Cadence of Her Last Breath


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.



Anmerkung der Autorin:

Mal wieder eine Songfiction von mir, dieses Mal inspiriert durch Nightwishs "Bye Bye Beautiful" aus dem Album "Dark Passion Play". Irgendwie konnte ich mich nie des Gedankens an Jacen verwehren, wenn ich dieses Lied hörte, also habe ich es einfach für diesen Prompt zur Hilfe heran gezogen (Gott, ich weiß nicht, ob ich auf den Charakter "Jacen" sauer sein soll oder die Autoren, die sich diese Handlung haben einfallen lassen?). Ich muss dazu sagen, dass ich selber nur begrenztes Wissen über den genauen Ablauf der hier beschriebenen Szene in LotF habe, es kann also sein, dass es von den Ereignissen in "Sacrifice" ziemlich abweicht.






Noch nie hatte sie ihr Herz so lang schlagen hören. Noch nie war ihr das Rausches des Blutes in ihren Ohren so laut vorgekommen. Noch nie hatte sich der Tod so surreal, so unwirklich, angefühlt. Nie schien ihr der Schmerz ferner gewesen zu sein als in diesem Augenblick.
Doch sie starb, hier und jetzt, und wie ein bereits körperloser Geist spürte sie, wie das Leben mit ihrem eigenen heißen Blut aus ihr heraus strömte und dem Tod Platz machte, der immer weiter bis in ihr Innerster vorzudringen versuchte. Ihr Selbst war losgelöst von jeglicher Empfindung, ihre Wahrnehmung zunehmend von Schwäche, Taubheit und Finsternis überschattet.
Ich sterbe, ging es ihr immer wieder durch den Kopf, Ich sterbe... sterbe... sterbe... Sie schien es bereits tief in ihrem Herzen zu wissen und gleichzeitig doch wieder nicht. Die Worte waren wie der stetige Gleichklang, der Rhythmus, in dem ihr Herz all diese Jahre geschlagen hatte und der sich nun zu einem Crescendo hinaufschraubte, bis das Wort selbst jede Bedeutung verloren hatte und nur noch Schlag auf Schlag folgte, ehe sich ihr Puls schließlich überschlug und jäh abzureißen drohte.
Tausendfach hatte sie sich diesen Moment vorgestellt, wie es sein würde, wenn das Nichts und die Leere wie ein Leichentuch herabsanken und welch schrecklichen Schmerz der Körper und die Seele wohl würden erdulden müssen, bevor es zu Ende ging. Wieder und wieder und wieder hatte sie dem Tod ins Auge geblickt und sich auf ihn vorbereitet so gut sie konnte. Doch nichts, was sie während den langen auszehrenden Jahre im Kampf gegen die Krankheit erlebt hatte, hätte sie auch nur im entferntesten auf diesen Moment vorbereiten können.
Bilder zogen ihr vorbei; Bilder, die genauso unwirklich waren wie das Trugbild ihres Sohnes, mit dem Jacen sie in ihr Verderben gelockt hatte, und doch ließen sie die Vergangenheit mit solch realer Vehemenz vor ihr erstehen, dass sie glaubte, nur noch die Hand ausstrecken zu müssen, um mit Leib und Seele in diese Visionen, diese Schatten ihres alten Lebens, einzutauchen.
Sie erinnerte sich an Coruscant, das große, stolze, von hellen Lichtern und Imperialen Intrigen erfüllte Coruscant, das für immer ihr Zuhause und ihre Heimat sein würde. Sie hat die prachtvollen Türme, die niemals endenden Ströme aus Frachtern, Speeder, Lufttaxen. Alles glitzerte und glänzte wie zu Palpatines Zeiten, lange bevor der Planeten von den Yuuzhan Vong geschändet worden war. Als noch deutlich war, wer auch wessen Seite steht, wo es noch Allianzen und Loyalitäten gab. Wie jung war sie damals doch gewesen! Und wie sehr hatte sie sich den Tod herbei gewünscht, als das Ableben ihres Meisters das Gewebe der Macht zerriss und auch ihr Leben in fünftausend Scherben zerspringen ließ.

Finally the hills are without ice
They are tired of painting
A dead man's face red
With their own blood


