hin.

„Oh, dass tue ich. Du weißt sehr wohl, dass ich es tue. Aber ich muss dir etwas sagen, was zu wichtig ist, um noch länger damit zu warten.“

„Was könnte denn wichtiger sein, als dich zu küssen?“

„Du weißt, dass ich Luke getroffen habe, kurz bevor du von deiner Mission zurückkamst?“

Han sah sie etwas verärgert an, da er überhaupt nicht verstand, warum sie in solch einem Moment über Luke sprechen wollte.

„Huh? Und was hat er gesagt?“

Mit funkelnden Augen ignorierte sie seinen muffeligen Ton. „Er sagte, ich fühle mich, wegen etwas, was ich von dir habe, unwohl.“ Verwegen lächelnd, drückte sich noch mehr an ihn.

„Was? Worüber redest du? Ich war nicht krank, sondern du!“

Nun strahlte sie und dann platzte es aus ihr heraus: „Oh, wer hätte das gedacht, der Mann versteht es nicht! Ich bin schwanger, mein wundervoller, dummer, Lieblingsschurke!“

Diese Neuigkeit traf Han mit solch einem Schlag, dass, wenn er nicht gesessen hätte, sicher einfach umgekippt wäre. Einige Momente herrschte ein undefinierbares Schweigen zwischen den beiden und nur der sanft prasselnde Regen war zu hören.

„Ist er sicher? Ich mein, bist du wirklich sch… sch… schw…“ Han stolperte schließlich über seine eigenen Worte.

Leia brach in freudiges Lachen aus. „Das Wort ist ´schwanger, mein verblüffter Ehemann! Ließ es von meinen Lippen und wiederhole: ´s-c-h-w-a-n-g-e-r!

„Schwanger?“ Han sah noch immer völlig verloren aus, als er seine Hände unsicher gegen ihren Bauch presste. „Schwanger? So als wenn…dort ein Baby drin ist?“

„Gib dem Mann eine Zigarre!“, rief sie. „Bei der Macht, er hat es! Aber es ist die Mehrzahl, Liebling: Babys in meinem Bauch! Wir bekommen Zwillinge!“ Sie schlang ihre Arme um seinen Hals. „Ich bin schwanger. Du wirst Vater, und ich werde Mutter, Luke und Chewie werden Onkels und Malla und Winter werden Tanten!“

Für weitere Momente war Han absolut geschockt, doch dann schlug die volle Wirklichkeit, wie ein Blasterschuss, auf ihn ein. Er drückte seine Frau so eng wie möglich an sich, nur um sie sofort wieder zurückzuschieben. „Ich hab ihnen doch nichts getan?“

Leia lachte und konnte nicht anders als mit einer Hand durch sein Haar zu fahren. „Nein, nur keine Sorge. Eine schwangere Frau ist doch nicht zerbrechlich. Ihnen passiert nichts.“ Tränen glänzten in ihren Augen, doch schimmerten auch so voller Liebe, wie er es noch nie gesehen hatte.

Sie lehnte sich vor und berührte Hans Nase mit ihrer. „Nun was sagst du, Fliegerass?“

Ihre Blicke trafen sich und nur wenige Sekunden später auch ihre Lippen, zu einem innigen Kuss. In diesem Moment war für Han Solo das Leben, trotz kleiner Schwierigkeiten hier und da, verdammt gut. Wenn irgendjemand ihm vor Jahren gesagt hätte, dass er alles –und jeden– finden würde, ohne auch überhaupt bemerkt zu haben, dass er danach suchte, hätte er sicherlich nur gelacht. Es hat sein halbes Leben gedauert, aber nun fühlte er sich wirklich Zuhause. Und am Ende fokussierte sich dieser Begriff nur um eine kleine, dynamische, wundervolle Person, die nun zwei neue Leben – welche sie gemeinsam schufen – in sich trug und schon allein dieser Gedanke ließ sein Herz, vor purer Freude, höher schlagen.