Während das Gift weiter seine Wirkung tat und sich mit ihrem Blut vermischte, drängte sie die Tränen zurück, die über sie zu kommen drohten. Dabei wusste sie nicht einmal, warum sie weinen sollte. Ihr Leben war erfüllt gewesen, sie hatte alles erlebt, was ein Mensch erleben konnte. ... ein Leben voller Freude, voller Leid, voller Erinnerung an jene, die ihr Herz berührt hatten.
Auf Palpatines blasses, narbiges Gesicht folgte Karrdes überlegenes Grinsen. Sie konnte sehen, wie er sich mit der Hand über den Bart strich und wie es in seinen Augen glitzerte, wenn er wieder einen neuen Plan ausgeheckt hatte. Auf die ein oder andere Weise hätte sie ohne Karrde nicht überleben können. Viele Jahre dachte sie, dass die Arbeit für ihn sie aufgefangen hätte. In Wahrheit hatte er sie aufgefangen, wie es ein Vater vielleicht tun würde. Und wäre ihr ein zweiter Sohn gegönnt gewesen, sie hätte ihn Talon genannt.
Sie dachte an Han und Leia, .... Sie selbst würde nicht lang genug leben, um mit ansehen zu müssen, wie sich ihr Sohn gegen sie wandte. Zumindest dafür war sie dankbar.
Sie dachte an Jaina, dachte daran zurück wie sie das zarte kleine Mädchen zum ersten Mal auf dem Arm seines Vaters gesehen hatte. Niemals hätte sie gedacht, dass die Solo-Tochter eines Tages zu ihr aufblicken, sie ihre Mentorin nennen würde! Und mit ihr gingen die Erinnerungen an viele bekannte Gesichter einher. Kam, Tionne, Kyp Durron und auch Anakin, der bereits Eins mit der Macht war.
Sie dachte an Ben, der wohl das größte Glück und der größte Segen in ihrem Leben war, ganz gleich, wie unverhofft er auch gewesen war. Er gehörte zu ihr und würde immer zu ihr gehören, er war ihr Fleisch und Blut. Niemand würde ihnen das nehmen können, niemals, nicht einmal im Tode.
Und sie dachte an Luke, den einzigen Mann, der sie je wirklich geliebt hatte. Auch nur ein Versuch die Gefühle, die zwischen ihnen waren, in die angemessenen Worte zu kleiden wäre sinnlos und würde sie auf ein weit geringeres Niveau herabsetzen, denn es gab nichts, nicht ein Wort, dass annähernd das hätte ausdrücken können, was sie für ihn empfand. Dennoch kam sie nicht umhin sich zu fragen, was die letzten Worte waren, die sie zu ihm sagte. War es alltägliches Geplänkel gewesen oder eine tief empfundene Botschaft, ein Omen? Wenigstens ein "Ich liebe dich?" Sie wusste es nicht mehr. Für einen Augenblick wünschte sie sich, sie könnte etwas sagen, irgend etwas, um den Schmerz von ihm zu nehmen, der schon bald über ihn kommen würde, doch sie konnte nichts tun. Sie konnte es nicht verhindern, so, wie sie Palpatines Tod nicht hatte verhindern können; so, wie Jacen erst dem Appell des Ordens und schließlich auch seiner Familie entglitten war. Am Ende kehrte sich alles ins Gegenteil um.

They used to laugh
Having so much to lose
Blink you eyes just once
And see everything in ruins


Die Zeit stand still, ihr Herz hielt inne und die Hitze ihres Blutes versiegte als ein kalter lebloser Strom. Dies war ihr letzter Atemzug. Langsam, gleichmäßig, still. Alles wurde nichtig. Die Zukunft, die Vergangenheit, die Gegenwart. Das alles war Teil der Macht, doch nicht mehr Teil von ihr. Sie war nun bis zum Ende gegangen, ihre Geschichte war hier zu Ende. Doch die alte Bitterkeit über den Verlust ihres diesseitigen Lebens, das nach vielen Jahres des Schmerzes endlich mit Liebe und Hingabe erfüllt gewesen war, vermischte sich mit der süßen Erkenntnis, das alles vergänglich war und eines Tages wieder in die Macht zurück fließen würde, der es einst entsprungen war. Dann würde alles wieder vereint sein und zu einem werden und ihre Trennung von dem, was sie so sehr lieben gelernt hatte, würde genauso vergehen wie ihr Lebensstrom versiegte. Und in der Macht würden ihre Liebe ewig sein, denn die Macht selbst war ewig... unendlich... unsterblich.
"Ich habe nicht gewollt, das es soweit kommt.", sagte Jacen – nein, Darth XXX, rief sie sich ins Gedächtnis –, doch sein Tonfall strafte seine Worte Lügen und er umschloss das Heft seines Lichtschwertes so fest mit der Hand, dass seine Fingerknöchel weiß hervor traten. "Ihr habt mir keine Wahl gelassen."

Did you ever hear what I told you?
Did you ever read what I wrote you?
Did you ever listen to what we play?
Did you ever let in what the world said?


Ein letztes Mal begegneten sich ihre Blicke und sie erkannte noch einen ersterbenden Hauch von Menschlichkeit in den Augen ihres Neffen. Doch die Dunkle Seite hat sich seiner bereits bemächtigt. Er hatte sich so entschieden.
"Man hat immer eine Wahl", brachte sie schließlich mit einem letzten, bitteren Lächeln hervor.
Dann trat Mara Jade Skywalker über die Schwelle, hinüber in die Unsterblichkeit.


Did we get this far just to feel your hate?
Did we play to become only pawns to the game?
How blind can you be, don't you see
You chose the long road, but we'll be waiting



ENDE