Liebevoll strich er über ihre Wange: „Oh Leia, ich…aber, warum hast du vorhin geweint? Heißt das, du willst ni…“

Han kam nicht dazu, seinen Satz zu Ende zu sprechen, da sie seine Lippen mit einem weiteren Kuss verschloss. „Sch…Es ist nicht so, wie du denkst. Ich…“, sie blickte sich kurz verlegen um und überlegte, wie sie es ihm sagen könnte und setzte schließlich fort: „…ich wusste zunächst wirklich nicht, ob ich bereit bin, Mutter zu werden. Lukes Nachricht traf mich, ebenso wie dich heute, völlig überraschend. Nie hätte ich gedacht, schwanger zu sein und seine simple Aussage, dass er die Präsenz der Beiden deutlich spüren konnte, machte mir Angst.“

Nun sah sie wieder auf und blickte in die zauberhaften Augen ihres Mannes, die ihr die Kraft gaben, weiter zu sprechen. „Du weist, wovon mein Blut abstammt und das unsere Kinder womöglich…du weißt schon. Ich könnte es nicht verkraften und daher habe ich ernsthaft darüber nachgedacht, ob ich dir von ihnen erzähle oder sie erst gar nicht bekomme.“

Zwei starke Arme schlangen sich um ihre Schultern und drückten sie behutsam an seine Brust. „Niemand sagt, dass sie dieses Schicksal tragen müssen. Sieh dir nur dich und Luke an. Ihr seid keineswegs wie euer….Vader.“

Sie nickte schließlich.

„Ich saß heute Nacht hier draußen, um mir selbst genau darüber klar zu werden. Ich brauchte einfach etwas Ruhe…aber nun, bin ich mir ganz sicher, dass ich unsere Babys bekommen will.“

Leia musste ihn nicht ansehen, um zu wissen, dass diese Aussage ein weiteres Lächeln auf sein Gesicht zauberte.

„Ich hab sie gespürt, Han“, setzte sie fort, ohne ihm das Wort zu erlauben. „Ich konnte durch die Macht nach ihnen greifen, so wie Luke es tat. Ich weiß nicht, warum ich sie nicht schon früher fühlen konnte. Dabei ist ihre Präsenz so stark…und sie fühlen sich so nach dir an. Wie könnte ich mich gegen sie entscheiden, wenn sie dir jetzt schon so gleichen. Nur dieser Gedanke, brachte zuvor Tränen in meine Augen.“

Zärtlich küsste er ihren Haaransatz. „Ich wusste schon immer, dass du mir nicht widerstehen kannst, kein Wunder, dass es dir nun wieder so erging“, scherzte er.

Leia löste sich von ihm und blickte ihn mit gespieltem Ernst an. „Schurke!“

„Nah, ich dachte wir haben schon vor Ewigkeiten geklärt, dass ich ein netter Mann bin.“

„Nur gelegentlich…aber ich will dich auch gar nicht anders.“

Erneut teilten sie einen tiefen Blick und schließlich einen Kuss. Diese regnerische Nacht hatte tatsächlich neues Leben angekündigt.

„Ich liebe dich, bald Mutter meiner Kinder“, hauchte Han schließlich, als Leia ihren Kopf wieder an seiner Schulter bettete.

„Ich weiß, bald Vater unserer Kinder“, erwiderte sie mit einem Lachen in der Stimme.

In diesem Augenblick entsann sich Leia der Worte ihrer Mutter, der Mutter ihres Herzens, die ihr einst, vor so vielen Jahren, sagte, dass kein Politiker oder edler Prinz jemals genug für sie sein würde. Ein Mann der Tat, nicht der schönen Worte – meinte sie damals – würde als Einziger wirklich in der Lage sein, ihr Herz zu erobern.

Sie wunderte sich, ob ihre Mutter wusste, wie richtig sie doch lag?




ENDE